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Aktualisiert am 5. März 2026: Dieser Beitrag ist ein Zeitdokument aus dem Sommer 2019. Einige Aussagen waren Momentaufnahmen oder „vom Hörensagen“. Wo es sinnvoll ist, haben wir das heute kenntlich gemacht und mit stabilen Quellen ergänzt, ohne den Ton zu verändern.

Worum geht es hier? Wir nehmen euch mit in unsere konkreten Eindrücke aus Schweden: Couchsurfing in Südschweden, Supermärkte „wie Netto oder Norma“, teures Obst, Knäckebrot, Mücken und Moskitos, klare Seen ohne Müll, Sandstrand, der nicht Portugal ist. Und wir erzählen, was wir rund um Schule in Schweden gesehen und gehört haben – plus ein kurzes Update, was davon heute nachlesbar ist.

Der folgende Blogpost basiert auf unserem Video, in dem ich über unsere Reise nach Schweden, über Schulpflicht, Konsum und Volksgesundheit plaudere:

Herzliche Grüße aus Värmland in Schweden! Wir sind von Dänemark über die zwei Brücken nach Südschweden eingereist und haben unsere Brückengebühr bezahlt.

Ankommen in Südschweden: eine Nacht Couchsurfing

In Südschweden haben wir uns für eine Nacht über Couchsurfing bei einer Familie eingebucht – einer sehr gesundheitsbewussten Familie, ungefähr in unserem Alter. Das Gespräch war aufschlussreich, vor allem zum schwedischen Gesundheitssystem. Was uns die Frau erklärte: Das System sei stark schulmedizinisch geprägt, alles Alternativmedizinische müsse man selbst bezahlen. Zu stolzen Preisen – oder sagen wir einfach: zu schwedischen Preisen.

Gesundheit, Sonne, Vitamin D und der „Kalziumräuber“

Beim Thema Gesundheit fiel im Gespräch, dass in Skandinavien Osteoporose und Knochenbrüche häufiger vorkommen. Als Erklärung wurde weniger Sonne und damit weniger Vitamin D genannt. Das ist plausibel als Teil der Geschichte, selten aber der einzige Faktor. In Studien zu Hüftfrakturen in Skandinavien werden unter anderem Breitengrad, saisonale Effekte und weitere Einflüsse diskutiert. Wer das vertiefen möchte, findet hier einen Einstieg: https://doi.org/10.1016/j.bone.2009.11.024

Dazu kam der Begriff „Kalziumräuber“ – gemeint waren Milch und Milchprodukte. Und tatsächlich: Schweden ist ein Land der Milchprodukte. Käsesorten und Milchvarianten in jeder Ausführung, „in aller Munde“ im wörtlichsten Sinne. 

Für uns steht jedenfalls fest: Schweden als Urlaubsland sehr gerne. Dauerhaft leben wollen wir hier nicht – die fehlende Sonne würde uns zu sehr fehlen.

Mücken, Moskitos und das richtige Outfit

Wer ins schwedische Sommerland reist, sollte sich auf eines einstellen: Mücken. Und nochmal Mücken. Ich habe mich vollständig eingemummelt und war extra aus dem Wald herausgegangen – es hat trotzdem nicht gereicht.

Supermärkte, Milchprodukte, Süßigkeiten und Knäckebrot

Die schwedische Einkaufslandschaft zwischen den vielen kleinen, weit verstreuten Orten besteht meist aus einem einzigen Supermarkt – nicht riesig, eher von der Größe eines deutschen Netto oder Norma. Das Sortiment: üppig bei Milchprodukten und Süßigkeiten, dünn bei veganen Alternativen. Knäckebrot gibt es dafür in allen erdenklichen Varianten.

Obst ist teuer. Gerettet hat uns ein orientalischer Lebensmittelmarkt, bei dem wir uns mit einer guten Mango, ein paar Datteln und anderen Kleinigkeiten eindecken konnten.

Brokkoli-Kuchen ohne eigene Küche

Kochen unterwegs ohne feste Küche ist eine eigene Disziplin. Meistens machen wir kaltes Essen – manchmal nutzen wir die Küche unserer Freundin. An diesem Tag gab es Brokkoli-Kuchen, eine unserer Reise-Konstanten. Wer wissen möchte, wie wir den Reisealltag sonst gestalten: Fragen und Antworten zu unserer Langzeitreise.

Pilze und Kräuter im Überfluss

Was Schweden im Sommer wirklich zu bieten hat, fällt einem buchstäblich ins Auge: Pilze. Riesige Steinpilze und allerfeinste Speisepilze wachsen so auffällig am Wegesrand, dass man kaum suchen muss. Wir haben einiges getrocknet, einiges sofort gegessen. Dazu kommen Kräuter in Hülle und Fülle – wer sich damit auskennt, kann sich hier im Sommer gut selbst versorgen.

Orte wie aus Astrid-Lindgren-Büchern

Durch halb Schweden zu fahren bedeutet: viel Wald, viel Weite, und ab und zu ein kleiner Ort mit ein paar wunderschönen roten Holzhäuschen, wie man sie aus Astrid Lindgrens Büchern kennt. Das ist wirklich so schön, wie es klingt.

Auffällig ist auch, wie viele Familien im eigenen Haus wohnen. Holzhäuser sind in Schweden erschwinglich – man scheint nicht bis 40 warten zu müssen, um sich eines leisten zu können. Das ist zumindest unser Eindruck aus dem, was wir gesehen und gehört haben.

Wald und Seen gibt es fast überall, und an vielen davon kann man einfach schwimmen gehen.

Mehr zu unserer Unterkunft: So wohnen wir in Schweden.

Wetter, klarer See und Sandstrand, der nicht Portugal ist

Das Wetter war gemischt – und das ist noch freundlich ausgedrückt. Viel Regen, echte Kälte, dunkler Wald im Dauerregen: das ist für mich schlicht deprimierend und wäre dauerhaft nichts für mich.

Aber es gab auch zwei, drei Sonnentage, die wirklich warm und windstill waren. Einen davon haben wir am nahe gelegenen See Aspsjön verbracht: klares Wasser, kein Müll, und man konnte ein Stück hineinwaten, ohne sofort zu erfrieren. Die Kinder haben lange ausgehalten.

Den Sandstrand sollte man nicht mit Portugal vergleichen. Aber man hat Sand, Kinder spielen stundenlang, und weil die Sonne ohnehin kaum untergeht, verliert man leicht das Zeitgefühl. Schön und ruhig, kaum andere Menschen.

Freundliche Schweden, das „Schule spielen“ und unser Kleiner

Die Schweden grüßen sehr freundlich aus dem Auto heraus. Vielleicht liegt es an den Kindern – unser Kleiner winkt sowieso jedem zu, weil er glaubt, Opa kommt.

Persönlichen Kontakt zu Schwedinnen und Schweden hatten wir kaum. Diejenigen, die uns in der Stadt ansprachen und mit den Kindern spielen wollten, waren meistens Ausländer:innen. Unsere Mädchen spielten fast ausschließlich mit den Kindern unserer Freunde – und das mochten sie sehr.

Außer das Schule spielen. Das gefällt ihnen nicht.

Das ist unter Unschooling-Familien ein bekanntes Phänomen: Wenn Kinder, die Kindergarten und Schule kennen, anfangen, Schule zu spielen, stehen unsere Kinder ratlos daneben. Was das sein soll und wie das geht, wird dann eben diskutiert.

„Es ist ja noch gar nicht Abend“: Schlafengehen im Mittsommerlicht

Im schwedischen Sommer geht die Sonne kaum unter – und das beeinflusst den Familienalltag spürbar. Jeden Abend dieselbe Diskussion: Ins Bett sollen die Kinder, aber es ist draußen taghell. „Es ist ja noch gar nicht Abend.“ Das ist keine Ausrede, das stimmt sogar.

Der Kleine hat sich inzwischen damit abgefunden: Wenn er müde ist, schläft er, egal wie hell es noch ist. Bei den beiden Großen brauche ich erst eine lustige Lottageschichte – nach Astrid Lindgren, passenderweise.

Schule in Schweden: unsere Szene und ein kurzes Zeitdokument-Update

Im Video habe ich viel aus Eindrücken und Erzählungen berichtet. Das bleibt so stehen. Damit ihr besser einordnen könnt, was persönliche Beobachtung war und was tatsächlich belegbar ist, hier eine kurze Übersicht.

Was wir selbst gesehen haben

An einer Grundschule in der Nähe fand kurz vor den Sommerferien ein Abschlussfest statt. Die Kinder sangen vor, Eltern und alle Interessierten konnten einfach vorbeikommen. Nett – aber es bleibt eine Schule, egal wie offen und frei man sie beschreibt. Vielleicht hat das schwedische System Vorteile gegenüber Deutschland. Für mich und meine Kinder wünsche ich es mir trotzdem nicht.

Die Kinder beim Singen? Nicht gerade mit Begeisterung dabei. Niedlich war es trotzdem – das lässt sich nicht abstreiten.

Was die Noten betrifft: Jeder Systemling findet seinen Platz im System. So würde ich das übersetzen. Man kann von Schule begeistert sein oder nicht. Man muss es nicht sein. Man muss trotzdem hin.

Was im Video zu grob klang

Im Video klang es so, als wäre die Schulpflicht „seit ein paar Jahren wieder eingeführt“ worden. Das war zu grob formuliert. Schulpflicht gibt es in Schweden schon lange.

Was sich heute nachlesen lässt

Seit Herbst 2018 ist die Förskoleklass verpflichtend – damit beginnt die Schulpflicht in der Regel mit sechs Jahren. Belege dazu: Skolverket: Skolplikt och rätt till utbildning und Riksdagen: Schulstart ab sechs Jahren (Prop. 2017/18:9).

Das Notensystem A bis F ist ebenfalls real: Skolverket: Swedish grades (PDF).

Was uns außerdem erzählt wurde – Tablets für alle, WLAN im Schulbus damit die Kinder auf dem langen Heimweg im Winter ihre Freizeit auf dem Handy verbringen, Tests per App-Klick statt Rechnen auf Papier – das lassen wir als Erzählung stehen. Wir haben es damals nicht nachgeprüft, es kann je nach Schule und Kommune variieren. Nehmt es bitte als das, was es war: ein Gespräch, ein Eindruck, eine Reisebeobachtung.

Wer sich für Freilernen und Bildung jenseits der Schule interessiert: Was ist Unschooling? Selbstbestimmtes Lernen verständlich erklärt.

Warum Schweden für uns Urlaub bleibt

Das Reisen macht uns nach wie vor Spaß, und den Kindern tut es gut – das können wir inzwischen mit gutem Gewissen sagen. Wir hatten mal einen Kommentar bekommen, das werde für die Kinder schiefgehen. Bis jetzt sehen wir das Gegenteil: volle Tage, schöne Erlebnisse, keine Reue.

Das nächste Video kommt wahrscheinlich aus Norwegen. Passend dazu: Norwegen mit Kindern: durchs Land der Trolle und Riesen.

Bis bald!
Eure Evelin

FAQ: Unsere Eindrücke aus Schweden

Wo wart ihr genau in Schweden?

In Värmland. Eingereist sind wir über Südschweden, nach der Überfahrt von Dänemark über die zwei Brücken.

Wie schlimm sind Mücken und Moskitos wirklich?

Deutlich spürbar. Ich war komplett eingemummelt und extra aus dem Wald herausgegangen – gereicht hat es trotzdem nicht.

Was war im Supermarkt auffällig?

Sehr viele Milchprodukte, viele Süßigkeiten, viel Knäckebrot. Vegane Alternativen, vor allem bei Milch, haben wir deutlich seltener gesehen.

Warum war Obst so ein Thema?

Es ist teuer. Ein orientalischer Lebensmittelmarkt hat uns gerettet – Mango, Datteln und ein paar andere Sachen zu fairen Preisen.

Kann man sich in Schweden gut aus der Natur versorgen?

Im Sommer schon. Pilze springen einem buchstäblich ins Auge – riesige Steinpilze und andere Speisepilze. Wir haben einiges getrocknet, einiges sofort gegessen. Kräuter und Beeren gibt es ebenfalls reichlich.

Stimmt das mit Förskoleklass ab sechs?

Ja, seit Herbst 2018 verpflichtend. Quellen: Skolverket und Riksdagen-Dokument.

Stimmt das mit den Noten A bis F?

Ja. Skolverket beschreibt die Skala hier: Swedish grades (PDF).

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