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Zuletzt aktualisiert: 12. März 2026

„Wir sind Wölfe“ von Katrina Nannestad ist ein Kinder- und Jugendroman über Wolfskinder in Ostpreußen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Verlag empfiehlt ihn ab 10 Jahren. Aus unserer Sicht passt er vor allem dann gut, wenn Erwachsene mitlesen oder das Lesen aufmerksam begleiten.

In der Buchhandlung hatte die Ältere das Buch schon in der Hand, bevor ich den Titel richtig gelesen hatte. Bei uns wählen Kinder Bücher und Lernmaterial selbst, das ist nichts Ungewöhnliches. Trotzdem stand ich kurz davor, es zurückzustellen. Ostpreußen, 1945, drei Kinder allein. Kann ein Kinderbuch ein solches Thema tragen, ohne Kinder zu überfordern oder Geschichte glattzuziehen? Das wollte ich erst selbst wissen.

Worum es in „Wir sind Wölfe“ geht

Im Mittelpunkt stehen Liesl und ihre jüngeren Geschwister Otto und Mia, die sich im kriegszerstörten Ostpreußen allein durchschlagen. Historisch stehen sie für die sogenannten Wolfskinder: Kinder, die nach Kriegsende ohne Eltern und verlässliche Versorgung überleben mussten. Gute Einstiege in das Thema bieten die Bundeszentrale für politische Bildung und die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.

Liesl ist elf. Die Verantwortung, die sie trägt, ist absurd groß für ihr Alter. Der Roman erzählt Krieg über Kälte, Hunger, Misstrauen und die Frage, wem man noch vertrauen kann. Nicht über Generäle und Frontverläufe.

Was mich an dem Buch überzeugt hat

Beim Kauf war ich skeptisch. Zu viele Bücher über Krieg werden entweder zu hart, zu pathetisch oder zu belehrend. Dieses hier bleibt nah bei seinen Figuren. Liesl ist kein Märtyrer-Kind aus dem Geschichtsbuch. Sie hat Humor, Sturheit und einen klaren Blick auf die Menschen um sie herum. Gerade das macht die schweren Teile lesbar.

Das Buch zeigt deutsche Kinder als Menschen, die unter einem Krieg leiden, den Deutschland begonnen hat. Diese Balance hält Nannestad über den ganzen Roman. Sie beschönigt nichts, schlägt aber auch keinen pädagogischen Hammer daraus. Ich habe das als Erleichterung empfunden. Der Roman hält Abstand zu nationaler Selbstentlastung ebenso wie zu pädagogischem Schuldgestus.

Neben Hunger, Verlust und Entwurzelung zeigt das Buch auch Momente, in denen das Menschliche nicht völlig verschwindet. Das ist kein Kitsch, eher eine Gegenkraft gegen die Schwere.

Die Fahrradszene

Eine Szene ist mir am stärksten hängengeblieben: Liesl bringt russischen Soldaten das Fahrradfahren bei. Aus bewaffneten Männern werden für ein paar Seiten unbeholfene Lernende. Einer schafft es, vorwärts zu fahren, weiß aber nicht, wie man anhält. Ein anderer, breit und schwer, schaukelt auf einem Kinderfahrrad durch die Szene. Liesl schaut zu, kommentiert innerlich, und für diese Seiten verrutscht die Wirklichkeit des Romans auf eine Art, die man so nicht erwartet hat.

Die Szene macht aus den Soldaten keine harmlosen Figuren. Aber sie zeigt, dass Menschen, die Gewalt ausüben, trotzdem Menschen bleiben. Lachen und Bedrohung liegen hier nah beieinander. Das ist kein Trost. Eher ein ehrlicher Blick auf das, was Krieg mit Menschen macht.

Für welche Kinder das Buch passen kann

Ich habe es zuerst selbst gelesen, in mehreren Etappen, mit ein paar Unterbrechungen. Dann stellte ich es ins Regal, mit dem Plan, es in einem oder zwei Jahren weiterzugeben. Meine Töchter waren damals acht und zehn.

Der Plan hielt ungefähr eine Woche. Die Kinder fanden es, fragten, ob sie es lesen dürfen. Also haben wir es gemeinsam gelesen. Das war die bessere Entscheidung.

Beim Vorlesen merkt man, wann ein Kind innerlich aussteigt, wann Fragen auftauchen, wann es sinnvoll ist, an einer ruhigeren Stelle aufzuhören. Ich beende ein Kapitel abends nicht an der letzten, dramatischsten Zeile, sondern suche eine Stelle, an der etwas Hoffnung liegt.

Der Verlag empfiehlt das Buch ab 10 Jahren. Das ist ein guter Anhaltspunkt, keine starre Grenze. Manche Kinder tragen solche Stoffe früher, andere brauchen mehr Zeit oder mehr Begleitung. Wer merkt, dass sein Kind Eindrücke besonders intensiv verarbeitet, liest am besten erst selbst hinein.

Wer Kinder kennt, die Eindrücke sehr tief verarbeiten, findet auf FreeYourFamily auch unsere Gedanken zu hochsensiblen Kindern. Und wer mehr Kinderbücher über Geschichte sucht, findet bei uns auch eine Übersicht mit weiteren Empfehlungen.

Einladung zum Leseabend mit dem Buch Wir sind Wölfe

Unser Fazit zu „Wir sind Wölfe“

„Wir sind Wölfe“ ist kein leichtes Buch. Aber es ist ein gutes. Es nimmt Kinder ernst, als Figuren und als Leserinnen und Leser. Es erzählt von Krieg, ohne Gewalt zum Spektakel zu machen. Und zwischen all dem Verlust hält es noch kleine Räume offen, in denen Wärme und Witz nicht völlig verschwinden.

Gerade für Familien, die gemeinsam lesen und schwierige Stoffe nicht allein dem Kind überlassen wollen, kann es eine sehr gute Wahl sein.

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Wir sind Wölfe: Ein berührender Roman über eine Flucht im Zweiten Weltkrieg*

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Kennt ihr Kinder- und Jugendbücher, die schwere Geschichte ehrlich und gut lesbar erzählen?

Ich wünsche euch eine gute Lesezeit!
Eure Evelin

CC BY-SA 4.0 „Wir sind Wölfe“: Kinderbuch über Wolfskinder, Krieg und Menschlichkeit von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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