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Zuletzt aktualisiert: 09.08.2026

Schutz vor Nacktschnecken im Garten: Tomaten im Beet, Zapfen als Barriere

In unserem Beitrag zeigen wir euch, wie wir Schritt für Schritt ein Beet für unsere vorgezogenen Tomatenpflanzen anlegen und sie preiswert und ökologisch vor Nacktschnecken schützen.

Mit der Übersiedlung ins Erzgebirge sahen wir uns gezwungen, unseren Schrebergarten in Thüringen aufzugeben. Erfreulicherweise dürfen wir hier im Hausgarten Gemüsebeete anlegen, um unser eigenes Gemüse anzubauen. Was uns Sorgen bereitet: Hier wimmelt es von Wegschnecken, die sogar vorm Verspeisen robuster Kräuter keinen Halt machen.

Es gibt geläufige Methoden, Gastropoden vom Pflanzenmeucheln abzuhalten. Die Methoden, die für uns infrage kommen, sind entweder nicht umweltfreundlich oder zu teuer. Schneckenkorn ist zur Bekämpfung von Schnecken gedacht und kann je nach Wirkstoff auch andere Schneckenarten treffen. In Feldversuchen verringerte Metaldehyd die Zahl sämtlicher dort erfasster Schneckenarten, darunter die untersuchte Wegschnecke.[1] Viele käufliche Schneckenbarrieren bestehen außerdem aus Kunststoff; Varianten aus Metall waren uns schlicht zu teuer. Für uns gehört auch die Wegschnecke zu den Tieren, deren Interessen wir mitdenken. Unsere Tomaten wollen wir deshalb möglichst so schützen, dass andere Gartenbewohner:innen verschont werden.

Zufällig stießen wir in den vergangenen Wochen auf vielversprechende Ideen, wie man Pflanzen vor den unersättlichen, schleimigen Tierchen bewahren kann.

Beete anlegen – mit der Gartenkralle

Zuerst legen wir neue Beete an, in denen sich unsere Pflanzen wohlfühlen sollen.

Ein Beet besitzt eine ideale Breite von ca. 1,20 m, damit man es von beiden Seiten aus bequem bearbeiten kann. Um ein Beet anzulegen, verwenden wir eine handelsübliche Gartenkralle. Das ist ein Werkzeug, mit dem sich viele Gartenarbeiten mit wenig Kraftaufwand verrichten lassen.

Mit der Gartenkralle steche ich dort in die Wiese, wo unser Beet entstehen soll, drehe das Gartenwerkzeug und löse auf diese Weise spielend ein Stück Grasnarbe nach dem anderen.

Darüber hinaus eignet sich eine Gartenkralle vor allem zum Entfernen unerwünschten Beikrauts, zum Auflockern des Bodens und zur Beimischung von Kompost und Dünger zur Erde.

Ein mit der Gartenkralle gelockerter und belüfteter Boden schafft ideale Voraussetzungen für die Wasser- und Nährstoffaufnahme durch die Wurzeln der Gewächse und stellt so optimale Wachstumsbedingungen für unsere Tomatenpflanzen bereit.

Klopapierrollen als Schneckenzaun?

In der Zeit, in der ich die Beete anlege, ergreift Evelin die erste Maßnahme, um unsere jungen Tomatenpflänzchen vor den gefräßigen Nacktschnecken zu schützen: Vorsichtig stülpt sie, gemeinsam mit den Kindern, (abgewickelte) Klopapierrollen über unsere vorgezogenen Tomatenpflanzen. Die Rollen sollen die Gewächse wie kleine Schneckenzäune schützen.

Die Tomaten ins Beet pflanzen

Nachdem das Beet angelegt und die Erde gründlich mit der Gartenkralle gelockert wurde, setzen wir die Tomatenpflänzchen ins Beet.

Wir pflanzen sie in einem Abstand von ca. 50–80 cm zwischen den einzelnen Pflanzen und beachten den Reihenabstand von 80 cm (Quelle: Der Biogarten von Marie-Luise Kreuter).

Ich hebe mit einer handelsüblichen Handschaufel ein großzügiges Loch für jede Pflanze aus. Hinein gebe ich einen Teil unreifen Kompost. Bei unreifem Kompost hängt die Wirkung stark vom Reifegrad ab; Versuche mit Tomaten zeigen, dass unreifes Ausgangsmaterial das Wachstum hemmen kann.[2] Als allgemeine Pflanzempfehlung eignet sich dieser Schritt deshalb nicht. Im Anschluss daran löse ich vorsichtig den Wurzelballen der Pflanze aus dem Töpfchen, setze sie in das Pflanzloch und fülle ringsum mit Kompost auf. Zu guter Letzt bedecke ich das Ganze mit normaler Gartenerde.

Solltet ihr auf der Suche nach alten Tomatensorten (oder anderen ungewöhnlichen Pflanzen) sein, empfehlen wir euch den Onlineshop „Magic Garden Seeds“.

Zapfen als preiswerter und ökologischer Schutz vor Nacktschnecken

Bei den Recherchen für unsere World Wide Web Week stieß ich auf einen Link, der in mir Hoffnung aufkeimen ließ, die nimmersatten Nacktschnecken abzuwehren. Die Bloggerin Petra K. beschrieb, dass die Schnecken ihre mit Zapfen gemulchten Pflanzen in ihrem Garten in Ruhe ließen. Die Zeit ist gekommen, den Tipp zu testen!

Um die heranwachsenden Pflänzchen mit den Schutzmäntelchen aus Klopapierrolle legen wir in Sternform Fichtenzapfen, die wir vor ein paar Tagen beim Wasserholen an einer Quelle im Wald sammelten. Wir achten darauf, dass die Zapfen mit ihrer Spitze von der Pflanze weg liegen, damit die Schnecken es schwer haben, über die Zapfen zu kriechen. Wir glauben, dass Kiefernzapfen angesichts ihrer Form besser geeignet sind, die Nacktschnecken auf Abstand zu halten.

Ich schätze, der Harzgeruch der Zapfen irritiert die Schnecken ebenfalls, so dass sie die aromatisch duftenden Pflanzen nicht mehr wahrnehmen können. Für diese Vermutung haben wir keinen belastbaren Beleg gefunden. Der Zapfenring bleibt deshalb das, was er hier von Anfang an ist: unser Gartenexperiment.

Artenvielfalt: natürliche Gegenspieler der Spanischen Wegschnecke

Bei all den Zapfen lohnt sich noch ein Blick auf die übrigen Gartenbewohner:innen. Ein artenreicher Garten bringt Arten zusammen, die miteinander konkurrieren oder einander fressen. Für Arion vulgaris, die meist als Spanische Wegschnecke bezeichnet wird, ist dieser Einfluss je nach Gegenspieler sehr unterschiedlich gut untersucht.

Am deutlichsten sind die Daten für zwei Laufkäfer. In einem Semi-Feld-Versuch verringerten Carabus nemoralis und Pterostichus melanarius die Dichte von Eiern und Jungschnecken von Arion vulgaris.[3]

Beim Tigerschnegel (Limax maximus) wird es spannender. In einem Versuch lagen sechs von sieben verstreuten Eigelegen von Arion vulgaris in Behältern, in denen auch Tigerschnegel lebten. Die Forschenden werteten die verstreuten Eier als Hinweis auf Eierfraß. Einen starken Bestand von Arion vulgaris konnten die Tigerschnegel über diesen Weg im Versuch jedoch wahrscheinlich nicht zuverlässig herunterregeln.[4]

Bei der Weinbergschnecke (Helix pomatia) passt die verbreitete Gartenerzählung nur bedingt zu den Versuchsdaten: In einem Futterwahlversuch fraßen Weinbergschnecken drei von 200 angebotenen Arion-Eiern.[5] Die Forschenden sahen darin weder eine klare Bestätigung noch eine klare Widerlegung der vermuteten Wirkung auf Arion vulgaris.

Und die Glühwürmchenlarven (Lampyris noctiluca)? Sie gehen tatsächlich auf Schneckenjagd. Beobachtungen an Lampyris noctiluca zeigen, wie die Larven auf Schneckengehäuse klettern, ihre Beute mit den Mandibeln angreifen und anschließend an ihr fressen.[6] Die Bestandswirkung auf Arion vulgaris im Garten war nicht Gegenstand dieser Arbeit.

Für unseren Garten ist das ein zusätzlicher Grund, Tigerschnegel, Weinbergschnecken, Glühwürmchen und andere Gartenbewohner:innen möglichst in Ruhe zu lassen. Bei bestimmten Laufkäfern wurde ein Effekt auf Eier und Jungschnecken von Arion vulgaris direkt gemessen; beim Tigerschnegel gibt es Hinweise auf Eierfraß. Für Weinbergschnecken und Glühwürmchenlarven ist die oft erzählte Rolle als natürliche „Schneckenpolizei“ deutlich schlechter belegt. Artenvielfalt schafft jedenfalls ein Netz aus Konkurrenz und Fraßbeziehungen, in dem die Spanische Wegschnecke nur eine von vielen Arten ist.

Gießen und beobachten

Nachdem die Tomatenpflanzen ins Beet gesetzt und gegen Schnecken gesichert wurden, gießen wir die Pflänzchen an. Jetzt lassen wir uns überraschen und beobachten, ob unsere Maßnahmen gegen die Nacktschnecken wirksam sind. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Unser Video zum Blogartikel

Quellen zur fachlichen Einordnung

CC BY-SA 4.0 Ökologisch gegen Nacktschnecken: Zapfen-Test im Beet von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.