Lesezeit: 5 Minuten
Zuletzt aktualisiert: 23.02.2026
Ihr wollt Zahnpasta selbst machen, weil ihr Inhaltsstoffe reduzieren, Verpackung sparen oder einfach experimentieren möchtet. Das kann als DIY-Projekt Spaß machen, besonders gemeinsam mit Kindern. Gleichzeitig lohnt ein nüchterner Blick: Selbstgemachte Mischungen sind in der Regel nicht fluoridiert. Und Fluorid gilt in der Forschung als einer der wichtigsten Bausteine zur Kariesvorbeugung.
Kurz einordnen: Natron-Zahnpasten können Plaque- und Verfärbungsmanagement unterstützen, die Abrasivität von Natron wird in Reviews als eher niedrig beschrieben. Das ersetzt aber nicht automatisch den kariespräventiven Effekt fluoridierter Zahnpasta. Wenn ihr Kariesrisiko habt (oder einfach sicher gehen wollt), bleibt eine fluoridhaltige Zahnpasta für viele Familien die robustere Standard-Lösung. Quellen findet ihr am Ende.
Inhalte
Rezept: Selbstgemachte „Zahnpasta“ (Zahnputzpaste) mit Natron, Xylit & Kokosöl
Zutaten
- 3 EL Natron (Natriumhydrogencarbonat)
- 2–3 EL Xylit (Xylitol)
- 1 TL Kurkuma
- optional: eine Prise Zimt
- 3 EL Kokosöl
- optional: 1–3 Tropfen ätherisches Öl (siehe Sicherheitshinweise)
Zubereitung
- Trockene Zutaten in einer Schüssel gründlich vermischen: Natron, Xylit, Kurkuma (und optional Zimt).
- Kokosöl dazugeben und so lange rühren, bis eine gleichmäßige Paste entsteht.
- Wenn ihr ein ätherisches Öl verwenden wollt: sehr sparsam dosieren und gut einrühren.
- In ein sauberes, gut schließendes Glas füllen. Ein kleiner Spatel oder Löffel ist hygienischer als die Zahnbürste direkt ins Glas zu stecken.
Konsistenz & Aufbewahrung
- Zu fest? Ein wenig mehr Kokosöl einrühren.
- Zu flüssig? Bei Wärme wird Kokosöl weich. Stellt das Glas kühler (oder kurz in den Kühlschrank) und rührt bei Bedarf um.
- Haltbarkeit: Macht lieber kleine Mengen. Wenn ihr Geruch, Farbe oder Konsistenz „kippen“ seht: entsorgen.
Wichtige Hinweise (damit DIY nicht zum Bumerang wird)
1) Fluorid bei Kindern: nicht „ja/nein“, sondern Menge & Können
Bei Kindern ist weniger die Frage, ob Fluorid-Zahnpasta verwendet wird, sondern wie: Können sie schon sicher ausspucken? Wie viel Zahnpasta landet realistisch im Magen? Und wie hoch ist ihr Kariesrisiko?
Kinder, die noch nicht zuverlässig ausspucken (oft im Kleinkindalter): Hier zählt die sehr kleine Menge und die Aufsicht. Leitlinien empfehlen in dieser Phase fluoridhaltige Zahnpasta in sehr geringer Dosierung (bildlich: „Reiskorn“), um den kariespräventiven Effekt zu nutzen und gleichzeitig das Risiko einer zu hohen Aufnahme zu begrenzen. Ausspülen ist in diesem Alter kein Muss, aber die Menge macht den Unterschied.
Kinder, die ausspucken können (häufig ab dem Kindergartenalter, individuell verschieden): Dann wird das Putzen alltagstauglicher, weil weniger geschluckt wird. Viele Empfehlungen wechseln hier zu einer etwas größeren, aber weiterhin begrenzten Menge (bildlich: „Erbse“). Ein kurzes Ausspucken reicht; exzessives Spülen ist nicht nötig, weil ein dünner Fluoridfilm auf den Zähnen erwünscht sein kann.
Praktischer Kompass: Wenn ihr ein DIY-Rezept ohne Fluorid nutzt, ist das eher ein „Kosmetik- und Minimalismus-Projekt“ als eine robuste Kariesprophylaxe. Gerade bei Kindern mit höherem Kariesrisiko (z. B. viel Snacking, sichtbare Kreideflecken, bereits Füllungen) ist fluoridhaltige Zahnpasta meist die verlässlichere Basis.
Begriffe klären: „Fluor“ ist nicht „Fluorid“
In Diskussionen wird „Fluor“ oft mit „Fluorid“ gleichgesetzt. Chemisch sind das unterschiedliche Dinge. Fluor ist das Element Fluor und liegt in der Praxis meist als hochreaktives Gas F2 vor. Fluorid ist dagegen das negativ geladene Ion F− beziehungsweise ein Salz, in dem dieses Ion gebunden ist (z. B. Natriumfluorid). Gleicher Wortstamm, andere Stoffeigenschaften.
Als Merkhilfe taugt eine Analogie: Kochsalz (NaCl) ist essbar, Chlorgas (Cl2) ist gefährlich. „Chlor“ steckt sprachlich drin, aber chemisch ist es nicht dasselbe. Bei Zahnpasta geht es um Fluorid (gebunden, dosiert), nicht um elementares Fluor.
Primärquellen:
NIH PubChem: Fluor (Element),
NIH PubChem: Fluorid-Ion (F−),
IUPAC Gold Book: „Ion“.
2) Natron & Abrasivität
Natron wird in Übersichtsarbeiten als vergleichsweise mild beschrieben. Trotzdem gilt: Abrasivität hängt nicht nur vom Natron ab, sondern auch von Korngröße, Beimischungen und eurem Putzdruck. Putzt sanft, nicht „schmirgelnd“.
3) Kinder, Xylit & Verschlucken
Xylit schmeckt süß, was Kinder oft mögen. Trotzdem: Kleine Kinder schlucken Zahnpasta häufiger. Bei fluoridhaltiger Zahnpasta ist die Dosierung deshalb ein Thema; bei ätherischen Ölen ebenfalls. Betrachtet DIY daher eher als begleitetes Projekt, nicht als unbeaufsichtigtes „Naschglas fürs Bad“.
4) Ätherische Öle: „Natürlich“ ist kein Sicherheitsstempel
Ätherische Öle können bei Verschlucken für Kinder problematisch sein und sind hochkonzentriert. Wenn ihr sie nutzt, dann sehr sparsam, nie zum „Therapieren“, und bei kleinen Kindern besser ganz weglassen.
5) Zimt: lieber minimal
Viele Zimtsorten (v. a. Cassia) enthalten relevante Mengen Cumarin. In einer Zahnpasta ist das meist keine Hauptquelle, aber „viel hilft viel“ gilt hier nicht. Eine Prise reicht, oder ihr lasst ihn weg.
Varianten (einfach, ohne Zaubertricks)
- Milder: Weniger Natron (z. B. 2 EL) und dafür etwas mehr Kokosöl.
- Ohne Kurkuma: Kurkuma färbt stark. Wenn euch gelbe Sprenkel stören, lasst es weg.
- Ohne ätherische Öle: Für viele Familien die unkomplizierteste und sicherste Option.
Weiterlesen auf FreeYourFamily.net
- Minimalismus im Bad: einfache Körperpflege für die ganze Familie
- Mundwasser selber machen
- Zähneputzen ohne Zwang (Teil 1) und Teil 2
Quellen (Auswahl)
- Fluorid-Zahnpasta (Cochrane Review): 10.1002/14651858.CD007868.pub3
- Kariesprävention durch Fluorid-Zahnpasta (systematisches Review): 10.1080/00016350310007590
- Fluorid-Zahnpasta in der Milchzahn-Dentition (Meta-Analyse): 10.1111/j.1600-0528.2012.00708.x
- Natron-Zahnpasten: systematisches Review zu Plaque/Gingivitis: 10.1111/idh.12390
- Natron als Abrasivum (Mechanismus/Sicherheit): 10.1016/j.adaj.2017.09.007
- Xylit & Karies (systematisches Review, Kinder): 10.1007/s40368-024-00875-w
Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Wenn ihr häufig Karies, empfindliche Zahnhälse, Entzündungen oder starke Schmerzen habt, ist eine Abklärung sinnvoll. DIY ist ein Werkzeugkasten, kein Schutzschild.
Selbstgemachte Zahnpasta: Rezept mit Natron & Xylit (plus wichtige Hinweise) von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.