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Zuletzt aktualisiert: 15. August 2026

Am 22. Mai ist Bitcoin Pizza Day. Am selben Datum erinnert der Internationale Tag der Biodiversität (International Biodiversity Day) an etwas, das deutlich weniger meme-tauglich ist und mir näher am Herzen liegt: die Vielfalt des Lebens, zu der wir selbst gehören.

International Biodiversity #3

Was Biodiversität eigentlich bedeutet

Die Convention on Biological Diversity unterscheidet drei Ebenen biologischer Vielfalt: die Vielfalt innerhalb von Arten, zwischen Arten und von Ökosystemen. Dazu gehören also die genetische Vielfalt innerhalb einer Art, die Vielfalt der Arten selbst und die Vielfalt ihrer Lebensräume.

Biodiversität ist der Stoff, der das Netz des Lebens zusammenhält. Vom winzigsten Bakterium bis zum mächtigen Myzelgeflecht, vom Wald bis zum Korallenriff: Arten leben in Beziehungen zueinander und zu ihrem Lebensraum. Ein artenreicher Wald, ein vielfältiger Boden oder ein intaktes Feuchtgebiet sind deshalb mehr als schöne Kulissen. Sie sind lebendige Gefüge.

Warum uns Artenvielfalt direkt betrifft

Artenvielfalt betrifft unseren Alltag sehr direkt. Sie hängt mit Nahrung, sauberem Wasser, fruchtbaren Böden und funktionierenden Ökosystemen zusammen. Wenn biologische Vielfalt schwindet, geraten deshalb auch Grundlagen unseres eigenen Lebens unter Druck.

Besonders anschaulich wird das bei der Bestäubung. Laut der IPBES-Bestäubungsstudie profitieren Ertrag oder Qualität bei mehr als drei Vierteln der wichtigsten globalen Nutzpflanzenarten zumindest teilweise von tierischer Bestäubung. Die Angabe bezieht sich auf die Zahl der Kulturpflanzenarten, nicht auf drei Viertel der gesamten Nahrungsmenge. Wenn diese Beziehungen unter Druck geraten, kann das deshalb auch Vielfalt und Erträge in unseren Ernährungssystemen treffen.

International Biodiversity #6 by Patrick Hager

Warum Biodiversität unter Druck steht

Die Ursachen sind gut beschrieben. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES nennt als wichtigste direkte Treiber Veränderungen der Land- und Meeresnutzung, die direkte Nutzung von Organismen, den Klimawandel, Verschmutzung und invasive gebietsfremde Arten. Hinter diesen nüchternen Begriffen stehen gerodete oder zerschnittene Lebensräume, übernutzte Bestände, belastete Gewässer und viele weitere Eingriffe, die Arten und ihre Lebensräume verändern.

Der IPBES Global Assessment (2019) schätzt, dass rund eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, viele davon innerhalb von Jahrzehnten. Diese Zahl ist so groß, dass sie leicht abstrakt wird. Dahinter stehen auch unscheinbare Pflanzen und Wirbellose. Gerade sie schaffen es selten auf Plakate, obwohl sie ebenso zu diesem Geflecht gehören.

Internationaler Tag der Biodiversität 2026: lokal handeln, global wirken

Das offizielle Motto des Internationalen Tags der Biodiversität 2026 lautet Acting locally for global impact. Das gefällt mir an dem Motto: Es verbindet politische und wirtschaftliche Verantwortung mit dem, was Menschen vor Ort tun können. Ein Motto allein schützt keinen Quadratmeter Lebensraum. Entscheidend wird es dort, wo sich Regeln, Landwirtschaft, Stadtplanung, Lieferketten und unser Alltag tatsächlich verändern.

Was das im Alltag heißen kann

Die großen Hebel gegen den Verlust der Artenvielfalt liegen zu einem erheblichen Teil in Politik, Wirtschaft und Infrastruktur. Gleichzeitig prägt auch unser Alltag Flächen, Konsum und Nachfrage: Wir können Flächen naturnäher gestalten, Pestizide meiden, Produkte und Lieferketten genauer anschauen und unseren Umgang mit Tierprodukten kritisch hinterfragen.

Wenn ihr an diesen Punkten weiterdenken möchtet, passen dazu auch unsere Texte über konkrete Wege zum Umweltschutz, über Palmöl, über Veganismus, über Seaspiracy und über Antispeziesismus.

Für Familien kommt für mich noch etwas hinzu: Ich möchte, dass Kinder Natur als lebendiges Gegenüber kennenlernen dürfen. Die Verantwortung für Schäden, die Erwachsene verursacht haben, tragen wir Erwachsenen. Gleichzeitig können wir Kindern Raum lassen, Tiere, Pflanzen und Lebensräume neugierig kennenzulernen. Das passt für mich auch zu unserem Gedanken von einer Ökologie der Kindheit: Ehrfurcht vor allem Lebendigen hört bei Kindern nicht auf.

Für den Anfang reicht ein ehrlicher Blick auf die eigenen Routinen, Wünsche und Bequemlichkeiten. Auch sie gehören zu der Frage, wie wir mit anderen Arten und ihren Lebensräumen umgehen.

International Biodiversity #5 by Patrick Hager

Kunstkollektion „International Biodiversity“

In diesem Post seht ihr Bilder aus meiner 8-teiligen Serie „International Biodiversity“. Ich habe sie der Biodiversität gewidmet, weil ich die Vielfalt des Lebens erklären und zugleich sichtbar würdigen wollte. Und wenn sie euch genauso gefallen wie mir, dann freut es mich umso mehr!

International Biodiversity #8 by Patrick Hager

Weiterführende Informationen zum Internationalen Tag der Biodiversität

  1. Convention on Biological Diversity: International Day for Biological Diversity 2026
  2. Convention on Biological Diversity: Definition von biologischer Vielfalt
  3. IPBES: Global Assessment on Biodiversity and Ecosystem Services
  4. IPBES: Pollinators, Pollination and Food Production

CC BY-SA 4.0 Internationaler Tag der Biodiversität: Was Artenvielfalt wirklich bedeutet von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.