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Alternativen zum Zoo- und Zirkusbesuch mit Kindern
Aktualisiert am 8. August 2026
Dieses Video entstand zu einer Zeit, in der wir die Pflanzenschauhäuser der Erfurter Gartenausstellung als Alternative zum klassischen Zoo vorgestellt haben. Dort lebten neben unzähligen Pflanzen auch Schmetterlinge, Wachteln und Fische. Aus heutiger antispeziesistischer Sicht gehört für uns auch das in die Einordnung: Schmetterlinge, Wachteln und Fische werden ebenso Teil eines menschlichen Besuchsangebots, wenn Menschen sie für Anschauung und Erlebnis halten.
Heute gibt es im egapark mit dem Danakil ein Wüsten- und Urwaldhaus. Der egapark beschreibt dort ausdrücklich Pflanzen und Tiere aus Wüsten- und Regenwaldregionen und nennt unter anderem Schmetterlinge, Fledermäuse und Blattschneideameisen.[1] Für einen tierhaltungsfreien Ausflug fällt das Danakil für uns deshalb aus der Auswahl.
Video: Alternativen zum Zoo- und Zirkusbesuch
Warum wir Zoos und Zirkusse mit Tieren meiden
Für uns beginnt die Frage bei dem Individuum, das dort lebt. Ein Eisbär bewegt sich innerhalb von Grenzen, die Menschen festgelegt haben; auch über ein Verlassen des Ortes entscheiden Menschen. Besucher:innen bekommen einen Ausflug, eine Begegnung oder ein Foto. Das ausgestellte Individuum verliert dafür einen Teil seiner Freiheit.
Genau hier setzt unsere antispeziesistische Haltung an. Für uns zählt das Interesse eines Wesens an Freiheit und Unversehrtheit unabhängig davon, welcher Spezies es angehört. Wo Menschen ein Individuum einsperren und seine Anwesenheit für Unterhaltung, Anschauung oder Bildung einsetzen, nennen wir diesen Zugriff auf seine Freiheit Ausbeutung. Mehr zu unserer Haltung findet ihr in Was bedeutet Veganismus für uns? und Antispeziesismus: Definition, Ethik und Alltag.
Bei unserer eigenen Entscheidung hilft uns deshalb vor allem diese Frage: Dient die Gefangenschaft dem dort lebenden Individuum selbst – oder dient das Individuum unserem Ausflug?
Was Zoos vermitteln können – und warum für uns die ethische Frage davorsteht
Das stärkste Argument für Zoos verdient eine faire Prüfung: Menschen können dort tatsächlich etwas lernen. Eine Meta-Analyse von McNally und Kolleg:innen wertete 56 Primärstudien zu Zoobesuchen, Aquariumsbesuchen und von Zoos angebotenen Bildungsmaßnahmen aus. Über die untersuchten Zielgrößen hinweg lag der mittlere Effekt bei Cohen’s d = 0,40; das 95-%-Konfidenzintervall reichte von 0,28 bis 0,51.[3] Für verzögerte Messungen lagen nur vier Effektschätzungen vor; der gepoolte Effekt betrug d = 0,18 bei einem 95-%-Konfidenzintervall von −0,08 bis 0,44.[3]
Stephen St C. Bostock, der Zoos ausdrücklich verteidigt, setzt die moralische Reihenfolge selbst so: Zuerst müsse das Halten des betreffenden Individuums gerechtfertigt sein und in dessen Interesse liegen. Bildung könne anschließend einen zusätzlichen Wert haben. Wenn die moralische Herausforderung der Gefangenschaft unbeantwortet sei, müsse der betreffende Zoo die Situation ändern oder schließen.[2]
McNallys Meta-Analyse beantwortet damit eine wichtige Frage: Was nehmen Besucher:innen aus einem Zoobesuch mit? Unsere ethische Frage richtet sich an das ausgestellte Individuum. Der mögliche Gewinn auf unserer Seite betrifft Besucher:innen; der Freiheitsentzug betrifft das Wesen, das dort lebt. Eine ethische Rechtfertigung müsste deshalb erklären, weshalb der erste Punkt den zweiten tragen soll.
Paul Waldau lenkt den Blick noch auf eine zweite pädagogische Ebene. Kinder können in Zoos neben Sachwissen auch eine gesellschaftliche Ordnung kennenlernen, in der Menschen andere Lebewesen für Unterhaltung und Bildung gefangen halten; Waldau beschreibt das als mögliche „mentality of domination“.[4] Im Gespräch mit Kindern interessiert uns deshalb noch eine andere Frage als die Art auf dem Namensschild: „Was glaubst du, wie wäre dieser Ort aus Sicht des Wesens, das hier lebt?“
Gefangenschaft bedeutet mehr als schlechte Haltung
Schlechte Haltungsbedingungen können das Wohlergehen unmittelbar beeinträchtigen. Georgia Mason beschreibt stereotype Verhaltensweisen wie wiederholtes Hin-und-her-Laufen oder Schaukeln als Verhaltensmuster, deren auslösende Haltungsbedingungen typischerweise auch mit beeinträchtigtem Wohlergehen verbunden sind. Beim einzelnen Individuum erlaubt die sichtbare Stereotypie trotzdem nur begrenzte Rückschlüsse auf seine momentane Belastung.[5]
Bei Carnivoren, die in freier Wildbahn große Gebiete durchstreifen, kommt die räumliche Begrenzung hinzu. Ros Clubb und Georgia Mason verglichen 35 Arten aus der Ordnung der Raubtiere. Größere natürliche Streifgebiete hingen mit häufigerem stereotypem Laufen in Gefangenschaft zusammen; die Autorinnen folgerten, dass Zoos die Haltung solcher Arten grundlegend verbessern oder auf ihre Haltung verzichten sollten.[6]
Diese Befunde betreffen das Wohlergehen unter Gefangenschaftsbedingungen. Unsere ethische Frage reicht für uns weiter. Auch ein körperlich gesundes Individuum lebt unter menschlich gesetzter Verfügung über seinen Aufenthaltsort. Gute Versorgung kann die Qualität der Haltung verändern. Über seine Freiheit entscheiden weiterhin Menschen.
Für unsere Ausflüge ist deshalb die Frage nach einem „guten Gehege“ zu eng. Sobald nichtmenschliche Tiere für das Besuchserlebnis gehalten und ausgestellt werden, suchen wir nach einer anderen Möglichkeit.
5 Alternativen zum Zoo mit Kindern
Botanische Gärten, Gewächshäuser und Pflanzenschauen
Papaya, Kakao, Vanille, Ananas, riesige Kakteen oder Pflanzen, die im heimischen Garten selten zu sehen sind, tragen locker einen ganzen Ausflug. Manche botanischen Einrichtungen halten zusätzlich nichtmenschliche Tiere. Wenn ihr einen tierhaltungsfreien Ausflug sucht, lohnt sich deshalb vorher ein Blick auf das Konzept des Hauses. Für uns passt ein Ort, wenn sein Besuchserlebnis ohne Tierhaltung auskommt.
Mitmachmuseen und Science Center
Viele Mitmachmuseen verbinden Bewegung mit Experimenten, Technik und Naturwissenschaft. Kinder können selbst ausprobieren, beobachten und ihren Fragen folgen. Für uns passt so ein Ort besonders gut, wenn das Erlebnis aus den eigenen Entdeckungen entsteht.
Planetarium, Sternwarte und naturkundliche Ausstellungen
Ein Planetarium führt für ein paar Stunden ziemlich weit weg vom Alltag. Auch Sternwarten, geologische Sammlungen und naturkundliche Ausstellungen bieten reichlich Stoff für Fragen, an denen Kinder hängenbleiben können. Bei Tierpräparaten und historischen Sammlungen kann ein Blick auf Herkunft und Geschichte helfen, den eigenen Umgang damit zu finden.
Höhlen, Grotten, Stollen und Naturpfade
Unter der Erde wird aus einem Spaziergang schnell ein kleines Abenteuer. Höhlen, Besucherbergwerke, Naturpfade und geführte Exkursionen verbinden Bewegung mit Geologie, Geschichte oder Ökologie. Hier ist der Ort selbst der Lerngegenstand. Das reicht völlig.
Zirkus ohne Tiere
Akrobatik, Musik, Jonglage und Körperkunst können einen ganzen Zirkusabend tragen. Iossa, Soulsbury und Harris sichteten die Fachliteratur zu Verhalten, Gesundheit, Haltung und Transport nicht domestizierter Tiere in reisenden Zirkussen. Sie beschrieben lange Zeiten in begrenzten Unterkünften, eingeschränkte Möglichkeiten für artspezifisches Verhalten und bei mehreren Arten stereotype Verhaltensweisen; zugleich war die direkte Datenlage zu Zirkustieren lückenhaft, sodass die Autor:innen teilweise Befunde aus Zoos heranzogen.[7]
Wenn ihr Zirkusatmosphäre mögt, können Akrobatik, Musik und Artistik den Abend ganz allein tragen.
Wenn eine Einladung in den Zoo führt
Bei Geburtstagen oder Familienausflügen hängt an der Entscheidung oft mehr als der Eintrittsort. Ihr könnt die Beziehung zum einladenden Kind oder zur Familie achten und eure eigene Grenze klar benennen. Ein möglicher Satz wäre: „Wir kommen gern zum Geburtstag. Beim Zoobesuch sind wir nicht dabei; wenn ihr danach noch etwas plant, stoßen wir gern dazu.“
Damit beschreibt ihr eure eigene Entscheidung und lasst die Entscheidung der anderen Familie bei ihr. Für uns liegt die Grenze dort, wo ein anderes Individuum für das Besuchserlebnis gefangen gehalten wird.
Transkript zum Video (geglättet, inhaltlich unverändert)
Transkript anzeigen
Ihr Lieben, hier ein kurzes Video darüber, wie wir es als ethisch motivierte Veganer und als Eltern mit Zoo- und Zirkusbesuchen halten.
Wir finden, dass es in diesem Jahrhundert einfach veraltet ist und für Kinder nicht mehr vertretbar, Tiere zu „begutachten“, die in Gefangenschaft leben. Unsere Kinder werden wahrscheinlich nie den Eisbären in echt sehen. Und vielleicht bleibt als einzige Erinnerung ein Elefant, den sie beim Vorbeilaufen an einem Zirkuszelt gesehen haben.
Wir hoffen auch, dass ihnen der Anblick erspart bleibt: ein Tiger, der im Zoo hin und her läuft. Trotz Anschauung und Worldschooling gibt es in unseren Breiten, in der gemäßigten Klimazone, genügend Alternativen zum Zoo- und Zirkusbesuch.
Deshalb zeigen wir euch gern, wie das bei uns aussieht, wenn wir zum Beispiel nach Erfurt in ein Pflanzenschauhaus gehen. Dort fühlen wir uns im Winter oft wie im Urlaub: barfuß, im T-Shirt, und wir entdecken Pflanzen in ihrem Ursprungszustand. Papaya, Kakao, Vanille, Ananas – und immer wieder neue exotische Pflanzen.
Wir denken, dass es für viele Familien genügend Alternativen gibt: Mitmachmuseen wie die Phänomenia, Konzerte, Theater, Planetarium. Auch botanische Gärten können spannend sein, mit kleinen und riesigen Kakteen. Dann gibt es Themenparks, Grotten, Höhlen oder Schächte, die man erkunden kann.
Natürlich gibt es auch Zirkus ohne Tiere, zum Beispiel den chinesischen Nationalzirkus, der manchmal in Deutschland gastiert. Wir freuen uns über eure Kommentare, Ideen und Anregungen: Wie haltet ihr das mit euren Kindern? Meidet ihr Zoos und Zirkusse auch? Und jetzt viel Spaß mit dem kleinen Einblick ins Erfurter Tropenhaus.
Welche Zoo-Alternative passt zu euch?
Für uns passt ein Familienausflug dann, wenn der Ort Neugier und Staunen ermöglicht und Tierhaltung aus dem Besuchserlebnis heraushält. Botanische Gärten ohne Tierhaltung, Museen, Planetarien, Höhlen, Naturpfade und Zirkus ohne Tiere bieten dafür viele Möglichkeiten.
Uns hilft dabei heute vor allem eine Frage: „Wessen Interessen trägt dieser Ort – die des dort lebenden Individuums oder die unserer Freizeit?“ Wenn euch die ethische Dimension weiter interessiert, findet ihr in unserem Beitrag Dominion: Doku & Einordnung mehr dazu.
Und jetzt ihr: Welche tierhaltungsfreien Alternativen nutzt ihr in eurer Region? Was hat eure Kinder wirklich begeistert?
Quellen
- egapark Erfurt: Das Wüsten- und Urwaldhaus, ohne Datumsangabe, abgerufen am 8. August 2026. egapark-erfurt.de. Fundstelle: Abschnitt „Das Wüsten- und Urwaldhaus“, insbesondere Beschreibung des Danakil und „Auf Danakiltour“.
- Bostock, Stephen St C. (1993): Zoos and Animal Rights: The Ethics of Keeping Animals. Routledge. Fundstelle: Kapitel 11 „Education in Zoos“, S. 168–169.
- McNally, X.; Webb, T. L.; Smith, C.; Moss, A.; Gibson-Miller, J. (2025): A meta-analysis of the effect of visiting zoos and aquariums on visitors’ conservation knowledge, beliefs, and behavior. Conservation Biology 39(1), e14237. DOI 10.1111/cobi.14237. Fundstellen: S. 1 (Abstract), S. 13 sowie S. 16, Tabelle 3.
- Waldau, Paul (2011): Animal Rights: What Everyone Needs to Know. Oxford University Press. Fundstelle: S. 140, Abschnitt „What about circuses and zoos? Do they educate us or imprison us?“.
- Mason, G. (2006): Stereotypic Behaviour in Captive Animals: Fundamentals and Implications for Welfare and Beyond. In: Mason, G.; Rushen, J. (Hrsg.): Stereotypic Animal Behaviour: Fundamentals and Applications to Welfare, 2. Auflage, S. 325–356. DOI 10.1079/9780851990040.0325. Fundstellen: S. 325 und S. 347.
- Clubb, R.; Mason, G. (2003): Captivity effects on wide-ranging carnivores. Nature 425, S. 473–474. DOI 10.1038/425473a. Fundstelle: S. 473.
- Iossa, G.; Soulsbury, C. D.; Harris, S. (2009): Are wild animals suited to a travelling circus life? Animal Welfare 18(2), S. 129–140. DOI 10.1017/S0962728600000270. Fundstelle: S. 129 (Abstract).
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