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Aktualisiert am 13. August 2026

Nach einem Zwischenstopp in Oranienburg sind wir zurück im Erzgebirge, das damals frisch von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Ich stelle euch einige Highlights aus meiner Heimatstadt Schneeberg vor, die zum Teil mit tränenreichen Kindheitserinnerungen einhergehen. In diesem Blogpost teile ich Insiderinformationen und Anekdoten mit euch, die ihr in keinem Reiseführer findet.
Vielleicht klingt das Erzgebirge für euch erst einmal nach Klöppelfrauen, Bergmännern, Schnitzereien, Schwibbögen und Schnee. Im Sommer zeigt meine alte Heimat eine ganz andere Seite. Ich nehme euch zu einigen meiner Lieblingsplätzen rund um Schneeberg mit – zu Orten, die meinen Kindern heute Freude machen und mir schon als Kind viel bedeutet haben.
Zwischenstopp am Lehnitzsee in Oranienburg
Nach unserem Aufenthalt in Skandinavien führt unsere Reiseroute über Dänemark ins deutsche Städtchen Oranienburg. Hier zelten wir zum ersten Mal mit unseren drei Kindern.
Ein sympathisches, reiselustiges Paar nimmt uns in ihrem romantisch-verspielten Permakultur-Gärtchen als Couchsurfer auf.
Ich weiß nicht, ob es an den warmen Temperaturen liegt, die ich im hohen Norden vermisste, an der Ruhe des angrenzenden Lehnitzsees, dem sandigen Boden unter meinen Füßen oder am vertrauten Duft, den das Gartenhäuschen und das leckere Abendessen verströmen: Hier fühle ich mich so richtig wohl!

Lehnitzsee in Oranienburg
Spannende Erfahrungen und neue Freundschaften aus Freilernen in Dänemark, Mittsommer in Schweden und Norwegen mit Kindern haben wir im Gepäck.
Dennoch finde ich diesen letzten Abschnitt auf dem Weg ins Erzgebirge am ästhetischsten. Das Gebiet Oberhavel in Nordbrandenburg, den Raum Lübben und die Mecklenburger Seenplatte kann ich allen Naturliebhaber:innen ans Herz legen, die weichen Boden unter den Füßen, Vogelgezwitscher in jedem Baum und charmante Naturseen lieben.
Glück auf!

Blick zur St.-Wolfgangs-Kirche
Nach dem ersten Frühstück mit deutschem Brot und selbstgepflückten Erdbeeren packen wir unser neues, altes Auto. Es sind etwa 275 Kilometer über die Landstraße. Gefühlte 50 Pinkelpausen später erreichen wir nach fast sechs Stunden unser ehemaliges Zuhause.
Dass hier schon lange ein warmer Sommer herrscht, erkennen wir an den hochgewachsenen Gemüsepflanzen im Garten meiner Eltern.
Zusammen mit meinem ausgesprochen vorausschauenden und erfahrenen Fahrer Patrick und meinen drei fröhlichen Kindern schleiche ich durchs hohe Gras und lausche meinem Lieblingsgeräusch: dem Abendkonzert der Grillen.
Dann frage ich mich, ob ich träume: Höre ich einen Kontrabass spielen? Tatsächlich! Meine Mutter legt ihr Instrument ab und kommt uns freudig entgegen. Wir genießen es, uns in die Arme zu schließen und in die strahlenden Augen meines Vaters zu blicken, der uns mit dem altehrwürdigen „Glück auf“ begrüßt.
Heimaturlaub im UNESCO-Weltkulturerbe
Den Monat Juli genießen wir in vollen Zügen in meiner Heimat. Für viele Menschen wirkt das Erzgebirge als Reiseziel auf den ersten Blick unspektakulär. Wie wir überhaupt im Erzgebirge gelandet sind, haben wir schon früher im FAQ Warum wir ins Erzgebirge gezogen sind erzählt.
Seit drei Wochen hüten wir hier Haus und Katzen. Unser Auto haben wir in dieser Zeit verborgt, damit andere damit Urlaub fahren können. Nun packen wir langsam wieder unsere Sachen, waschen noch einmal alles durch und hoffen, dass anschließend auch wirklich alles ins Auto passt. Dann geht es über Bayern weiter in den Süden. Wohin genau, verrate ich noch nicht. Ein bisschen spannend darf es schließlich bleiben. 😀
Im Winter ist es wegen der traditionellen Bergmannsparaden, den leuchtenden Schwibbögen in allen Fenstern, den Skigebieten und der weihnachtlichen Ausstrahlung gefragter als jetzt im Sommer.

Landschaft hinter der Fundgrube Wolfgangmaßen
In den letzten Wochen wurden 22 verschiedene Stellen und Orte des Erzgebirges (mit mehr als 400 Einzelobjekten allein auf sächsischem Gebiet) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Am 6. Juli 2019 nahm die UNESCO die „Erzgebirge/Krušnohoří Mining Region“ in die Welterbeliste auf. 17 der 22 Bestandteile liegen auf deutscher, fünf auf tschechischer Seite. Auch Schneeberg gehört dazu.

Blick von der Halde über Neustädtel
Zugegeben, das Mittelgebirge hat auch im Sommer seine Reize: Kreissägen, Holzhacken und Baumfällarbeiten scheinen die Lieblingsbeschäftigungen der Erzgebirger zu sein. Diese Tätigkeiten fallen definitiv mehr auf als die stillen, erzgebirgischen Traditionen „Klöppeln“ und „Schnitzen“. Wohlgemerkt: Ich kann „nur“ Holzhacken. 😀
Das Siebenschlehener Pochwerk
Das Siebenschlehener Pochwerk in „unserer“ Nähe zählt zum Beispiel zum Weltkulturerbe Erzgebirge. Das historische Museum begeistert alle kleinen und großen Krachmacher. Denn, wie der Name schon sagt: Hier wird „gepocht“.
Über eine Wassermühle werden riesige Hämmer angetrieben, die das erzhaltige Kobaltgestein klein stampfen. Die Fundgrube Siebenschlehen wurde 1495 erstmals erwähnt; die heute erhaltene Pochwerksanlage entstand in ihrer Form 1752/53.

Siebenschlehener Pochwerk

Modell des Pochwerks
Die Silberschmelzhütte: tränenreiche Kindheitserinnerung
Die etwa 60 Meter neben dem Pochwerk gelegene Silberschmelzhütte St. Georgen wurde von Denkmalschützer:innen als traditionelles Ferienhaus hergerichtet. Als singendes Kurrendekind besuchte ich dieses Haus jedes Jahr im Advent.
Das Hüttengebäude von 1665 ist heute ein einzigartiges Zeugnis der vorindustriellen Hüttenindustrie. Zu besonderen Terminen und nach Vereinbarung lässt sich die Silberschmelzhütte auch besichtigen.
Wöchentlich probten wir Lieder in der Kirche, die wir sonntags zum Gottesdienst oder zum weihnachtlichen „Umgangssingen“ bei alten oder kranken Menschen sangen. So auch im alten Fachwerkhaus am Siebenschlehener Pochwerk.

Silberschmelzhütte St. Georgen
Dort bekam niemals ein Kind einen sauberen Ton, dafür Tränen über Tränen heraus! Es war einfach zu herrlich komisch dort: In dem Häuschen wohnte eine uralte und buckelige Frau, die abgenutzte Kleidung mit Küchenschürze und Filzpantoffeln trug. Stets schien sie Besuch von mehreren Männern zu haben, die mit ihren Bierflaschen zufrieden auf dem durchgesessenen Küchensofa saßen.
Der Anblick des alten Weibleins namens Ilse war einzigartig: Auf einem Stuhl saß sie neben ihrem uralten Küchenofen, lächelte und streichelte ein Huhn auf dem Schoß. Ihre anderen Hühner saßen auf der Gardinenstange über dem „Männersofa“ und eines in einer alten Bratpfanne, zwei auf der Sofalehne. Auch einige Katzen zierten den Raum.
Wie friedlich es auch wirkte – es stank ziemlich. Der Geruch, der uns kleinen Sänger:innen beim Besuch der alten Menschen in ihren Wohnungen entgegentrat, war manchmal ungelogen eklig.
Im alten Haus der Ilse und ihren Hühnern roch es weniger „alt“ – mehr nach Stall. Der gutherzige Kantor gab sich größte Mühe, uns zum Singen zu motivieren. Doch er musste die Ständchen so gut wie alleine trällern. Ob sie unter unserem tränenreichen Lachanfall ankamen, schien der alten Ilse gleich zu sein; ihr dankbares Lächeln sehe ich noch heute, wenn ich an ihrem Haus vorbeikomme.

Spaziergang durchs Weltkulturerbe Erzgebirge
Am Pulverturm wohnt der Osterhase
Auch beim Ausflug zum Pulverturm nahe der „Fundgrube Gesellschaft“ denke ich gern an meine Kindheit zurück.

Am Pulverturm bringt der Osterhase Naschereien
Schließlich versteckt der Osterhase dort heute noch Süßes, wenn meine Kinder im Frühling zur Suche aufbrechen.

Weltkulturerbe: Der Pulverturm in Schneeberg / Neustädtel
Ob die Eiersuche 1844 ebenso üblich war, als das runde Steinhäuschen erbaut wurde, könnten nur meine Ururgroßeltern erzählen.

Landschaft am Pulverturm
Spielen und staunen bei der Fundgrube Gesellschaft
Das Neustädtler Huthaus der Fundgrube Gesellschaft wird vom CVJM als Freizeitheim genutzt.

Fundgrube Gesellschaft in Schneeberg / Neustädtel
Eine Miniatur-Bergbaulandschaft sowie ein Bergbau-Spielplatz für alle Generationen begeistern hier unsere Kinder.

Der Spielplatz bei der Fundgrube Gesellschaft

Nachgebildete Bergbaulandschaft

Kletterspaß

Nachgebildeter Stollengang

Trampolin am Spielplatz

Das Labyrinth bildet Stollengänge nach

In den Seilen

Miniaturlandschaft bei der Fundgrube Gesellschaft

Originalgetreue Nachbildung von Sehenswürdigkeiten rund um Schneeberg

Begriffe aus dem Bergbau
Filzteich: baden, spielen und bootfahren
Zu den insgesamt 11 Hauptelementen der Schneeberger Bergbaulandschaft, die es ins UNESCO-Weltkulturerbe geschafft haben, zählt ebenso der Filzteich.
Ehemals als größter Wasserspeicher zur Versorgung des Bergbaus genutzt, dient er seit 1933 als familienfreundlicher Badesee mit Sandstrand.

Der Filzteich
Dem trüben Moorwasser wird sogar eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Für unsere drei jungen Wasserratten ist das ein bisher wenig beachtetes Merkmal.
Ein Highlight: die Bergparade
Zum Abschied aus meiner Heimat besuchen wir am Bergstreittag einen Bergmannsaufzug. Traditionell gekleidete Bergmänner, Heimatfrauen und Kinder ziehen an uns vorüber. Musikkapellen begleiten ihren Marsch durch die Bergstadt Schneeberg.
Unser Kleinster wird bald zwei und begleitet die Musik immer wieder mit „Boom, boom“. So ein Bergmannsaufzug macht eben ordentlich Krach.
Der Schneeberger Bergstreittag erinnert jedes Jahr am 22. Juli an den erfolgreichen Kampf der Bergleute um ihren Lohn. Bergparade, Berggottesdienst und Abschlusskonzert gehören bis heute zu diesem Festtag.
Im folgenden Video nehme ich euch noch einmal mit durch unsere letzten Tage im Erzgebirge. Ihr seht unter anderem die Fundgrube Wolfgangmaßen und einen Schmied bei der Arbeit. In den letzten Minuten kommt schließlich der Bergmannsaufzug vom Bergstreittag 2019.
Wer mehr über die Montanregion Schneeberg und das Weltkulturerbe Erzgebirge erfahren will, wird hier fündig.
Das andere Ende Europas ruft
Einige Tage später geht es mit unserem vollbepackten Auto weiter – hinaus aus Deutschland, hinein ins Leben als Freilerner, Weltentdecker und Dauerreisende.
Über alle neuen Erfahrungen halte ich hier wie gehabt alle Interessierten auf dem Laufenden.
Liebe Grüße und ein erzgebirgisches „Glück auf“
Evelin
FAQ: Erzgebirge-Welterbe rund um Schneeberg
Seit wann ist das Erzgebirge UNESCO-Welterbe?
Im Juli 2019 war die Nachricht gerade ganz frisch: Am 6. Juli 2019 nahm die UNESCO die „Erzgebirge/Krušnohoří Mining Region“ in die Welterbeliste auf.
Wie viele Teilgebiete gehören zur Welterbestätte?
Die Welterbestätte besteht aus 22 Komponenten auf deutscher und tschechischer Seite. Zusammen zeigen sie, wie der Bergbau die Region über Jahrhunderte geprägt hat.
Was bedeutet „Montanregion“ eigentlich?
„Montan“ bedeutet so viel wie „den Bergbau betreffend“. Gemeint ist hier eine Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte vom Abbau und der Verarbeitung von Erzen geprägt wurde – mit Stollen, Halden, Wasserwirtschaft und vielen technischen Anlagen.
Was ist ein Pochwerk?
In einem Pochwerk wird Erz mechanisch zerkleinert, bevor es weiter aufbereitet wird. Im Siebenschlehener Pochwerk übernehmen das wassergetriebene Hämmer. Daher kommt das schöne Wort „pochen“.
Welche Orte in Schneeberg lassen sich gut mit Kindern verbinden?
Aus unserer Sicht lässt sich die Ecke rund um Fundgrube Gesellschaft und Pochwerk besonders schön mit Kindern erkunden, weil zwischen den historischen Anlagen auch Platz zum Spielen ist. Im Sommer kommt der Filzteich als Badestopp dazu.
Kann man im Filzteich baden?
Ja. Die Stadt Schneeberg führt den Filzteich seit 1933 als Strandbad. Öffnungszeiten und Angebote ändern sich mit der Saison; die aktuellen Angaben findet ihr auf der Seite des Strandbads Filzteich.
Was ist der Bergstreittag, und warum gibt es dazu eine Bergparade?
Der Bergstreittag erinnert an den erfolgreichen Lohnkampf der Schneeberger Bergleute von 1496 und 1498. Seit 1665 liegt der Gedenktag auf dem 22. Juli; heute gehören Bergparade, Berggottesdienst und Abschlusskonzert zu den festen Programmpunkten.
Wo finden wir verlässliche Infos zum Welterbe?
Für den großen Überblick ist der UNESCO-Eintrag zur Welterbestätte unsere erste Adresse. Für Schneeberg selbst finden sich viele Details bei der Stadt Schneeberg und in der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
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