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Extrem für eine vegane, ökologische und selbstbestimmte Zukunft (Evelin Hager als Lisa Simpson)

Aktualisiert am 27. Februar 2026

Liebe Leser:innen, ich lebe aus Überzeugung vegan, fordere eine selbstbestimmte Bildung für meine Kinder und erziehe sie nicht konsequent in althergebrachter Form … Vor einer Weile erkundigte sich eine Nachbarin, wieso ich so „anders“ und „extrem“ sein will. Sie fragte mich das nicht persönlich, sondern über eine Freundin. Das ist verständlich; denn hinter meiner eher zarteren Statur lauert ein knallharter Schläger. Im Geheimen; um Lottas Worte aus der Krachmacher-Straße zu verwenden (Astrid Lindgren: Na klar, Lotta kann Rad fahren).

Orientierung: In diesem Beitrag geht es um das Wort „extrem“, das schnell fällt, wenn Familien Dinge anders machen. Ich sortiere ein, was bei uns dahintersteht (vegan leben, Freilernen, gleichwürdig begleiten), wo ich bewusst ironisch zuspitze und wie man darüber reden kann, ohne einander zu zerlegen.

Anders, extrem & radikal

Ihr Lieben, unter euch habe ich viele Gleichgesinnte. Und wir finden uns alle kein bisschen „extrem“. Manche Dinge gehen wir anders an, das ist richtig. Doch wir tun das nicht, weil wir uns hervorheben oder etwas Besseres sein wollen. Es ist für uns nur nicht der Sinn des Lebens, dass der Rasen immer schön gemäht ist, wir uns durch Sonderangebote wühlen oder das Fernsehprogramm stimmt.

Was „normal“ ist, muss nicht „richtig“ sein

Manch einer findet es ekelig, ich weiß: Ich produziere Milch. Da fließt weißes, süßes Sekret aus meinen Brustwarzen, die ich in die Münder meiner Kinder stecke. Dabei könnte ich bequemerweise die Muttermilch einer anderen Spezies verwenden: als Säuglingsnahrung, zum Kochen und Backen und zur Körperpflege.

Zum einen haben wir heute eh genügend „Hochleistungskühe“. Sie brauchen ihre Babys sowieso nicht säugen, da diese ihren Müttern weggenommen werden. Und irgendwer muss die ganze Milch doch trinken, die eigentlich für die Kälbchen gedacht ist – sonst platzen die Euter. Ist bei mir ja auch so, wenn keines meiner Kinder stillen will.

Zum anderen sagt die Werbung, Milch sei gesund. Komisch, dass sie solch eine Anpreisung braucht … Aber wenn es im Fernsehen kommt oder in den Prospekten beim Arzt geschrieben steht, muss es ja stimmen.

Wieso also mache ich es für meine Familie so kompliziert und streiche jegliche Tierqualprodukte aus dem Speiseplan? Dafür gibt es nur eine Erklärung: Ich bin kleinlich und extrem. So wie der „Artgenosse“ im folgenden Video …

Es hat uns doch auch nicht geschadet

Kommen wir jetzt zu meinen Nachkommen, die ich gleichberechtigt behandele und mit denen ich spreche, als wären sie Erwachsene. Das wird wohl daran liegen, dass ich nur wenige Köpfe größer bin als meine Kinder. Wenn ich sie „normal erziehen“ würde, muss ich irgendwann ja Angst haben, dass ich mal ein blaues Auge davontrage.

Es ist in der Gesellschaft etabliert, die Kinder nicht aufgrund von gemeinsamen Interessen, sondern nach Alter in Klassenräume zu zwingen und sie dort nach Schema F zu belehren. Da die Schulpflicht eine Errungenschaft des Kaiserreichs ist, kann das so nur gut und richtig sein. Die Antwort darauf, wieso meine Kinder nun in Freiheit aufwachsen und nach Lust und Laune mit Begeisterung lernen dürfen, wenn sie das wollen, pfeifen längst die Spatzen von den Dächern: Ich kann mich nicht durchsetzen.

(Wer das Thema Schulpflicht praktisch statt satirisch braucht, findet bei uns eine sachliche Anlaufstelle: Anmeldung, Abmeldung und Befreiung von der Schulpflicht. Und wer die Begriffe im Umfeld von Freilernen sortieren möchte: Was ist Unschooling? Selbstbestimmtes Lernen erklärt.)

Im Ernst: Extrem & anders – für unsere Zukunft und die unserer Kinder

Zugeben muss ich, dass ich so extrem und anders bin, weil ich eine bessere Welt haben will. Damit bin ich ja nicht die Erste. Werfen wir einen Blick auf die Geschichte, hielten es unsere Vorfahren genauso. Sie wollten etwas ändern und taten es:

Jede Generation hat ihre Aufgabe. In der Nachkriegszeit war es unseren Omas und Uromas wichtig, ein Dach über den Kopf zu bekommen. Unsere Eltern kämpften vielleicht für den Fall der Berliner Mauer oder für Gleichberechtigung. Das war schwierig genug. Wie sollte da Zeit und Kraft bleiben für Themen, die uns heute beschäftigen und unsere Existenz auf dem Planeten bedrohen?

Das Artensterben, die Ausbeutung der Ressourcen der Erde und die Rodung der Regenwälder für billige Palmölprodukte, zum Beispiel: Das sind Tatsachen, die aus meinem Kopf nicht schwinden, die sich nicht schönreden lassen und für die es JETZT Lösungen braucht.

(Der Zusammenhang zwischen Ölpalmen-Expansion, Entwaldung und Biodiversitätsverlust wird in der Forschung differenziert untersucht. Ein Beispiel mit globalem Fokus ist https://doi.org/10.1371/journal.pone.0159668. Methodischer Fallstrick: Effekte hängen stark davon ab, welche Flächen vorher genutzt wurden und wie „Entwaldung“ definiert wird. Das ändert nicht die Dringlichkeit, aber es schärft die Begriffe.)

Wir brauchen unseren Vorfahren nicht vorwerfen, dass sie ihr Leben genau so leben oder lebten wie sie es tun bzw. taten. Lasst uns das mit einem Beispiel beleuchten:

André Stern, ein erwachsenes Kind, das seine Begeisterung nie verlor, lebt vegan. Seine Familie ist über diese „trendige“ Ernährungsform gut informiert, kennt tolle Rezepte, weiß um die richtige Zusammenstellung der Nährstoffe und hat Freude daran. Seinen Eltern macht er keinen Vorwurf, dass er bei ihnen „nur“ vegetarisch aufwuchs.

Ich will damit sagen, dass man vieles im Leben ändern kann (und sollte). Das funktioniert aber erst, wenn man die Folgen absehen kann. Deshalb steht es mir auch nicht zu, so streng mit der Nachbarin ins Gericht zu gehen.

Weiterführend: Hintergründe, die den Blick verschieben

Wenn ihr mehr über die Hintergründe wissen wollt, WIE man nur so extrem werden kann, dann schaut gern diese Filme, die uns geprägt haben an. Sie können euer Leben verändern. Vielleicht seht ihr die Welt hinterher mit anderen Augen.

Unser Planet braucht uns und Kinder, die von Anfang an das Zusammenspiel des Lebens verstehen!

Fühlt euch in (statt auf) den Arm genommen!

Eure Evelin

FAQ: Vegan leben, Freilernen, „extrem“ wirken

Warum nennst du dich im Text „extrem“, obwohl du das offenbar nicht so siehst?

Weil „extrem“ oft von außen kommt, als Etikett. Ich greife es ironisch auf, um sichtbar zu machen, wie schnell „normal“ mit „richtig“ verwechselt wird.

Warum ist die Passage über Milch so drastisch formuliert?

Weil sie mit Gewohnheit, Ekel und Werbesprache arbeitet. 

Was meinst du mit „selbstbestimmter Bildung“ konkret?

Im Kontext dieses Blogs geht es um Lernen, das an Interesse, Beziehung und Alltag anknüpft. Für eine Begriffsklärung gibt es bei uns einen eigenen Einstieg zum selbstbestimmten Lernen.

Wie kann man über solche Themen reden, ohne dass es sofort eskaliert?

Hilfreich ist oft die Frage: „Was genau wirkt auf dich extrem?“ Dann wird aus einem Reflex wieder ein Gespräch über Werte, Alltag und Grenzen.

Wo finde ich einen praktischen Einstieg ins vegane Leben?

Wenn ihr eher alltagsnah starten wollt: Veganer: Was essen? Ideen für den Alltag sammelt konkrete Anknüpfungspunkte.

Was, wenn mein Umfeld mich abwertet oder lächerlich macht?

Das passiert vielen. Manchmal hilft es, ruhig zu bleiben und nicht alles erklären zu wollen. Und manchmal hilft Abstand. Beides darf gleichzeitig wahr sein.

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CC BY-SA 4.0 Vegan lebende Öko-Freilerner-Mama: Wieso bin ich so extrem? von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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