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Zuletzt aktualisiert: 14. März 2026

Am 22. Mai feiern manche im Netz den Bitcoin Pizza Day. Derselbe Tag erinnert auch an etwas, das weit weniger meme-tauglich ist und uns trotzdem direkter betrifft: den Internationalen Tag der Biodiversität.

Mit Biodiversität ist nicht einfach „viel Natur“ gemeint. Gemeint ist die Vielfalt innerhalb von Arten, zwischen Arten und ganzer Ökosysteme. Wenn diese Vielfalt schrumpft, verschwinden nicht nur einzelne Tiere oder Pflanzen. Dann werden auch Böden, Bestäubung, Wasserhaushalt und die Stabilität ganzer Lebensräume anfälliger.

Darum ist Biodiversität kein hübsches Nebenthema für Naturkalender. Sie betrifft die Bedingungen, unter denen Leben auf diesem Planeten gedeihen kann, auch unseres.

International Biodiversity #3

Was Biodiversität eigentlich bedeutet

Die offizielle Definition ist nüchtern und gerade deshalb hilfreich: Biodiversität meint die Vielfalt innerhalb von Arten, zwischen Arten und von Ökosystemen. Es geht also nicht nur darum, wie viele Arten es gibt, sondern auch darum, wie vielfältig ihre genetische Ausstattung ist und wie intakt die Lebensräume sind, in denen sie miteinander verbunden sind.

Das klingt abstrakt, ist aber ziemlich handfest. Ein artenreicher Wald, ein vielfältiger Boden oder ein intaktes Feuchtgebiet sind nicht bloß hübsche Kulissen. Sie sind funktionierende Gefüge. Wenn Teile davon ausfallen, bleibt die Oberfläche manchmal noch eine Weile grün. Tragfähig ist sie deshalb noch lange nicht.

Warum uns Artenvielfalt direkt betrifft

Artenvielfalt ist kein Luxusproblem für Menschen mit Fernglas. Sie hängt mit Nahrung, sauberem Wasser, fruchtbaren Böden und widerstandsfähigen Ökosystemen zusammen. Der Verlust biologischer Vielfalt trifft deshalb nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch die Grundlagen unseres eigenen Lebens.

Besonders sichtbar wird das bei der Bestäubung. Viele wichtige Nahrungspflanzen sind laut IPBES-Bestäubungsstudie zumindest teilweise auf tierische Bestäubung angewiesen. Wenn diese Beziehungen reißen, wird das nicht nur stiller draußen. Es wird auch riskanter für Ernten und Ernährungssysteme.

International Biodiversity #6 by Patrick Hager

Warum Biodiversität unter Druck steht

Die Ursachen sind nicht rätselhaft. Lebensräume werden zerstört oder zerschnitten, Meere und Böden übernutzt, Luft, Wasser und Landschaften verschmutzt, das Klima verändert sich, und invasive Arten setzen zusätzliche Systeme unter Druck. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES spricht seit Jahren von einem massiven, menschengemachten Verlust biologischer Vielfalt.

Der IPBES Global Assessment (2019) geht von rund einer Million bedrohten Arten aus. Diese Zahl wirkt so groß, dass sie leicht abstrakt wird. Sie meint aber nicht nur spektakuläre Tiere in fernen Regionen. Sie meint auch Insekten, Pflanzen, Böden, Gewässer und Küstenräume. Also genau jene Netze, die unsere Welt tragen, während wir oft so tun, als sei das alles bloß Hintergrund.

Ein Motto, das noch gilt

Das Motto des Internationalen Tags der Biodiversität 2023 lautete: From agreement to action: Build back biodiversity. Treffender kann man das Problem kaum benennen. An Erklärungen, Zielen und feierlichen Bekenntnissen fehlt es selten. Die eigentliche Frage ist, ob sich daraus tatsächlich etwas in Landwirtschaft, Konsum, Stadtplanung, Lieferketten und Naturschutz verändert.

Der Tag ist deshalb mehr als ein Anlass zum Feiern. Er ist ein Prüfstein. Nicht für schöne Worte, sondern für die Frage, ob wir bereit sind, Lebensräume wirklich als Lebensgrundlagen zu behandeln und nicht als Kulisse mit Preisschild.

Was das im Alltag heißen kann

Nicht alles lässt sich individualmoralisch lösen. Viele Ursachen des Artenverlusts sind politisch, wirtschaftlich und infrastrukturell. Trotzdem ist der Alltag nicht bedeutungslos. Wer Biodiversität ernst nimmt, kann Flächen naturnäher gestalten, Pestizide meiden, weniger zerstörerische Produkte kaufen, Tierprodukte kritisch hinterfragen und dort genauer hinsehen, wo Lieferketten Wälder, Gewässer oder Tiere zur Verschleißmasse machen.

Wenn ihr an diesen Punkten weiterdenken möchtet, passen dazu auch unsere Texte über konkrete Wege zum Umweltschutz, über Palmöl, über Veganismus, über Seaspiracy und über Antispeziesismus.

Perfektion ist dabei nicht der Maßstab. Ein möglicher Anfang: die eigenen Routinen, Wünsche und Bequemlichkeiten als Teil der Sache mitzudenken, statt nur das Artensterben da draußen zu bedauern.

International Biodiversity #5 by Patrick Hager

Kunstkollektion „International Biodiversity“

Die Bilder in diesem Beitrag stammen aus meiner 8-teiligen Serie „International Biodiversity“. Ich habe sie gemacht, weil sich manche Dinge zwar erklären lassen, aber trotzdem nach einer anderen Form verlangen. Nicht nach Kitsch, nicht nach Trost, sondern nach Verdichtung.

International Biodiversity #8 by Patrick Hager

Weiterführende Informationen

  1. Convention on Biological Diversity: International Day for Biological Diversity
  2. Convention on Biological Diversity: Definition von biologischer Vielfalt
  3. IPBES: Global Assessment on Biodiversity and Ecosystem Services
  4. IPBES: Pollinators, Pollination and Food Production

CC BY-SA 4.0 Internationaler Tag der Biodiversität: Was Artenvielfalt wirklich bedeutet von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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