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Zuletzt aktualisiert: 15. August 2026

Es war ein regnerischer Nachmittag, als mich vor rund zehn Jahren ein lang ersehntes Päckchen erreichte. Eine Freundin war gerade zu Besuch. Zu der Zeit machten fast nur absolute Ökotussis von so etwas Gebrauch. Die meisten Leute hatten noch nie davon gehört, und auch meine Freundin war neugierig, wie dieses Ding denn nun aussehen würde.

Während ich in der Küche einen Tee für uns überbrühte und das Paketband auftrennte, nutzte ich die Zeit für einen Schabernack: Zurück im Wohnzimmer hielt ich meiner Freundin das Päckchen hin. „Schau doch schon mal rein!“, bat ich sie, als ich den Kräutertee abstellte. Vorsichtig zogen ihre Hände eine altmodische Porzellantasse aus dem kleinen Paket. „Oh, so sehen Menstruationstassen aus? Da könntest du doch aber genauso gut die hier verwenden!“, zweifelte sie an meinem Verstand, während sie auf unsere Teetassen deutete. „Und da hockst du dich dann drüber, nur um das Blut aufzufangen?“, fragte sie mich.

Ich zog das eigentliche Original aus meiner Hosentasche und wir wieherten los.

Was ist eine Menstruationstasse? Das geheimnisvolle Wesen

Liebe Frauen,

lasst uns Menstruationstassen einmal mit heiteren Geschichten statt mit Scham beleuchten. Heute sind die kleinen Blutfänger zwar kein Geheimtipp mehr. Dafür klebt an ihnen noch immer allerlei Halbwissen: Mal sollen sie sämtliche Periodenprobleme lösen, mal gelten sie als Öko-Spleen mit Silikonrand. Beides wird dem Ding nicht gerecht.

Eine Menstruationstasse ist ein wiederverwendbares Gefäß, das in die Vagina eingesetzt wird und Menstruationsblut sammelt, statt es aufzusaugen. Viele Modelle bestehen aus medizinischem Silikon; daneben gibt es unter anderem TPE und Gummi. Im Deutschen geistern Namen herum wie Menstasse, Menstruationsglocke, Menstruationsbecher oder Periodenbecher. Im Englischen heißt das Ganze meist schlicht menstrual cup.

Ich habe mich noch nicht umgehört, wie das Gefäß in der Jugendsprache heißt. Vielleicht Bloody-Mary-Cocktailbecher? Oder Ketchupdeckel? Keine Ahnung. Ich, also quasi „das Mittelalter“, bleibe bei Menstasse.

Im Gegenteil: Eine kleine Tassen-Präsentation für Schulen hätte ich innerlich längst fertig. Falls es Schulleitungen gibt, die dafür noch jemanden brauchen: Ein paar freie Termine hätte ich theoretisch. Diesmal gäbe es allerdings weniger Heilsversprechen und mehr ehrliche Antworten auf die Fragen, die junge Menschen tatsächlich haben. Ich bin ja älter geworden. Ein bisschen zumindest.

Menstruationstasse und Erdbeeren im Kreis auf einem Holztisch

Wiederverwendbare Monatshygiene mit der Menstruationstasse

Vorteile und Nachteile der Menstruationstasse – ohne Heilsversprechen

Ich überlege mir noch immer, die Dinger mindestens allen jungen Fridays-for-Future-Fans anzupreisen. Der ökologische Vorteil ist schließlich ziemlich handfest: Wer einen Cup immer wieder benutzt, wirft nicht bei jedem Wechsel ein neues Periodenprodukt weg. Hait und Powers berechneten 2019 in ihrer vergleichenden Lebenszyklusanalyse für den wiederverwendbaren Cup in allen untersuchten Wirkungskategorien deutlich geringere Umweltwirkungen als für Einweg-Binden und Tampons.

Wenn ich heute mit einer Schulklasse oder mit unseren Töchtern darüber sprechen würde, käme aber gleich der Satz dazu, den ich früher zu schnell übersprungen hätte: Ihr müsst so einen Cup nicht mögen. Menstruation ist kein Wettbewerb in Nachhaltigkeit, Körperkenntnis oder Coolness. Ein Produkt soll zu euch passen – nicht umgekehrt.

Wenn ich meine Ausarbeitung für die Abschlussklassen heute an die PowerPoint-Leinwand (macht man das heute noch?) der Aula werfen müsste, stünde dort vermutlich:

  1. Euch werden keine wilden Hunde angreifen.
  2. Schwimmen mit Menstruationstasse funktioniert für viele ziemlich unkompliziert.
  3. Für Periodensex ist eher eine Menstruationsdisc gemacht – verhüten kann auch sie nicht.
  4. Bei Krämpfen ist die Menstruationstasse kein Schmerzmittel.
  5. Wenn Größe, Form und Sitz passen, bleibt erstaunlich viel in der Tasse statt in der Unterwäsche.
  6. Nur hier kommt’s wirklich auf die Passform an.
  7. Wer einen Cup lange nutzt, spart Wegwerfmüll und oft auch Geld.
  8. Mit Freundinnen tauscht man Bücher, Kuchenrezepte oder schlechte Schulerinnerungen. Keine benutzten Cups.
  9. Eure Mütter meinen es vielleicht gut. Euer Körper weiß trotzdem selbst am besten, was zu ihm passt.

Spricht so eine halb-grauhaarige Schachtel wie ich zur Jugend, reicht das als Grundgerüst vielleicht schon. Doch ich will nicht unvorbereitet sein, falls ein paar Helikoptermütter oder halbinformierte Onkel im Publikum Fragen stellen. Also lasst mich die Sache etwas ausführen.

Weniger Geruch, weniger Drama bei der Entsorgung

Wer eine Menstruationstasse trägt, wird nicht von wilden Hunden überfallen. Zumindest liegt das dann nicht an dem lockenden Geruch zwischen den Beinen.

Erinnert ihr euch voller Ekel an die Bindeneimer in den Schultoiletten? Ein Cup erspart dort schon einmal benutzte Binden oder Tampons, die bis zur Leerung im Eimer liegen. Geruch verschwindet dadurch nicht per Naturgesetz. Ein Cup ist praktisch. Er setzt die Biologie nicht außer Kraft.

Schwimmen mit Menstruationstasse: praktisch, aber keine Schutzkappe

„Was machen wir nur, wenn wir zur Schwimmprüfung unsere Tage haben?“, tuscheln Mädchen seit gefühlt 1837 auf irgendwelchen Schulfluren. Gerade dafür kann eine Menstruationstasse angenehm sein: Sie sitzt im Körper und kann auch beim Schwimmen getragen werden. Das Wechseln einer vollgesogenen Binde in der Schwimmbadkabine entfällt sowieso, und auch ein Tampon muss nicht die einzige innere Möglichkeit sein.

Was ich einer Tochter oder Schulklasse nicht mehr erzählen würde: dass ein Cup beim Baden wie ein dichter Stöpsel sämtliche Keime fernhält. Er ist keine U-Boot-Luke und kein Gesundheitsschutzschild mit Meerjungfrauen-Siegel. Er sammelt Menstruationsblut. Mehr muss er auch gar nicht können.

Periodensex: Disc ja, klassischer Cup eher nicht

Jedes Pärchen soll Sex während der Periode so handhaben, wie es für beide passt. Ein Tabu muss das Ganze nicht sein. Wer bei vaginalem Sex Menstruationsblut auffangen möchte, schaut eher nach einer Menstruationsdisc. Discs sitzen anders als klassische Menstruationstassen, weiter hinten nahe am Gebärmutterhals, und sind für das Tragen beim Sex gedacht. Ein klassischer Cup ist dafür nicht das naheliegende Produkt.

Menstruationstasse mit Erdbeere

Für Sex während der Periode werden Menstruationsdiscs genutzt, nicht klassische Cups

Weder Cup noch Disc sind Verhütungsmittel. Vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen sie ebenfalls nicht.

Keuschheit während der Periode ist selbstverständlich auch erlaubt. Schlagt euren Partnern dann einfach gemeinsame Häkelkurse, Tanzstunden oder einen Besuch im Heimatmuseum vor. Man soll ja offen für Neues bleiben.

Weniger Periodenschmerzen? Vielleicht angenehmer, aber kein Zauberbecher

Eine Menstruationstasse ist keine Therapie gegen Krämpfe und kein Trainingsgerät für den Beckenboden. Für solche Wirkungen fehlt eine belastbare Grundlage.

Was die Forschung eher hergibt: Viele Nutzerinnen kommen nach einer Gewöhnungsphase gut mit Menstruationstassen zurecht. In der randomisierten FLOW-Studie waren beide untersuchten Methoden – Tampons und Menstruationstassen – insgesamt gut verträglich; anfängliches Unbehagen in der Cup-Gruppe nahm mit der Zeit ab. Das heißt immer noch nicht, dass jede Person einen Cup angenehm finden muss.

Wenn eure Periode euch regelmäßig mit starken Schmerzen, Schwindel, ungewöhnlich heftigen Blutungen oder anderen Beschwerden aus dem Alltag kippt, lasst das medizinisch abklären. Ein Periodenprodukt soll den Alltag erleichtern. Es soll keine Beschwerden erklären, die eine Untersuchung brauchen.

Welche Menstruationstasse passt? Größe, Form und eigene Erfahrungen

Die richtige Menstruationstasse zu finden, ist kein Hexenwerk. Sie fällt allerdings auch nicht wie ein verzauberter Pantoffel vom Himmel. Hersteller sortieren ihre Modelle gern nach Alter, vaginalen Geburten oder Sportlichkeit. Das kann eine grobe Orientierung sein. Euer Körper hält sich nur nicht zwingend an die Tabelle auf der Packung.

Beim Ausprobieren spielen die tatsächlichen Maße und die Form des Cups, seine Festigkeit, die Stärke der Blutung und eure eigene Anatomie eine Rolle. Manche kommen mit einem weicheren Modell besser zurecht, andere mit einem festeren. Wer seinen Gebärmutterhals während der Periode gut ertasten kann, kann auch dessen Höhe bei der Auswahl berücksichtigen. Das sind praktische Auswahlhilfen, keine Charakterbeschreibung eures Beckenbodens.

Nach den Geburten meiner Kinder – plus einem Jahr Stillpause – eierte meine erste Menstasse nur so in mir herum. Nach dem vierten Kind fühlte sich mein Beckenboden für mich ziemlich „omamäßig“ an, und ich probierte andere Cups. Seit ich täglich Sport mache, passte so ein Modell wieder nicht mehr und ich brauchte ein festeres. Mein Körper hatte offenbar nicht vor, sich dauerhaft an die Sortierung im Onlineshop zu halten.

Verschiedene Menstruationstassen zur Veranschaulichung von Größe und Form

Bei Menstruationstassen entscheiden Größe, Form, Festigkeit und Sitz über die Passung

Freude an einer Menstasse habe ich persönlich nur, wenn sie tatsächlich dicht ist. Läuft ständig Blut am Rand vorbei, passt dieses Modell wahrscheinlich nicht gut zu euch oder sitzt noch nicht richtig. Das muss niemand als persönliche Niederlage interpretieren. Es ist ein Stück Silikon, kein Eignungstest.

Statt aus medizinischem Silikon gibt es auch Modelle aus natürlichem Kautschuk. Das klingt doch toll für die waschechten Ökotussis unter uns, nicht wahr?

Wenn die Menstruationstasse dicht sitzt, braucht es oft kein Backup

Wenn der Cup gut sitzt, brauchen viele keine Binden, Tampons oder Slipeinlagen zusätzlich. Am Anfang trotzdem eine Slipeinlage oder Periodenunterwäsche als Backup zu tragen, ist keine Kapitulation. Es ist eine ziemlich entspannte Art herauszufinden, ob die neue Tasse wirklich dicht hält.

Und ja: Auf Dauer kann ein Cup Geld sparen, weil er wiederverwendet wird und Einwegprodukte nicht ständig nachgekauft werden müssen. Wie viel ihr tatsächlich spart, hängt davon ab, welches Modell ihr kauft, wie lange ihr es nutzt und was ihr sonst verwendet hättet. Eine allgemeine Ersparnis pro Jahr lässt sich daraus nicht seriös ableiten.

Period Cup Second Hand? Ich würde es lassen.

Quillt die Vitrine für die Sammeltassen im Wohnzimmer bereits über, wollt ihr eine nicht passende Menstasse vielleicht loswerden. Ich würde einen benutzten Cup nicht weitergeben. Auskochen oder eine andere vom Hersteller vorgesehene Hitzebehandlung gehört zur Reinigung des eigenen Cups; daraus muss trotzdem kein Schulhof-Tauschsystem werden. Wenn ein Modell nicht passt, war es Lehrgeld. Ärgerlich, ja. Aber nicht die Geburtsstunde eines neuen Gebrauchtwarenzweigs.

Menstruationstasse reinigen: Sicherheit und das nervige Kleingedruckte

Der Teil, den ich auf der Aula-Leinwand vermutlich in etwas kleinerer Schrift unterbringen müsste, ist trotzdem wichtig: Hände vor und nach dem Einsetzen oder Herausnehmen waschen, den Cup nach Herstellerangaben reinigen, sauber lagern und beim Entfernen erst die Abdichtung lösen. Die FDA rät bei Menstruationsprodukten ausdrücklich zum Händewaschen und dazu, die jeweilige Gebrauchsanweisung einzuhalten. Eine Laborstudie von 2022 zeigte außerdem, dass eine Behandlung mit frisch abgekochtem Wasser die Zahl von Staphylococcus aureus auf Silikoncups stark reduzieren kann. Für die konkrete Dauer und Methode folgt ihr trotzdem der Anleitung eures Modells.

Toxisches Schocksyndrom, kurz TSS, ist selten, aber lebensbedrohlich. Das kann man Jugendlichen erklären, ohne Angstkino daraus zu machen. Wenn plötzlich hohes Fieber, grippeähnliche Beschwerden, Erbrechen oder Durchfall, ein auffälliger Hautausschlag, starker Schwindel oder Verwirrtheit auftreten, nehmt den Cup heraus und holt dringend medizinische Hilfe. Der NHS nennt Menstruationstassen ausdrücklich als einen möglichen Zusammenhang bei TSS.

Menstruationstasse und Spirale

Wer eine Spirale trägt, sollte die Kombination mit einem Cup in der gynäkologischen Praxis ansprechen. Ein systematischer Review von 2023 sah einen möglichen Zusammenhang zwischen Cup-Nutzung und IUD-Ausstoßung; eine 2024 veröffentlichte Auswertung einer randomisierten Kupferspiralen-Studie fand bei einem der untersuchten IUD-Modelle höhere Ausstoßungsraten bei Cup-Nutzerinnen und bei beiden Modellen häufiger versehentliche Selbstentfernungen. Das lässt sich nicht auf jede Spirale übertragen. Beim Herausnehmen des Cups sollte die Abdichtung deshalb sorgfältig gelöst werden; achtet außerdem darauf, die Rückholfäden der Spirale nicht mitzugreifen.

Alternativen zur Menstruationstasse – gerade für Teenager

Wisst ihr noch? Als unsere Kinder Babys waren, haben wir uns oft ziemlich genau überlegt, welche Windel, welche Pflege und welches Material an ihre Haut kommt. Wenn unsere Töchter ihre Periode bekommen, finde ich dieselbe Aufmerksamkeit sinnvoll – diesmal allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Sie sind alt genug, selbst mitzureden. Wir können erklären, was es gibt. Benutzen müssen sie das Zeug selbst.

Vielleicht passt für eure Tochter oder für euch besser:

  • Menstruationsunterwäsche,
  • wiederverwendbare Slipeinlagen,
  • waschbare Binden,
  • Menstruationsdiscs oder
  • freie Menstruation.

Manche kommen mit einer Tasse wunderbar klar. Andere hassen das Einsetzen und finden Periodenunterwäsche viel stimmiger. Gerade bei der ersten Periode würde ich aus keinem Produkt ein pädagogisches Projekt machen. Wenn ihr einen jungen Menschen begleitet, findet ihr in unserem Beitrag „Nachhaltige Menstruationsprodukte für Teenager“ einen ausführlicheren Vergleich von Menstruationstasse, Stoffbinden und Periodenunterwäsche.

Wer sich generell für reduzierte und alltagstaugliche Körperpflege interessiert, findet in unserem Beitrag „Minimalismus im Bad“ Gedanken, die dazu passen.

Mut zum Wohlfühlen mit der Menstruationstasse

Egal, ob ihr zur Gruppe der Freudentanz-Vulvas, Weiberblut-Malerinnen oder der unauffällig menstruierenden Ladys gehört oder gehören werdet:

Lasst uns unseren Töchtern und uns selbst genug Freiheit lassen, eine Menstruationstasse auszuprobieren, sie großartig zu finden oder sie nach ein paar Versuchen genervt wieder in den Schrank zu stellen. Eine gute Periodenlösung darf sich mit dem eigenen Körper und dem eigenen Alltag verändern.

Viel Freude, ein gesundes Selbstbewusstsein und ein neues Stückchen Gelassenheit für Alternativen zu herkömmlichen Tampons und Binden – darunter auch die Menstruationstasse – wünscht euch

Eure Evelin

Quellen und Einordnung

CC BY-SA 4.0 9 verschwiegene Geheimnisse einer Menstruationstasse – humorvolle Fakten für junge Frauen und mittelalte Damen von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.