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Aktualisiert am: 11.08.2026

Gelöschte Facebook-Seite als Symbol für den Ausstieg

Am 5. Juni 2018 hat der EuGH ein Urteil gefällt, das möglicherweise Panik unter Seitenbetreiber:innen auf Facebook hervorruft. Bei mir nicht. Im Gegenteil!

Um ehrlich zu sein, habe ich die Gunst der Stunde voller Zuversicht genutzt, um endlich „abzuschalten“.

Mit jenem Tag war klar: Betreiber:innen einer Facebook-Fanpage können gemeinsam mit Facebook für bestimmte Verarbeitungen personenbezogener Daten der Seitenbesucher:innen verantwortlich sein. Selbstverständlich haben wir darauf keine Lust. So haben wir unsere „Fanpage“ mit ihren unfassbaren, hart erkämpften, echten 511 „Gefällt-mir-Angaben“ geschlossen. 😉

Das Gerichtsurteil des EuGH ist zwar der Auslöser. Die Gründe sind jedoch andere. Sven Lennartz stellte sie in einem ungeheuer lesenswerten Artikel mit dem beschwörerischen Namen „Facebook frisst das Internet und uns gleich mit“ umfassend dar. Um es kurz zusammenzufassen:

Facebook macht nicht nur süchtig.

Grafik: Facebook – nein danke

Es hat auch ein paradoxes Geschäftsmodell. Eine kleine Analogie:

Stellt euch vor, ihr würdet mir eine Kanne Kaffee kochen oder jemanden dafür bezahlen, dass er mir Kaffee kocht. Hinzu legt ihr einen kleinen Zettel, auf dem steht, dass morgen eine Party bei euch stattfindet und alle eingeladen sind. Ich muss nichts für den Kaffee bezahlen und darf mit dem Getränk machen, was ich will.

Als kleinen Dank gebe ich weniger als zehn Prozent der Menschen, die sagen, sie finden euch toll und würden gern zur Feier kommen, etwas vom Heißgetränk. Wenn es ihnen schmeckt und sie rufen: „Oh, hmmm! Lecker!“, fülle ich auch einigen anderen noch euren Kaffee ein.

Ihr wollt selbstverständlich, dass alle Menschen, die euch toll finden, etwas vom Kaffee abbekommen und von eurer Party erfahren. Schließlich sollen sie alle zu euch kommen. Außerdem ist genug für alle in der Kanne drin, die ihr mir zur freien Verfügung überlassen habt.

Aber ich sage zu euch: „Moment, wenn ihr wollt, dass ich euren leckeren Kaffee weiterhin ausschenke, gebt ihr mir dafür gefälligst Geld. Und weil ihr so Wohltäter seid, bezahlt ihr brav, in der Hoffnung, dass noch ein paar mehr Leute zu eurer Fete kommen.

Ich will eigentlich gar nicht, dass die Leute zu eurer Party kommen, deswegen gebe ich mir nicht besonders viel Mühe, dafür zu werben.

Dank den vielen anderen Menschen, die mich als Wohltäter sehen, habe ich jetzt selbst genug Kaffee, Limonade, Bier, Wein und Spirituosen, um ein ganzes Festival zu veranstalten.

Nun: Ich freue mich, dass der Kaffee und das Geld mich zu einem bekannteren, beliebteren und reicheren Menschen machen. Und die paar Leute, die doch zu eurer Party kommen, werden schnell feststellen, dass es bei mir doch schöner ist. Mit meinem „Gefällt-mir-Button“ auf eurer Party kommen eure Gäste rasch zu mir zurück.“

Facebook und das freie Internet

Grafik: Facebook? – Schei* drauf!

In einem Kommentar auf Heise.de schrieb der User MasterDust:

Mir scheint so langsam, dass hier unter dem Deckmantel des Datenschutzes systematisch das freie Internet vernichtet werden soll.

Facebook als Synonym für das „freie Internet“? Dass ich nicht lache! Die Blogosphäre und all die Websites, Foren und Magazine, auf die ich ohne Anmeldung Zugriff habe – das ist das freie Internet. Facebook ist ein Gefängnis, wie auch Sven auf Conterest eindrucksvoll darstellt.

Denn es tut alles dafür, dass die Nutzer:innen auf Facebook bleiben. Und Menschen, die nicht Teil des „sozialen Netzwerks“ sind, erhalten keinen oder nur unter massiven Behinderungen Zugang zu den Inhalten.

Aber das soll nicht weiter Thema sein.

Ich bin heilfroh, dass ich nicht nur auf das eine Pferd gesetzt oder die eigene Website sogar durch eine „Facebook-Seite“ ersetzt habe, wie es viele taten.

Man braucht keinen Facebookalgorithmus, um sich seine eigene Filterblase zu erschaffen. Es gibt Wege, stets im Bilde über aktuelle Geschehnisse zu sein. Ich zeige sie euch.

Ultimativ: der RSS-Feed

RSS-Feed als unabhängige Alternative zu Social Media (Bild: Scott Maxwell - CC BY-SA 2.0)

RSS is the best (Bild: Scott Maxwell – CC BY-SA 2.0)

RSS (Really Simple Syndication) und Atom sind Web-Feed-Formate. Sie liefern neue Inhalte einer Website aus, ohne dass ein Social-Media-Algorithmus dazwischenfunkt.

Ein Feedreader sammelt die Feeds, denen ihr folgt. Neue Beiträge liegen dann an einem Ort, den ihr selbst auswählt.

Eine Auswahl kostenloser Reader findet sich bei Techfacts.

Unseren RSS-Feed findet ihr übrigens hier. Ihr könnt diesen Link einfach eurem Reader hinzufügen.

Sporadisch: der Newsletter

Screenshot: Newsletter-Plugin in WordPress

Hier entsteht unser Newsletter

Wir senden ab und zu E-Mails raus, in denen wir unsere Abonnent:innen über Neuigkeiten informieren. In diesen Newslettern teilen wir auch die aktuellsten Artikel aus dem Blog.

Mit dem Newsletter bekommt ihr neue Beiträge gesammelt per E-Mail. Das geschieht meist später als über den RSS-Feed, dafür landet alles einfach im E-Mail-Postfach.

Wir nutzen für unseren Newsletter keinen der bekannten Newsletter- und E-Mail-Marketingdienste wie Mailchimp oder Klicktipp. Bei uns kommt das Newsletter-Plugin zum Einsatz, das die E-Mails mittels Cronjobs ausliefert.

So geben wir eure E-Mail-Adresse nicht zusätzlich an einen externen Newsletter-Dienst wie Mailchimp oder Klicktipp weiter. Näheres hierzu findet ihr in unserer Datenschutzerklärung.

Schnell: Telegram-Kanal

Seit einiger Zeit nutzen wir zusätzlich einen Telegram-Kanal. Dort teilen wir neue Beiträge, kurze Hinweise und gelegentliche Gedankenfetzen. Für uns ist er vor allem ein direkter Verteiler.

Telegram läuft über eine fremde Plattform. Inhalte, die dauerhaft auffindbar sein sollen, stehen deshalb weiterhin hier im Blog. RSS ist für uns der unabhängigere Weg; Telegram ist einfach bequem, wenn ihr gern einen Ping bekommt.

Der Kanal heißt Free Your Family: https://t.me/free_your_family

Mastodon und das Fediverse

Wer soziale Netzwerke mag und sich weniger von einem einzigen Anbieter abhängig machen möchte, kann sich im Fediverse umsehen. Mastodon ist einer der bekanntesten Dienste darin. Die einzelnen Mastodon-Server werden unabhängig voneinander betrieben und können miteinander kommunizieren.

Dadurch verteilen sich Betrieb und Regeln auf viele Server. Das macht den Einstieg manchmal etwas sperriger, gibt euch aber mehr Auswahl bei der Frage, welchem Server und welchen Regeln ihr euch anschließt.

Derzeit pflegen wir dort keinen FreeYourFamily-Account regelmäßig. Falls sich das ändert, erfahrt ihr es hier im Blog, im Newsletter oder im Telegram-Kanal. Einen Einstieg findet ihr bei Mastodon.

YouTube (Archiv)

Screenshot: FreeYourFamily auf YouTube

Hier gibt’s unsere Videos (Archiv)

Unser YouTube-Kanal existiert weiterhin, ebenso die Videos. Neue Uploads spielen bei uns derzeit eine kleine Rolle. Wenn dort wieder etwas erscheint, ergänzt es wahrscheinlich einen Blogpost.

Wer in den alten Videos stöbern mag, findet den Kanal hier. Dort findet ihr auch unseren damaligen Startschuss: Ein Tag in Freiheit (YouTube-Kanaltrailer).

Instagram

Screenshot: FreeYourFamily auf Instagram

Bei Instagram geht es ums Visuelle

Auf Instagram haben wir ein Profil, das wir im Vergleich zum Blog eher nebenbei pflegen.

Gelegentlich laden wir dort Fotos hoch, sind aber sonst nicht sehr aktiv.

Fazit

Das Rumscrollen bei Facebook als Privatperson hat zwar einen Entspannungseffekt bei der Sitzung auf dem Lokus. Für Blogs empfinde ich es eher als Ausbeutung und Zeitverschwendung.

Man kann jede Menge Zeit, Geld und Energie in das große, blaue Netzwerk investieren. Im schlimmsten Fall gibt es jedoch nur einen, der wirklich davon profitiert: Facebook selbst.

Für uns fühlte sich der Ausstieg wie frische Luft an. Das Blog ist weiterhin unser eigener Ort im Netz, RSS und Newsletter bringen neue Beiträge direkt zu euch, und Telegram ist die bequeme Abkürzung für alle, die gern einen Hinweis aufs Handy bekommen.

Wenn euch die Mechanik hinter Feeds interessiert, passt unser Beitrag über Social-Media-Algorithmen, Filterblasen und Doomscrolling dazu. Und warum wir Blogs weiterhin für wichtig halten, habe ich in „Blogs sind wertvoll“ aufgeschrieben.

FAQ: Facebook verlassen, und dann?

Warum habt ihr eure Facebook-Seite gelöscht?

Der EuGH entschied 2018, dass Betreiber:innen einer Facebook-Fanpage gemeinsam mit Facebook für bestimmte Verarbeitungen personenbezogener Daten der Seitenbesucher:innen verantwortlich sein können. Das Urteil war für uns der Auslöser. Unsere eigentlichen Gründe lagen tiefer: Wir wollten unsere Zeit, Energie und Inhalte lieber in den eigenen Blog stecken.

Sind Facebook-Seiten deshalb illegal?

Nein. Ein allgemeines Verbot von Facebook-Seiten war nicht Gegenstand der Entscheidung. Der EuGH ordnete den Betreiber:innen einer Fanpage für bestimmte Datenverarbeitungen eine gemeinsame datenschutzrechtliche Verantwortung mit Facebook zu.

Was ist für euch der beste Ersatz für Facebook, um nichts zu verpassen?

Für uns ist es der RSS-Feed. Er liefert neue Inhalte direkt in euren Feedreader. Wer E-Mail lieber mag, kann zusätzlich den Newsletter nutzen.

Wie finde ich RSS-Feeds meiner Lieblingsseiten?

Bei vielen WordPress-Seiten liegt der Feed unter /feed/. Feedreader erkennen einen vorhandenen Feed häufig schon, wenn ihr die Website-Adresse eintragt.

Wofür nutzt ihr Telegram?

Telegram ist bei uns ein Verteiler für neue Beiträge, kurze Hinweise und gelegentliche Gedanken. Inhalte, die dauerhaft auffindbar sein sollen, veröffentlichen wir im Blog.

Was bringt Mastodon beziehungsweise das Fediverse als Alternative?

Mastodon verteilt das Netzwerk auf viele unabhängig betriebene Server, die miteinander kommunizieren können. Dadurch hängt das gesamte Netzwerk weder technisch noch bei seinen Regeln an einem einzigen Betreiber.

Welche Rolle spielt YouTube bei euch heute?

Der Kanal dient vor allem als Archiv. Neue Videos spielen derzeit eine kleine Rolle und ergänzen gegebenenfalls einen Blogpost.

Kann ich euch folgen, ohne Social Media zu nutzen?

Ja. RSS und Newsletter reichen dafür vollkommen. Zusätzlich könnt ihr einfach ab und zu auf der Startseite vorbeischauen, wenn ihr gern stöbert.

Ich wünsche euch alles Liebe! Bis bald!
Patrick

CC BY-SA 4.0 Facebook, adé! Und was jetzt? von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.