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Zuletzt aktualisiert: 15. August 2026
Das Apuseni-Gebirge liegt im Nordwesten Rumäniens. Wir kamen wegen der Wälder, Höhlen, Wasserfälle und Wanderwege – und merkten ziemlich schnell, dass man hier besser nicht jedes Navi-Wort für bare Münze nimmt.
Google Maps zeigte uns jedenfalls einmal einen Weg. Vor uns lagen Schnee, Schlamm und Pfützen, die eher nach kleinen Seen aussahen. Spätestens da war klar: Google weiß eben doch nicht alles.
Gerade mit Kindern fanden wir diese Mischung spannend. Manche Ausflüge liefen anders als geplant, und fast jeder brachte etwas mit, womit wir vorher nicht gerechnet hatten. Genau deshalb ist uns das Apuseni-Gebirge in Rumänien so deutlich in Erinnerung geblieben.

Blick über Codru-Moma im Apuseni-Gebirge
Wenn Google Maps euch auf einen Wanderweg schickt
Zum Wandern ist das Apuseni-Gebirge großartig. Mit dem Auto kann derselbe Weg allerdings schnell ganz anders aussehen. Das lernten wir im westlichen Teil des Gebirges, im Codru-Moma.
Einmal lotste uns Google dort mit unserem stinknormalen VW-Bus durch Schnee, Pfützen, die Seen glichen, und Schlammpisten, die eher nach Traktor und Geländewagen aussahen. Wir kamen durch und sparten tatsächlich rund 40 Kilometer Landstraße. Nachmachen würde ich das trotzdem nicht. Wenn ihr ohne Geländewagen unterwegs seid, schaut euch Nebenstraßen vorher genau an und rechnet lieber mit einem Umweg.

Adrenalin im Blut und eine Aussicht, die den Weg fast wieder versöhnt.
Höhlen im Apuseni-Gebirge: von wild bis touristisch erschlossen
Die Höhlen, die wir besuchten oder besuchen wollten, hätten unterschiedlicher kaum sein können: klein und versteckt, offen und vermüllt, bequem zugänglich oder im Frühjahr schlicht noch nicht erreichbar.
Eine kleine Höhle bei Cărpinet
Eine kleine Höhle bei Cărpinet war uns einen Sonntagsausflug wert. Der Weg führte an einem Bächlein entlang, über Schafweiden und durch Schlamm. Vor einem der Eingänge lag ein toter Fuchs. Auf dem Rückweg floh in einiger Entfernung ein Rudel Wölfe vor uns – jedenfalls sah es für uns genau so aus. Danach war der Wolf bei unseren Kindern noch stundenlang Thema.

Am Eingang der linken Höhle bei Cărpinet

Vor dem rechten Höhleneingang lag ein abgestürzter Fuchs.
Die Höhle bei Izbuc
Ganz anders war die Peștera Câmpenească am Rand von Izbuc. Der Bach verschwindet dort in einem offenen Schlund, das Wasser kreist, und der Fels zieht den Blick nach unten. Gleichzeitig drehte Müll im Strudel seine Runden. Trotz des Mülls fanden wir die Höhle spektakulär.

Spektakulär – und leider mit Müll im Wasserlauf
Müll sahen wir damals leider auch an anderen Stellen im Apuseni-Gebirge. Gerade an solchen Orten wird Umweltschutz sehr konkret: Der Bach ist Fotomotiv, Lebensraum und Wasserlauf zugleich.
Peștera Urșilor: die unkompliziertere Variante
Wenn ihr eine Höhle sehen wollt, ohne euch vorher durch Schlamm und Umwege zu arbeiten, ist die Peștera Urșilor deutlich unkomplizierter. Sie ist touristisch erschlossen und wird mit Führung besichtigt. Bei unserem Besuch war die Führung auf Rumänisch. Die Tropfsteine und die fossilen Knochen der Höhlenbären brauchten allerdings keine Übersetzung.

Führung durch die Peștera Urșilor
Manche Ziele warten besser auf den Sommer
Ein paar andere Höhlen wollten wir ebenfalls sehen: die Peștera de la Căput und die Gletscherhöhle Peștera Ghețarul Focul Viu. Auf dem Schild klang das überschaubar. Vor Ort hieß es dann: noch etwa sieben Kilometer zu Fuß. Wir probierten es mit der nächsten Straße, fuhren weiter Richtung Padiș und merkten mit jedem Meter, dass dort oben noch Winter herrschte. Hinter Padiș war Schluss. Schnee auf der Straße, keine Räumung, kein vernünftiger Weiterfahrgrund. Also umdrehen.

Hinter Padiș war für uns Schluss.
Wasserfälle, Wildwasser und Bärlauch im Regen
Doch der Tag war gerettet. Wir fuhren die Serpentinen zurück nach Boga und folgten dort dem Crișul Pietros, der zu dieser Jahreszeit ordentlich Wasser führte. Manche fahren dort Kajak. Nachdem ich unserem Auto an diesem Tag schon genug zugemutet hatte, stellte ich es am Wegesrand ab. Wir gingen im Regen weiter bis zur Cascada Schmidl – und wurden nicht enttäuscht.

Vor Ort sieht’s noch beeindruckender aus als auf dem Foto.
Auf dem Rückweg sammelten wir einen ganzen Regenschirm voll Bärlauch und stillten an einer Quelle unseren Durst.

Klares Quellwasser aus dem Eimerchen – vielleicht hilft’s gegen die grauen Haare.

Bärlauch im Regenschirm. Abendessen gesichert.
Wer solche Orte mag, findet bei uns auch eine Sammlung mit Wasserquellen mit frischem Quellwasser.
Tiere im Apuseni-Gebirge: Naturkunde unterwegs
Auch bei den Tieren wurde Naturkunde ziemlich konkret: Spuren im Schnee, die wir für Wolfsspuren hielten, die Überreste eines Jungbullen, Feuersalamander auf dem Weg, Laubfrösche und Erdkröten am Wasser.

Spaziergang im Apuseni-Gebirge

Spuren im Schnee, die wir für Wolfsspuren hielten

Die Überreste eines Jungbullen. Bello bemerkte die Richtung zuerst.
Wir erfreuten uns an der Fülle von Wildkräutern und den vielen Tieren, die wir unterwegs entdeckten und kennenlernen konnten. Mal wieder standen wir mitten im Lehrbuch!

Ein Feuersalamander kreuzt unseren Weg.

Erdkröten bei der Paarung

Hier haben Frösche ihren Laich abgelegt.
Steile Wege, Burgruinen und Vârtop
Mir reichte schon der Aufstieg zu den Ruinen der Burg Cetatea Finiș nahe Beiuș. Der reguläre Weg war damals nicht ausgeschildert, also kletterte ich ohne meine Familie irgendwie den steilen Hang hinauf. Den richtigen Pfad entdeckte ich erst oben.

Der Aufstieg war steil. Die Aussicht nicht umsonst.
Auch der reguläre Pfad ist abschüssig und rutschig. Mit kleinen Kindern oder wenig Trittsicherheit würde ich den Weg deshalb nicht leichtfertig empfehlen.

Wer zu den Ruinen will: Hier geht’s hoch.
Durch Vârtop fuhren wir auf der Suche nach der Höhle Peștera Porțile Bihorului, die wir nicht fanden. Dafür bestaunten wir die winterliche Landschaft und den Baustil der Häuser, der sich deutlich von der Architektur unten im Tal unterschied.

Fast alpines Flair bei Vârtop

Aussicht bei Vârtop
Kloster Izbuc und die Holzkirche von Brădet
Ein ganz anderer Ausflug führte uns zum orthodoxen Kloster Mănăstirea Izbuc.
Unsere Nachbarn hatten uns kurz zuvor an unserem Ferienhaus mit selbst gemachten Lebensmitteln versorgt, darunter einiges, was bei uns niemand isst, weil wir vegan leben. Also gaben wir Knackwürste, Speck, Gebäck und anderes ans Kloster weiter. Die Mönche luden uns zum Essen ein, segneten mich mehrfach als „Familienoberhaupt“ und packten den Kindern Tüten mit Obst und Süßigkeiten. In der Klosterküche zu sitzen und mit anderen Brot und ein warmes Essen zu teilen, war ein herzerwärmendes Erlebnis.

Abendbrot in der Klosterküche von Izbuc
Später setzten wir uns noch in die Messe und hörten den Gesängen und Gebeten der Mönche zu. Auf dem Gelände liegt außerdem eine Karstquelle, deren Wasser in Abständen aus dem Berg tritt. Gläubige verehren sie als heiligen Ort und schreiben dem Wasser heilende Kräfte zu.

Viele Menschen füllen sich hier Wasser ab.
Ebenso in Erinnerung blieb uns die Holzkirche Biserica de lemn Sf. Ioan Teologul in Brădet. Von außen ist sie eher unscheinbar; gerade deshalb hätten wir hinter der Tür kaum mit diesem Innenraum gerechnet.

Blick über Brădet

In der Holzkirche von Brădet war es überraschend warm und gemütlich.
Als Abstecher: Burg Hunedoara
Einer unserer Ausflüge führte uns zur gewaltigen Burg Castelul Corvinilor in Hunedoara, südlich des Apuseni-Gebirges. Wenn ihr ohnehin in der Gegend seid, ist das ein ziemlich eindrucksvoller Abstecher.

Die Burg in Hunedoara ist ein wuchtiges mittelalterliches Bauwerk.
Kerker und Folterkammer schauten wir uns nicht gemeinsam mit den Kindern an. Jeweils einer von uns blieb mit ihnen draußen, während der andere hineinging. Das separate Foltermuseum ließen wir ebenfalls aus. Die ethnologische Ausstellung fanden wir dagegen sehenswert.

Ethnologische Ausstellung in der Burg Hunedoara

Dank eines freundlichen Museumsmitarbeiters haben wir endlich mal ein ordentliches Foto von uns allen.

Die Folterkammer sahen wir uns nur ohne Kinder an.
Auf dem Rückweg schauten wir uns in Brad noch eine Dampflok an. Zwischen Wildnis, Mittelalter und Kloster stand plötzlich eine Lok, in die man hineinklettern durfte. Natürlich mussten wir hin.

Die Dampflok in Brad – sogar ins Führerhaus konnten wir hinein.
Fazit zum Apuseni-Gebirge
Das Apuseni-Gebirge würde ich Familien empfehlen, die mit unerwarteten Umwegen gut leben können und lieber draußen entdecken als ein dichtes Programm abarbeiten. Mit kleinen Kindern würde ich Zufahrten und Wege eher konservativ einschätzen. Der Rest darf unterwegs passieren.

Gerade bei Regenwetter hat das Apuseni-Gebirge einen eigenen Charme.
Wart ihr schon im Apuseni-Gebirge unterwegs? Was ist euch dort besonders in Erinnerung geblieben?
Bis bald
Euer Patrick
Apuseni-Gebirge in Rumänien: Höhlen, Wasserfälle und wilde Wege von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
Dein Reisebericht ist ganz toll, ihr habt Land und Leute kennen gelernt, so etwas erlebt man eben nur, wenn man individuell reist.
Vielen Dank! Ja, wer langsam reist, reist intensiver. 🙂
Tolle Eindrücke, herzlichen Dank. Hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm…
Wir zuvor auch nicht. 😉