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Aktualisiert am: 26.02.2026

In diesem Video spreche ich über die Gründe, weshalb wir Anfragen von Fernsehproduktionsfirmen immer wieder ablehnen.

Video: Wieso wir Fernsehanfragen ablehnen

Warum es bei uns keine Fernsehauftritte gibt

Wir bekommen immer wieder Anfragen von TV-Produktionen. Meist sind das Formate, die vor allem unterhalten wollen. Dokus im Sinne von „wir erklären ruhig, wie wir leben und warum“ kamen damals kaum, eher Sendungen, die Zuspitzung lieben.

Und genau da beginnt unser Problem: Wir möchten nicht Teil einer Bloßstellung sein. Nicht für uns. Und erst recht nicht für andere Familien.

Unsere Hauptgründe: Schutz, Passung, Kontrolle

1) Wir wollen keine Familien bewerten

Viele Formate leben davon, dass jemand „bewertet“ oder „einordnet“. Das kann als Unterhaltung verkauft werden, fühlt sich in echt aber schnell nach Zeigefinger an. Wir möchten niemandem erklären, wie Familie zu funktionieren hat. Jede Familie erfindet ihren Weg selbst.

2) Wir zeigen unsere Kinder nicht

Ihr wisst, dass wir unsere Kinder nicht in die Öffentlichkeit ziehen. Mal sieht man sie von hinten, mal hört man eine Stimme, aber wir bauen keine Identität aus Kinderbildern. Im Fernsehen ist konsequenter Schutz schwierig: Verpixeln kostet Zeit, und es bleibt oft nicht bei ein paar Sekunden.

Dazu kommt: Namen sind ebenfalls Identifikationsmerkmale. Wenn Kinder sich gegenseitig rufen, entsteht schnell ein Film, der aus Pieptönen besteht. Das passt weder zu uns noch zu einem Sendekonzept, das „flüssig“ wirken will.

Rechtlich ist das nicht nur Bauchgefühl: In Deutschland schützt das Recht am eigenen Bild grundsätzlich davor, dass Bildnisse ohne Einwilligung veröffentlicht werden. [3] Auf europäischer Ebene ist Privatsphäre auch als Kinderrecht verankert. [4]

3) Wir wollen nicht im Schnitt „umgebaut“ werden

Fernsehen arbeitet oft nach einer Dramaturgie. Das ist nicht per se böse, aber es verändert Bedeutung. Wir hatten deshalb immer den Wunsch, das Ergebnis vor Ausstrahlung zu sehen. Nicht, um alles glattzuziehen, sondern um zu prüfen, ob unser Leben fair und korrekt dargestellt wird.

Wenn ein Format auf Krawall aus ist, hilft keine nette Anfrage-Mail. Dann hilft nur: nicht mitspielen.

4) „Schmeicheln statt Honorar“ ist ein Muster

Viele Anfragen beginnen mit warmen Worten: wie toll, wie spannend, wie inspirierend. Über Geld wird dagegen oft erst gesprochen, wenn man aktiv nachfragt. Gleichzeitig bindet so ein Drehtag schnell einen ganzen Tag, manchmal mehr.

Wir haben deshalb früh gelernt: Wenn es nicht einmal eine klare, transparente Kommunikation zu Rahmen, Rechten, Nutzung und Honorar gibt, passt es meistens ohnehin nicht.

Wann wir grundsätzlich offen wären

Ganz ausschließen würden wir Medienarbeit nicht. Nur nicht um jeden Preis. Wenn wir irgendwann Lust haben, sichtbar zu werden, dann eher über Formate, die zu unserem Publikum passen: respektvoll, dokumentarisch, ohne Zirkus.

Und wenn wir selbst auf jemanden zugehen, ist die Ausgangslage eine andere: Wir wählen Kontext und Zielgruppe bewusster aus.

Mini-Checkliste: So prüfen wir Medienanfragen

  • Format und Ton: Doku, Reportage, Reality, „Experiment“, „Konfrontation“?
  • Schutz der Kinder: Gesichter, Stimmen, Namen, Schule, Wohnort. Was wird gezeigt, was nicht?
  • Mitspracherecht: Gibt es Faktencheck vor Ausstrahlung, wenigstens zu sensiblen Punkten?
  • Rechte und Nutzung: Wo läuft es, wie lange, online verfügbar, Social Clips?
  • Aufwand und Honorar: Drehtage, Reise, Vorbereitung, Nachdrehs, Verfügbarkeit.
  • Werte-Fit: Passt das zu unserer Haltung und zu dem, was wir hier mit euch aufgebaut haben?

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FAQ

Warum lehnt ihr Fernsehanfragen so oft ab?

Weil viele Formate Zuspitzung brauchen. Wir möchten weder uns noch andere Familien in Situationen bringen, die am Ende vor allem als Unterhaltung funktionieren. Dazu kommen Kinderschutz und das Thema Kontrolle über Kontext und Schnitt.

Hat das auch rechtliche Gründe?

Es hat vor allem ethische Gründe. Rechtlich gibt es aber Leitplanken: In Deutschland gilt grundsätzlich, dass Bildnisse nur mit Einwilligung veröffentlicht werden dürfen. Bei Kindern ist das besonders sensibel. [3] Als Kinderrecht ist Privatsphäre ebenfalls verankert. [4]

Reicht es nicht, Kinder einfach zu verpixeln?

Verpixeln senkt das Risiko, löst aber nicht alles. Stimmen, Namen, Orte, wiedererkennbare Routinen oder Details können ebenfalls identifizieren. Und praktisch ist Verpixeln im Fernsehen oft ein Produktionshemmnis, weil es Aufwand bedeutet.

Würdet ihr bei einem seriösen Doku-Format zusagen?

Möglich, wenn Ton und Bedingungen passen. Für uns wären klare Absprachen wichtig: Schutz der Kinder, transparente Nutzung, fairer Umgang, keine „Bloßstellung“ im Schnitt.

Warum fordert ihr Einsicht vor Ausstrahlung?

Weil Schnitt Bedeutung schafft. Wir möchten nicht später merken, dass Aussagen in eine Richtung gedreht wurden, die wir so nicht vertreten. Ein Faktencheck zu sensiblen Punkten wäre für uns ein Minimum.

Spielt Honorar bei euch eine Rolle?

Ja, weil Zeit eine Ressource ist. Ein Drehtag blockiert Familie und Arbeit. Gleichzeitig ist Geld nie der Hauptgrund. Ein schlechtes Format bleibt schlecht, auch mit Honorar.

Was ratet ihr anderen Familien bei Medienanfragen?

Erst prüfen, welche Geschichte das Format erzählen will. Dann den Schutz der Kinder konsequent priorisieren. Und bei Bauchweh lieber absagen. Das Internet vergisst langsam.

Buchtipps

Wenn ihr euch generell mit Privatsphäre, digitaler Öffentlichkeit und dem „Sharenting“-Thema beschäftigen mögt, hilft ein Blick in die Forschung. Eine systematische Übersichtsarbeit fasst die empirische Literatur zu Sharenting zusammen. DOI: 10.1111/jftr.12566 [1]

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Quellen

  1. Sharenting: A systematic review of the empirical literature. Journal of Family Theory & Review. 2024. DOI: 10.1111/jftr.12566
  2. Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), konsolidierter Text (EUR-Lex). https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=CELEX%3A02016R0679-20160504
  3. Kunsturhebergesetz (KunstUrhG) § 22 Einwilligung (Gesetze im Internet). https://www.gesetze-im-internet.de/kunsturhg/__22.html
  4. UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 16 (OHCHR). https://www.ohchr.org/en/instruments-mechanisms/instruments/convention-rights-child

CC BY-SA 4.0 Fernsehanfragen ablehnen: Warum wir nicht ins TV gehen von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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