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Zuletzt aktualisiert: 07.08.2026

Picknick im Garten als Familienmoment

Kinder sind hervorragende Lehrmeister:innen für uns Erwachsene. Bei uns haben sie vor allem drei Dinge immer wieder ins Bewusstsein gerückt: Bewegung, Ruhe und Essen. Vieles daran klingt selbstverständlich. Im Familienalltag fühlt es sich trotzdem erstaunlich schnell ganz anders an.

1. Lektion: Bewegung hält fit

Joggen, Schwimmbad, Fitness: Bewegung taucht im Erwachsenenalltag schnell als Pflichtprogramm auf. Bei uns konkurrierte sie lange mit all den Dingen, die in einer Familie eben ebenfalls ihren Platz beanspruchen.

Unsere Kinder waren dagegen ständig in Bewegung. Und sie wollten uns dabeihaben. „Spiel mit mir!“ ließ sich beim Puzzeln ziemlich leicht beantworten. Beim Fangspiel draußen sah das schon anders aus.

Als 2016 die regelmäßigen „Trageausflüge“ unserer Jüngsten langsam vorbei waren und stattdessen ein weiteres Laufrad mit nach draußen kam, kamen auch wir Großen wieder stärker in Bewegung. Wenn wir wirklich mitspielten, statt das Spiel vom Rand aus zu begleiten, passierte etwas ziemlich Einfaches: Wir bewegten uns mehr und hatten gemeinsam Spaß dabei.

Auch die Forschung spricht dafür, Bewegung im Kindes- und Jugendalter ernst zu nehmen. Janssen und LeBlanc werteten 2010 in einem systematischen Review 86 Arbeiten zu 5- bis 17-Jährigen aus. Körperliche Aktivität hing dabei mit gesundheitlichen Vorteilen unter anderem bei kardiometabolischen Risikomarkern, Knochengesundheit, Adipositas und Depression zusammen.[1] Eine Meta-Analyse von Su und Kolleg:innen fand 2022 außerdem einen kleinen positiven Zusammenhang zwischen unterstützendem elterlichem Einfluss und dem Aktivitätsniveau von Kindern und Jugendlichen. 95 der 112 einbezogenen Studien waren Querschnittsstudien; die Analyse beschreibt daher vor allem einen Zusammenhang.[2]

Für uns war der stärkste Anstoß trotzdem viel unspektakulärer: Kinder, die mit uns spielen wollten.

2. Lektion: In der Ruhe liegt die Kraft

Wenn über Gesundheit von Kindern gesprochen wird, taucht oft der Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung auf. Bei unserem ersten Kind hasteten wir noch durch die Wohnung, sobald es schlief, und versuchten in dieser Zeit möglichst viel zu erledigen. Später nutzten wir ruhige Stunden oder auch nur ein paar Minuten viel öfter selbst für eine Pause, wenn wir sie brauchten.

Damit meinen wir die bewussten Still- oder Vorlesezeiten, ein paar Minuten gemeinsamen Mittagsschlaf oder ein ruhiges Spiel mit Kuscheln auf der Picknick- oder Sofadecke. Das passte irgendwann viel besser zu unserem Familienleben als die Idee, jede stille Minute möglichst produktiv zu füllen.

Warum erkannten wir die Müdigkeitsanzeichen unserer Kinder so viel leichter als unsere eigenen?

Für Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 17 Jahren fasste ein systematischer Review von Chaput und Kolleg:innen 2016 insgesamt 141 Artikel mit 592.215 Teilnehmenden aus 40 Ländern zusammen. Längere Schlafdauer war im Durchschnitt mit geringerer Adipositas, besserer emotionaler Regulation, besseren schulischen Leistungen und höherer Lebensqualität beziehungsweise höherem Wohlbefinden verbunden. Die Aussagekraft unterschied sich je nach Endpunkt deutlich; ein großer Teil der Evidenz stammte aus Querschnittsstudien und selbst berichteten Schlafdaten.[3]

Der individuelle Schlafbedarf variiert. Für unseren Alltag blieb vor allem die schlichte Frage hängen, die wir früher so leicht übersahen: Wie müde sind eigentlich wir?

3. Lektion: Ernährung und unser Familienalltag

2016 waren wir überzeugt, dass uns vegane Rohkost mit hohem Wildkräuteranteil besonders gut tat. Gleichzeitig versuchten wir, unseren Kindern dreimal täglich ein „vernünftiges“ Essen zu servieren. In unseren Köpfen saßen die Regeln längst fest: zum Frühstück Getreideprodukte, mittags Kochkost und mit Einbruch der Dunkelheit das „AbendBROT“.

Unsere Töchter machten sich aus diesen Vorstellungen wenig. Der Appetit auf Spaghetti oder Schokoladentorte war manchmal schon nach dem ersten Löffelchen verflogen. Im Grunde kochten wir häufig für uns zwei Eltern und die Katzen unterm Tisch. Bei Obst, rohem Gemüse, Beeren, Nüssen und Kernchen griffen unsere Mädchen dagegen gern zu.

Nach einem Mittagessen mit weichen Nudeln und zerkochten Tomaten entschieden wir uns spontan für ein Picknick mit Rohkost und Kräutern. Alle aßen, wurden satt und waren zufrieden. Dazu kamen zwei sehr praktische Nebeneffekte: weniger Abwaschberge und weniger Tomatensoße überall.

Beim Trinken hatten unsere Kinder ihre Vorliebe ohnehin früh deutlich gemacht. Statt Limonade oder Saft verlangten unsere Mädchen meistens Wasser „von der Nixe“. 😉

Aus dieser Familiengeschichte lässt sich kein allgemeiner Ernährungsplan ableiten. Gerade bei vegan ernährten Kindern und Jugendlichen lohnt sich eine nüchterne Nährstoffperspektive. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beschreibt die Datenlage für diese Altersgruppen in ihrem Positionspapier von 2024 als eingeschränkt und enthält sich deshalb einer eindeutigen Empfehlung für oder gegen vegane Ernährung. Sie rät bei veganer Ernährung in diesen Gruppen zu besonders fundierter Ernährungskompetenz und qualifizierter Ernährungsberatung.[4]

Der Ernährungsausschuss der ESPGHAN kam 2025 nach einer systematischen Suche zu einem ähnlich vorsichtigen Ergebnis: Die vorhandene Evidenz lässt derzeit offen, ob eine strikt vegane Ernährung normales Wachstum im Kindesalter zuverlässig unterstützt. Die Fachgesellschaft empfiehlt, Nahrungsaufnahme, Wachstum und Ernährungsstatus regelmäßig zu beobachten und besonders auf Protein, Omega-3-Fettsäuren, Calcium, Eisen sowie eine verlässliche Versorgung mit Vitamin B12 zu achten.[5] Mehr zu diesem Nährstoff findet ihr in unserem Beitrag über Vitamin B12 bei veganer Ernährung.

Auch unsere damalige Begeisterung für Rohkost lässt sich heute einfacher einordnen. Roh und gekocht haben je nach Lebensmittel unterschiedliche ernährungsphysiologische Eigenschaften. Ein Review von Cilla und Kolleg:innen zeigt, dass Verarbeitung die Biozugänglichkeit verschiedener Inhaltsstoffe abhängig von Lebensmittelmatrix, Stoff und Verfahren erhöhen oder senken kann.[6] Für uns darf deshalb beides auf den Tisch: frisches Obst, Gemüse, Nüsse und Kräuter genauso wie gekochte Gerichte, auf die gerade jemand Appetit hat.

Was uns von den drei Lektionen geblieben ist

Unsere Kinder haben uns damals vor allem etwas vorgemacht, das Erwachsene gern verkomplizieren: Sie bewegten sich, wenn sie spielen wollten. Sie zeigten Müdigkeit, wenn ihre Kräfte nachließen. Und sie machten beim Essen ziemlich deutlich, was sie gerade mochten.

Für uns wurde daraus mit der Zeit ein weniger starres Bild von Gesundheit. Bewegung darf aus einem Fangspiel entstehen. Ruhe darf mitten am Tag Platz haben. Und beim Essen zählen Versorgung, Geschmack und die Bedürfnisse der einzelnen Menschen am Tisch zusammen.

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Quellen

  1. Janssen I, LeBlanc AG. Systematic review of the health benefits of physical activity and fitness in school-aged children and youth. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity. 2010;7:40. DOI: 10.1186/1479-5868-7-40. Tragende Stellen: Abstract, „Methods“, „Results“ und „Conclusion“.
  2. Su DLY, Tang TCW, Chung JSK, Lee ASY, Capio CM, Chan DKC. Parental Influence on Child and Adolescent Physical Activity Level: A Meta-Analysis. International Journal of Environmental Research and Public Health. 2022;19(24):16861. DOI: 10.3390/ijerph192416861. Tragende Stellen: Abstract; Abschnitt 3.2 „Descriptive Statistics“; Abschnitt 3.4.1 „Overall Effect Size of Positive Parental Influence“.
  3. Chaput JP et al. Systematic review of the relationships between sleep duration and health indicators in school-aged children and youth. Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism. 2016;41(6 Suppl 3):S266–S282. DOI: 10.1139/apnm-2015-0627. Tragende Stelle: Abstract.
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Positionspapier, 2024. DGE-Webseite zum Positionspapier. Tragende Stelle: Zusammenfassung zur Bewertung vulnerabler Gruppen.
  5. Verduci E et al. Vegan diet and nutritional status in infants, children and adolescents: A position paper based on a systematic search by the ESPGHAN Nutrition Committee. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 2025;81(5):1318–1345. DOI: 10.1002/jpn3.70182. Tragende Stelle: Abstract.
  6. Cilla A, Bosch L, Barberá R, Alegría A. Effect of processing on the bioaccessibility of bioactive compounds – A review focusing on carotenoids, minerals, ascorbic acid, tocopherols and polyphenols. Journal of Food Composition and Analysis. 2018;68:3–15. DOI: 10.1016/j.jfca.2017.01.009. Tragende Stellen: Highlights und Abstract.

Transparenz: Dieser Beitrag verbindet persönliche Erfahrungen aus unserem Familienleben mit einer fachlichen Einordnung anhand der genannten Quellen. Bei individuellen gesundheitlichen oder ernährungsmedizinischen Fragen können qualifizierte Fachpersonen die persönliche Situation, Entwicklung und Versorgung gezielt beurteilen.

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