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Zuletzt aktualisiert: 10. März 2026

Es war ein regnerischer Nachmittag, als mich vor rund zehn Jahren ein lang ersehntes Päckchen erreichte. Eine Freundin war gerade zu Besuch. Während ich in der Küche einen Tee für uns überbrühte und das Paketband auftrennte, nutzte ich die Zeit für einen Schabernack: Zurück im Wohnzimmer hielt ich meiner Freundin das Päckchen hin. „Schau doch schon mal rein!“, bat ich sie, als ich den Kräutertee abstellte. Vorsichtig zogen ihre Hände eine altmodische Porzellantasse aus dem kleinen Paket. „Oh, so sehen Menstruationstassen aus? Da könntest du doch aber genauso gut die hier verwenden!“, zweifelte sie an meinem Verstand, während sie auf unsere Teetassen deutete. „Und da hockst du dich dann drüber, nur um das Blut aufzufangen?“, fragte sie mich.

Ich zog das eigentliche Original aus meiner Hosentasche und wir wieherten los.

Die Menstruationstasse, das geheimnisvolle Wesen

Zu der Zeit machten fast nur absolute Ökotussis von so etwas Gebrauch. Die meisten Leute hatten noch nie davon gehört. Heute ist die Menstruationstasse kein Geheimtipp mehr — aber an ihr klebt immer noch eine Menge Halbwissen. Mal soll sie sofort alle Probleme lösen, mal gilt sie als Öko-Spleen mit Silikonrand. Beides greift zu kurz.

Im Gegenteil: Ich habe innerlich längst eine Tassen-Präsentation vorbereitet, die ich bei Gelegenheit an Schulen aufführen könnte. Falls es Schulleitungen gibt, die für die Rede noch Hilfe brauchen: Ein paar freie Termine hätte ich theoretisch. Viel Bühnennebel und falsche Gesundheitsversprechen gäbe es diesmal allerdings nicht. Ich bin ja älter geworden. Ein bisschen zumindest.

Menstruationstasse und Erdbeeren im Kreis auf einem Holztisch

Alternative Monatshygiene mit der Menstruationstasse

Die Menstruationstasse besteht meist aus medizinischem Silikon, manchmal aus TPE oder Gummi. Im Deutschen geistern dafür Namen herum wie Menstasse, Menstruationsglocke, Menstruationsbecher oder Periodenbecher. Im Englischen heißt das Ding meistens schlicht menstrual cup. Ein Produkt, das aussieht wie ein winziger Pilgerkelch, aber eine ziemlich praktische Aufgabe hat.

Die Vorteile von Menstruationstassen

Ich überlege mir, die Dinger mindestens allen jungen Fridays-for-Future-Fans anzupreisen. Schließlich produzieren sie im Gegensatz zu Tampons und Binden keinen Monat für Monat neuen Wegwerfmüll. Wer auf Cups umsteigt, füttert im Laufe des Lebens tausende Einwegprodukte weniger in den Hausmüll. Allein aus Gründen des Umweltschutzes lohnt sich ein Blick auf die Cups.

Natürlich gibt es noch mehr gute Gründe, einen Blick darauf zu werfen. Bevor es damit weitergeht, will ich aber eines sagen: Eine Menstruationstasse ist für viele eine gute Lösung. Für alle ist sie es nicht. Und das ist kein Charaktertest.

Wenn ich meine Ausarbeitung für die Abschlussklassen heute auf eine Aula-Leinwand werfen müsste, stünde dort vermutlich:

  1. Euch werden keine wilden Hunde angreifen.
  2. Auf den Schwimmbad-Toiletten müsst ihr nicht mehr halbstündlich verschwinden.
  3. Mit einer Menstruationsdisc kann man Sex haben — aber nicht verhüten.
  4. Von Schmerztabletten kommt ihr damit nicht automatisch weg.
  5. Wenn Größe, Form und Sitz passen, bleibt erstaunlich viel in der Tasse statt in der Unterwäsche.
  6. Nur hier kommt’s wirklich auf die Passform an.
  7. Auf Dauer spart ihr Geld und Wegwerfmüll.
  8. Mit Freundinnen tauscht man Bücher, Kuchenrezepte oder schlechte Schulerinnerungen. Keine benutzten Cups.
  9. Eure Mütter meinen es vielleicht gut. Euer Körper weiß trotzdem selbst am besten, was zu ihm passt.

Spricht so eine halb-grauhaarige Schachtel wie ich zur Jugend, reicht das als Grundgerüst vielleicht schon. Doch ich will nicht unvorbereitet sein, falls ein paar Helikoptermütter oder halbinformierte Onkel im Publikum Fragen stellen. Also lasst mich die Sache etwas ausführen.

Kein Geruch an mir, weniger Drama bei der Entsorgung

Wer eine Menstruationstasse trägt, wird nicht von wilden Hunden überfallen. Zumindest liegt das dann nicht an dem lockenden Geruch zwischen den Beinen.

Erinnert ihr euch voller Ekel an die Bindeneimer in den Schultoiletten? Viele empfinden Cups tatsächlich als geruchsärmer als Binden oder Tampons — und das ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Das Blut wird gesammelt statt aufgesogen und kommt weniger lange mit Luft und Material in Kontakt. Ein Naturgesetz ist es trotzdem nicht. Wenn etwas unangenehm müffelt, können auch zu langes Tragen, Reinigungsfehler oder gesundheitliche Gründe eine Rolle spielen. Der Cup ist praktisch. Er ist kein Heiligenschein aus Silikon.

Praktisch im Schwimmbad, aber keine Schutzkappe

„Was machen wir nur, wenn wir zur Schwimmprüfung unsere Tage haben?“, tuscheln Mädchen seit gefühlt 1837 auf irgendwelchen Schulfluren. Gerade dafür finden viele Menstruationstassen angenehm. Sie sitzen innen, verrutschen beim Schwimmen meist nicht und ersparen das dauernde Wechseln auf chlorigen Schwimmbad-Toiletten.

Was ich nicht seriös behaupten würde: dass so ein Cup euch beim Baden hermetisch gegen sämtliche Keime der Welt abschirmt. Er ist keine U-Boot-Luke. Er ist ein Periodenprodukt. Ein ziemlich praktisches, aber eben kein Gesundheitsschutzschild mit Meerjungfrauen-Siegel.

Praktisch beim Sex: Disc ja, klassischer Cup eher nicht

Jedes Pärchen soll Sex während der Periode so handhaben, wie es für beide passt. Ein Tabu muss das Ganze nicht sein. Wer dabei keine Sauerei möchte, greift aber meistens eher zu einer Menstruationsdisc als zu einem klassischen Cup. Discs sitzen höher, näher am Gebärmutterhals, und genau deshalb werden sie für Periodensex beworben. Ein normaler Cup ist dafür eher nicht die naheliegendste erste Wahl.

Menstruationstasse mit Erdbeere

Für Sex während der Periode werden meist Menstruationsdiscs beworben, nicht klassische Cups

Der alte Standardsatz muss hier auch noch hinein, damit keine Marketingfee mit Glitzer darüberrutscht: Weder Cup noch Disc verhüten. Und vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen sie ebenfalls nicht.

Keuschheit während der Periode ist selbstverständlich ebenfalls erlaubt. Schlagt euren Partnern dann einfach gemeinsame Häkelkurse, Tanzstunden oder einen Besuch im Heimatmuseum vor. Man soll ja offen für Neues bleiben.

Weniger Schmerzen? Vielleicht angenehmer. Aber kein Zauberbecher.

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, an dem aus Blogartikeln gern kleine Wunderheilerbroschüren werden. Nein: Eine Menstruationstasse trainiert nicht zuverlässig euren Beckenboden, beendet nicht automatisch Krämpfe und ersetzt keine saubere medizinische Abklärung, wenn eure Periode euch regelmäßig aus den Latschen kippt.

Was ich eher sagen würde: Manche empfinden Cups als angenehmer als Tampons — weil sie sich anders anfühlen oder weniger austrocknend wirken. Andere merken kaum einen Unterschied. Wieder andere kommen mit Cups überhaupt nicht klar. Auch das ist erlaubt. Nicht jeder Körper unterschreibt denselben Vertrag mit demselben Stück Silikon.

Wenn ihr starke Schmerzen, Schwindel, ungewöhnlich heftige Blutungen oder andere Beschwerden habt, braucht ihr keine romantische Menstruationslyrik, sondern gegebenenfalls medizinische Abklärung. Das ist kein Stimmungskiller. Das ist Vernunft.

Kein Auslaufen, wenn die Tasse zu euch passt

Die richtige Menstruationstasse zu finden, ist kein Hexenwerk. Aber sie fällt auch nicht wie ein verzauberter Pantoffel vom Himmel. Hersteller sortieren ihre Modelle gern nach Alter, Geburten und Sportlichkeit. Das kann eine grobe Orientierung sein. Mehr aber auch nicht.

Wichtiger sind oft andere Fragen: Wie hoch sitzt euer Gebärmutterhals während der Periode? Wie stark blutet ihr? Mögt ihr weiches oder eher festes Material? Reagiert ihr empfindlich auf Druck?

Früher hätte ich das schneller in Schubladen gepackt. Heute bin ich vorsichtiger. Nach den Geburten meiner Kinder eierte meine erste Menstasse nur so in mir herum. Später, als ich wieder mehr Sport machte, passte dasselbe Modell plötzlich nicht mehr. Das war unerquicklich, aber lehrreich. Der Name auf der Packung entscheidet eben nicht. Euer Körper entscheidet.

Verschiedene Menstruationstassen zur Veranschaulichung von Größe und Form

Bei Menstruationstassen kommt es weniger auf Werbeschubladen an als auf Sitz, Form und Passung

Freude an einer Menstasse habe ich persönlich nur, wenn sie tatsächlich dicht ist. Wenn ständig Blut am Rand vorbeiläuft, darf man das Kind beim Namen nennen: Dann passt dieses Modell vermutlich nicht zu euch. Wer am Anfang zusätzlich eine Slipeinlage trägt, hat nicht versagt, sondern vernünftig getestet.

Statt aus medizinischem Silikon gibt es inzwischen auch Modelle aus natürlichem Kautschuk. Das klingt doch toll für die waschechten Ökotussis unter uns, nicht wahr?

Keine anderen Hygieneprodukte notwendig

Wenn der Cup gut sitzt, brauchen viele tatsächlich keine Binden, Tampons oder Slipeinlagen zusätzlich. Das ist einer der schönen Momente: Ihr merkt irgendwann, dass ihr morgens nicht mehr wie eine schlecht vorbereitete Expeditionsleiterin das Bad verlasst. Zähneknirschen, rote Ohren und schlechte Laune wegen spontaner Notfallkäufe: ade.

Finanziell können Menstruationstassen auf Dauer ebenfalls attraktiv sein. Ein Cup kostet einmal Geld und hält dann oft mehrere Jahre, während Tampons und Binden ständig nachgekauft werden müssen. Ich würde das nur nicht wie ein Staubsaugervertreter mit Öko-Aura vortragen. Die Vorteile sind schon gut genug, ohne dass man sie anschreit.

Period Cup Second Hand? Bitte nicht.

Quillt die Vitrine für die Sammeltassen im Wohnzimmer bereits über, wollt ihr eure nicht passende Menstasse vielleicht loswerden. Für die Jugend ist das einfach — die tauscht die Dinge einfach in der Hofpause. Aber an dieser Stelle kommt mein unromantischer Hinweis: Bitte nicht.

Eine benutzte Menstruationstasse ist kein Flohmarktartikel, kein Schulhof-Tauschobjekt und kein solidarisches Wanderpokalsystem. Ein Cup gehört einer Person. Wenn ein Modell nicht zu euch passt, war es Lehrgeld. Ärgerlich, ja. Aber nicht die Geburtsstunde eines neuen Gebrauchtwarenzweigs.

Reinigung, Sicherheit und das nervige Kleingedruckte

Hände waschen, den Cup nach Herstellerangaben reinigen, sauber lagern, beim Entfernen erst den Unterdruck lösen: Das ist der unaufregende Teil. Gerade deshalb ist er wichtig.

Toxisches Schocksyndrom ist selten, aber nicht erfunden. Wenn ihr plötzlich hohes Fieber, grippeähnliche Symptome, Hautausschlag, Schwindel oder starke Schwäche bemerkt, kommt der Cup sofort raus und ihr braucht medizinische Hilfe.

Wer eine Spirale trägt, sollte Cups nicht im Blindflug benutzen. Sprecht das vorher in eurer gynäkologischen Praxis an und seid beim Entfernen besonders vorsichtig — beim falschen Herausziehen kann Sog eine Rolle spielen.

Neben der Menstruationstasse gibt’s noch mehr Alternativen

Wisst ihr noch? Als unsere Kinder Babys waren, gaben wir acht, dass keine Duftstoffe und Chemikalien an die zarten Popos gerieten. Doch bekommen unsere Töchter ihre Periode, reichen wir ihnen oft kommentarlos Einwegprodukte. Wieso nehmen wir es mit dem Thema nicht genauso ernst, wenn sie erwachsen werden?

Den jungen Mädchen werde ich weitere nachhaltige Alternativen selbstverständlich nicht verschweigen. Vielleicht mag die Jugend stattdessen:

  • Menstruationsunterwäsche,
  • wiederverwendbare Slipeinlagen,
  • waschbare Binden oder
  • Menstruationsdiscs.

Manche kommen mit einer Tasse wunderbar klar. Andere hassen das Einsetzen und finden Periodenunterwäsche deutlich stimmiger. Beides ist in Ordnung. Ihr müsst daraus keine Weltanschauung bauen.

Wer sich generell für reduzierte und alltagstaugliche Körperpflege interessiert, findet in unserem Beitrag „Minimalismus im Bad“ Gedanken, die dazu passen.

Mut zum Wohlfühlen mit der Menstruationstasse

Egal, ob ihr zur Gruppe der Freudentanz-Vulvas, Weiberblut-Malerinnen oder der unauffällig menstruierenden Ladys gehört oder gehören werdet:

Lasst uns mutig genug sein, nach Lösungen zu suchen, die zu unseren Körpern passen — statt nur die zu nehmen, die uns irgendwann kommentarlos hingereicht wurden.

Viel Freude, ein gesundes Selbstbewusstsein und ein neues Stückchen Gelassenheit für Alternativen zu herkömmlichen Tampons und Binden – darunter auch die Menstruationstasse – wünscht euch

Eure Evelin

Quellen und Einordnung

CC BY-SA 4.0 9 verschwiegene Geheimnisse einer Menstruationstasse – humorvolle Fakten für junge Frauen und mittelalte Damen von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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