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Aktualisiert am: 11.08.2026

Ich spreche über Streitereien mit Familienangehörigen und über Konflikte mit fremden Menschen. In diesem Video erfahrt ihr, wie wir mit Kritik umgehen.

Video: Konflikte, Kritik, Morddrohungen und Gewaltfreie Kommunikation

Worum es in dieser Q&A-Runde geht

Es ist halb elf am Abend, die Kinder schlafen endlich – juhu – und ich nutze die Ruhe für ein paar Fragen von euch. Sie kamen per E-Mail und über die YouTube-Kommentare. Es geht um Streit in der Familie, um Kritik von anderen Menschen, um unsere Erfahrungen im Netz und um Gewaltfreie Kommunikation.

Ich erzähle dabei vor allem, wie wir selbst mit solchen Situationen umgehen. Konflikte sehen in jeder Familie anders aus, und auch ein Satz, der mir in einem Moment hilft, kann sich in einem anderen völlig unpassend anfühlen.

Nachtragend sein oder vergeben

Ich würde nicht behaupten, dass wir besonders nachtragend sind. Vergeben fühlt sich für mich meistens leichter an, als eine alte Auseinandersetzung innerlich immer wieder hervorzuholen. Und Zeit verändert manches. Eine Verletzung ist damit vielleicht noch da, fühlt sich irgendwann aber weniger scharf an.

Bei unseren Kindern sehe ich oft, wie schnell sich ein Streit wieder verändern kann. Eben wurde noch laut gestritten, kurz darauf spielen sie wieder miteinander, umarmen sich oder suchen die Nähe des anderen. Erwachsene tragen andere Geschichten und Verletzungen mit sich herum. Trotzdem erinnert mich das daran, dass ein Streit eine Beziehung nicht für alle Zeiten festschreiben muss.

Konflikte in der Familie: Wenn Vorstellungen weit auseinanderliegen

Ja, bei uns gibt es Streit – auch in der Familie. Besonders gerumpelt hat es immer wieder dort, wo sehr unterschiedliche Vorstellungen von Kindern und Familienalltag aufeinandertrafen. Solche Auseinandersetzungen gehen mir näher als ein kurzer Konflikt mit irgendeinem fremden Menschen auf der Straße. Schließlich hängt an Familienbeziehungen viel gemeinsame Geschichte.

Manche Dinge ließen sich bei uns im Gespräch klären. Bei anderen brauchten wir erst einmal Abstand und Zeit. Und manchmal gibt es Themen, über die eine Seite gern sprechen würde, während die andere gerade keinen Weg in dieses Gespräch sieht. Auch das gehört zu unserer Familiengeschichte.

Ich kann Menschen sehr lieben und mich ihnen gleichzeitig weniger verbunden fühlen als früher. Das widerspricht sich für mich überhaupt nicht. Nach einem Streit wünsche ich mir meist, dass wir uns irgendwann wieder begegnen können, ohne die alte Szene jedes Mal zwischen uns zu stellen.

Einmal wurde es zum Beispiel zwischen einer Tante und mir ziemlich laut. Ich war damals schwanger, sehr empfindlich und schnell auf Konfrontation. Die Situation hat uns beiden wenig gebracht. Trotzdem wusste ich schon danach: Wenn ich meine coole Tante wiedersehe, werde ich mich freuen, sie in den Arm zu nehmen. So fühlt sich Vergeben für mich eher an als irgendein feierlicher Schlussstrich.

Konflikte mit Fremden: Manchmal hupt einfach jemand

Im Alltag erleben wir erstaunlich selten direkte Kritik an Dingen, die andere an unserem Familienleben ungewöhnlich finden. Auch als wir größere Kinder stillten oder mit windelfreien Babys unterwegs waren, gab es auf der Straße viel weniger Kommentare, als man nach manchen Internetdiskussionen erwarten könnte.

Was ich dagegen kenne: Ich stehe am Auto, muss noch einen Kindersitz richten oder ein Kind anschnallen, die Tür ist offen und jemand hinter mir findet, dass das alles schneller gehen könnte. Dann wird gehupt und geschimpft. Früher hätte mich das stärker aufgeregt. Inzwischen lächle ich oft, mache in Ruhe fertig und fahre weiter. Meine Energie brauche ich meistens an anderer Stelle dringender.

Falls ich doch etwas sagen möchte, hilft mir eine Frage eher als ein Gegenschlag. Zum Beispiel: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie Sorge haben, hier nicht gut vorbeizukommen?“ Damit ist noch nichts gelöst. Aber ich erfahre wenigstens, worum es dem anderen Menschen gerade geht.

Kritik im Internet: Zwischen Widerspruch, Beschimpfung und Drohung

Im Internet fühlt sich Kritik anders an. Sachlicher Widerspruch gehört für mich dazu. Ich finde schließlich selbst vieles, was andere Menschen tun oder schreiben, fragwürdig. Und manchmal bringt mich eine gute Gegenfrage tatsächlich weiter.

Bei Beschimpfungen ziehe ich eine andere Grenze. Einen Kommentar, der nur abwertet oder beleidigt, muss ich auf unserem Blog oder Kanal nicht als wertvollen Debattenbeitrag behandeln. Dann lösche oder blockiere ich. Das schützt den Raum, in dem andere Menschen miteinander sprechen.

Wir hatten auch schon eine Morddrohung und haben sie angezeigt. Juristisch entscheidet immer der genaue Wortlaut und Zusammenhang. § 241 StGB erfasst unter anderem Drohungen mit bestimmten rechtswidrigen Taten sowie mit Verbrechen; § 185 StGB regelt die Beleidigung. [3] [4]

Wenn aus einem Kommentar eine mögliche Straftat wird

Bei einer Drohung oder massiver Hetze ist für mich zuerst wichtig, dass der Inhalt sauber dokumentiert ist. Die Polizeiliche Kriminalprävention nennt dafür unter anderem den vollständigen Screenshot mit Kommentar, Datum, Uhrzeit, Nutzername und Kontext sowie die URL. Das offizielle Portal der Onlinewachen nennt Screenshots und PDF-Exporte ebenfalls als mögliche Beweismittel. [5] [6]

  • Beweise: Screenshot oder PDF, URL, Datum, Uhrzeit, Nutzername und Zusammenhang können später wichtig werden.
  • Plattform: Nach der Beweissicherung kann der Inhalt zusätzlich über die jeweilige Meldefunktion gemeldet werden.
  • Polizei: Über das gemeinsame Portal der Onlinewachen lässt sich das zuständige Angebot des Bundeslandes finden. Bei Straftaten mit Gewaltandrohung verweist das Portal auf den direkten Kontakt zur Polizei; in einer akuten Gefährdungssituation auf den Notruf 110. [6]

Diese Hinweise ersetzen keine rechtliche Prüfung des einzelnen Kommentars. Für mich war bei unserer Drohung trotzdem klar, dass ich sie nicht als normalen Teil einer Onlinediskussion behandeln wollte.

Gewaltfreie Kommunikation: klar sprechen und Verbindung suchen

Mit Gewaltfreier Kommunikation, kurz GFK, beschäftige ich mich schon lange. In meiner Ausbildung zur Erzieherin begegnete mir der Ansatz, später hatte ich im Studium noch einmal einen einwöchigen Kurs dazu. Vieles davon fand ich damals ziemlich logisch. Als Patrick sich später intensiver damit beschäftigte und Rosenbergs Hörbuch hörte, kamen bei uns dieselben Gedanken noch einmal auf den Küchentisch.

Das Modell nach Marshall Rosenberg ordnet das Gespräch um vier Bestandteile: Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten. Das Center for Nonviolent Communication beschreibt diese vier Komponenten ebenfalls so. [1] Für mich steckt der praktische Wert vor allem darin, langsamer zu werden, bevor aus Ärger ein Urteil über den ganzen Menschen wird.

„Du bist rücksichtslos“ sagt etwas über die Person. „Ich bin gerade gestresst und brauche zwei Minuten Platz, um das Kind anzuschnallen“ sagt genauer, was in mir und in der Situation los ist. Das Gegenüber kann darauf immer noch genervt reagieren. Aber ich habe wenigstens weniger zusätzliches Brennmaterial in den Konflikt geworfen.

Gerade als Mama und Pädagogin finde ich noch einen Punkt wichtig: Empathie bedeutet für mich auch, die Perspektive des jungen Menschen wirklich zu erkunden. Ein Kind zeigt oder sagt etwas, und meine erste Deutung kann danebenliegen. Eine Frage lässt Raum dafür, dass ich mich irre. Das ist im Familienalltag oft hilfreicher als der perfekte Vier-Schritte-Satz.

Was die Forschung dazu hergibt

Eine randomisierte Studie mit 312 französischen Medizinstudierenden untersuchte ein 2,5-tägiges GFK-Training. Drei Monate später zeigte die Trainingsgruppe gegenüber der Kontrollgruppe einen kleinen Anstieg in einem subjektiven Empathiemaß; bei den übrigen untersuchten Selbst- und Leistungstests fanden die Forschenden keine signifikanten Veränderungen. Die Autor:innen nennen selbst als Einschränkung, dass sich der gefundene Effekt nur in einer subjektiven Messung zeigte. [2] Die Übertragung auf Eltern, Kinder und Familienkonflikte bleibt damit offen.

Für unseren Alltag brauche ich daraus kein Wirkungsversprechen. GFK ist für mich vor allem eine Sprache, an der ich mich orientieren kann, wenn ich merke, dass ein Gespräch gerade kippt. Manchmal gelingt das. Manchmal fällt mir der passende Satz erst eine Stunde später ein. Auch das ist Familienalltag.

Was mir in Konflikten mit Kindern wichtig ist

Kinder erleben einen Streit aus ihrer eigenen Perspektive. Wenn Erwachsene lauter werden, eine Entscheidung treffen oder ein Gespräch abbrechen, betrifft das den jungen Menschen unmittelbar. Ich versuche deshalb, mich nach einem Konflikt auch dafür zu interessieren, was das Kind erlebt hat und was es selbst dazu sagen oder zeigen möchte.

Das heißt für mich zugleich, die eigene Verantwortung als Erwachsene zu behalten. Wenn eine Situation gefährlich wird, übernehme ich die Entscheidung. Wenn ich überfordert bin, darf ich meine Grenze benennen. Und wenn ich zu laut oder unfair geworden bin, kann ich später wieder auf das Kind zugehen und meinen Anteil übernehmen. Beziehung besteht ja nicht daraus, dass niemals etwas schiefläuft. Sie zeigt sich auch darin, wie wir danach wieder zueinanderfinden.

Wenn euch dieses Thema gerade im Familienalltag beschäftigt, passt unser ausführlicher Beitrag Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern: Praxis und Grenzen dazu. Ebenfalls passend sind Ehekrach und Beziehungstipps, unser Vlog über Rücksichtnahme, Grenzen und Geduld, unsere Gedanken zu Alternativen zum Anschreien von Kindern und der Beitrag über den Umgang mit Kritik aus Familie und Freundeskreis.

FAQ zu Konflikten, Kritik und GFK

Wie gehen wir damit um, wenn es in der Familie kracht?

Bei uns gibt es dafür keinen festen Ablauf. Manchmal hilft ein Gespräch, manchmal Abstand, manchmal einfach Zeit. Mir ist wichtig, dass ein Streit einen Menschen nicht auf seinen schlechtesten Satz festlegt und dass ein späterer Kontakt möglich bleibt, wenn beide Seiten ihn möchten.

Wie unterscheide ich Kritik von einem persönlichen Angriff?

Ich schaue darauf, ob jemand ein Verhalten, eine Entscheidung oder ein Argument anspricht oder ob der Mensch selbst abgewertet wird. Mit der ersten Form kann ich oft etwas anfangen. Bei reiner Abwertung ziehe ich eher eine Grenze.

Was hilft mir, wenn ich mich sofort rechtfertigen möchte?

Mir hilft manchmal ein innerer Moment Verzögerung. Ein Satz wie „Ich merke gerade, dass ich mich verteidigen will“ kann schon etwas Tempo herausnehmen. Danach interessiert mich eher die Frage: „Was genau macht euch daran Sorgen?“ Das bringt mich näher an das eigentliche Thema.

Kann GFK bei aggressiven Menschen helfen?

Das hängt stark von der Situation ab. Solange ein Gespräch möglich und sicher ist, kann eine klare, möglichst wenig wertende Sprache einen Versuch wert sein. Bei Drohungen oder Gewalt verschiebt sich mein Ziel: Dann geht es zuerst um Abstand, Sicherheit und gegebenenfalls Unterstützung durch die Polizei.

Ist das Löschen beleidigender Kommentare Zensur?

Auf unseren eigenen Kanälen entscheiden wir, welche Gesprächskultur wir ermöglichen möchten. Widerspruch darf dort stehen. Beschimpfungen und Drohungen moderiere ich, weil auch die anderen Menschen im Kommentarbereich einen geschützten Gesprächsraum verdienen.

Wie kann ich empathisch bleiben und trotzdem eine Grenze setzen?

Für mich passen beide Dinge zusammen. Ich kann verstehen wollen, warum ein Mensch gerade wütend ist, und gleichzeitig sagen, welches Verhalten ich in diesem Moment mittragen kann. Empathie nimmt mir meine eigene Grenze nicht ab.

Buchtipp zur Gewaltfreien Kommunikation

Wenn ihr euch mit GFK vertraut machen möchtet, können wir euch die „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg empfehlen. Bei uns hat das Buch beziehungsweise Hörbuch immer wieder Gespräche darüber angestoßen, wie wir in angespannten Situationen miteinander reden möchten.

Wer beim Buchkauf zugleich unseren Blog unterstützen möchte, findet bei uns Informationen zu Buch7 und zu Thalia.

Quellen

  1. Center for Nonviolent Communication: The Nonviolent Communication Model, vier Komponenten „Observation, Feelings, Needs, Request“. https://www.cnvc.org/certification/cpp/preparation/, abgerufen am 11.08.2026.
  2. Epinat-Duclos J, Foncelle A, Quesque F, et al. Does nonviolent communication education improve empathy in French medical students? International Journal of Medical Education. 2021;12:205–218. DOI: 10.5116/ijme.615e.c507. Tragende Stellen: Abstract; Methods; Results; Discussion, Abschnitt „Limitations“.
  3. Strafgesetzbuch (StGB), § 241 Bedrohung, insbesondere Absätze 1–4. https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__241.html, abgerufen am 11.08.2026.
  4. Strafgesetzbuch (StGB), § 185 Beleidigung. https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__185.html, abgerufen am 11.08.2026.
  5. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: „So erstellen Sie rechtssichere Screenshots“, Abschnitt zur Sicherung von Kommentar, Datum, Uhrzeit, Nutzername, Kontext und URL. https://www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/digitale-beweissicherung-rechtssichere-screenshots-erstellen/, abgerufen am 11.08.2026.
  6. Onlinewachen der Polizeien der Länder: Informationen zu „Hass im Netz“, Beweismitteln und Vorgehen bei Gewaltandrohung beziehungsweise akuter Gefahr. https://portal.onlinewache.polizei.de/de/, abgerufen am 11.08.2026.

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