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Aktualisiert am 8. August 2026
Wöchentlich erreichen uns E-Mails, in denen wir um unseren Rat zum Zähneputzen beim (Klein-)Kind gebeten werden, ohne es dazu zu zwingen. Evelin zeigt euch im zweiten Teil zwei unserer Zahnputzrituale und stellt euch insbesondere das Zahnarztspiel detailliert vor.
Zähneputzen findet im Mund des Kindes statt. Damit berührt es eine sehr persönliche Körpergrenze – und gleichzeitig tragen wir als Erwachsene Verantwortung für die Zahnpflege. Unsere Rituale sind ein Weg, beides im Alltag zusammenzubringen: Die Zähne werden gepflegt, während das Kind möglichst viel verstehen, mitgestalten und ausprobieren kann.
Zähneputzen ohne Zwang: Warum bei uns daraus ein Spiel wird
Ein geschlossenes Mündchen, ein weggedrehter Kopf oder eine Hand, die die Zahnbürste wegschiebt, können auf Ablehnung in diesem Moment hinweisen. Warum ein Kind gerade Abstand möchte, wissen wir damit noch nicht. Geschmack, Geräusch, Müdigkeit, empfindliche Stellen oder schlicht die Situation selbst können eine Rolle spielen.
Bei uns hilft dann oft Spiel. Die Zahnbürste bekommt eine Rolle, der Ort darf wechseln und das Kind kann an kleinen Stellen mitentscheiden. Manchmal entsteht daraus ein ziemlich vollständiger Zahnarztbesuch mitten im Wohnzimmer.
Zwei Zahnputzrituale im Video
Im Video zeigt Evelin zwei unserer Zahnputzrituale. Schriftlich gehen wir vor allem auf das Zahnarztspiel ein, weil dort viele kleine Schritte zusammenkommen: Rollen, Requisiten, Fragen, Wahlmöglichkeiten und das eigentliche Putzen.
Zahnputzritual 2: unser Zahnarztspiel
Das zweite Ritual ist deutlich aufwendiger. Aus dem Zähneputzen wird ein kleiner Zahnarztbesuch. „Guten Tag. Hier ist Ihre Chipkarte. Lesen wir mal ein.“ Schon sind wir an der Rezeption, danach geht es ins Wartezimmer und schließlich ins Sprechzimmer. Evelin spielt die Zahnärztin.
Dann kommt die Untersuchung: „Hast du einen Krankenzahn? Oder tut etwas weh?“ Das Licht geht an, das kleine „Waschbecken“ steht bereit und die Zahnbürste wird zum Zahnarztgerät.
Auch die Zahnpasta wird Teil des Spiels. Evelin fragt im Video etwa, welche Sorte es sein darf. Danach werden erst die Kauflächen, dann die Innenseiten und schließlich die Außenseiten „gekitzelt“. Am Ende gehört bei uns sogar ein kleines Geschenk zum Zahnarztbesuch dazu.
Was wir für das Zahnarztspiel verwenden
Für die Szene reichen bei uns wenige Dinge. Ein normaler Stuhl oder ein Kissen kann zum Zahnarztstuhl werden. Dazu kommen je nach Lust ein Tuch als Umhang, eine Lampe als „Zahnarztlicht“, die Zahnbürste, Zahnpasta, ein kleiner Spiegel, eine Tasse und eine Schüssel als Waschbecken.
Im Video ist außerdem ein kleines Zahnarzt-Häkchen zu sehen. Für die Rolle reicht ein Spiegel oder ein stumpfer Spielgegenstand völlig aus; ein spitzes Instrument kann aus dem Spiel herausbleiben.
Der Ort ist ebenso frei. Unser Zahnarztspiel findet im Bett, unter dem Tisch, auf dem Sofa oder dort statt, wo es an diesem Tag gerade passt. Der Ort gehört bei uns einfach mit zum Spiel.
Was bei aller Spielfreude für die Zähne wichtig ist
Die Bundeszahnärztekammer beschreibt die regelmäßige Anwendung von Fluorid an der Zahnoberfläche als einen zentralen Baustein der Kariesprophylaxe. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung empfiehlt ab dem ersten Milchzahn fluoridhaltige Kinderzahnpasta und staffelt Menge und Fluoridkonzentration nach dem Alter.12
Für Kinder ab dem ersten Zahn bis unter zwei Jahren nennt die KZBV zweimal täglich eine reiskorngroße Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid. Von zwei bis sechs Jahren nennt sie eine erbsengroße Menge mit 1.000 ppm, ab sechs Jahren 1.450 ppm.1 Im ersten Lebensjahr können je nach Fluoridversorgung andere Kombinationen eine Rolle spielen; KZBV und Bundeszahnärztekammer verweisen hier auf die Abstimmung zwischen kinderärztlicher und zahnärztlicher Betreuung.12
Im Video fällt beim Ausspucken und Ausspülen der Satz, unsere Zahnpasta mache beim versehentlichen Verschlucken „keinen Bauchweh“. Für die zahnmedizinische Einordnung zählen altersgerechte Menge, Fluoridkonzentration und die übrige Fluoridversorgung. Die Bundeszahnärztekammer weist darauf hin, dass Kleinkinder einen Teil der Zahnpasta verschlucken können und empfiehlt deshalb eine altersbezogene Dosierung.2
Wenn ihr unser Rezept für selbstgemachte Zahnpasta kennt: Dort findet ihr die Fluoridfrage gesondert eingeordnet. Auch unser Beitrag zum selbstgemachten Mundwasser enthält eine eigene Sicherheits- und Zahnpflegeeinordnung.
Zähneputzen ohne Zwang: Teil 1 zur Kinderperspektive
Im ersten Teil über Zähneputzen ohne Zwang geht es ausführlicher darum, wie sich die Situation aus Kinderperspektive betrachten lässt und welche weiteren Ideen wir in unserem Familienalltag ausprobiert haben. Teil 2 hier zeigt vor allem, wie zwei dieser Rituale aussehen können.
FAQ zum Zahnarztspiel mit Kindern
Braucht das Zahnarztspiel besondere Requisiten?
Bei uns reichen Dinge aus dem Haushalt: Stuhl oder Kissen, Tuch, Lampe, Zahnbürste, Spiegel, Tasse und Schüssel. Die Geschichte trägt das Spiel stärker als die Ausstattung.
Was ist, wenn eine elektrische Zahnbürste zu laut ist?
Im Video reagiert Evelin selbst auf ein Piepen. Genau solche Kleinigkeiten können die Szene verändern. Eine normale Handzahnbürste passt genauso in das Zahnarztspiel, wenn Geräusch oder Vibration gerade stören.
Kann das Zahnarztspiel auch außerhalb des Badezimmers stattfinden?
Ja. Bei uns wandert es mit der Situation durch die Wohnung: Bett, Sofa, Tisch oder Badezimmer. Der Ort gehört zum Spiel und darf wechseln.
Quellen zur zahnmedizinischen Einordnung
- Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): „Fluoride für Kinder“, Stand Mai 2025. Tragende Abschnitte: „Basisvorsorge mit Fluoriden“, insbesondere „Kleinkinder ab Zahndurchbruch bis 12 Monate“, „Kleinkinder 12 Monate bis unter 2 Jahre“ und „Kinder 2 bis 6 Jahre“.
- Bundeszahnärztekammer: „Fluoridierungsmaßnahmen zur Prophylaxe von Zahnkaries“, Juni 2024. Tragende Abschnitte: „Was soll bei Fluoridierungsmaßnahmen beachtet werden?“ und „Wie lauten die aktuellen Fluoridierungsempfehlungen?“.
Zähneputzen ohne Zwang Teil 2: Zahnputzrituale & Zahnarztspiel von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
Liebe Evelin,
vielen, vielen Dank für euer schönes und inspirierendes Video! Natürlich haben wir diese nette Idee gleich zusammen mit unseren Kindern ausprobiert und sind begeistert, da es supertoll geklappt hat!
Das werden wir jetzt öfter machen. 🙂
Liebe Grüße auch an Patrick und die Kinder,
Familie Schmidt
Wir freuen uns, dass die Methode auch bei euch zum „Erfolg“ führt. 🙂 <3
Alles Liebe
Patrick und Evelin