unkenntlich gemachte Kinder am Strand

Familie Peters, Felix‘ Mama und die Eltern der kleinen Mia haben eines gemeinsam: Sie schickten Fotos ihrer Kinder in den Cyberspace. Mit dem, was dann geschah, haben sie nicht gerechnet …

Mamas ganzer Stolz

In der Gesamtschule Heinrichswalde ist ein Foto im Umlauf: Ein Dreijähriger mit strohblonden Haaren, strahlend blauen Augen und zart-babyspeckiger Haut.

Ausnahmslos jeder Schüler kennt dieses Bild mit der rosa Umrandung aus lauter Herzchen.

Und fast jeder lässt einen Spruch los, wenn Felix durch das Schulgebäude streift: „Du bist Mamas ganzer Stolz!“ – wie es schon vor 10 Jahren auf Mamas Facebookaccount zu lesen war.

Die süße Mia

Mindestens genauso süß ist Mia.

Sie ist fast zwei Jahre alt und genießt die heißen Sommertage in ihrem Plantschbecken. Über beide Ohren strahlt sie, die Löckchen sehen so goldig aus und das Sonnenhütchen ist mega schick.

Das findet auch Oma, die per E-Mail an den Planschfreuden teilhaben darf.

Dass das Foto auch auf einer Kinderpornoseite landete, weiß niemand.

Der unbekannte Mann

Familie Peters ist eine coole Bloggerfamilie. Sie haben über 1.000 Facebookfans, 3.000 Follower auf Instagram und sind auf allen anderen Social-Media-Kanälen mindestens genauso bekannt.

Jeder liebt die hippen Eltern und alle finden die Kiddies wahnsinnig süß. Was für ein Glück, wenn man so ausgesprochen niedliche Kinder hat! Immerhin sorgen die Kinderfotos und -videos für klickstarken Content und somit genügend Einnahmen durch Youtube, Zuwendungen von Fans und Geschenke mehrerer Modeketten. Selbst Fernsehsender bekunden regelmäßig ihr Interesse an der Familie.

Das ist für Familie Peters Grund genug, um weiterhin die volle Aufmerksamkeit der Follower zu genießen und sich im Ruhm zu suhlen.

Ein ehemaliger Patient einer psychiatrischen Klinik zählt auch zu den Followern.

Er hat schon die Adresse der Familie im Impressum ausfindig gemacht.

Kontrolle und Verantwortung

Diese drei, zugegeben fiktiven, aber nicht aus der Luft gegriffenen Beispiele zeigen: Du kannst die Folgen nicht absehen, wenn Du Bilder oder Videos Deines Kindes ins Internet stellst. Kontrolle ist eine Illusion.

Wir Eltern tragen die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Kinder. Und wie können wir dieser beim Thema „Kinderfotos im Netz“ gerecht werden?

Mut zum privaten Fotoalbum!

Interessiert sich überhaupt jemand für Bilder Deiner Kinder? Und wenn ja, aus welchen Beweggründen? Du bist stolz auf Deinen Nachwuchs und willst ihn am liebsten der ganzen Welt präsentieren? Halte ein!

Die Anzahl derer, die ein herzlich-freundschaftliches Interesse an Fotos Deiner Kinder haben, dürfte verschwindend gering sein. Wer kommt eigentlich infrage? Die Großeltern des Kindes, die besten Freunde, Onkel und Tanten?

Traditionelles Fotoalbum mit der Aufschrift 'Unser Kind'

Wie wär’s mit einem traditionellen Fotoalbum?

Gerade für einen kleinen Kreis bietet es sich doch an, traditionell zu bleiben und die schönsten Aufnahmen in einem Fotoalbum (so ein analoges, wie früher, aus Pappe und Papier) zusammenzutragen und sie zu besonderen Anlässen zu zeigen.

Wenn Du keine Fotoalben magst, weil sie zu sperrig sind oder Dir den Plan vom Minimalismus vermiesen, kannst Du die Bilder auch als Slideshow am Bildschirm zeigen.

Notfalls hat der moderne Verwandte ein E-Mail-Postfach oder einen Kurznachrichtendienst, über den Du Bilder Deines Kindes verschlüsselt (!) senden kannst. Die Chance, dass Augen, für die sie nicht gedacht sind, diese Bilder erblicken, halte ich zwar nicht für ausgeschlossen, aber für relativ gering.

E-Mail-Verschlüsselung mit Enigmail in Thunderbird

E-Mail-Verschlüsselung mit Enigmail in Thunderbird

Mein Kind soll aber auf die Kinderschokoladenverpackung!

Vielleicht trägst Du die stille Hoffnung in Dir, dass Dein Kind von der Film-, Mode- oder Werbeindustrie entdeckt wird und Du Dich von da an über ein weiteres Einkommen freuen darfst.

Was glaubst Du, wie hoch die Chancen stehen? Ich bin mir sicher, die Erfolgsaussichten, auf Menschen mit merkwürdigen Neigungen oder Hobbys zu treffen, sind viel größer.

Teilst Du Fotos Deines Kindes öffentlich im Netz, kann sie jeder sehen. Und Du weißt nicht, wer da vor seinem Bildschirm sitzt und was demjenigen durch den Kopf geht.

Meiner Meinung nach wird sich die große Masse aber überhaupt nicht für das Antlitz Deines Kindes interessieren. Wieso sollte sie das auch tun?

Willst Du wirklich das voyeuristische Verlangen anderer Menschen befriedigen, die sich am Ende nur ihre Mäuler darüber zerreißen, wem von beiden Elternteilen das Kind jetzt ähnlicher sieht?

Empathie

Versetze Dich in andere Menschen. In diejenigen, denen Du die Kinderfotos zugänglich machen willst. Und in Dein Kind!

Wie würdest Du Dich fühlen, wenn ein Foto von Dir, mit dem Du gar nicht einverstanden bist, auf ewig im Netz herumgeistert? Wenn es Menschen zu sehen bekommen, von denen Du nicht willst, dass sie sie sehen?

Es ist wie bei allen Dingen, die wir tun: Wir sollten bereit und in der Lage sein, die Perspektive zu wechseln. Tu was Du willst, solange Du niemandem schadest!

Wie siehst Du das? Schickst Du Fotos Deines Kindes ins oder durchs weltweite Netz, und warum? Hast Du Bedenken dabei?

Alles Liebe
Dein Patrick

Dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen der Blogparade „Kinderfotos im Netz“ des Medienratgebers „SCHAU HIN!“.

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