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Aktualisiert am: 26.02.2026

Ich spreche über Streitereien mit Familienangehörigen und über Konflikte mit fremden Menschen. In diesem Video erfahrt ihr, wie wir mit Kritik umgehen.

Video: Konflikte, Kritik, Morddrohungen und Gewaltfreie Kommunikation

Worum es in dieser Q&A-Runde geht

Es ist spät am Abend, die Kinder schlafen, und ich beantworte Fragen, die ihr per Mail oder in den YouTube-Kommentaren gestellt habt. Es geht um Streit, Nachtragendsein, um Reibung in der Familie und um Kritik von außen.

Das ist keine Anleitung für perfekte Harmonie. Es ist eher ein realistischer Blick darauf, wie Konflikte entstehen, wie sie abkühlen und welche Sätze uns helfen, nicht noch Öl nachzugießen.

Nachtragend sein oder vergeben

Ich würde nicht sagen, dass wir nachtragend sind. Vergeben fühlt sich für mich leichter an als inneres Festhalten. Zeit kann Dinge außerdem verändern. Eine Wunde verschwindet nicht immer, aber sie kann weniger scharf werden.

Was mir dabei auffällt: Kinder streiten oft heftig und sind im nächsten Moment wieder nah. Das ist nicht immer übertragbar. Trotzdem erinnert es mich daran, wie schnell Nähe wieder möglich wird, wenn niemand gewinnen muss.

Konflikte in der Familie: Nähe macht es nicht automatisch einfacher

Ja, wir haben Streit, auch innerhalb der Familie. Manchmal geht es nicht um einzelne Worte, sondern um Weltbilder. Besonders beim Thema Kinder kann das krachen, weil jede Person mit eigenen Erfahrungen und Ängsten spricht.

Bei uns hat es vor allem dann gerumpelt, wenn verschiedene Vorstellungen von Kindern und Alltag aufeinandertrafen. Manchmal hilft Abstand. Manchmal hilft ein Gespräch. Manchmal hilft erstmal nur Zeit.

Und trotzdem: Ich kann Menschen lieben und mich zugleich weniger verbunden fühlen als früher. Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Konflikte mit Fremden: im Alltag kurz, im Netz oft schräg

Im „echten Leben“ erleben wir erstaunlich selten direkte Kritik für Dinge, die andere als ungewöhnlich sehen. Was eher vorkommt, sind Stressmomente: jemand hupt, weil das Auto kurz ungünstig steht, während ein Kind angeschnallt wird.

In solchen Situationen hilft mir eine einfache Entscheidung: Ich muss nicht zurückschießen. Ich kann lächeln, fertig machen, weitergehen. Nicht, weil ich alles schlucke, sondern weil Eskalation meist nur Zeit frisst.

Kritik im Internet: Grenze ziehen, ohne sich zu verhärten

Online ist die Hemmschwelle oft niedriger. Kritik kann sinnvoll sein. Sie kann auch schlicht verletzend sein. Bei reiner Beschimpfung habe ich kein Problem damit, Kommentare zu löschen oder Accounts zu blockieren.

Wir hatten bisher auch eine Morddrohung. Das haben wir angezeigt. Drohungen sind kein „Shitstorm-Drama“, sondern können strafrechtlich relevant sein, etwa als Bedrohung nach § 241 StGB. [4]

Was bei Drohungen oder massiver Hetze sinnvoll sein kann

  • Beweise sichern: Screenshots, Links, Zeitstempel, Nutzername, Kontext.
  • Plattform melden: Inhalte melden und dokumentieren, bevor sie verschwinden.
  • Anzeige prüfen: Bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder online über die „Onlinewache“ einiger Bundesländer. [5]
  • Rechtliche Einordnung: Bedrohung (§ 241 StGB), Beleidigung (§ 185 StGB) oder weitere Tatbestände können greifen. [4] [6]
  • Schutz zuerst: Wenn ihr euch akut gefährdet fühlt, holt Hilfe vor Ort.

Für Orientierung gibt es auch seriöse Informationsseiten zu Hass und Gewalt im Netz, inklusive Hinweisen zur Beweissicherung und zu rechtlichen Schritten. [7]

Gewaltfreie Kommunikation: nicht weich, sondern klar

Mit Gewaltfreier Kommunikation meine ich nicht, dass niemand mehr genervt sein darf. Ich meine einen Versuch, aus Vorwürfen wieder Beobachtungen zu machen. Und aus Angriffen wieder Bedürfnisse.

Ein Satz wie „Du bist immer so rücksichtslos“ zündet. Ein Satz wie „Ich bin gerade gestresst und brauche Platz, um das Kind anzuschnallen“ kann zumindest eine Tür öffnen.

Zur Evidenz: GFK ist als Praxis weit verbreitet, aber die Forschungslage ist heterogen. Es gibt Studien, die nach Trainings Verbesserungen bei Empathie oder Kommunikation zeigen. Die Effekte hängen stark von Setting, Dauer und Messmethode ab. Ein randomisiertes Studiendesign bei Medizinstudierenden fand zum Beispiel einen kleinen, aber signifikanten Anstieg in einem Empathie-Selbstrating nach einem kurzen GFK-Training. [1]

Ein paar Formulierungen, die deeskalieren können

  • Spiegeln: „Habe ich euch richtig verstanden, dass ihr gerade Sorge habt, nicht vorbeizukommen?“
  • Ich-Klarheit: „Ich brauche zwei Minuten. Dann ist die Tür zu.“
  • Grenze ohne Gift: „So reden wir nicht miteinander. Ich gehe jetzt aus dem Gespräch.“
  • Neustart anbieten: „Wir können später nochmal sprechen, wenn es ruhiger ist.“

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FAQ

Ist es „schlecht“, wenn es in der Familie kracht?

Nicht automatisch. Nähe bringt Erwartungen mit. Und Erwartungen bringen Konfliktpotenzial. Entscheidend ist, ob ihr nach dem Krach wieder in Kontakt kommt und ob Grenzen respektiert werden.

Wie unterscheiden wir Kritik von Angriff?

Kritik benennt ein Thema und lässt euch als Menschen intakt. Angriffe zielen auf Abwertung. Bei Kritik lohnt sich Zuhören. Bei Angriffen lohnt sich oft Abstand.

Was hilft, wenn wir im Gespräch sofort in Rechtfertigung rutschen?

Ein kurzer Stopp kann reichen: „Ich merke, ich gehe gerade in Verteidigung.“ Dann eine Frage: „Was genau ist eure Sorge?“ Damit verschiebt ihr den Fokus von Schuld auf Bedürfnis.

Kann Gewaltfreie Kommunikation bei aggressiven Menschen funktionieren?

Manchmal ja, oft nur begrenzt. GFK ist kein Zaubertrick. Sie kann Eskalation senken, wenn die andere Seite noch ansprechbar ist. Wenn nicht, wird Grenzsetzung wichtiger als Verständigung.

Was tun bei Beleidigungen und Drohungen im Netz?

Beweise sichern, melden, blockieren. Bei Drohungen oder massiver Hetze kann eine Anzeige sinnvoll sein. Bedrohung (§ 241 StGB) und Beleidigung (§ 185 StGB) sind gesetzlich geregelt. [4] [6]

Ist „Kommentar löschen“ Zensur?

In privaten Kommentarbereichen ist Moderation Teil von Schutz und Gesprächskultur. Kritik darf bleiben. Entmenschlichung muss nicht bleiben.

Wie bleiben wir weich, ohne uns alles gefallen zu lassen?

Ich trenne gern beides: Mitgefühl für Motive, klare Grenze für Verhalten. Das schützt Herz und Nerven zugleich.

Buchtipps

Wenn ihr euch tiefer mit GFK beschäftigen mögt, ist das Standardwerk von Marshall B. Rosenberg ein guter Einstieg. Es ist kein wissenschaftliches Lehrbuch, eher ein Praxisbuch mit vielen Beispielen.

  • Nonviolent Communication: A Language of Life (Marshall B. Rosenberg, PuddleDancer Press; verschiedene Auflagen).
  • Studie zu GFK-Training und Empathie (randomisiert, Medizinstudierende): DOI 10.5116/ijme.615e.c507 [1]

Wenn ihr Bücher kaufen möchtet und dabei den Blog unterstützen wollt, nutzt gern Buch7 oder als Alternative Thalia.

Quellen

  1. Epinat-Duclos J, Foncelle A, Quesque F, et al. Does nonviolent communication education improve empathy in French medical students? International Journal of Medical Education. 2021;12:205–218. DOI: 10.5116/ijme.615e.c507
  2. Wacker R, Dziobek I. Preventing empathic distress and social stressors at work through nonviolent communication training: a field study with health professionals. Journal of Occupational Health Psychology. 2018;23(1):141–150. DOI: 10.1037/ocp0000058
  3. Hilfe-Info (BMJ): Strafanzeige online, Überblick und Vorgehen. https://www.hilfe-info.de/Webs/hilfeinfo/EN/KnowYourRights/Strafverfahren/Anzeige/Onlinewache/Onlinewache_node.html
  4. Strafgesetzbuch (StGB) § 241 Bedrohung (Gesetze im Internet). https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__241.html
  5. Polizei NRW: Onlinewache, „I would press charges“. https://internetwache.polizei.nrw/en/i-would-press-charges
  6. Strafgesetzbuch (StGB) § 185 Beleidigung (Gesetze im Internet). https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__185.html
  7. Hilfe-Info (BMJ): Merkblatt „Hass und Gewalt im Netz“. https://www.hilfe-info.de/Webs/hilfeinfo/DE/Merkblaetter/merkblatt_hass_und_gewalt_im_netz.html
  8. Bundeskriminalamt: Hass und Hetze im Netz (ZMI BKA). https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/StrafbareInhalteimInternet/strafbareinhalteiminternet_node.html

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