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Aktualisiert am: 11.08.2026

In diesem Video spricht Evelin über die Gründe, weshalb wir Anfragen von Fernsehproduktionsfirmen immer wieder ablehnen.

Video: Wieso wir Fernsehanfragen ablehnen

Warum es von uns keine Fernsehauftritte gibt

Wir haben über die Jahre sehr viele Anfragen von Fernsehsendern und Produktionsfirmen bekommen. Die meisten kamen aus dem Unterhaltungsbereich. Eine ruhige Doku übers Freilernen oder darüber, wie wir als Familie miteinander leben, war bisher nicht dabei. Meist ging es um Formate, die stärker von Gegensätzen, Bewertungen und zugespitzten Situationen leben.

Und genau da passt es für uns schon nicht mehr so richtig. Wir haben mit euch hier ein Publikum, bei dem wir unsere Gedanken erklären können, ohne dafür eine andere Familie vorführen oder bewerten zu müssen.

Wir möchten anderen Familien nicht den Zeigefinger hinhalten

Bei manchen Fernsehformaten wäre unsere Rolle gewesen, andere Familien und ihren Umgang miteinander zu beurteilen. Das möchten wir nicht. Wir können erzählen, wie wir etwas machen, warum wir bestimmte Entscheidungen getroffen haben und was wir dabei erlebt haben. Daraus folgt für uns keine Position, von der aus wir einer anderen Familie erklären könnten, wie sie zu leben hat.

Familien finden ihren eigenen Weg. Und selbst wenn wir etwas ganz anders machen würden, sehen wir in einer Fernsehsendung immer nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben dieser Menschen. Da möchten wir nicht als diejenigen dastehen, die hinterher den Lehrer oder die Lehrerin mit dem Zeigefinger spielen.

Unsere Kinder gehören für uns nicht ins Fernsehen

Ihr kennt das von unserem Blog und unseren Videos: Wir zeigen unsere Kinder nicht so, dass daraus eine öffentliche Identität entsteht. Auf Fotos seht ihr sie vielleicht von hinten, und in einem Video quatscht auch mal jemand dazwischen. Ihre Gesichter und Namen möchten wir trotzdem aus der Öffentlichkeit heraushalten.

Bei einem längeren Fernsehdreh wird das ziemlich schwierig. Dann müsste die Redaktion die Kinder immer wieder verpixeln. Wenn jemand einen Namen ruft, müsste auch der unkenntlich gemacht werden. Und bei mehreren Kindern könnte eine Sendung irgendwann aus erstaunlich vielen unscharfen Bildern und Pieptönen bestehen.

Wir verstehen durchaus, wenn eine Redaktion sagt, dass dieser Aufwand für ihr Format zu groß ist. Für uns wäre die Lösung deshalb aber nicht, den Schutz unserer Kinder aufzugeben. Dann passt das Format eben nicht zu unserer Familie.

Hinter dieser Entscheidung steckt für uns auch die Perspektive der Kinder selbst. Bilder, Stimmen und Namen gehören schließlich zu ihrem Leben und zu ihrer Geschichte. Vielleicht möchten sie später sehr bewusst selbst entscheiden, was davon öffentlich auffindbar ist. Genau um solche Fragen geht es auch in der Forschung zu „Sharenting“, also dem öffentlichen Teilen von Informationen über die eigenen Kinder. Şule Betül Tosuntaş und Mark D. Griffiths haben 2024 insgesamt 61 empirische Studien dazu ausgewertet. Dabei spielten unter anderem die Privatsphäre von Kindern und ihre eigene Sicht auf Veröffentlichungen eine Rolle. [1]

Auch rechtlich gibt es dafür einen Rahmen. § 22 Kunsturhebergesetz knüpft die Veröffentlichung von Bildnissen grundsätzlich an eine Einwilligung; § 23 nennt Ausnahmen. [2] Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention schützt junge Menschen vor willkürlichen oder rechtswidrigen Eingriffen in ihre Privatsphäre. [3] Für unsere eigene Entscheidung reicht uns die rechtliche Frage allein allerdings nicht. Uns beschäftigt genauso, womit unsere Kinder selbst später einmal gut leben können.

Wir möchten wissen, welche Geschichte am Ende erzählt wird

Eine weitere Bedingung war für uns immer, dass wir den Beitrag möglichst vor der Ausstrahlung sehen können. Uns geht es dabei nicht darum, eine Sendung nach unseren Vorstellungen umzuschneiden. Wir möchten wissen, ob das, was über uns erzählt wird, auch dem entspricht, was wir gesagt und gezeigt haben.

Beim Fernsehen entstehen aus vielen Stunden Material ein paar Minuten Beitrag. Szenen werden ausgewählt, gekürzt und zusammengesetzt. Dadurch entsteht zwangsläufig eine Geschichte. Wenn aus unserem Alltag am Ende etwas völlig anderes gebaut würde, hätten wir hinterher kaum noch Einfluss darauf.

Genau diese Vorstellung macht uns bei stark auf Unterhaltung und Zuspitzung ausgerichteten Formaten Bauchschmerzen. Wir möchten uns schon wiedererkennen in dem, was später über uns gesendet wird.

Schmeicheln ersetzt keine klaren Bedingungen

Bei vielen Anfragen haben wir noch etwas anderes erlebt. Die Mails beginnen oft sehr freundlich: Man findet uns spannend, interessant und inspirierend, unsere Lebensweise sei außergewöhnlich, und mit einem Fernsehbeitrag könnten wir ganz viele Menschen erreichen.

Das liest sich natürlich nett. Über das Honorar stand in solchen ersten Anfragen dagegen häufig nichts.

Danach haben wir gefragt und unsere Vorstellungen genannt. Ein Drehtag bedeutet schließlich, dass wir einen ganzen Tag oder länger für die Produktion freihalten, uns vorbereiten und unsere Arbeit und unseren Familienalltag darum herum organisieren. Für diese Zeit haben wir einen entsprechend hohen Preis angesetzt. Für einige Produktionen war die Sache damit nach wenigen Mails erledigt.

Das finden wir auch völlig in Ordnung. Eine Produktionsfirma hat ihr Budget und wir haben unsere Bedingungen. Wenn beides nicht zusammenpasst, braucht niemand die andere Seite zu überreden.

Welche Bedingungen für uns wichtig wären

Fernsehen schließen wir damit für die Zukunft nicht aus. Wir würden nur ziemlich genau hinschauen, bevor wir zusagen. Für uns fängt das schon bei der Geschichte an, die eine Redaktion erzählen möchte: Sollen wir einfach von unserem Leben berichten oder entsteht das Format daraus, dass Familien miteinander verglichen und bewertet werden?

Genauso wichtig wäre uns, wie unsere Kinder geschützt werden. Gesichter sind dabei nur ein Teil. Stimmen, Namen und andere persönliche Informationen gehören für uns genauso dazu. Außerdem möchten wir vorher wissen, wo das Material später auftaucht – also etwa in einer Mediathek, in Wiederholungen oder als Ausschnitt in sozialen Netzwerken.

Beim fertigen Beitrag wäre uns zumindest bei sensiblen oder sachlichen Punkten eine Rücksprache wichtig. Und dann gehören natürlich auch die ganz praktischen Dinge dazu: Wie viel Zeit braucht der Dreh, gibt es Vorbereitung oder Nachdrehs und welches Honorar ist dafür vorgesehen?

Wenn diese Fragen offen und fair geklärt werden können, sieht eine Anfrage für uns schon ganz anders aus.

Wenn Fernsehen, dann vielleicht andersherum

Falls wir irgendwann wirklich Lust auf einen Fernsehauftritt bekommen, könnten wir auch selbst eine Redaktion oder einen Sender anschreiben. Dann können wir vorher schauen, welches Format zu uns passt und welche Menschen dort wahrscheinlich zuschauen.

Eine möglichst große Reichweite ist für uns dabei gar nicht das Spannendste. Viel wichtiger ist uns, ob wir die Menschen erreichen, mit denen ein echtes Interesse an unseren Themen entstehen kann.

Was wir anderen Eltern bei einer Medienanfrage mitgeben würden

So eine Fernsehanfrage kann sich erst einmal ziemlich besonders anfühlen. Plötzlich interessiert sich jemand für die eigene Familie, die eigene Geschichte oder das, was man sich über Jahre aufgebaut hat. Und wenn eine Mail dann noch voller Komplimente steckt, darf man sich darüber natürlich auch freuen.

Uns hilft danach der zweite Blick. Welche Geschichte möchte die Redaktion eigentlich erzählen? Welche Rolle bekommt unsere Familie darin? Was wird von den Kindern sichtbar oder hörbar? Und wie dauerhaft wird dieses Material später öffentlich sein?

Gerade bei Kindern finden wir diese Fragen wichtig, weil Erwachsene hier eine Entscheidung treffen, die weit über den Drehtag hinausreichen kann. Ein Fernsehbeitrag verschwindet nach der Ausstrahlung schließlich nicht unbedingt wieder. Er kann in Mediatheken, Ausschnitten oder anderen Veröffentlichungen weiterleben.

Für uns bedeutet das: Eine freundliche Anfrage darf sich gut anfühlen und trotzdem am Ende nicht zu unserer Familie passen. Genau so war es bei uns bisher meistens.

FAQ: Warum wir Fernsehanfragen ablehnen

Warum lehnt ihr Fernsehanfragen so häufig ab?

Bei den Anfragen, die uns bisher erreicht haben, passte häufig schon das Konzept nicht gut zu uns. Viele Formate lebten stärker von Unterhaltung, Bewertung oder zugespitzten Situationen. Dazu kommen der Schutz unserer Kinder und die Frage, wie unsere Aussagen später geschnitten und eingeordnet werden.

Warum möchtet ihr andere Familien nicht im Fernsehen bewerten?

Wir können gut erzählen, wie wir selbst leben und warum wir bestimmte Dinge so machen. Bei einer anderen Familie sehen wir dagegen nur einen kleinen Ausschnitt ihres Alltags. Daraus möchten wir kein Urteil darüber ableiten, wie diese Menschen miteinander leben oder ihre Kinder begleiten.

Reicht es nicht, die Kinder einfach zu verpixeln?

Für uns gehören zur Privatsphäre mehr Dinge als das Gesicht. Auch Stimmen, Namen und persönliche Details können etwas über ein Kind verraten. Bei einem längeren Dreh müsste eine Redaktion deshalb an vielen Stellen darauf achten. Wenn sich das mit einem Format kaum vereinbaren lässt, passt der Dreh für uns eben nicht.

Warum möchtet ihr einen Beitrag vor der Ausstrahlung sehen?

Beim Schnitt werden aus vielen Stunden Material wenige Minuten. Welche Szenen nebeneinanderstehen und welche Aussagen gekürzt werden, verändert den Zusammenhang. Bei sensiblen Punkten möchten wir deshalb wenigstens prüfen können, ob sachlich alles stimmt und ob wir uns in der Darstellung wiedererkennen.

Spielt das Honorar bei eurer Entscheidung eine Rolle?

Ja. Für einen Drehtag halten wir Zeit frei, die sonst unserer Familie und unserer Arbeit gehört. Deshalb gehört für uns auch das Honorar offen zu den Bedingungen einer Anfrage. Ob wir überhaupt teilnehmen möchten, entscheidet sich allerdings vorher schon am Format und am Umgang mit den Beteiligten.

Würdet ihr bei einer Dokumentation mitmachen?

Das können wir uns vorstellen. Eine ruhige Dokumentation, die wirklich verstehen möchte, wie wir leben und warum, wäre für uns etwas ganz anderes als ein Format, das vor allem Konflikte oder Bewertungen braucht. Auch dann würden wir vorher genau klären, wie unsere Kinder geschützt werden und was später mit dem Material passiert.

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Quellen

  1. Şule Betül Tosuntaş, Mark D. Griffiths (2024): Sharenting: A systematic review of the empirical literature. Journal of Family Theory & Review, 16(3), 525–562. DOI: 10.1111/jftr.12566. Tragende Stelle: Abstract; dort werden 61 einbezogene Studien sowie unter anderem „children’s privacy“ und „children’s perspectives“ als Themen der ausgewerteten Forschung genannt.
  2. Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie (KunstUrhG): § 22 Satz 1 zur Einwilligung bei der Verbreitung und öffentlichen Zurschaustellung von Bildnissen; § 23 Abs. 1 zu Ausnahmen.
  3. UN-Kinderrechtskonvention: Artikel 16 Abs. 1 und 2 zum Schutz der Privatsphäre.

CC BY-SA 4.0 Fernsehanfragen ablehnen: Warum wir nicht ins TV gehen von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.