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Aktualisiert am 13. August 2026: Der Reisebericht stammt aus dem Sommer 2019. Persönliche Eindrücke und Erzählungen aus dieser Zeit sind als solche erkennbar; die rechtlichen und medizinischen Einordnungen entsprechen dem Stand vom 13. August 2026.
Ich plaudere über unsere Reise nach Schweden, über die Schulpflicht, den Konsum und die Volksgesundheit in diesem skandinavischen Land.
Hallo an alle und liebe Grüße aus Värmland in Schweden! Wie ihr wisst, sind wir von Dänemark über die zwei Brücken nach Südschweden gekommen und haben am Ende unsere Brückengebühr bezahlt. Das waren damals insgesamt 83 Euro.
Schweden mit Kindern: Ankommen per Couchsurfing
In Südschweden haben wir uns für eine Nacht über Couchsurfing bei einer Familie eingebucht. Sie war ungefähr in unserem Alter und ebenfalls sehr gesundheitsbewusst. Dadurch kamen wir schnell ins Gespräch – auch über das schwedische Gesundheitssystem.
Die Frau erzählte uns, dass die reguläre Gesundheitsversorgung stark von der etablierten Medizin geprägt sei und sie komplementäre oder alternative Behandlungen häufig selbst bezahlen müsse. Zu stolzen Preisen – oder sagen wir einfach: zu schwedischen Preisen.
Gesundheit in Schweden: Sonne, Knochenbrüche und der „Kalziumräuber“
Beim Thema Gesundheit kamen wir auf Osteoporose und Knochenbrüche. Die Frau brachte die vergleichsweise geringe Sonneneinstrahlung und Vitamin D ins Spiel. Der Gedanke klingt erst einmal einleuchtend, erklärt die Sache aber nur teilweise. Schweden und andere skandinavische Länder gehören tatsächlich zu den Ländern, in denen hohe Hüftfrakturraten beschrieben wurden. Michaëlsson und Kolleg:innen werteten dafür schwedische Registerdaten von Menschen über 50 Jahren aus: Die mit ihrem Verfahren ermittelte Zahl der Hüftfrakturen sank von 16.180 im Jahr 1998 auf 13.929 im Jahr 2019, also um 14 Prozent. Die Studie untersucht Hüftfrakturen und ihre zeitliche Entwicklung; sie erklärt damit keine einzelne Ursache. Wer tiefer einsteigen möchte, findet sie hier: Michaëlsson et al.: Hüftfrakturen in Schweden 1998–2019.
Dann fiel noch der Ausdruck „Kalziumräuber“ für Milch. So einfach lässt sich der Zusammenhang wissenschaftlich nicht beschreiben. Eine schwedische Kohortenstudie fand bei Frauen zwar einen Zusammenhang zwischen hohem Milchkonsum und mehr Frakturen. Die Autor:innen betonen wegen des Beobachtungsdesigns aber ausdrücklich, dass daraus keine Ursache-Wirkungs-Beziehung folgt. Eine Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien von Hidayat und Kolleg:innen fand 2020 für skandinavische Erwachsene insgesamt keinen Zusammenhang zwischen höherem Milchkonsum und Hüftfrakturen (RR 1,00; 95-%-Konfidenzintervall 0,85–1,17). Der Ausdruck „Kalziumräuber“ fasst diesen Forschungsstand deshalb irreführend zusammen. Quellen: Michaëlsson et al. 2014 und Hidayat et al. 2020.
Unser Eindruck vom Einkauf passte jedenfalls zum Gesprächsthema: Milchprodukte gab es in sehr vielen Varianten, ebenso Käse. Für uns steht nach dem Gespräch jedenfalls fest: Schweden als Urlaubsland sehr gerne. Dauerhaft wohnen möchten wir hier eher nicht, weil uns die Sonne zu sehr fehlen würde.
Mücken und Moskitos im schwedischen Sommer
Hier gibt es bei uns wirklich sehr viele Mücken und Moskitos. Deshalb habe ich mich vollständig eingemummelt und bin extra aus dem Wald herausgegangen. Gereicht hat es trotzdem nicht.
Einkaufen in Schweden: Supermarkt, vegane Produkte und teures Obst
Zwischen den vielen kleineren Orten begegnete uns meist ein Supermarkt, ungefähr in der Größe eines deutschen Netto oder Norma. Dort sahen wir eine große Auswahl an Milchprodukten und Süßigkeiten, deutlich weniger vegane Alternativen und dafür Knäckebrot in allen möglichen Varianten.
Obst kam uns ziemlich teuer vor. Gerettet hat uns ein orientalischer Lebensmittelmarkt. Dort konnten wir uns mit einer guten Mango, ein paar Datteln und anderen Kleinigkeiten eindecken.
Essen unterwegs ohne eigene Küche
Eine eigene Küche haben wir in unserer Unterkunft nicht. Deshalb essen wir viel kalt und nutzen zwischendurch die Küche unserer Freundin. An diesem Tag gab es einen Kuchen, den ihr im anderen Video schon gesehen habt.
Wie unser Reisealltag mit wenig Platz und ohne eigene Küche sonst aussieht, erzählen wir auch in den Fragen und Antworten zu unserer Langzeitreise und im Beitrag So wohnen wir in Schweden.
Pilze und Kräuter in Värmland
Pilze springen einem hier manchmal wirklich ins Auge, schon beim Vorbeifahren. Wir haben riesige Steinpilze und andere Speisepilze gefunden, einiges getrocknet und einiges gleich gegessen. Auch Kräuter wachsen im Sommer reichlich. Wer sich damit sicher auskennt, findet in dieser Jahreszeit erstaunlich viel Essbares am Wegesrand.
Rote Holzhäuser wie bei Astrid Lindgren
Wir sind inzwischen durch halb Schweden gefahren. Dazwischen tauchen immer wieder kleine Orte mit wunderschönen Holzhäuschen auf, wie man sie aus den Büchern von Astrid Lindgren kennt. Also wirklich total schön.
Mir schien außerdem, dass sehr viele Familien im eigenen Haus leben und Holzhäuser vergleichsweise erschwinglich sind. Das ist mein Eindruck aus dem, was wir gesehen und in Gesprächen gehört haben, keine Aussage über den gesamten schwedischen Immobilienmarkt.
Wald gibt es fast überall, Seen ebenfalls, und an etlichen davon kann man baden und schwimmen.
Regen, klare Seen und ein kleiner Sandstrand
Mit dem Wetter ist es ein bisschen Glückssache. Wir haben viel Regen erwischt, und es war wirklich total kalt. Ich finde es persönlich auch sehr deprimierend, im dunklen Wald zu sein und immer nur Regen zu haben. Für mich wäre das dauerhaft nichts.
Dann hatten wir zwei oder drei wunderschöne Sonnentage: warm und ohne viel Wind. Einen davon haben wir an einem See mit klarem Wasser verbracht. Kein Müll, ruhiges Wasser, und wir konnten ein gutes Stück hineingehen, ohne sofort zu frieren. Die Kinder hielten lange aus.
Der Sandstrand ist klein, aber zum Spielen reicht er wunderbar. Unsere Kinder können dort stundenlang buddeln, und weil die Sonne im schwedischen Sommer so spät verschwindet, lässt sich die Zeit leicht vergessen. Es ist ruhig. Oft begegnen uns kaum andere Menschen.
Begegnungen, „Schule spielen“ und viel Zeit draußen
Die Menschen, die uns aus ihren Autos heraus begegnen, grüßen sehr freundlich. Vielleicht liegt es manchmal auch an den Kindern. Unser Kleiner winkt sowieso fast jedem zu, weil er glaubt, Opa kommt.
Persönlichen Kontakt zu Schwed:innen hatten wir bisher eher wenig. In der Stadt sprachen uns vor allem Menschen an, die nach unserem Eindruck selbst aus dem Ausland kamen. Unsere Mädchen spielen dafür sehr viel mit den Kindern unserer Freunde und mögen dieses Miteinander.
Beim „Schule spielen“ wird es interessanter. Unsere Kinder kennen Kindergarten und Schule aus eigener Erfahrung kaum. Bei Freilerner-Treffen hatten wir von anderen Familien schon gehört, dass genau dieses Spiel zwischen Kindern manchmal Gesprächsstoff liefert. Bei uns ist es ähnlich: Andere Kinder kennen Rollen, Regeln und Abläufe aus ihrem Schulalltag, unsere Mädchen fragen erst einmal, was da eigentlich gespielt wird. Dann handeln die Kinder das untereinander aus.
„Es ist ja noch gar nicht Abend“: Schlafengehen im schwedischen Sommer
Wir sind fast den ganzen Tag draußen. Abends ist es noch so hell, dass unsere Kinder regelmäßig feststellen: „Es ist ja noch gar nicht Abend.“ Und sie haben recht.
Der Kleine merkt inzwischen selbst, wann er müde ist, und schläft dann auch bei Helligkeit. Bei den beiden Großen hilft mir oft erst eine lustige Lotta-Geschichte nach Astrid Lindgren. Das passt hier ziemlich gut.
Schule in Schweden: unsere Eindrücke und die offizielle Rechtslage
Rund um Schule haben wir einiges selbst gesehen und anderes von Familien vor Ort erzählt bekommen. Beides gehört zu dieser Reise. Für die Rechtslage ist das schwedische Schulgesetz beziehungsweise Skolverket maßgeblich.
Ein Abschlussfest an einer schwedischen Grundschule
Kurz vor den Sommerferien gab es an einer Grundschule in unserer Nähe ein Abschlussfest. Die Kinder sangen, Eltern, Freund:innen und andere Interessierte konnten vorbeikommen und zuschauen.
Auf mich wirkten die Kinder beim Gesang nicht gerade begeistert. Niedlich fand ich es trotzdem.
Von Familien, die nach Schweden gezogen waren, hörten wir viel Positives über die Schulen. Vielleicht hat dieses System Vorteile gegenüber Deutschland. Für mich und meine Kinder wünsche ich mir Schule trotzdem nicht. Man kann Schule mögen oder ablehnen. An der Schulpflicht ändert das zunächst nichts.
Schulpflicht und Förskoleklass ab sechs Jahren
In Schweden beginnt die Schulpflicht regulär im Herbst des Kalenderjahres, in dem ein Kind sechs Jahre alt wird. Seit Herbst 2018 gehört die Förskoleklass zum verpflichtenden Bildungsweg. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Start früher oder später liegen. Skolverket beschreibt die aktuelle Rechtslage hier: Skolplikt och rätt till utbildning. Die Einführung ab sechs Jahren dokumentiert der schwedische Reichstag in der Proposition 2017/18:9.
Die Förskoleklass ist von der förskola für jüngere Kinder zu unterscheiden. Was im Deutschen schnell wie „Kindergartenpflicht“ klingt, meint in diesem Zusammenhang also eine eigene verpflichtende Schulform für das Jahr vor der Grundschule.
Homeschooling und Unschooling in Schweden
Wir kennen schwedische Familien, die uns erzählten, dass sie wegen der Schulpflicht und ihrer Kritik am politischen System ins Ausland gezogen sind. Von weiteren Familien hörten wir ähnliche Geschichten. Solche Begegnungen erklären vielleicht, warum das Thema in unserer Reise so präsent war.
Offiziell lässt sich die Schulpflicht nur unter sehr engen Voraussetzungen auf andere Weise erfüllen. Skolverket spricht von „synnerliga skäl“, also besonders gewichtigen Gründen. Unterricht zu Hause wegen Krankheit oder ähnlicher Umstände ist ebenfalls geregelt, erfüllt die Schulpflicht aber weiterhin innerhalb der zuständigen Schule. Damit bleibt häusliche Bildung außerhalb der vorgesehenen Schulformen auf enge Ausnahmefälle beschränkt.
Wenn euch Lernen außerhalb der Schule interessiert, passt dazu unser Überblick Unschooling einfach erklärt und unser Reisebericht über Freilernen in Dänemark.
Noten in Schweden: A bis F
In der schwedischen Grundschule setzen Lehrkräfte regulär ab dem Herbst der sechsten Klasse Terminsnoten. Die Schulleitung kann unter bestimmten Voraussetzungen bereits ab Klasse 4 Noten einführen. Die derzeitige Skala reicht von A bis F; A bis E sind bestanden, F ist nicht bestanden. Skolverket erklärt die Notenskala A bis F und den Beginn der Terminsnoten.
Technik, Handarbeit und viel Digitalisierung
Von einer Schule wurde uns außerdem viel über Technik- und Handarbeitsunterricht erzählt. Ein Mädchen war vom Nähen mit der Nähmaschine ganz begeistert.
Auch digitale Geräte spielten dort offenbar eine große Rolle. Wir hörten von Tablets oder Handys für Schüler:innen, WLAN im Schulbus und Aufgaben oder Tests auf digitalen Geräten. Das beschreibt diese Schule und die Erzählungen, die wir 2019 gehört haben. Wie Schulen Technik einsetzen, kann sich je nach Kommune, Schule und Jahr deutlich unterscheiden.
Warum Schweden für uns ein Reiseland bleibt
Uns geht es gut, und das Reisen macht uns weiterhin Spaß. Wir hatten einmal einen kritischen Kommentar bekommen, dass das für die Kinder gar nicht gut werden könne. Bis jetzt sieht es für uns so aus, als tue ihnen das Reisen gut: Unsere Tage sind voll mit Dingen, an denen sie Freude haben, und wir bereuen unsere Entscheidung bisher nicht.
Das nächste Video kommt wahrscheinlich aus Norwegen. Dazu passt unser Beitrag Norwegen – mit Kindern durchs Land der Trolle und Riesen.
Bis bald!
Eure Evelin
FAQ: Schweden mit Kindern, Alltag und Schule
Wo wart ihr in Schweden?
Wir waren in Värmland. Eingereist sind wir über Südschweden, nachdem wir von Dänemark über die beiden großen Brücken gekommen waren.
Wie schlimm waren die Mücken im Sommer?
Bei uns waren sie sehr deutlich zu spüren. Ich war komplett eingemummelt und extra aus dem Wald herausgegangen. Gereicht hat es trotzdem nicht.
Wie leicht fanden wir vegane Lebensmittel?
In den Supermärkten, die wir damals besuchten, sahen wir viele Milchprodukte, Süßigkeiten und Knäckebrot, aber deutlich weniger vegane Alternativen als erwartet. Ein orientalischer Lebensmittelmarkt war für Obst, Datteln und ein paar andere Sachen besonders hilfreich.
Kann man in Schweden gut in Seen baden?
In unserer Gegend ja. Wir fanden klare, ruhige Seen und kleine Sandstrände, an denen die Kinder lange spielen und baden konnten. Das beschreibt unsere Reise in Värmland und sagt natürlich wenig darüber aus, wie jeder See in Schweden aussieht.
Ab welchem Alter besteht in Schweden Schulpflicht?
Regulär ab dem Herbst des Kalenderjahres, in dem ein Kind sechs Jahre alt wird. Seit Herbst 2018 beginnt die Schulpflicht meist mit der Förskoleklass.
Ist Homeschooling oder Unschooling in Schweden frei möglich?
Die schwedische Regelung beschränkt eine andere Erfüllung der Schulpflicht auf besonders gewichtige Gründe. Homeschooling oder Unschooling außerhalb der vorgesehenen Schulformen bleibt damit ein enger Ausnahmefall.
Ab wann gibt es in Schweden Noten?
Terminsnoten beginnen in der Grundschule regulär im Herbst der sechsten Klasse. Die Schulleitung kann sich unter bestimmten Voraussetzungen für einen früheren Beginn ab Klasse 4 entscheiden.
Gibt es in Schweden weiterhin Noten von A bis F?
Stand 13. August 2026 ja. A bis E sind bestandene Noten, F ist nicht bestanden.
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