Silberschmelzhütte in Neustädtel

Nach einem Zwischenstopp in Oranienburg sind wir zurück im Erzgebirge, das kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Ich stelle Dir einige Highlights aus meiner Heimatstadt Schneeberg vor, die zum Teil mit tränenreichen Kindheitserinnerungen einhergehen. In diesem Blogpost teile ich Insiderinformationen und Anekdoten mit Dir, die Du in keinem Reiseführer findest.

Zwischenstopp am Lehnitzsee in Oranienburg

Nach unserem Aufenthalt in Skandinavien führt unsere Reiseroute über Dänemark ins deutsche Städtchen Oranienburg. Hier zelten wir zum ersten Mal mit unseren drei Kindern.

Ein sympathisches, reiselustiges Paar nimmt uns in ihrem romantisch-verspielten Permakultur-Gärtchen als Couchsurfer auf.

Ich weiß nicht, ob es an den warmen Temperaturen liegt, die ich im hohen Norden vermisste, an der Ruhe des angrenzenden Lehnitzsees, dem sandigen Boden unter meinen Füßen oder am vertrauten Duft, den das Gartenhäuschen und das leckere Abendessen verströmen: Hier fühle ich mich so richtig wohl!

Lehnitzsee in Oranienburg

Lehnitzsee in Oranienburg

Spannende Erfahrungen und neue Freundschaften aus Dänemark, Schweden und Norwegen haben wir im Gepäck. Dennoch finde ich diesen letzten Abschnitt auf dem Weg ins Erzgebirge am ästhetischsten. Das Gebiet Oberhavel in Nordbrandenburg, den Raum Lübben und die Mecklenburger Seenplatte kann ich allen Naturliebhabern ans Herz legen, die weichen Boden unter den Füßen, Vogelgezwitscher in jedem Baum und charmante Naturseen lieben.

Glück auf!

Blick zur St.-Wolfgangs-Kirche

Blick zur St.-Wolfgangs-Kirche

Nach dem ersten Frühstück mit deutschem Brot und selbstgepflückten Erdbeeren packen wir unser neues, altes Auto. Es sind etwa 275 Kilometer über die Landstraße. Gefühlte 50 Pinkelpausen später erreichen wir nach fast sechs Stunden unser ehemaliges Zuhause.

Dass hier schon lange ein warmer Sommer herrscht, erkennen wir an den hochgewachsenen Gemüsepflanzen im Garten meiner Eltern.

Zusammen mit meinem ausgesprochen vorausschauenden und erfahrenem Fahrer Patrick und meinen drei fröhlichen Kindern schleiche ich durchs hohe Gras und lausche meinem Lieblingsgeräusch: dem Abendkonzert der Grillen.

Dann frage ich mich, ob ich träume: Höre ich einen Kontrabass spielen? Tatsächlich! Meine Mutter legt ihr Instrument ab und kommt uns freudig entgegen. Wir genießen es, uns in die Arme zu schließen und in die strahlenden Augen meines Vaters zu blicken, der uns mit dem altehrwürdigen „Glück auf“ begrüßt.

Heimaturlaub im UNESCO-Weltkulturerbe

Den Monat Juli genießen wir in vollen Zügen in meiner Heimat. Für viele Menschen wirkt das Erzgebirge als Reiseziel auf den ersten Blick unspektakulär. Im Winter ist es wegen der traditionellen Bergmannsparaden, den leuchtenden Schwibbögen in allen Fenstern, den Skigebieten und der weihnachtlichen Ausstrahlung gefragter als jetzt im Sommer.

Landschaft hinter der Fundgrube Wolfgangmaßen

Landschaft hinter der Fundgrube Wolfgangmaßen

In den letzten Wochen wurden 22 verschiedene Stellen und Orte des Erzgebirges (mit mehr als 400 Einzelobjekten allein auf sächsischem Gebiet) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Blick von der Halde über Neustädtel

Blick von der Halde über Neustädtel

Zugegeben, das Mittelgebirge hat auch im Sommer seine Reize: Kreissägen, Holzhacken und Baumfällarbeiten scheinen die Lieblingsbeschäftigungen der Erzgebirger zu sein. Diese Tätigkeiten fallen definitiv mehr auf als die stillen, erzgebirgischen Traditionen „Klöppeln“ und „Schnitzen“. Wohlgemerkt: Ich kann „nur“ Holzhacken. :-D

 

Das Siebenschlehener Pochwerk

Das Siebenschlehener Pochwerk in „unserer“ Nähe zählt zum Beispiel zum Weltkulturerbe Erzgebirge. Das historische Museum begeistert alle kleinen und großen Krachmacher. Denn, wie der Name schon sagt: Hier wird „gepocht“. Über eine Wassermühle werden riesige Hämmer angetrieben, die erstmals 1495 das erzhaltige Kobaltgestein klein stampften.

Siebenschlehener Pochwerk

Siebenschlehener Pochwerk

Modell des Pochwerks

Modell des Pochwerks

Die Silberschmelzhütte: tränenreiche Kindheitserinnerung

Die etwa 30 Meter neben dem Pochwerk gelegene Silberschmelzhütte St. Georgen wurde von Denkmalschützern als traditionelles Ferienhaus hergerichtet. Als singendes Kurrendekind besuchte ich dieses Haus jedes Jahr im Advent. Wöchentlich probten wir Lieder in der Kirche, die wir sonntags zum Gottesdienst oder zum weihnachtlichen „Umgangssingen“ bei alten oder kranken Menschen sangen. So auch im alten Fachwerkhaus am Siebenschlehener Pochwerk.

Silberschmelzhütte St. Georgen

Silberschmelzhütte St. Georgen

Dort bekam niemals ein Kind einen sauberen Ton, dafür Tränen über Tränen heraus! Es war einfach zu herrlich komisch dort: In dem Häuschen wohnte eine uralte und buckelige Frau, die abgenutzte Kleidung mit Küchenschürze und Filzpantoffeln trug. Stets schien sie Besuch von mehreren Männern zu haben, die mit ihren Bierflaschen zufrieden auf dem durchgesessenen Küchensofa saßen.

Der Anblick des alten Weibleins namens Ilse war einzigartig: Auf einem Stuhl saß sie neben ihrem uralten Küchenofen, lächelte und streichelte ein Huhn auf dem Schoß. Ihre anderen Hühner saßen auf der Gardinenstange über dem „Männersofa“ und eines in einer alten Bratpfanne, zwei auf der Sofalehne. Auch einige Katzen zierten den Raum.

Wie friedlich es auch wirkte – es stank ziemlich. Der Geruch, der uns kleinen Sängern beim Besuch der alten Menschen in ihren Wohnungen entgegentrat, war manchmal ungelogen eklig.

Im alten Haus der Ilse und ihren Hühnern roch es weniger „alt“ – mehr nach Stall. Der gutherzige Kantor gab sich größte Mühe, uns zum Singen zu motivieren. Doch er musste die Ständchen so gut wie alleine trällern. Ob sie unter unserem tränenreichen Lachanfall ankamen, schien der alten Ilse gleich zu sein; ihr dankbares Lächeln sehe ich noch heute, wenn ich an ihrem Haus vorbeikomme.

Spaziergang durchs Weltkulturerbe Erzgebirge

Spaziergang durchs Weltkulturerbe Erzgebirge

Am Pulverturm wohnt der Osterhase

Auch beim Ausflug zum Pulverturm nahe der „Fundgrube Gesellschaft“ denke ich gern an meine Kindheit zurück.

Am Pulverturm bringt der Osterhase Naschereien

Am Pulverturm bringt der Osterhase Naschereien

Schließlich versteckt der Osterhase dort heute noch Süßes, wenn meine Kinder im Frühling zur Suche aufbrechen.

Weltkulturerbe: Pulverturm in Schneeberg

Weltkulturerbe: Der Pulverturm in Schneeberg / Neustädtel

Ob die Eiersuche 1844 ebenso üblich war, als das runde Steinhäuschen erbaut wurde, könnten nur meine Ururgroßeltern erzählen.

Landschaft am Pulverturm

Landschaft am Pulverturm

Spielen und staunen bei der Fundgrube Gesellschaft

Das Neustädtler Huthaus der Fundgrube Gesellschaft wird vom CVJM als Freizeitheim genutzt.

Fundgrube Gesellschaft in Schneeberg / Neustädtel

Fundgrube Gesellschaft in Schneeberg / Neustädtel

Hier begeistert unsere Kinder eine Miniatur-Bergbaulandschaft sowie ein Bergbau-Spielplatz für alle Generationen.

Der Spielplatz bei der Fundgrube Gesellschaft

Der Spielplatz bei der Fundgrube Gesellschaft

Nachgebildete Bergbaulandschaft

Nachgebildete Bergbaulandschaft

Kletterspaß

Kletterspaß

Nachgebildeter Stollengang

Nachgebildeter Stollengang

Trampolin am Spielplatz

Trampolin am Spielplatz

Das Labyrinth

Das Labyrinth bildet Stollengänge nach

In den Seilen

In den Seilen

Miniaturlandschaft bei der Fundgrube Gesellschaft

Miniaturlandschaft bei der Fundgrube Gesellschaft

Originalgetreue Nachbildung von Sehenswürdigkeiten rund um Schneeberg

Originalgetreue Nachbildung von Sehenswürdigkeiten rund um Schneeberg

Begriffe aus dem Bergbau

Begriffe aus dem Bergbau

Filzteich: baden, spielen und bootfahren.

Zu den insgesamt 11 Hauptelementen der Schneeberger Montanlandschaften, die es ins UNESCO-Weltkulturerbe geschafft haben, zählt ebenso der Filzteich.

Ehemals als größter Wasserspeicher zur Versorgung des Bergbaus genutzt, dient er seit 1933 als familienfreundlicher Badesee mit Sandstrand.

Der Filzteich

Der Filzteich

Das trübe Moorwasser soll sogar die Gesundheit fördern. Für unsere drei jungen Wasserratten ist das ein bisher wenig beachtetes Merkmal.

Ein Highlight: die Bergparade

Zum Abschied aus meiner Heimat besuchen wir am Bergstreittag einen Bergmannsaufzug, die hier regelmäßig im Sommer und im Winter stattfinden. Traditionell gekleidete Bergmänner, Heimatfrauen und Kinder ziehen an uns vorüber. Musikkapellen begleiten ihren Marsch durch die Bergstadt Schneeberg.

Im folgenden Video haben wir die Bergparade zum Bergstreittag 2019 in Schneeberg gefilmt. Außerdem stelle ich Dir die Fundgrube Wolfgangmaßen vor, nehme Dich mit zum Schmied und plaudere ein wenig über unsere weiteren Pläne.

Nach einem Zwischenstopp in Oranienburg sind wir zurück im Erzgebirge, das kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Ich stelle Dir einige Highlights aus meiner Heimatstadt Schneeberg vor, die zum Teil mit tränenreichen Kindheitserinnerungen einhergehen. In diesem Blogpost teile

Wer mehr über die Montanregion Schneeberg und das Weltkulturerbe Erzgebirge erfahren will, wird hier fündig.

Das andere Ende Europas ruft

Einige Tage später geht es mit unserem vollbepackten Auto weiter – hinaus aus Deutschland, hinein ins Leben als Freilerner, Weltentdecker und Dauerreisende.

Über alle neuen Erfahrungen halte ich hier wie gehabt alle Interessierten auf dem Laufenden.

Liebe Grüße und ein erzgebirgisches „Glück auf“
Evelin

CC BY-SA 4.0 Von Oranienburg ins Erzgebirge – tränenreiche Kindheitserinnerungen von Free Your Family ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.