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Zuletzt aktualisiert: 10.08.2026
Vlog aus dem Familienbett über unser Baby, die Zeit im Wochenbett und die akute Beilegung von Geschwisterstreit mithilfe moderner Technik.
Wochenbett: bei uns mitten im Leben
Unser Baby ist im Video ungefähr dreieinhalb Wochen alt. Ich sitze – genauer gesagt: liege – im Wochenbett und filme direkt vom Bett aus. Die Aufnahme zeigt vor allem Alltag. Das Baby liegt bei mir, die beiden großen Schwestern sind in der Nähe, und um uns herum läuft unser ganz normales Familienleben weiter.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet die ersten sechs Wochen nach der Geburt als postnatale Zeit. Für die medizinische Versorgung ist dieser Zeitraum wichtig. Erholung, Schlaf, Stillen und das Einfinden als nun fünfköpfige Familie haben jeweils ihr eigenes Tempo.[1]
Unser Familienbett: links, rechts, vorne
Damit es möglichst wenig Gerangel um den Platz bei Mama gibt, schlafen die Mädchen bei mir. Ich liege mit dem Baby in der Mitte. Mal wird links gestillt, mal rechts. Für die beiden Großen ist jeweils daneben Platz. Patrick schläft vorne – wie ein ruhiger Riegel am Fußende.
Für diese Wochen haben wir unsere Matratzen in ein anderes Zimmer verlegt. Bad und Toilette sind woanders, der Rest spielt sich ziemlich nah um mich herum ab: Küche, Esstisch, Basteltisch, Spielzeug, Kinder. Die Mädchen spielen, toben und erzählen, während ich im Bett liege. Nach den vorherigen Geburten habe ich die stärkere räumliche Trennung als bedrückend erlebt. Diesmal fühlt es sich für mich besser an, mitten im Familienleben zu sein.
Mehr zu unserem Matratzenlager und dazu, wie wir unser Familienbett damals aufgebaut haben, findet ihr in einem eigenen Beitrag.
Herbst, Wochenbett und Geschwisterstreit
Die Großen sind damals fast fünf und zwei Jahre alt. Sie spielen viel miteinander und haben tausend Ideen. Gleichzeitig ist es herbstlich geworden: nass, kühl, viel Zeit drinnen. Dazu kommen Wäsche, Essen, ein Neugeborenes und zwei Erwachsene, deren Nervenkostüm stellenweise schon bessere Tage gesehen hat.
An diesem Tag zanken sich die beiden. Wir sind genervt. Diese Szene erzählt erst einmal nur von unserem Tag. Forschung zur Geburt eines Geschwisterkindes zeigt sehr unterschiedliche Reaktionen älterer Kinder. Brenda Volling wertete 2012 dreißig Studien zur sogenannten Transition to Siblinghood aus; die Verläufe reichten von sichtbarer Belastung über unauffällige Phasen bis zu Entwicklungsschritten. Die Arbeit untersucht vor allem Erstgeborene nach der Geburt eines zweiten Kindes und erklärt damit unsere Szene zwischen zwei älteren Schwestern nur begrenzt.[2]
Unser Moment mit „moderner Technik“
Wir versuchen in solchen Situationen, ohne Drohen und Einschüchtern miteinander auszukommen. An diesem Tag sind wir trotzdem so genervt, dass ich irgendwann sage: „So. Und jetzt filme ich, wie ihr euch streitet.“
Und dann passiert etwas, das mich in diesem Moment überrascht: Unsere Kinder spielen plötzlich Pferdchen und Reiterchen auf der Matratze, zeigen Kunststückchen und lachen. Der Streit ist für diesen Augenblick vorbei.
Kurz darauf erleben wir im Bad etwas Ähnliches. Ein Wasserhahn lässt sich für ein Kind gerade schwer öffnen, die Stimmung kippt, die Kamera kommt dazu – und plötzlich beschäftigt es sich mit einer neuen Idee: ausprobieren, anders greifen, noch einmal versuchen.
Was wir aus diesen zwei Situationen mitnehmen
Bei unseren Kindern hat die Kamera in diesen Momenten die Aufmerksamkeit verschoben.
Aber: Auch ein aufgebrachtes Kind hat eine eigene Perspektive auf die Kamera. Die UN-Kinderrechtskonvention schützt die Privatsphäre junger Menschen in Artikel 16 und ihr Recht, in Angelegenheiten, die sie betreffen, gehört und entsprechend Alter und Reife berücksichtigt zu werden, in Artikel 12.[3] Für uns bedeutet das: Ein Nein zum Filmen hat Gewicht. Dasselbe gilt erst recht für die Veröffentlichung.
Wenn euch Konflikte unter Geschwistern beschäftigen, passt dazu unser Beitrag über Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern. Dort geht es ausführlicher um Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse, Bitten und die Grenzen dieses Ansatzes.
Wochenbett: Wir dürfen genervt sein
Diese Zeit ist intensiv. Patrick übernahm damals viele Aufgaben, die vorher häufig bei mir landeten: Putzen, Wäsche und vieles drumherum. Die Großen wünschen sich gleichzeitig Beschäftigung und gemeinsames Tun. Vorlesen und Singen gehen vom Bett aus. Für anderes braucht es jemanden, der aufsteht.
Und wir freuen uns sehr: Das kleine Brüderchen wird gut angenommen, täglich geküsst und gestreichelt. Es ist viel los – und viel Liebe dazwischen.
Unsere ausführlicheren Erfahrungen rund um diese Zeit stehen auch in 14 Tipps für ein entspannteres Wochenbett mit Geschwisterkindern.
Im Video schon angekündigt: Windelfrei mit Neugeborenen
Im Video kündigen wir an, dass es bald um Windelfrei mit Neugeborenen gehen soll. Das Töpfchen ist sogar schon zu sehen. Inzwischen gibt es den ausführlichen Beitrag dazu: Windelfrei mit Neugeborenen: unsere Erfahrungen.
Weiterlesen bei uns
- Familienbett: unser Aufbau und was uns nachts hilft
- 14 Tipps fürs Wochenbett mit Geschwisterkindern
- Unser Baby ist da: Hausgeburt mit Geschwistern
- Schmale Frau, großes Baby: unser Geburtsbericht
- Geschwisterliebe: was Geschwister zusammenschweißt
- Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern: Praxis und Grenzen
FAQ: Wochenbett, Geschwisterstreit und Filmen
Was ist mit „Wochenbett“ gemeint?
Die WHO beschreibt die postnatale Zeit als die ersten sechs Wochen nach der Geburt.[1] Im persönlichen Erleben kann die Umstellung deutlich länger nachwirken. In diesem Beitrag erzählen wir von unserem Alltag dreieinhalb Wochen nach der Geburt.
Streiten Geschwister nach der Geburt eines Babys häufiger?
Die Antwort fällt je nach Kind und Familie sehr unterschiedlich aus. Die von Volling ausgewerteten Studien fanden sehr unterschiedliche Veränderungen bei Erstgeborenen nach der Geburt eines Geschwisterkindes. Manche Kinder zeigten Belastungen, bei anderen veränderte sich wenig, wieder andere machten Entwicklungsschritte.[2] Unsere streitenden Mädchen im Video erzählen deshalb vor allem von unserer Familie und diesem einen Tag.
Hilft Filmen gegen Geschwisterstreit?
Bei uns hat die Kamera zwei Situationen überraschend schnell verändert. Diese Erfahrung trägt für uns genau diese beiden Situationen. Für andere Kinder kann sich eine Kamera ganz anders anfühlen. Entscheidend ist für uns heute, wie das betroffene Kind die Situation erlebt und ob es gefilmt werden möchte.
Wie sehen wir das Filmen von Kindern heute?
Privatsphäre und Beteiligung wiegen für uns stärker als der Unterhaltungswert einer Szene. Artikel 12 und 16 der UN-Kinderrechtskonvention geben dafür einen klaren menschenrechtlichen Rahmen.[3]
Quellen zur Einordnung
- World Health Organization (WHO), 2022: WHO recommendations on maternal and newborn care for a positive postnatal experience. Die WHO bezeichnet in ihrer Mitteilung vom 30.03.2022 die postnatale Zeit als die ersten sechs Wochen nach der Geburt. WHO-Mitteilung; Leitlinie.
- Volling, Brenda L. (2012): Family Transitions Following the Birth of a Sibling: An Empirical Review of Changes in the Firstborn’s Adjustment. Psychological Bulletin 138(3), 497–528. DOI: 10.1037/a0026921. Tragende Fundstelle: Abstract auf S. 1 der Publikation; ausgewertet wurden 30 Studien, mit großen individuellen Unterschieden in der Anpassung Erstgeborener. DOI.
- Vereinte Nationen: Convention on the Rights of the Child. Tragende Fundstellen: Artikel 12 (Recht des Kindes, seine Sicht in es betreffenden Angelegenheiten zu äußern und berücksichtigt zu werden) und Artikel 16 (Schutz der Privatsphäre). UN-Kinderrechtskonvention.
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