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Aktualisiert am 14. August 2026

Am Morgen des 26. November 2019 riss uns das Erdbeben, dessen Zentrum in Albanien lag, aus dem Schlaf. Was für ein einschneidendes Erlebnis!

Wir haben später noch einmal nachgeschaut, was damals genau passiert ist. Ihr findet deshalb neben unserem Erlebnisbericht ein paar kurze Einordnungen: Wie stark war das Erdbeben in Albanien? Warum nennen Quellen unterschiedliche Werte? Und was kann im ersten Moment helfen, wenn die Erde tatsächlich wackelt?

Kurzfassung: USGS und GFZ/GEOFON führen das Erdbeben in Albanien vom 26. November 2019 mit einer Momenten-Magnitude (Mw) von 6,4. USGS gibt die Herdtiefe heute mit 22 Kilometern an, GFZ/GEOFON mit 24 Kilometern. Eine wissenschaftliche Arbeit modelliert dasselbe Ereignis als Mw 6,3. Solche kleinen Abweichungen können durch unterschiedliche Daten, Modelle und Auswerteverfahren entstehen.

4 Uhr nachts – das erste Beben

Ich liege im Bett. Plötzlich brummt irgendetwas tief. Nun wackelt das ganze Haus. Alle Hunde in der Nachbarschaft bellen. Die Gockelhähne krähen fast kreischend. Das Bett rutscht und vibriert. Die Fenster schlagen auf und zu. Der Kleinste wird wach. „Schatz!“, rufe ich. „Patrick! Erdbeben!“

Patrick ist schneller wach als sonst. Wir liegen vollkommen regungslos in unserem großen, ruckelnden Bett, neben und zwischen unseren Kindern. Ich halte den Kleinen fest. Sollten wir raus gehen? Die nackten Kinder in Sicherheit bringen? Nur wo? Auf dem Dach? Schließlich befinden wir uns fast auf Meeresspiegelniveau und ein Tsunami würde hier alles verschlingen. Wir schieben den Gedanken daran zur Seite (wir haben wohl zu viele Filme gesehen).

Dann verstummen die Tiere. Stille kehrt wieder ein, und nach einiger Zeit können wir wieder einschlafen.

Weitere Erdbeben am Morgen

Unsere zwei Großen werden frühs um kurz nach sieben Uhr vom zweiten Erdbeben aus dem Schlaf gerissen. Über eine Stunde vergeht, dann folgt die nächste Welle. Als Patrick wach wird, schaut er gleich im Internet nach, was passiert ist.

Was ist ein Erdbeben?

Ein Erdbeben entsteht, wenn sich Spannungen in der Erdkruste ruckartig lösen. Gesteinsblöcke bewegen sich entlang einer Störung und die frei werdende Energie breitet sich als seismische Wellen durch den Untergrund aus. Was in der Geologie nüchtern klingt, haben wir in dieser Nacht als Brummen, Rutschen und Wackeln im ganzen Haus gespürt.

Erdbeben in Albanien – unserem nächsten Reiseziel

Die ersten Nachrichten im Netz sind voll mit Berichten, zum Beispiel hier. Zu diesem Zeitpunkt ist von Hunderten Verletzten und einigen Toten die Rede. Das Beben der Stärke 6,4 hat Albanien schwer getroffen.

Die später überprüften Ereigniskataloge sind genauer: USGS führt das Hauptbeben mit Mw 6,4, einer Herdtiefe von 22 Kilometern und einem Epizentrum 15 Kilometer westsüdwestlich von Mamurras. GFZ/GEOFON führt ebenfalls Mw 6,4 und 24 Kilometer Tiefe. USGS ordnet das Ereignis als Überschiebungsbeben nahe der konvergenten Plattengrenze zwischen Afrika und Eurasien ein.

USGS: M 6.4 Albania earthquake vom 26. November 2019

GFZ/GEOFON: Ereignis gfz2019xdig

In vier Tagen reisen wir weiter – weg aus der Stadt Bar in Montenegro.

Für den gesamten Dezember haben wir eine Unterkunft in Albanien gemietet. Doch ob sie überhaupt noch heil ist? Ist die Reise für uns und unsere Kinder weiterhin sicher? Wie geht es unserem albanischen Vermieter gerade?

Ich muss ihn kontaktieren und greife zum Smartphone. Es zeigt 10.20 Uhr. Die Gardinen schwingen, die Schränke, die Tür. Während ich diesen Text schreibe, wackelt alles. Wir spüren das dritte Erdbeben. Laut Internet liegt das Epizentrum diesmal in der Nähe von Mostar in Bosnien und Herzegowina.

Der USGS-Katalog bestätigt später, dass wir um 10:20 Uhr Ortszeit ein anderes Beben gespürt haben: Am 26. November 2019 um 09:19 UTC ereignete sich ein Erdbeben der Magnitude 5,3, etwa vier Kilometer südsüdöstlich von Blagaj in Bosnien und Herzegowina, nahe Mostar.

Zum Anrufen komme ich jetzt nicht. Wir wollen hinaus. Schauen, wie es in der Altstadt aussieht. Vor einigen Tagen waren wir dort. Sie liegt direkt vor den steilen Felsen. Die schmalen Wege hinauf zu einem orthodoxen Kloster erinnern an die Straßen im Himalaya; die, wo man so oft von Busunglücken hört.

Vier Tage später sind wir tatsächlich weitergereist. Wie sich Albanien für uns mit Kindern angefühlt hat, erzählen wir in unserem Reisebericht „Ein Monat mit Kindern in Albanien“. Und wenn ihr Montenegro jenseits der Postkartenbilder kennenlernen möchtet, findet ihr unsere Erfahrungen im Beitrag „Montenegro: Weder Perle noch Juwel an der Adria“.

Erinnerung an die Schwarmbeben im Erzgebirge

Als wir noch im deutschen Erzgebirge wohnten, bekamen wir die ruckartigen Erdbewegungen auch zu spüren. Es war 2018, als die Erde bebte – ebenfalls in den Nachtstunden. Unser Bett auf dem Dachboden wackelte. Doch man hätte eher meinen können, eine übergewichtige Katze sei auf unser Bett gesprungen oder ein stark beladener LKW wäre zu schnell durch die Straßen gedonnert.

Was es mit unseren Kindern macht

Den Praxisteil der Geografie / Geologie haben wir heute noch einmal nachgeholt.

Neben ihrem Spiel „Erdbeben! In Sicherheit bringen!“ faszinieren sie jetzt genauso die Nachforschungen und Erklärungen, was mit der Erde passiert.

Erdbeben in Albanien und Montenegro - Kindern erklärt

Geologie & die Entstehung von Erdbeben: Wie Plattentektonik funktioniert

Die Mädchen greifen sich eine Landkarte von Europa. Für das Mittelmeer, das Europa von Afrika trennt, hält ein blaues Stück Stoff her. Langsam wird die afrikanische Platte unter die eurasische Platte geschoben. „Manchmal sind große Felsen im Weg, die verhindern, dass die eine Platte weiterkommt. Irgendwann ist der Druck zu groß. Wenn die Platten dann aneinander vorbeigleiten, bricht der Felsen ab. Und das ruckelt“, erkläre ich.

So sah unsere Erklärung an diesem Morgen aus: Karte auf dem Boden, blaues Tuch dazwischen, zwei Erdplatten in Bewegung. Unsere Kinder machten daraus ihr Spiel und wollten wissen, was da unter ihren Füßen passiert. Das beschreibt unsere Familie; andere Kinder können auf ein Erdbeben ganz anders reagieren.

Was die Erdbeben-Erfahrung mit uns macht

Die verregneten Tage in Montenegro führen manchmal zu Langeweile. Die Erdbeben heute sorgten definitiv für Aufregung. Für Faszination. Für Begeisterung. Ebenso denken wir aber auch an die Opfer in Albanien und anderen Orten, die von solchen Naturgewalten betroffen sind. Sie haben unser Mitgefühl.

Obwohl die Epizentren in Albanien und Bosnien lagen, hat man die Erdbeben hier im Nachbarland Montenegro noch deutlich gespürt. Es ist eine faszinierende Erfahrung, die unbändige Kraft der Erde zu fühlen. Gleichzeitig merkt man, dass das, was so fest und stabil scheint, doch überaus fragil ist – nur in einem viel gewaltigeren Maßstab.

Auch wenn die Erde bebt: Wir fühlen uns behütet. Es geht uns gut. Wir leben in Dankbarkeit und Sicherheit.

FAQ: Erdbeben auf Reisen

Kann man ein Erdbeben vorhersagen?

USGS kann Ort, Zeitpunkt und Magnitude eines künftigen Erdbebens derzeit nicht verlässlich vorhersagen. Frühwarnsysteme arbeiten anders: Sie erkennen ein bereits begonnenes Erdbeben und können je nach Entfernung noch Sekunden bis zur stärkeren Erschütterung verschaffen.

Warum nennen Quellen unterschiedliche Magnituden wie 6,3 und 6,4?

USGS erklärt solche Unterschiede mit verschiedenen Methoden, verfügbaren Messdaten, Erdmodellen und der Unsicherheit der Auswertung. Selbst bei gut aufgezeichneten Erdbeben kommen zwischen Institutionen Abweichungen von 0,2 bis 0,3 Magnitudeneinheiten vor. Beim Durrës-Beben führen USGS und GFZ Mw 6,4; Govorčin und Kolleg:innen modellierten Mw 6,3.

Warum nennen Quellen unterschiedliche Tiefen und Epizentren?

Die Lage eines Erdbebenherds wird aus Messdaten berechnet. Messnetze, Erdmodelle und Auswerteverfahren unterscheiden sich. Beim Hauptbeben vom 26. November 2019 nennt der aktuelle USGS-Eintrag 22 Kilometer Herdtiefe, GFZ/GEOFON 24 Kilometer. Eine 2020 veröffentlichte Übersicht verschiedener Institutionen zeigt für die frühen Auswertungen noch deutlich größere Unterschiede.

Ist Magnitude 6,4 „sehr stark“?

Die Magnitude beschreibt die Größe des Erdbebens. Wie stark es an einem bestimmten Ort wackelt und welche Schäden entstehen, hängt laut USGS unter anderem von der Entfernung zur Bruchzone, vom Untergrund, von der Herdtiefe und von der Bauweise ab.

Was hilft in den ersten Sekunden?

Die CDC empfiehlt für die meisten Situationen: auf Hände und Knie gehen, Kopf und Nacken schützen, wenn möglich unter einem stabilen Tisch Schutz suchen und sich festhalten, bis das Schütteln aufhört. Wer sich während des Bebens in einem Gebäude befindet, bleibt nach dieser Empfehlung drinnen und hält Abstand zu Fenstern und Gegenständen, die fallen können. An einer Küste kommt nach starkem oder länger anhaltendem Beben zusätzlich das Tsunami-Risiko ins Spiel; dafür sind die örtlichen Warn- und Evakuierungswege entscheidend.

Wie kann man Kindern Erdbeben erklären, ohne sie zusätzlich zu verängstigen?

Bei uns half das, was direkt vor uns lag: die wackelnden Gegenstände, eine Europakarte und die Frage, was unter unseren Füßen passiert. Unsere Kinder machten daraus ein Spiel und wollten verstehen, wie die Erdplatten sich bewegen. Das beschreibt unsere Familie; andere Kinder können auf ein Erdbeben ganz anders reagieren.

Welche Quellen eignen sich für schnelle, belastbare Informationen?

Für Magnitude, Herdtiefe, Zeitpunkt und Lage nutzen wir die Ereigniskataloge von USGS und GFZ/GEOFON. Für allgemeine Sicherheitsinformationen greifen wir auf zuständige Katastrophen- und Gesundheitsbehörden zurück.

Quellen und Vertiefung

Ereignisdaten und Seismologie:

USGS: M 6.4 – 15 km WSW of Mamurras, Albania, 26. November 2019

GFZ/GEOFON: Ereignis gfz2019xdig, Albania, 26. November 2019

USGS: The Science of Earthquakes

USGS: Warum Magnitudenangaben verschiedener Institutionen voneinander abweichen können

USGS: Can you predict earthquakes?

Sicherheit:

CDC: Safety Guidelines – During an Earthquake

Forschung zum Durrës-Beben:

Ganas et al. (2020): Ground Deformation and Seismic Fault Model of the M6.4 Durres (Albania) Nov. 26, 2019 Earthquake. Geosciences 10(6), 210. DOI: 10.3390/geosciences10060210

Teloni et al. (2021): The seismogenic fault system of the Mw 6.4 November 2019 Albania earthquake. Journal of the Geological Society 178(2). DOI: 10.1144/jgs2020-193

Govorčin et al. (2020): Geodetic Source Modeling of the 2019 Mw 6.3 Durrës, Albania, Earthquake. Geophysical Research Letters 47(22). DOI: 10.1029/2020GL088990

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