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Auf dem Weg zum Zrmanja-Canyon, wo Winnetou und Old Shatterhand Blutsbrüder wurden, legten wir einen spontanen Zwischenstopp bei der verlassenen Aluminiumfabrik Jadral bei Obrovac (Kroatien) ein. Es ist ein schaurig schöner Lost Place, der einige Überraschungen und unerwartete Begegnungen für uns bereit hielt.
Aktualisiert am 14. August 2026
Unser Eindruck von der verlassenen Aluminiumfabrik
Zu dem Zeitpunkt war uns nicht klar, was das für ein Gelände war, wozu es diente und wie es genutzt wurde. Eine militärische Nutzung schien uns wahrscheinlich.
Große Hallen, viel Beton, Stille und überall Spuren davon, dass hier einmal gearbeitet wurde. Und dann kamen noch ein paar Begegnungen dazu, mit denen wir wirklich nicht gerechnet hatten. Welche das waren, seht ihr im Video.
Was die Aluminiumfabrik Jadral bei Obrovac war
Im Zuge unserer Recherchen fanden wir heraus, dass in diesem Industriekomplex ab 1978 Aluminiumoxid gewonnen werden sollte. Profit machte die Fabrik keinen. Fachpublikationen nennen fehlende Rentabilität und fehlende eigene Rohstoffe als Gründe dafür, dass die Produktion schon 1981 endete.
Nach nur drei Jahren Betriebszeit wurde die Aluminiumfabrik geschlossen.
Wir halten es für möglich, dass hier im Verlauf der Jugoslawienkriege Militär stationiert war. Für eine militärische Nutzung fehlt uns allerdings bis heute eine belastbare Bestätigung aus den geprüften Fach- und Primärquellen. Es bleibt für uns eine offene Frage.
Was von Jadral geblieben ist: Rotmudde, Lauge und belastete Böden
Bei den Umweltproblemen hilft eine Trennung, weil zwei Dinge leicht ineinandergeraten: die Rückstände der Tonerdeproduktion in den Becken und die Kohlenwasserstoffe aus den früheren Tanks.
In den Becken lagern Rotmudde, also Bauxitrückstände, und stark alkalische Rückstände aus der Tonerdeproduktion. Kutle und Kolleg:innen untersuchten diese Ablagerungen bereits 2004. Ihre Arbeit beschreibt zwei große Becken mit Rotmudde und alkalischen Rückständen und untersucht unter anderem deren Metallgehalte, Alkalität und Auswaschungsverhalten.
Dass die Geschichte dieser Fabrik im Boden weitergeht, zeigt eine neue Studie ziemlich eindrücklich. Fiket und Kolleg:innen untersuchten 31 Bodenproben rund um die frühere Jadral-Fabrik. Die 2026 veröffentlichte Arbeit fand dort stellenweise stark alkalische Böden mit pH-Werten bis 11 sowie erhöhte Gehalte unter anderem an Cadmium, Molybdän und Zink. Wie problematisch die vorhandenen Metalle werden, hängt nach den Ergebnissen wesentlich vom pH-Wert und davon ab, wie gut sie für Organismen verfügbar sind.
Dieser Lost Place in Kroatien besteht also aus mehr als verfallenen Hallen. Die Folgen der kurzen Betriebszeit lassen sich mehr als vier Jahrzehnte später noch im Boden messen.
Warum Mazut an der Zrmanja auftaucht
Beim Mazut geht es um einen anderen Weg. Das Kroatische Geologische Institut untersuchte 2020 im Auftrag der Wasserbehörde Hrvatske vode die wiederkehrenden Kohlenwasserstoff-Austritte an der Zrmanja.
Der Bericht führt sie nach dem damaligen Kenntnisstand auf Erdölprodukte zurück, die aus Tanks der verlassenen Jadral-Fabrik in den Untergrund gelangten. Erste Austritte an der rechten Zrmanja-Uferseite wurden dem Bericht zufolge 2002 beobachtet. Zeitpunkt, Weg und Menge der ursprünglichen Leckagen ließen sich dabei nicht abschließend bestimmen.
Das Karstgestein macht die Sache zusätzlich kompliziert. Bei einem Tracerversuch wiesen die Forschenden unterirdische Wasserverbindungen vom früheren Fabrikgelände zu mehreren Quellen an der Zrmanja nach. Der Bericht dokumentiert außerdem ein erneutes Verschmutzungsereignis nach starken Niederschlägen im September 2020.
So erklärt sich auch, warum Rotmudde und Mazut im Zusammenhang mit Jadral häufig gemeinsam auftauchen, obwohl dahinter unterschiedliche Probleme stecken.
Wie weit ist die Sanierung von Jadral?
Stand 14. August 2026: Der jüngste belastbare Bericht, den wir zum Sanierungsstand gefunden haben, stammt vom 16. Februar 2026. HRT berichtete damals, dass die Sanierung der Becken mit alkalischen Wässern und Rotmudde noch nicht begonnen hatte, obwohl vorbereitende Arbeiten bereits seit rund eineinhalb Jahren liefen. Offen war zu diesem Zeitpunkt auch, welches Sanierungsverfahren eingesetzt werden soll.
Einen neueren belastbaren Bericht über den tatsächlichen Beginn dieser Arbeiten haben wir bis zum Aktualisierungsdatum dieses Beitrags nicht gefunden.
Für uns verändert dieses Wissen den Blick auf den Ort. Die Ruinen sind eine starke Kulisse. Die Umweltprobleme gehören genauso zu Jadral wie Hallen, Beton und Stille.
Ein Lost Place, bei dem Vorsicht dazugehört
Verlassene Industrieanlagen können Risiken bergen, die sich von außen schwer einschätzen lassen: beschädigte Bauteile, offene Vertiefungen, scharfkantige Reste und mögliche Belastungen durch Staub oder industrielle Rückstände. Dazu kommt die Frage, wem das Gelände gehört und welcher Zugang erlaubt ist.
Wir zeigen euch im Video deshalb vor allem unsere Eindrücke von diesem ungewöhnlichen Ort. Daraus soll kein Besichtigungstipp werden. Wer Jadral sehen möchte, kann die Anlage auch aus Abstand wahrnehmen; Fragen zum Zugang lassen sich über örtlich zuständige Stellen oder Eigentümer:innen klären.
Quellen zur Einordnung
Tourismusverband Jasenice: Zrmanja River Canyon und Winnetou-Drehort
Fiket, Mikac & Kniewald (2017): Geochemische Untersuchung des Zrmanja-Ästuars
HRT (16. Februar 2026): Bericht zum Stand der Sanierung
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FAQ zur verlassenen Aluminiumfabrik Jadral
Was ist die Aluminiumfabrik Jadral bei Obrovac?
Jadral war eine Anlage zur Herstellung von Aluminiumoxid beziehungsweise Tonerde aus Bauxit bei Obrovac. Sie nahm 1978 den Betrieb auf und schloss 1981 wieder. Fachpublikationen nennen fehlende Rentabilität und fehlende eigene Rohstoffe als Gründe.
Welche Umweltprobleme gibt es bei Jadral?
Zwei Probleme lassen sich unterscheiden. In den Becken liegen Rotmudde und stark alkalische Rückstände aus der Tonerdeproduktion. Außerdem gelangten Erdölprodukte aus früheren Tanks in den Karstuntergrund. Das Kroatische Geologische Institut untersuchte deren unterirdische Wege bis zur Zrmanja.
Gab es bei Jadral eine militärische Nutzung?
Bei unserem Besuch schien uns eine militärische Nutzung wahrscheinlich. Wir halten es weiterhin für möglich, dass während der Jugoslawienkriege Militär dort stationiert war. Eine belastbare Bestätigung dafür fehlt in den von uns geprüften Fach- und Primärquellen.
Ist die verlassene Aluminiumfabrik ein sicherer Lost Place?
Eine verlässliche Sicherheitsbewertung des Geländes liegt uns nicht vor. Bei verlassenen Industrieanlagen können beschädigte Bauteile, offene Vertiefungen, scharfkantige Reste sowie industrielle Rückstände Risiken darstellen. Auch die Zugangs- und Eigentumsfrage lässt sich über örtlich zuständige Stellen beziehungsweise Eigentümer:innen klären.
Wie ist der Sanierungsstand bei Jadral?
HRT berichtete am 16. Februar 2026, dass die Sanierung der Becken mit alkalischen Wässern und Rotmudde zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen hatte. Vorbereitende Arbeiten liefen dem Bericht zufolge seit rund eineinhalb Jahren; das Sanierungsverfahren war noch offen. Bis zum 14. August 2026 haben wir keinen neueren belastbaren Bericht über den tatsächlichen Beginn der Arbeiten gefunden.
Lost Place Jadral bei Obrovac: verlassene Aluminiumfabrik an der Zrmanja von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.