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Aktualisiert am: 11.08.2026

Unkenntlich gemachte Kinder am Strand

Familie Peters, Felix‘ Mama und die Eltern der kleinen Mia haben eines gemeinsam: Sie schickten Fotos ihrer Kinder in den Cyberspace. Mit dem, was dann geschah, haben sie nicht gerechnet …

Mamas ganzer Stolz

In der Gesamtschule Heinrichswalde ist ein Foto im Umlauf: Ein Dreijähriger mit strohblonden Haaren, strahlend blauen Augen und zart-babyspeckiger Haut.

Ausnahmslos jede:r Schüler:in kennt dieses Bild mit der rosa Umrandung aus lauter Herzchen.

Und fast jede:r lässt einen Spruch los, wenn Felix durch das Schulgebäude streift: „Du bist Mamas ganzer Stolz!“ – wie es schon vor 10 Jahren auf Mamas Facebookaccount zu lesen war.

Die süße Mia

Mindestens genauso süß ist Mia.

Sie ist fast zwei Jahre alt und genießt die heißen Sommertage in ihrem Plantschbecken. Über beide Ohren strahlt sie, die Löckchen sehen so goldig aus und das Sonnenhütchen ist mega schick.

Das findet auch Oma, die per E-Mail an den Planschfreuden teilhaben darf.

Dass das Foto später auf einer Seite landet, auf der Erwachsene Kinderbilder sexualisieren, weiß niemand.

Der unbekannte Mann

Familie Peters ist eine coole Bloggerfamilie. Sie haben über 1.000 Facebookfans, 3.000 Follower auf Instagram und sind auf allen anderen Social-Media-Kanälen mindestens genauso bekannt.

Alle lieben die hippen Eltern und alle finden die Kiddies wahnsinnig süß. Was für ein Glück, wenn man so ausgesprochen niedliche Kinder hat! Immerhin sorgen die Kinderfotos und -videos für klickstarken Content und somit genügend Einnahmen durch YouTube, Zuwendungen von Fans und Geschenke mehrerer Modeketten. Selbst Fernsehsender bekunden regelmäßig ihr Interesse an der Familie.

Das ist für Familie Peters Grund genug, um weiterhin die volle Aufmerksamkeit der Follower zu genießen.

Ein Mann, den die Familie nicht kennt, zählt auch zu den Followern.

Er hat schon die Adresse der Familie im Impressum ausfindig gemacht.

Kontrolle und Verantwortung

Diese drei, zugegeben fiktiven, aber nicht aus der Luft gegriffenen Beispiele zeigen: Ihr könnt die Folgen nicht vollständig absehen, wenn ihr Bilder oder Videos eures Kindes ins Internet stellt. Kontrolle ist eine Illusion.

Wir Eltern tragen die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Kinder. Und wie können wir dieser beim Thema „Kinderfotos im Netz“ gerecht werden?

Die Szenen sind erfunden. Das Risiko hinter Mias Beispiel ist real: SCHAU HIN! berichtet, dass öffentlich zugängliche Alltagsfotos von Kindern von pädosexuellen Personen gezielt gesucht und weiterverbreitet werden.

Was „öffentlich“ bei Kinderfotos bedeutet

Ein Foto kann den Kreis verlassen, für den ihr es gedacht habt. Menschen können es speichern, weiterleiten oder per Screenshot kopieren. Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen beschreibt bei Veröffentlichungen im Internet eine weltweite Zugriffsmöglichkeit und eine Weiterverbreitung, die sich kaum kontrollieren lässt.

Kinderfotos, Sharenting und das Recht am eigenen Bild

§ 22 KunstUrhG verlangt für das Verbreiten oder öffentliche Zeigen eines Bildnisses in der Regel die Einwilligung der abgebildeten Person; § 23 nennt Ausnahmen. Bei minderjährigen Kindern kommt ihre Einsichtsfähigkeit hinzu. Die LDI NRW schrieb 2022, diese werde in der Regel mit dem 14. Lebensjahr angenommen, könne im Einzelfall aber früher vorliegen. Fehlt die Einsichtsfähigkeit, komme es regelmäßig auf die Einwilligung beider Elternteile an.

Für die Familienentscheidung würde ich viel früher ansetzen. Ein jüngeres Kind kann schon zeigen oder sagen, ob es ein Foto mag, wem es etwas zeigen möchte oder wann ihm eine Aufnahme unangenehm ist. Seine Perspektive ist vorher schon da.

Zum Nachlesen: KunstUrhG § 22, KunstUrhG § 23 und LDI NRW: 27. Datenschutzbericht 2022, Abschnitt 4.2 „Sharenting – Kinderfotos im Internet“.

Mut zum privaten Fotoalbum!

Interessiert sich überhaupt jemand für Bilder eurer Kinder? Und wenn ja, aus welchen Beweggründen? Ihr seid stolz auf euren Nachwuchs und wollt ihn am liebsten der ganzen Welt präsentieren? Dann lohnt die Frage, wer dieses Bild wirklich sehen soll.

Die Anzahl derer, die ein herzlich-freundschaftliches Interesse an Fotos eurer Kinder haben, dürfte verschwindend gering sein. Wer kommt eigentlich infrage? Die Großeltern des Kindes, die besten Freund:innen, Onkel und Tanten?

Traditionelles Fotoalbum mit der Aufschrift „Unser Kind“

Wie wär’s mit einem traditionellen Fotoalbum?

Gerade für einen kleinen Kreis bietet es sich doch an, traditionell zu bleiben und die schönsten Aufnahmen in einem Fotoalbum (so ein analoges, wie früher, aus Pappe und Papier) zusammenzutragen und sie zu besonderen Anlässen zu zeigen.

Wenn ihr lieber ein Fotobuch oder Erinnerungsbuch mögt, findet ihr solche Bücher zum Beispiel über buch7 oder Thalia.

Wenn ihr keine Fotoalben mögt, weil sie zu sperrig sind oder euch den Plan vom Minimalismus vermiesen, könnt ihr die Bilder auch als Slideshow am Bildschirm zeigen.

Notfalls hat der moderne Verwandte ein E-Mail-Postfach oder einen Kurznachrichtendienst, über den ihr Bilder eures Kindes verschlüsselt senden könnt. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann die Übertragung vor dem Mitlesen durch Dritte schützen. Was Empfänger:innen anschließend mit dem Bild tun, liegt außerhalb dieses Schutzes.

Wer Thunderbird nutzt, findet OpenPGP inzwischen direkt im Programm. Das frühere Enigmail-Add-on wurde durch die integrierte OpenPGP-Unterstützung ersetzt. Mozilla erklärt die Einrichtung und die Unterschiede.

E-Mail-Verschlüsselung mit Enigmail in einer älteren Thunderbird-Version

Früher lief OpenPGP in Thunderbird häufig über Enigmail. Heute ist die Unterstützung integriert.

Mein Kind soll aber auf die Kinderschokoladenverpackung!

Vielleicht tragt ihr die stille Hoffnung in euch, dass euer Kind von der Film-, Mode- oder Werbeindustrie entdeckt wird und ihr euch von da an über ein weiteres Einkommen freuen dürft.

Was glaubt ihr, wie hoch die Chancen stehen? Eine seriöse Zahl dazu habe ich nicht. Teilt ihr Fotos eures Kindes öffentlich im Netz, kann sie jede Person sehen, die Zugriff auf die Seite hat. Und ihr wisst nicht, wer da vor seinem Bildschirm sitzt und was demjenigen durch den Kopf geht.

Meiner Meinung nach wird sich die große Masse aber überhaupt nicht für das Antlitz eures Kindes interessieren. Wieso sollte sie das auch tun?

Die entscheidende Frage ist für mich eher: Wem nützt die Veröffentlichung – und welches Risiko trägt euer Kind dafür?

Empathie

Ein Perspektivwechsel kann helfen. Zu den Menschen, denen ihr die Kinderfotos zugänglich machen wollt. Und zu eurem Kind.

Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ein Foto von euch, mit dem ihr gar nicht einverstanden seid, auf ewig im Netz herumgeistert? Wenn es Menschen zu sehen bekommen, von denen ihr nicht wollt, dass sie es sehen?

Es ist wie bei allen Dingen, die wir tun: Die Perspektive zu wechseln, kann blinde Flecken sichtbar machen. Für mich gehört dazu: Ihr dürft tun, was ihr wollt, solange ihr niemandem schadet.

Wie seht ihr das? Schickt ihr Fotos eurer Kinder ins oder durchs weltweite Netz, und warum? Habt ihr Bedenken dabei?

Alles Liebe
Euer Patrick

Dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen der Blogparade „Kinderfotos im Netz“ des Medienratgebers „SCHAU HIN!“.

FAQ: Kinderfotos im Netz

Darf ich Kinderfotos einfach so bei Instagram, Facebook oder im Status posten?

Für öffentlich verbreitete oder gezeigte Bildnisse verlangt § 22 KunstUrhG in der Regel eine Einwilligung; § 23 nennt Ausnahmen. Bei Kindern hängt die rechtliche Einwilligungsfähigkeit von ihrer Einsichtsfähigkeit ab. Die LDI NRW nennt das 14. Lebensjahr als übliche Orientierung, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass die Einsichtsfähigkeit im Einzelfall früher vorliegen kann.

Reicht es, das Gesicht mit einem Emoji zu verdecken?

Ein Emoji verdeckt das Gesicht, aber andere Informationen können sichtbar bleiben: Kleidung, Umgebung, Schule, Verein oder Aufnahmeort. Die BzKJ warnte im Juni 2025 außerdem davor, sich wegen neuer KI-Programme auf eine Smiley-Abdeckung als Schutz zu verlassen.

Was ist mit „nur für Freund:innen“ oder einem privaten Profil?

Ein kleiner Empfängerkreis reduziert die Reichweite. Die Menschen in diesem Kreis können ein Bild trotzdem speichern, weiterleiten oder als Screenshot kopieren. Deshalb macht ein privates Profil aus einem geteilten Foto noch kein privates Fotoalbum.

Ab welchem Alter können Kinder mitentscheiden?

Für mich beginnt die Beteiligung, sobald ein Kind seine Sicht auf das Foto ausdrücken kann. Das ist von der rechtlichen Einwilligungsfähigkeit zu unterscheiden. Die LDI NRW knüpft diese an die Einsichtsfähigkeit und nennt das 14. Lebensjahr als übliche Orientierung, lässt aber ausdrücklich frühere Einzelfälle zu.

Welche Kinderfotos sind besonders heikel?

SCHAU HIN! nennt unter anderem Nacktaufnahmen, sehr freizügige Bilder sowie Fotos aus peinlichen oder verletzlichen Situationen wie Weinen, Wut, Krankheit oder Schlaf. Auch Namen, Schule, Verein, Aufnahmeort und wiederkehrende Wege können mehr über ein Kind verraten, als auf den ersten Blick auffällt.

Welche Alternativen gibt es zum öffentlichen Posten?

Ein analoges Fotoalbum, ein Fotobuch, eine Slideshow zu Hause oder ein kleiner Verteiler kommen infrage. Bei digitalen Wegen kann Ende-zu-Ende-Verschlüsselung den Transport schützen. Für die Entscheidung bleibt trotzdem wichtig, wer das Bild erhält und was anschließend damit geschehen kann.

Wo finde ich verlässliche Informationen zu Kinderfotos im Netz?

Zum Einstieg eignen sich die Informationen von SCHAU HIN!, der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) und der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen.

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CC BY-SA 4.0 Kinderfotos im Netz: Da ist für jeden was dabei. von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.