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Zuletzt aktualisiert: 13. März 2026

Der Titel war ein bisschen schief. Wirklich alleinerziehend war ich nicht. Aus mir wird wohl auch nie ein cooler Infaulenzer. Dafür gibt es jetzt das hier: einen langen Bericht über ausgebüxte Hunde, Autopannen und umgestürzte Mülleimer.

Nicht alleinerziehend. Aber plötzlich für alles zuständig.

Seit Jahren reisen wir immer wieder länger als Familie. Wie unser Alltag zwischen Reisen und selbstbestimmtem Lernen aussieht, haben wir anderswo ausführlicher beschrieben. Neu war diesmal, dass Patrick und ich nicht mehr automatisch gemeinsam mit allen vier Kindern unterwegs waren.

Das „alleinerziehend“ in der Überschrift täuscht also. Einer reiste mit zwei Kindern, einer blieb mit den anderen. Die Katze, der Hund und der ausgebliebene Lottogewinn zwangen uns zu Kompromissen, die wir ohne die drei wahrscheinlich nie gesucht hätten.

Meine erste Probe kam schon im Herbst. Ich reiste mit meiner Schwester und unseren Kindern los, während Patrick in Deutschland Haus und Tiere hütete. Mit Freundinnen hatte ich solche Ideen vorher eher beiseitegeschoben. Ich wollte niemanden mit unserer lauten, lebendigen Kinderschar überfordern. Mit meiner Schwester klappte es. Und mir dämmerte: Vielleicht reicht es, unterwegs handlungsfähig zu bleiben. Auf alles vorbereitet muss ich nicht sein.

Hund im Bett vor einer unserer Reisen

Winter mit zwei Kindern: ruhiger, aber nicht frei

Im Januar fuhr Patrick mit unseren beiden älteren Töchtern auf Bildungsreise. Ich blieb mit den beiden Jüngsten in Deutschland. Wir kamen gut zurecht. Ich scherzte damals, das Ganze fühle sich fast wie Urlaub an. Das war keine Leichtigkeit, sondern schlichte Mathematik: zwei Kinder statt vier, kein Ortswechsel, weniger Lärm.

Freizeit war das trotzdem nicht. Wenn alles an einer Person hängt, wird selbst ein ruhiger Tag voll. Kochen, trösten, anziehen, einkaufen, Termine im Blick behalten, Wäsche, Kleinkram, Nächte. Manchmal fiel ich abends direkt nach dem Sandmännchen ins Bett. Was mir in dieser Zeit half: ein guter Einkaufsservice. Denn im Gegensatz zu Patrick gehe ich in Deutschland ausgesprochen ungern einkaufen.

Ausflug ins Naturkundemuseum
Basteln mit Kindern im Winteralltag

Wenn Termine den Rhythmus bestimmen

Ganz frei war unsere Aufteilung ohnehin nie. Mit Kindern, Reisen, zwei Wohnorten und Behördenfristen muss immer irgendwer irgendwo erscheinen. In diesem Jahr kam die Schuleingangsuntersuchung für unsere beiden Jüngeren dazu. Medizinische Untersuchungen finde ich grundsätzlich sinnvoll. Schwer auszuhalten war der Ton, in dem sie manchmal stattfinden.

Unser Sohn sollte Symbole an einer Tafel erkennen. Weil er schon ein wenig lesen konnte, hielt er sie für etwas zum Vorlesen und sagte, er könne das nicht lesen. Aus einem Missverständnis wurde ein möglicher Befund. Ich ärgerte mich, schlief schlecht, schrieb am nächsten Tag höflich einen Brief. Und bekam beim Augenarzt dann das, was ich brauchte: eine Helferin, die lachte und sagte, solche Verdachtsmomente kämen häufig vor und würden selten bestätigt.

Noch kein Befund. Aber ein Gedanke blieb: Ein Kind, das eingeschüchtert in einem Zimmer steht, zeigt nicht, was es kann. Das sollte eigentlich keine Neuigkeit sein.

So liefen viele Wochen: voller kleiner Termine, Abzweigungen und Entscheidungen, aber ohne große Dramen. Reisen planten wir immer auch nach Kieferorthopäde, Werkstatt und allem, was sonst noch an den Kalenderrand gekritzelt war.

Hund und Katze im Bett

700 Kilometer allein am Steuer

Ende Mai war ich in Ungarn. Diesmal allein mit allen vier Kindern. Der erste Prüfstein kam noch vor dem Ankommen: rund 700 Kilometer am Steuer. Früher hätte ich mir das kaum zugetraut. Mit der Geburt des ersten Kindes hätte ich den Führerschein fast gleich wieder abgeben können, so selten fuhr ich danach.

Irgendwann parkte ich auf dem Hof und dachte: Ach so, das geht also auch.

Vor Ort wartete ein kleiner Ort mit genau dem, was wir brauchten: Platz. Zum Toben, zum Lautsein, zum Leisesein, zum Kindsein. Wir kochten Rührtofu, fanden schnell Kontakt, wurden eingeladen, schauten bei Nachbarn vorbei. Diese Wochen haben etwas verschoben. Ich wusste danach schlicht: Ich kann mehr tragen, als ich lange dachte.

Geschwister auf Pfosten in Ungarn
Rührtofu kochen
Raum zum Spielen in unserer Unterkunft in Ungarn

Drei Tage, an denen ich Patrick gern dabeigehabt hätte

Als der Hund abhaute

Natürlich gab es auch diese Tage, die Astrid Lindgrens Lotta als Unglückstage verbuchen würde. (Lotta aus der Krachmacherstraße ist übrigens das Buch dazu.) Einer davon begann damit, dass der Hund, den wir dort hüteten, einfach abhob. Ein Nachbar half beim Einfangen. Weniger hilfreich war eine andere Frau, die der Sache noch schnell einen Eskalationsrahmen baute, den niemand bestellt hatte. Viel Lautstärke, kein Mehrwert. Am Ende ging alles glimpflich aus, weil die ungarischen Nachbarn nüchtern und freundlich blieben.

Müder Hund nach viel Aufregung

Als am Balaton alles schepperte

Ein anderer Tag spielte am Balaton. Das Wasser war noch zu kalt zum Baden, die Kinder turnten auf dem Spielplatz. Ich saß auf meiner Matte und dachte wirklich: Jetzt entspanne ich mich mal kurz. Dann ein Knall, dann Schreien. Eine Reihe Mülleimer hatte meinen Jüngsten begraben.

Ich versorgte ihn, trug ihn, wartete, beobachtete. Gegen eine Fahrt ins Krankenhaus entschied ich mich bewusst: Das Auto sollte sowieso in die Werkstatt, und mit dem Kleinen in der Notaufnahme zu sitzen hätte bedeutet, die anderen drei Kinder ohne Aufsicht draußen zu lassen. Ich fragte später Nachbarn um Einschätzung. Einige Tage danach schaute sich ein Chirurg die Beinchen an und hätte nicht mal Röntgen für nötig gehalten. Das war Glück, keine allgemeine Empfehlung. Allein mit mehreren Kindern ist vieles machbar. Alles wird gleichzeitig komplizierter. Beides stimmt.

Frühling am Balaton
Versorgter Kinderfuß nach dem Unfall

Als das Auto aufgab

Unixtag Nummer drei war unser Abreisetag. Wir fuhren nicht mit unserem alten, treuen VW-Bus, sondern mit einem geliehenen Auto. Die Maut war bezahlt, die Route geladen, die Landschaft wunderschön.

Dann stand das Auto einfach still. Mitten auf der Schnellstraße. Ein aufmerksamer Lastwagen fuhr hinter uns her, während wir noch einen letzten Kilometer bis zur nächsten Abzweigung hoppelten. Dort bat ich den ersten Menschen, dem ich begegnete, um Hilfe. Ein Traktorfahrer. Er organisierte den Abschleppdienst. Für die Kinder war das halb Katastrophe, halb Abenteuer. In der Werkstatt tauschte man noch an einem Freitagnachmittag die Dieseleinspritzdüse. Abends lagen wir wieder in unseren ungarischen Betten. Müde, erleichtert, ein bisschen durchgeschüttelt.

Unser Auto auf dem Abschleppwagen

Memo an mich selbst

Die banalste Erkenntnis zuerst: Nie wieder ohne mobile Daten reisen. Solange nichts ist, wirkt fehlendes Internet wie ein kleines Ärgernis. Mit liegengebliebenem Auto, fremder Sprache und Werkstattsuche wird es schnell zur echten Hürde.

Die wichtigere Erkenntnis war persönlicher. Mein Reisefieber kommt fast immer mit Bammel. Was ist, wenn etwas passiert? Was, wenn ich nicht weiterkomme? Ich habe jetzt oft genug erlebt, dass ich handeln kann, Menschen ansprechen kann, Hilfe finde und Entscheidungen treffe, auch wenn mir dabei die Knie schlottern. Das reicht.

Was mir dabei geholfen hat, lässt sich auf drei Dinge eindampfen: mobile Daten, die Bereitschaft, Fremde anzusprechen, und die Gewissheit, dass Improvisation meistens reicht. Geholfen hat dabei auch etwas, womit ich nicht so fest gerechnet hatte.

Fremde helfen öfter, als man denkt

Das klingt nach Klischee. Vielleicht ist es das auch. Aber meine Erfahrung aus verschiedenen Ländern: Mit Kindern unterwegs öffnen sich oft Türen. Menschen erklären, zeigen, übersetzen. In der Autowerkstatt taucht plötzlich jemand auf, der fließend Englisch spricht. Am Strand bietet jemand an, kurz auf die Kinder zu schauen. Der Tankwart winkt die Kleinen unter der Schranke durch zur Toilette. Beim Stadtbummel bekommt man unvermittelt ein Kompliment, wie toll man mit den Kindern umgeht.

Ob das am Frau-Sein liegt, an den Kindern oder schlicht daran, dass vier Kinder und eine Mutter nach Hilfe aussehen, weiß ich nicht. Es ist meine Erfahrung, und sie hat gereicht.

Überfallen oder bedroht wurden wir übrigens noch nie. Ich schreibe das, weil ich weiß, dass viele genau das befürchten, wenn sie allein mit Kindern fahren. Eingeschüchtert oder unsicher habe ich mich nie gefühlt. Ein Mund, den man aufmacht, und Deepl Translate auf dem Handy kommen weit.

Allein mit Kindern reisen: machbar, anstrengend, echt

Allein mit Kindern zu reisen ist für mich heute kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Es bleibt anstrengend. Es bleibt manchmal chaotisch. Und instagrammig sieht es dabei nie aus.

Aber was ich gelernt habe: Man braucht keinen Plan für alles. Man braucht nur die Fähigkeit, im richtigen Moment den Mund aufzumachen.

Ich weiß jetzt: Ich kann losfahren. Und ich komme auch wieder an.

Falls ihr euch für unser Lernen unterwegs interessiert, passen dazu auch Worldschooling und Unschooling auf Reisen und unser erster Unschooling-Trip nach England.

Wo liegen für euch die Hürden beim Reisen allein mit Kindern? Oder habt ihr inzwischen die schönen Seiten entdeckt? Gibt es Ziele, die ihr besonders empfehlen würdet? Ich freue mich über alle Tipps und Kommentare.

Viszlát, eure Evelin

CC BY-SA 4.0 Kleines Lebensupdate: Allein(erziehend) mit Kindern auf Reisen von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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