Es war ein regnerischer Nachmittag, als mich vor rund zehn Jahren ein langersehntes Päckchen erreichte. Eine Freundin war gerade zu Besuch. Ich plauderte mit ihr über die Post, in dem meine allererste Menstruationstasse auf mich wartete.

Zu der Zeit machten fast nur absolute Ökotussis von sowas Gebrauch. Die meisten Leute hatten noch nie davon gehört. Und auch meine Verbündete wurde neugierig, wie dieses Ding denn nun aussehen würde.

Während ich in der Küche einen Tee für uns überbrühte und das Paketband meiner Post auftrennte, nutzte ich die Zeit für einen Schabernack: Zurück im Wohnzimmer hielt ich meiner Freundin das Päckchen hin. „Schau doch schon mal rein!“, bat ich sie, als ich den Kräutertee abstellte. Vorsichtig zogen ihre Hände eine altmodische Porzellantasse aus dem kleinen Paket. „Oh, so sehen Menstruationstassen aus? Da könntest du doch aber genauso gut die hier verwenden!“, zweifelte sie an meinem Verstand, während sie auf unsere Teetassen deutete. „Und da hockst du dich dann drüber, nur um das Blut aufzufangen?“, fragte sie mich.

Ich zog das eigentliche Original aus meiner Hosentasche und wir wieherten los.

Die Menstruationstasse, das geheimnisvolle Wesen

Liebe Frauen,

lasst uns Menstruationstassen einmal mit heiteren Geschichten statt mit Scham beleuchten. Ich will mich nicht mehr hinter der Aussage verstecken, dass die kleinen Blutfänger heute sowieso schon jede Frau kennt.

Im Gegenteil: Ich habe bereits eine Tassen-Präsentation vorbereitet, die ich bei der nächsten Gelegenheit an Schulen anbieten könnte. Falls es Schulleitungen gibt, die für die angehende Rede Hilfe benötigen: Ein paar freie Termine hätte ich noch. Dabei sollten die Pädagogen im Hinterkopf behalten, nicht zu lange mit meiner Werbeveranstaltung zu warten. Denn womöglich komme ich mit Menstruationstassen in zehn Jahren nicht mehr so gut an, wenn ich in den Wechseljahren stecke.

Menstuationstasse und Erdbeeren im Kreis gelegt auf einem Tisch aus Holz

Alternative Monatshygiene in der „Erdbeerwoche“ mit der Menstruationstasse

Ich habe mich noch nicht umgehört, wie dieses Gefäß aus Silikon, Gummi oder TPE (thermopastischem Elastomer) in der Jugendsprache heißt. Vielleicht Bloody-Mary-Cocktailbecher? Oder Ketchupdeckel? Keine Ahnung. Ich, also quasi „das Mittelalter“, kenne sie als:

  • Menstasse,
  • Menstruationsglocke,
  • Menstruationskappe,
  • Menstruationsbecher und
  • Periodenbecher.

Im Englischen nutzt man am häufigsten „menstrual cup“.

Die Vorteile von Menstruationstassen

Ich überlege mir, die Dinger mindestens allen jungen Fridays-for-Future-Fans – oh Verzeihung: -Faninnen – anzupreisen. Schließlich sind Menstruationstassen, anders als Tampons und konventionelle Binden, frei von Schadstoffen oder Kunststofffusseln. Wer Menscups nutzt, füttert im Laufe des Lebens zudem nicht mehr den Müllberg um 10.000 bis 17.000 Tampons oder Binden. Allein aus Gründen des Umweltschutzes lohnt sich ein Blick auf die Cups.

Selbstredend gibt es noch mehr gute Gründe, die Teile allen Frauen schmackhaft zu machen. Doch bevor es mit den Vorteilen der Menstruationsbecher weitergeht, will ich den jungen Leserinnen sagen: Lasst euch von meinem Text nicht auf die Schippe nehmen. Wir Muttis wissen schon, dass ihr keine kreischenden Highschool-Tussis seid. <3 ;-)

Kommen wir nun zu meiner Ausarbeitung für die Schülerinnen in den Abschlussklassen. An die Powerpoint-Leinwand (macht man das heute noch?) der Aula würde ich werfen:

  1. Euch werden keine wilden Hunde angreifen.
  2. Auf den Schwimmbad-Toiletten braucht ihr nicht mehr halbstündlich eure Tampons auswringen.
  3. Mit Menstruationstassen kann man Sex haben (aber nicht verhüten!!!)
  4. Ihr kommt von den Tabletten weg.
  5. Ihr versaut euch nicht eure Höschen.
  6. Nur hier kommt’s auf die Größe an!
  7. Ihr habt mehr Geld für Drogen übrig.
  8. Ihr solltet sie auskochen, bevor ihr sie mit euren Freundinnen tauscht.
  9. Eure Mütter meinen es doch nur gut mit euch!

Spricht so eine halb-grauhaarige Schachtel wie ich zur Jugend, reicht das sicher schon.

Doch ich will nicht unvorbereitet sein, falls ein paar Helikoptermütter im Publikum Fragen stellen. Also lasst mich diese Punkte noch etwas ausführen …

Kein Geruch an mir, kein Geruch bei der Entsorgung

Wer eine Menstruationstasse trägt, wird nicht von wilden Hunden überfallen. Zumindest liegt das dann nicht an dem lockenden Geruch zwischen den Beinen.

Erinnert ihr euch voller Ekel an die Bindeneimer in den Schultoiletten? Was viele nicht wissen: Es ist nicht unser frisches Frauenblut, das stinkt – vorausgesetzt, wir sind gesund. Müffelgeruch kann davon kommen, dass das Blut oxidiert. Der Kunststoffanteil in Binden, Slipeinlagen und Tampons gibt sein Bestes, ein stinkig-schwitziges Klima zu schaffen. Würden wir unser Blut, egal ob mit oder ohne Hilfsmittel, auf die Straße kippen – im Nu schwirrten eine Schar Fliegen darum. Sammelt sich hingegen Blut in einer Menstruationskappe, gelangt keine Luft heran. Es kann also gar nichts stinken.

Gesundheitsvorsorge in Pools und Schwimmbädern

„Was machen wir nur, wenn wir zur Schwimmprüfung unsere Tage haben?“, tuscheln die Mädchen in der Schule, wenn die Abschlussprüfungen näher rücken. Statt Kopfzerbrechen würde eine kurze Durchsage des Direktors auf den Pausenhöfen doch so beruhigen:

„Liebe Schülerinnen, vergesst eure Badekappen nicht! Denn ein dichter Stöpsel lässt keine Keime und Bakterien beim Baden hinein. Egal, wie schnell ihr eure Bahnen krault, ob ihr euch hinterher im Whirlpool tümmelt, Arschbomben übt oder noch einen Tauchkurs nehmt: Die Gummikappen taugen für alle Tage, also auch, wenn ihr nichts ausbrütet. Sogar eure olle Sportlehrerin mit dem schwachen Beckenboden schluckt kein Badewasser, wenn sie ihre Schwimmkappe trägt. Sie versteckt sich auch nicht mehr alle halbe Stunde auf dem Klo, weil sie keine vollgesaugten Lockenwickler mehr wechseln muss.“

Praktisch beim Sex: Dank Menstruationstasse gibt’s kein Blutbad

Jedes Pärchen soll den Sex während der Erdbeerwoche handhaben, wie es will. Die offiziellen Meinungen gehen dabei auseinander. Ein Tabu muss es jedenfalls nicht sein. Wer dabei keine blutige Sauerei möchte, findet die Menstasse möglicherweise nützlich.

Menstruationstasse mit Erdbeere

Die Menstruationstasse steht dem Sex während der Periode nicht im Weg

Es gibt es Cups, die besonders flach sind. Sie liegen wie eine kleine Schüssel nah am Gebärmutterhals. Modelle wie die Intimina Ziggy Cup werden speziell für „Menstruationssex“ angepriesen. Dass die „normalen“ Modelle beim Liebesspiel einknicken oder auslaufen, halte ich aber für genauso unwahrscheinlich.

Ein altes Sprichwort sagt: Probieren geht über studieren. Wenn die übliche Kappe mit Glöckchen, Stiel oder Zipfel nicht stört, ist das auch gut. Aus der Scheide kommen die Sittenwächter hinterher einfach, indem man mithilfe des Beckenbodens ein wenig schiebt und sie wie gewohnt entfernt, reinigt und wieder einsetzt.

Keuschheit während der Periode ist natürlich auch okay. Schlagt euren Partnern dann einfach gemeinsame Häkelkurse, Tanzstunden oder einen Besuch im Heimatmuseum vor. Vielleicht wollen die Jungs ihre Freundinnen auch zur Einschreibung ins Nonnenkloster begleiten?

Weniger Periodenschmerzen und Krämpfe

Menstruationstassen sitzen im Scheidentrakt. Mit Hilfe des Beckenbodens bleibt die Kappe an Ort und Stelle. Die Muskeln können durch aktives Bewegen der Menstruationskappe mithilfe von Anspannung und Entspannung den Beckenboden trainieren. Das hilft gegen die Schmerzen. Mit einem Tampon klappt das nicht. Der saugt sich einfach „nur“ voll. Was den Unterricht angeht: Statt Stillsitzen würde etwas mehr Rumhampelei den Schülerinnen gut tun. Vielleicht gibt es inzwischen wieder mehr Pädagogen, denen es wichtig ist, Bewegung zu fördern. Aber bitte nicht so: „Guten Morgen! Während der Leistungskontrolle bleiben alle brav auf ihren Plätzen. Absolute Ruhe bitte! Und die Mädchen ermahne ich, nebenbei ab und zu ihren Beckenboden anzuspannen, bis ihr die Menstruationstasse spürt, dann lasst ihr kurz locker …“

Fast jede Baumwolle wird chemisch behandelt, auch die für Tampons. Wenn ein Tampon zu lange in der Vagina bleibt, können sich Bakterien vermehren und giftige Stoffe ausscheiden. Über die Scheidenschleimhaut nehmen wir diese Schadstoffe auf. Schwupps, gelangen sie in unseren Blutkreislauf. Unser Körper reagiert auf sie mit Krämpfen, Kopfschmerzen oder Übelkeit. Zudem trocknen Tampons die Scheide aus. Dadurch wird sie anfälliger für Pilze und Bakterien.

Toxisch ist auch, was mancher junge Mensch in der Schule aus den Snackautomaten konsumiert. Doch wer tauscht schon gern Cola, Milchprodukte, Schokoriegel und BiFi gegen Smoothie und ein mit Sprossen belegtes Knäckebrot? Vielleicht empfehlen sich hier ein paar inspirierende Austauschschüler aus Waldorfschulen.

Zurück zum Thema …

Kein Auslaufen, wenn die Größe der Menstruationstasse stimmt – meine Empfehlungen

Die richtige Menstruationstasse zu finden, ist kein Hexenwerk. Pro Hersteller könnt ihr meist unter zwei bis drei Größen wählen. Doch welche ist nun die Richtige? Hier meine Empfehlungen:

Junge Frauen haben ein schmaleres Becken und einen Vorzeige-Beckenboden wie im Lehrbuch. Wenn meine Töchter mal in dem Alter sind, würde ich wohl ökologische, feste Menscup für Teenager kaufen, sollten sie die ausprobieren wollen – zum Beispiel die OrganiCup.

Für junge Damen, die noch nicht vaginal entbunden haben, darf’s ein kleines bisschen größer sein – wie die LaTessa.

Sportlerinnen wird ein Menstruationsbecher aus festerem Silikon empfohlen. Eine dieser Sport-Menstruationstassen ist die FeeCup.

Nach den Geburten meiner Kinder (plus einem Jahr Stillpause) eierte meine erste Menstasse nur so in mir herum. Ich musste mir eingestehen, dass ich einfach älter geworden war. Mein Beckenboden war nach dem vierten Kind sehr „omamäßig“ und ich probierte deshalb neue Cups. Als Menstruationstasse für Mütter gefällt mir die Mami Cup gut.

Seit ich täglich Sport mache, passte so eine für mich nicht mehr und ich brauchte wieder ein festeres Cup.

Freude an einer Menstasse habe ich eigentlich nur, wenn sie tatsächlich richtig dicht ist. Braucht es Slipeinlagen, weil etwas Blut am Rand der Tasse vorbeiläuft, erfüllt sie meiner Meinung nach nicht ihren Zweck. Sprich: Es ist die Falsche.

Menstruationstassen für die Erdbeerwoche: Auf die Größe kommt's an

Bei den Menstruationstassen kommt’s auf die Größe an

Statt aus medizinischem Silikon gibt’s inzwischen auch Menstruationstassen aus natürlichem Kautschuk, wie die Period Cup von FAIR SQUARED. Das klingt doch toll für die waschechten Ökotussis unter uns, nicht wahr?

Keine anderen Hygieneprodukte notwendig

Zähneknirschen, rote Ohren und schlechte Laune ade! Ihr braucht eure Männer nicht mehr bitten, Slipeinlagen und ein großes Päckchen AllWays Ultra Long vom Einkaufen mitzubringen. Doch wenn es euch Spaß macht, könnt ihr euren Liebsten ja immer noch losschicken, um Menstruationstee oder Regelschmerz-Pflaster zu besorgen.

Nutzt ihr eine korrekt passende Menstruationskappe, spart ihr laut einer Studie bis zu 550 Euro pro Jahr (Quelle: rnd.de).

Eine Tasse kostet zwischen vierzehn und vierzig Euro und hält mindestens zehn Jahre, im Grunde aber ein Leben lang.

Period Cup Second Hand

Quillt die Vitrine für die Sammeltassen im Wohnzimmer bereits über? Dann wollt ihr eure nicht (mehr) passende Menscup vielleicht loswerden. Für die Jugend ist das einfach. Die tauscht die Tassen einfach in der Hofpause. Aber Mamis ungenutzten Tassen bekommt man besser durch Facebookgruppen los.

Neben der Menstruationstasse gibt’s noch mehr Alternativen bei der Monatshygiene

Wisst ihr noch? Als unsere Kinder Babys waren, gaben wir acht, dass keine Duftstoffe und Chemikalien an die zarten Popos gerieten. Wir Mütter passten auf, dass sie nur mit Öko-Spielzeug aus Bio-Holz spielten. Und die Schulbrote unserer Kinder verzierten wir mit Gesichtern aus gesundem Grünzeug. Doch bekommen unsere Töchter ihre Periode, reichen wir ihnen mit Chemie getränkte Tampons oder Binden aus schwitzigen Plastikbahnen. Wieso um Himmels Willen nehmen wir es mit der Gesundheit unserer Kinder nicht mehr so ernst, wenn sie erwachsen werden?

Den jungen Mädchen auf den Schulhöfen werde ich weitere, nachhaltige Monatshygiene selbstverständlich nicht verschweigen. Schließlich starten sie bei der Menarche nicht mit Tampons. Und mit Menstruationstassen erst recht nicht.

Vielleicht mag die Jugend stattdessen:

Mut zum Wohlfühlen mit der Menstruationstasse

Egal, ob ihr zur Gruppe der Freudentanz-Vulvas, Weiberblut-Malerinnen oder der unauffällig menstruierenden Ladys gehört oder gehören werdet:

Lasst uns mutig sein und das Beste für unsere schönen, weiblichen Körper zu nutzen.

Viel Freude, ein gesundes Selbstbewusstsein und ein neues Stückchen Mut für Alternativen zu herkömmlichen Tampons und Binden – wie die Menstruationstasse – wünscht euch

Eure Evelin

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