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Aktualisiert am 10.08.2026

Begleitet uns auf unserem Trip ins europäische Unschooling-Paradies nach England, um das Land, die Leute und das Leben dort kennenzulernen!

Warum wir nach England gefahren sind

In diesem Video erzähle ich euch etwas über das Freilernen in England: über das Wetter, das Essen, das Leben vor Ort, die Kosten und auch über das Reisen. Wir verbrachten eine Woche in Kent und wollten dort vor allem erleben, wie Familien leben, deren Kinder außerhalb einer Schule lernen.

In England können Eltern die gesetzliche Bildungspflicht auch durch Bildung außerhalb einer Schule erfüllen. Unschooling beschreibt wiederum eine bestimmte Form selbstbestimmten Lernens. Das englische Recht verwendet den Begriff nicht als eigene rechtliche Kategorie. Wenn ihr die Begriffe vorher sortieren möchtet, findet ihr hier unsere ausführlichere Einordnung: Was ist Unschooling? Selbstbestimmtes Lernen erklärt.

Anreise nach England: Frankreich, Fähre, Dover und Linksverkehr

Wir fuhren zunächst nach Frankreich und übernachteten eine Nacht in einem schlichten Hotel für 60 Euro. Am nächsten Morgen ging es zeitig weiter zum Fährhafen. Von Dünkirchen brachte uns DFDS über den Ärmelkanal nach Dover.

Wir waren damals etwa 45 bis 60 Minuten vor Abfahrt am Hafen und kamen damit gut zurecht. Für heutige Reisen taugt diese Erfahrung allerdings nicht als Zeitvorgabe: DFDS schließt den Check-in für Fahrzeuge derzeit 60 Minuten vor der planmäßigen Abfahrt und empfiehlt in der Hauptsaison mehr Zeit für die Kontrollen. Aktuelle Angaben findet ihr bei DFDS zu Check-in und Boarding.

Als Alternative zur Fähre fährt LeShuttle zwischen Calais und Folkestone durch den Ärmelkanaltunnel. Die planmäßige Fahrt von Plattform zu Plattform dauert derzeit 35 Minuten. Die Preise hängen von Reisetag, Tarif und Fahrzeug ab.

Seit 2026 gehört für viele Reisende aus Europa außerdem eine elektronische Reisegenehmigung, die ETA, zur Planung. Sie kostet derzeit 20 Pfund pro Person; auch Babys und Kinder brauchen jeweils eine eigene ETA, sofern keine Ausnahme greift. Maßgeblich sind Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsstatus. Die aktuellen Voraussetzungen stehen bei GOV.UK zur ETA.

In Großbritannien angekommen wurde der Linksverkehr für uns schnell normal. Patrick hat das super souverän gelöst. Bei Kreisverkehren unterscheidet sich die Blinklogik etwas von der vereinfachten Faustregel, die wir damals im Kopf hatten: Bei der ersten Ausfahrt links wird links geblinkt. Bei einer Ausfahrt rechts oder einer vollständigen Runde zunächst rechts und nach der vorhergehenden Ausfahrt links. Bei mittleren Ausfahrten braucht es bei der Einfahrt normalerweise kein Signal; vor dem Verlassen des Kreisverkehrs folgt das linke Blinksignal. Schilder und Fahrbahnmarkierungen haben Vorrang. Der britische Highway Code, Rule 186 beschreibt das ausführlich.

Margate: Unterkunft bei einer Gastfamilie

Von Dover aus erreichten wir Margate in ungefähr 30 Minuten. Unsere Unterkunft hatten wir schon vorher gebucht. Über homestay.com fanden wir ein Zimmer bei einer Gastfamilie, also eine Mischung aus Gästezimmer und privater Ferienunterkunft.

Unser Zimmer hatte zwei Doppelbetten, ein Einzelbett und eine kleine Küche mit Wasserkocher, Mikrowelle, etwas Geschirr und Besteck. Außerdem hatten wir ein eigenes Badezimmer mit Dusche, und wir konnten dort sogar den Abwasch erledigen.

  • Kosten: 460 Euro für eine Woche, inklusive Frühstück
  • WLAN: kostenlos, bei uns allerdings unzuverlässig
  • Mobilfunk: als Telekom-Kund:innen erlebten wir das Netz eines britischen Anbieters deutlich stabiler

Vegan essen in England: Tesco, Aldi und sehr viel Folie

Unsere Gastgeberin kannte sich mit veganem Essen kaum aus und servierte zum Frühstück erst einmal sehr englisch. Zum Glück lag ein Tesco ein paar Straßen weiter. Dort gab es alles, was dieses vegane Herz so begehrte. Unsere Lebensmittelversorgung war damit ziemlich unkompliziert.

Was uns auffiel: In den Supermärkten steckte erstaunlich viel Essen in Plastik. Obst und Gemüse waren häufig verpackt, selbst in einer großen Chipstüte lagen noch einmal kleine Tütchen. Das fanden wir nervig. Gleichzeitig entdeckten wir außerhalb der großen Läden auch regionale Angebote. Deutsches Vollkornbrot gab es sogar bei Aldi, falls euch englischer Toast irgendwann zu den Ohren herauskommt.

Zu unserem Reisegepäck passt außerdem dieser ältere Beitrag: Minimalistisch reisen als Familie: 10 Dinge.

Wetter, Golfstrom und „von Meerluft gesalzener Rucola“

Die nächsten Tage hielt durchweg freundliches, warmes Wetter für uns bereit. Ich war da sehr erstaunt. Auch klimatisch hat die Lage Großbritanniens einen besonderen Hintergrund: Der Golfstrom und die damit verbundene nordatlantische Zirkulation transportieren Wärme nach Norden und tragen dazu bei, dass Großbritannien milder ist als viele Regionen auf ähnlicher geografischer Breite. Mehr dazu erklärt das Met Office zum Golfstrom.

Wir sahen kleine Palmen, große Rosmarinbüsche, Agaven und Feigenbäume. Noch stärker hängen geblieben sind mir die Wildkräuter und Wildfrüchte. Wir pflückten täglich Rucola, der von der Meerluft gesalzen schmeckte, Spitzwegerich, Löwenzahn, Brombeeren und Hagebutten. Algen und Pilze begegneten uns ebenfalls. Und in der warmen Nordsee badeten wir.

Margate: Strand, Altstadt, Dreamland und Familienalltag

In unserem Viertel lag gefühlt ziemlich viel Müll herum. Beim Spaziergang am Strand sahen wir außerdem viele Häuser mit Verkaufsschildern. Wie die wirtschaftliche Lage der Stadt insgesamt aussah, lässt sich aus solchen Reiseeindrücken natürlich nicht ableiten. Für uns wirkte dieser Teil von Margate zunächst eher ernüchternd.

Als die Flut kam, packten wir zusammen und gingen die Promenade entlang. Und plötzlich: „Oh, Margate hat doch noch was zu bieten.“ Wir entdeckten die Altstadt und einen unerwartet belebten öffentlichen Strand. Schließlich landeten wir bei Dreamland, einem Vergnügungspark direkt am Meer. Heute verbindet Dreamland seine klassischen Fahrgeschäfte mit Veranstaltungen und Konzerten.

Patrick und unsere ältere Tochter probierten dort alles Mögliche aus: Tee-Karussell, Spiegelkabinett, mehrere Karussells, Kinderachterbahn. Unsere jüngere Tochter fuhr mit Papa Riesenrad.

Wir genossen den Tag inmitten anderer Familien und bemerkten nebenbei, dass größere Familien dort recht alltäglich wirkten. Vor allem fiel uns auf, wie wenig Aufhebens die Menschen um die Kinder machten. Niemand tätschelte sie ungefragt, niemand stellte ihnen seltsame Fragen, und als unsere ältere Tochter sehr wütend wurde, reagierte niemand abfällig. Diese Beobachtung beschreibt unseren Tag in Margate.

Freilernen und Home Education in England: Rechtslage 2026

Für England ist der rechtliche Ausgangspunkt weiterhin Section 7 des Education Act 1996. Eltern tragen die Verantwortung dafür, dass ein Kind im schulpflichtigen Alter eine effiziente, geeignete Vollzeitbildung erhält, die zu Alter, Fähigkeiten, Begabungen und gegebenenfalls besonderen Bildungsbedürfnissen passt. Das Gesetz lässt dafür Schulbesuch oder Bildung auf anderem Weg zu. Die zuständige Bezeichnung der britischen Behörden lautet „elective home education“.

Der Education Act 1996, Section 7 ist dabei der Rechtskern. Das britische Department for Education bündelt die heutige Verwaltungspraxis in seiner Guidance zu Elective Home Education. Wie eine Local Authority Kontakt aufnimmt und welche Informationen sie im Einzelfall anfragt, kann sich lokal unterscheiden.

Im April 2026 erhielt außerdem der Children’s Wellbeing and Schools Act 2026 die königliche Zustimmung. Er sieht unter anderem neue Regeln für Kinder außerhalb von Schulen und Register bei den Local Authorities vor. Am 10. August 2026 sind diese Bestimmungen noch nicht in Kraft. Bis zu ihrem Inkrafttreten arbeiten die Behörden weiter nach der bestehenden Rechtslage und der bisherigen Home-Education-Guidance.

Wenn euch die begriffliche Abgrenzung im deutschen Kontext interessiert, findet ihr hier unseren Beitrag über Distanzunterricht und Homeschooling.

Unschooling in England für deutsche Familien: Was vor einem Umzug wichtig ist

Für eine deutsche Familie liegen zwischen einer Urlaubswoche in Kent und einem Leben mit Home Education in England inzwischen ein paar ziemlich entscheidende Schritte. Der Beitrag bezieht sich rechtlich ausschließlich auf England. Für Schottland, Wales und Nordirland gelten eigene Regelungen.

Aufenthaltsrecht kommt vor der Bildungsfrage

Deutsche Staatsangehörige können mit einer ETA für Besuchsaufenthalte nach Großbritannien reisen, meist für höchstens sechs Monate. Über aufeinanderfolgende Besuche lässt sich daraus kein dauerhafter Aufenthalt machen. Für einen wirklichen Umzug braucht die Familie deshalb einen passenden britischen Aufenthaltsstatus, etwa über eine einschlägige Visumskategorie oder – wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – über das EU Settlement Scheme. Welche Möglichkeit zu eurer Familie passt, hängt unter anderem von Arbeit, familiären Beziehungen und bereits bestehenden Aufenthaltsrechten ab. Einen ersten offiziellen Überblick bietet der Visa-Check von GOV.UK.

Und was passiert mit der deutschen Schulpflicht?

Die englische Möglichkeit zur Home Education hebt eine noch bestehende deutsche Schulpflicht nicht von selbst auf. Schulrecht ist in Deutschland Ländersache; die Kultusministerkonferenz sammelt die Schulgesetze aller Bundesländer. Für einen Umzug ist deshalb entscheidend, nach welchen Regeln euer bisheriges Bundesland den gewöhnlichen Aufenthalt beurteilt.

Wie genau dabei hingeschaut werden kann, zeigt ein bayerischer Fall aus dem Jahr 2023. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof stellte auf den tatsächlichen „Daseinsmittelpunkt“ des jungen Menschen ab. Eine formale Abmeldung allein reichte in diesem Fall nicht aus, um einen dauerhaften Umzug nach Polen zu belegen. Das Urteil betrifft Bayern und lässt sich nicht pauschal auf alle Bundesländer übertragen. Es zeigt aber ziemlich gut, warum eine Reiseadresse und ein wirklicher Lebensmittelpunkt rechtlich zwei verschiedene Dinge sein können.

Wie frei ist Home Education in England?

Für junge Menschen im compulsory school age verlangt Section 7 des Education Act 1996 eine effiziente, geeignete Vollzeitbildung. Das compulsory school age beginnt mit dem ersten maßgeblichen Termin – 31. Dezember, 31. März oder 31. August – nach dem fünften Geburtstag; die Vollzeitbildung beginnt dann mit dem folgenden Term. Home Education darf dabei deutlich anders aussehen als Schule. Die aktuelle Guidance des Department for Education verlangt weder National Curriculum noch einen festen Stundenplan, feste Unterrichtsstunden oder die Orientierung an Schultagen und Schulferien.

Gerade für Unschooling ist diese Freiheit wichtig. Der Maßstab verschwindet dadurch allerdings nicht: Die Bildung muss zum Alter, zu Fähigkeiten und Begabungen sowie zu möglichen besonderen Bildungsbedürfnissen des jungen Menschen passen. Die Local Authority darf nach der heutigen Rechtslage informell nachfragen, welche Bildung stattfindet. Wenn ihr auf solche Nachfragen gar keine Informationen gebt, darf die Behörde daraus weitere rechtliche Schritte ableiten. Ein schulähnlicher Unterrichtsplan ist dafür nicht vorgeschrieben; entscheidend ist die tatsächlich stattfindende Bildung.

Wenn euer Kind bereits an einer englischen Schule angemeldet ist

Bei einer vollständigen Abmeldung aus einer gewöhnlichen Schule muss die Schule die Entscheidung zur Home Education nach der derzeitigen GOV.UK-Regelung akzeptieren. Für Teilzeitmodelle – häufig „flexi-schooling“ genannt – braucht es dagegen die Zustimmung der Schule. Besucht ein Kind wegen besonderer Bildungsbedürfnisse eine Special School, ist vor der Abmeldung die Zustimmung der Local Authority erforderlich. Dasselbe gilt bei einer bestehenden School Attendance Order.

Zieht ihr nach England und euer Kind war dort noch nie an einer Schule angemeldet, erlaubt die gegenwärtige Guidance den Beginn von Home Education ohne vorherige Zustimmung der Local Authority. Diese Situation wird sich mit den neuen „Children Not in School“-Regeln verändern.

Was der Children’s Wellbeing and Schools Act 2026 verändern soll

Nach Inkrafttreten der neuen Regelungen sollen Local Authorities verpflichtende Register für Kinder führen, die keine Schule besuchen. Für bestimmte junge Menschen – unter anderem bei aktuellen oder früheren Child-Protection-Maßnahmen sowie in bestimmten Fällen an Special Schools – kommen zusätzliche Prüfungen vor einer Abmeldung hinzu. Außerdem sieht das Gesetz einen zeitlich begrenzten Pilotversuch mit Gesprächen vor dem Wechsel zur Home Education vor. Auch die Informations- und Prüfverfahren der Local Authorities werden ausgeweitet.

Am 10. August 2026 wartet dieses Regelungspaket noch auf seine eigentliche Inkraftsetzung. Die zweite Commencement Regulation vom 13. Juli 2026 setzt andere Teile des Gesetzes in Kraft, die Sections 37 bis 42 zu „Children Not in School“ jedoch noch nicht. Für Familien, die einen Umzug erst planen, lohnt sich deshalb ein aktueller Blick auf den Children’s Wellbeing and Schools Act 2026 und die Home-Education-Seite des Department for Education, weil sich genau dieser Teil der Rechtslage als Nächstes verändern wird.

Kosten und Abschlüsse gehören mit in die Planung

Home Education verlagert derzeit auch die finanzielle Verantwortung weitgehend zur Familie. Das Department for Education nennt ausdrücklich Bücher, Technik, Ausflüge und öffentliche Prüfungen wie GCSEs. Für Prüfungen braucht ein home-educated young person in der Regel ein externes Prüfungszentrum; Gebühren und gegebenenfalls längere Anfahrten trägt die Familie gewöhnlich selbst. Manche Local Authorities unterstützen dabei freiwillig. Für Familien mit älteren Kindern kann diese Frage deshalb ähnlich wichtig werden wie die eigentliche Lernform.

Ausflüge in Kent mit Kindern: Burgen, Gärten und Kreidefelsen

Walmer Castle: Tudor-Festung und Garten-Träume

Am nächsten Tag wollten wir einem Violinenkonzert im Garten von Walmer Castle and Gardens lauschen. Die Künstlerin erschien leider nicht. Stattdessen spielten zwei Herren ein paar Oldies. Das hat unseren Kindern aber genauso zugesagt wie das Museum und der wunderschöne Gemüsegarten, die Gewächshäuser und die Ziergärten. Wirklich traumhaft.

Walmer Castle entstand unter Heinrich VIII. als Tudor-Festung und entwickelte sich später zum Landsitz. Seit dem 18. Jahrhundert dient es als offizieller Sitz des Lord Warden of the Cinque Ports. English Heritage beschreibt heute mehr als acht Acres Gärten und Wald rund um das Schloss.

Uns ist auch aufgefallen: Wir haben keine einzige Nacktschnecke gesehen. Die hatten uns im Erzgebirge damals das Gartenglück ziemlich versaut.

Dover Castle: Mittelalter, Militärgeschichte und Tunnel im weißen Fels

Nächstes Ziel war Dover Castle. Dort gab es ein großes Mittelalterfest. Wir besichtigten die gewaltige Burg, sahen ein Ritterturnier, ein unterirdisches Krankenhaus und das Museum zur Militärgeschichte Englands.

Besonders bekannt sind die Tunnel in den White Cliffs. Im Zweiten Weltkrieg befand sich dort das Kommandozentrum für die Evakuierung von Dünkirchen, Operation Dynamo. Bei unserem Besuch gehörte auch ein nachgebildeter Schützengraben mit Geräuschen von einschlagenden Granaten und Maschinengewehren zur Ausstellung. Unsere ältere Tochter reagierte darauf mit großer Angst.

Für Reisen im August 2026 ist noch etwas wichtig: English Heritage meldet die Secret Wartime Tunnels einschließlich des Underground Hospital derzeit wegen Wartungsarbeiten als geschlossen. Der aktuelle Besuchsstatus steht auf der oben verlinkten Seite von Dover Castle.

Nach so viel Geschichte brauchten wir etwas Bodenhaftung. Wir aßen eine vegane Karotten-Orangen-Suppe. Generell fanden wir in Gaststätten öfter etwas Veganes. Für uns war das deutlich unkomplizierter, als wir vorher erwartet hatten.

Und dann kam unsere kleine Reise-Panne: Ich nutzte mit den Mädchen den Shuttle-Verkehr zum Parkplatz, stieg aber in den falschen Bus. Der Busfahrer war ein wahrer Gentleman und brachte uns trotzdem anschließend dorthin, wo wir hinmussten. Patrick kam später zu Fuß am Parkplatz an, etwas verschwitzt, weil er den falschen Fußweg genommen hatte.

Reculver: römisches Fort, Kirchtürme und eine Küste, die daran knabbert

Am nächsten Tag besuchten wir Reculver Towers and Roman Fort. Die Kinder probierten sich auf dem Spielplatz aus, Patrick schlich um die Ruinen, sah die Kirche und tauchte ein Stück in die Geschichte ein.

Das römische Küstenfort stammt aus dem frühen 3. Jahrhundert. Etwa die Hälfte der Anlage ging laut English Heritage bereits durch Küstenerosion verloren. Heute prägen vor allem die beiden Türme der ehemaligen mittelalterlichen Klosterkirche die Silhouette. Man steht dort also an einem Ort, an dem Geschichte buchstäblich Stück für Stück im Meer verschwindet.

Canterbury: Gassen und St Augustine’s Abbey

Danach ging es Richtung Canterbury. Wir stellten das Auto für 3 Euro auf einem Park-and-Ride-Parkplatz ab. Der Bus ins Stadtzentrum war im Preis enthalten. Wir schlenderten durch die Gässchen, stöberten in Spielzeug- und Buchläden, aßen in einem indischen Restaurant und schauten uns St Augustine’s Abbey an.

Die Abtei wurde um 598 gegründet und gehört heute zum UNESCO-Welterbe von Canterbury. Zwischen alten Mauern herumzulaufen, nachdem man vorher durch die lebendige Stadt geschlendert ist, hat schon einen besonderen Reiz.

Botany Bay: Kreidefelsen, Fossilien-Glück und die Sache mit der Tide

Weil das Wetter die ganze Zeit sonnig und warm war, machten wir einen erholsamen Strandtag an der Botany Bay. Ein Strand mit beeindruckenden weißen Kreidefelsen und markanten Kalkfelsen im Wasser. Bei Ebbe kann man dort nach Fossilien suchen und die Rock Pools erkunden. Wir hatten kein Fossilien-Glück, erfreuten uns aber an den kleinen Muscheln, die wir mit den Kindern sammelten. Sand, Schwimmen, Eisessen. Sehr urlaubsmäßig, sehr schön.

Die Tide spielt in dieser Bucht eine größere Rolle, als der breite Strand bei Ebbe vermuten lässt. Visit Kent weist darauf hin, dass die Enden der Bucht bei Flut durch ihre Form abgeschnitten werden. Mit Kindern ist die Uhrzeit der Tide deshalb eine ziemlich nützliche Information.

Von unseren Kürbiskernen wollten die Möwen übrigens nichts wissen.

Richborough, Deal Castle und der English Heritage Pass

Am letzten Tag vor unserer Abreise besuchten wir Richborough Roman Fort and Amphitheatre und Deal Castle.

Richborough gehört zu den symbolträchtigsten römischen Orten Britanniens. English Heritage ordnet den Platz als einen Ausgangspunkt der römischen Invasion im Jahr 43 n. Chr. ein. Deal Castle ließ Heinrich VIII. 1539 bis 1540 als Artilleriefestung errichten; seine Form war auf Rundum-Feuerkraft ausgelegt.

Wir spazierten außerdem über den Deal Pier und fuhren auf dem Rückweg noch an St Augustine’s Cross vorbei. Das Kreuz stammt aus dem 19. Jahrhundert und markiert den Ort, an dem Augustinus der Überlieferung nach im Jahr 597 gelandet sein soll.

Viele der historischen Orte, die wir besuchten, gehören zu English Heritage, und die einzelnen Eintrittspreise fanden wir ziemlich hoch. Deshalb kauften wir für unsere Reise damals für 60 Euro einen „Overseas Visitor Pass“. Den Pass gibt es weiterhin, seine Preise haben sich verändert: Für Besuche zwischen dem 25. März 2026 und dem 16. März 2027 kostet der Familienpass 116 Pfund für neun Tage oder 127 Pfund für 16 Tage. Er umfasst zwei Erwachsene und bis zu vier weitere Familienmitglieder unter 18 Jahren, die an derselben Adresse wohnen. Ob er sich für eine Reise rechnet, hängt also vor allem davon ab, welche und wie viele English-Heritage-Orte auf eurer Strecke liegen. Die aktuellen Bedingungen stehen bei English Heritage zum Overseas Visitor Pass.

Rückreise über Köln

Damit die Rückfahrt mit den Kindern nicht so anstrengend wird, beschlossen wir, eine Nacht in Köln zu verbringen. Wir nutzten die Gelegenheit, den Kölner Dom anzuschauen.

Und wir aßen bei Kittichai wunderbar vegan. Kittichai führt 2026 weiterhin Standorte in Köln; die damalige Reiseerfahrung sagt natürlich nichts darüber aus, wie ein Besuch heute ausfallen würde.

Kosten: Was uns eine Woche England gekostet hat

Nach unserer englischen Woche, die uns insgesamt mit Sprit und Lebensmitteln, Unterkünften, Eintrittspreisen, Einkäufen und allem Drum und Dran ungefähr 900 Euro kostete, sind wir wohlbehalten wieder zu Hause angekommen. Die 900 Euro beschreiben unsere damaligen Reisekosten. Ein Reisebudget für 2026 hängt von den aktuellen Preisen für Fahrt, Unterkunft, Lebensmittel und Eintritte ab. Gut erholt konnten wir uns dann auf die Ankunft unseres Babys vorbereiten.

Wenn euch das Zusammenspiel aus Reisen und Freilernen interessiert, passt dazu auch unser Beitrag Worldschooling: Freilernen und Reisen.

FAQ: Unschooling und Home Education in England

Ist Unschooling in England legal?

Das englische Recht verwendet „Unschooling“ nicht als eigenen Rechtsbegriff. Entscheidend ist die gesetzliche Pflicht der Eltern, für eine effiziente, geeignete Vollzeitbildung zu sorgen. Section 7 des Education Act 1996 lässt dafür neben Schulbesuch auch Bildung „otherwise“ zu. Ob eine bestimmte Unschooling-Praxis diese Anforderungen erfüllt, hängt damit von der tatsächlich angebotenen Bildung ab.

Ist Schulbesuch in England verpflichtend?

Eltern können die Bildungspflicht in England durch Schulbesuch oder durch Bildung außerhalb einer Schule erfüllen. Für Familien, die sich für Home Education entscheiden, beschreibt das Department for Education die Rechte, Pflichten und Rolle der Local Authorities in seiner aktuellen Guidance.

Wird Home Education in England kontrolliert?

Local Authorities haben bereits nach der heutigen Rechtslage Aufgaben, wenn es Hinweise darauf gibt, dass ein Kind keine geeignete Bildung erhält. Wie sie mit home-educating families Kontakt aufnehmen, unterscheidet sich in der Praxis lokal. Der Children’s Wellbeing and Schools Act 2026 sieht zusätzlich Register und weitere Befugnisse vor; die entsprechenden Regelungen sind am 10. August 2026 noch nicht in Kraft.

Brauchen Familien aus Deutschland 2026 eine ETA für England?

Deutsche Staatsangehörige brauchen für touristische Kurzaufenthalte in der Regel eine ETA. Sie kostet derzeit 20 Pfund pro Person, und jede reisende Person braucht eine eigene Genehmigung, auch Babys und Kinder. Ausnahmen hängen unter anderem vom Aufenthaltsstatus ab; deshalb ist die GOV.UK-Prüfung vor der Reise die verlässlichste Grundlage.

Musik:

Vyra – Aftermath (CC BY-SA 3.0)

Nicolai Heidlas – Free Happy Retro Piano Music (CC BY 3.0)

Naoya Sakamata – Chemical Afterimage (CC BY 3.0)

Nicolai Heidlas – Free Big Orchestral Background Music (CC BY 3.0)

Jesse Warren – Miles Above You (CC BY 3.0)

Eure Erfahrungen mit Freilernen in England oder mit Familienreisen durch Kent interessieren uns – besonders dort, wo ihr den Alltag ganz anders erlebt habt als wir.

CC BY-SA 4.0 Unschooling in England: Unser Trip, Kosten, Alltag & Orte von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.