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Aktualisiert am 13. August 2026
Irina und Viktor wanderten nach Portugal aus, um dort einen Familienlandsitz nach Anastasia aufzubauen. In einem Interview stellen wir euch die beiden, ihren Weg und ihre Vision vor.
Das Gespräch entstand im Frühjahr 2019 und zeigt ihre damaligen Pläne. Für die heutige Einordnung gehört ein wichtiger Zusammenhang dazu: Der Begriff „Familienlandsitz“ ist in diesem Fall Teil der Anastasia-Bewegung, die sich um die Bücher von Wladimir Megre entwickelt hat. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnete die Bewegung 2023 als Verdachtsfall. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt beschreibt ihre ideologische Grundlage auf seiner aktuellen Themenseite als völkisch und antisemitisch. Weiter unten findet ihr dazu die Quellen und etwas mehr Kontext.
Video: Deutsche Auswanderer aus Portugal bei uns zu Besuch
Mit dem Wohnmobil raus aus dem Gewohnten
Irina und Viktor waren ungefähr ein Jahr in Portugal, als sie eine Woche bei uns im Erzgebirge verbrachten. Das Interview entstand ziemlich unspektakulär am Frühstückstisch. Genau das mögen wir daran bis heute: Vier Erwachsene sitzen zusammen, Kinder sind in der Nähe, und zwei Menschen erzählen mit vielen kleinen Abschweifungen, wie sie mit ihrem Wohnmobil losgezogen sind.
Ihr Ausgangspunkt war ziemlich schlicht. Sie wollten raus aus dem Gewohnten, neue Menschen kennenlernen, andere Länder sehen und herausfinden, wie sie als Familie leben möchten. Videos von Menschen, die im Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs waren, gaben ihnen einen Schubs. Im September starteten sie, verbrachten noch etwa zwei Monate in Deutschland und fuhren im November weiter nach Süden.
Frankreich kannten sie schon ein wenig, Spanien sahen sie unterwegs, nach ungefähr einer Woche erreichten sie Portugal. Erst einmal ging es an die Algarve. Strand, Meer, Wärme. Im Dezember waren sie noch baden. Für eine Familie, die kurz zuvor aus dem kalten Deutschland losgefahren war, fühlte sich das offenbar ziemlich besonders an.
Aus ein paar Tagen wurden mehrere Wochen
Auf einem Campingplatz lernten Irina und Viktor eine junge Familie kennen, die zum Jahreswechsel ins Alentejo weiterfahren wollte. Dort lebte Volker auf einem Familienlandsitz von mehreren Hektar. Die beiden hatten vorher schon mit ihm geschrieben und schlossen sich spontan an.
Geplant waren ein paar Tage. Im Gespräch schwanken die Erinnerungen zwischen vier, fünf und ungefähr sechs Wochen. Sicher ist: Sie blieben deutlich länger als gedacht.
Was sie dort berührte, erzählen sie mit viel Energie. Morgens ging die Tür auf, die Kinder liefen nach draußen, spielten miteinander und hatten verschiedene Erwachsene und andere Kinder um sich. Irina und Viktor erlebten diese Gemeinschaft als etwas, das ihrem damaligen Wunsch nach Familienalltag sehr nahekam. Im Gespräch fällt der Satz, ein Kind brauche „ein ganzes Dorf“. Für die beiden war das damals vor allem eine Erfahrung: Familie fühlte sich für sie leichter an, wenn Alltag und Beziehungen auf mehrere Schultern verteilt waren.
Genau da ist die Trennung wichtig. Das Video zeigt, wie Irina und Viktor diese Wochen erlebt und gedeutet haben. Eine bestimmte Wirkung von Gemeinschaft oder Erziehungsform untersucht es nicht. Ihre Erzählung macht aber ziemlich deutlich, wonach sie damals suchten.
3,3 Hektar, Brombeerhecken und eine Höhle für Kinder
Später besuchten sie Menschen, die in Portugal unter anderem mit Yoga, Permakultur und Freilernen zu tun hatten. Bei einem gemeinsamen Essen fiel eher nebenbei der Hinweis auf ein Grundstück mit rund 3,3 Hektar, das verkauft werden sollte. Mehrere Familien saßen am Tisch. Irina und Viktor fühlten sich sofort angesprochen und wollten es am nächsten Tag sehen.
Im Video wird diese Stelle wunderbar anschaulich. Das Land war keine glatte Fläche. Sie erzählen von Terrassen, Bergen, Brombeerhecken, Quitten, Höhlen und einem eingestürzten Brunnen, der wie ein kleiner Teich wirkte. Im Frühling schwammen dort nach ihrer Erinnerung Quittenblüten auf dem Wasser.
Auch die Kinder hatten dort ihre Ecken. Wege wurden durch Brombeerhecken freigeschaufelt, eine Höhle bekam Namen und Beschriftungen. Im Gespräch tauchen „Magical Höhle“, „Magical Forest“ und schließlich Sherwood Forest auf. Man merkt den beiden an, wie sehr sie sich von diesem verwinkelten Gelände angezogen fühlten. Gerade das Ungeplante daran hatte für sie Reiz.
Was aus dem Grundstück werden sollte
Irina und Viktor hatten damals eine große Vision. Im Gespräch fällt dafür sogar die Bezeichnung „veganes Raw Food Paradies“. Auf dem Land sollte ein Ort für Familien entstehen, an dem Menschen Urlaub machen, mitwirken, sich austauschen und Zeit miteinander verbringen können. Sie sprachen von kleinen Häusern, einem Gemeinschaftshaus, einem Seminarhaus, einem großen See und einer Wellness-Oase.
Auch Lernen gehörte zu ihrer Vorstellung. Im Interview nennen sie Sprachen, Yoga, Permakultur, Tanz, eine Bibliothek, Klettermöglichkeiten und einen Raum, in dem Kinder basteln, sich verkleiden oder Bücher lesen können. Vieles war zu diesem Zeitpunkt Idee. Genau so klingt es auch: begeistert, offen und ziemlich groß.
Ein wichtiger Teil ihrer Vision war die Begegnung mit Menschen, die ähnliche Lebensentscheidungen trafen. Sie erzählten, wie anstrengend sie es fanden, Veganismus, Rohkost oder ein schulfreies Leben im eigenen Umfeld immer wieder erklären zu müssen. Ihr geplanter Ort sollte deshalb Menschen zusammenbringen, die sich über solche Themen austauschen wollten.
Dahinter steckt ein leicht nachvollziehbarer Wunsch: irgendwo ankommen, verstanden werden, Freundschaften finden. Später im Interview wird zugleich deutlich, wie eng die Zugehörigkeit zu diesem geplanten Ort an bestimmte Vorstellungen geknüpft war.
Die gesundheitlichen Aussagen im Interview
An einer Stelle sprechen Irina und Viktor von einem geplanten „Heilzentrum“. Sie erzählen von eigenen Erfahrungen mit Allergien, Hautproblemen, Beschwerden im Bauch und anderen gesundheitlichen Themen. Außerdem sprechen sie von Ernährung, „Entgiftungen“ und verschiedenen Prozeduren. Später bezeichnen sie Kopf- und Nackenschmerzen bei Gästen als „Entgiftungserscheinungen“ und bringen das mit Sonne, Wärme und reifem Obst in Verbindung.
Diese Aussagen geben ihre persönliche Deutung im Jahr 2019 wieder. Medizinisch sind sie im Interview weder untersucht noch belegt. Das betrifft besonders die Aussagen zu Allergien, Depressionen, chronischen Beschwerden und vermeintlichen „Entgiftungserscheinungen“. Wir lassen sie als Teil des Gesprächs stehen, trennen sie aber klar von medizinischer Information.
Was „Familienlandsitz nach Anastasia“ bedeutet
Der Ausdruck „Familienlandsitz“ klingt erst einmal wie eine Beschreibung für Land, Garten und gemeinschaftliches Familienleben. Im Zusammenhang dieses Beitrags hat er eine spezifische Herkunft. Die Anastasia-Bewegung entwickelte sich um die Bücher von Wladimir Megre. In der religionswissenschaftlichen Forschung wird der Familienlandsitz als ein zentrales Konzept der Bewegung beschrieben: ein eigener Ort, der Familie, Natur, spirituelle Vorstellungen und eine bestimmte Idee gesellschaftlichen Lebens miteinander verbindet. Eine fachwissenschaftliche Untersuchung dazu stammt von Julia Andreeva und Rasa Pranskevičiūtė: „The Meanings of Family Homestead in the Anastasia Movement“, S. 94–107, besonders S. 97–105.
Heute gehört für uns auch die politische Einordnung des Begriffs dazu. Das Bundesamt für Verfassungsschutz nannte die „Anastasia-Bewegung“ im Juni 2023 ausdrücklich einen Verdachtsfall. Der damalige BfV-Präsident Thomas Haldenwang führte sie als Beispiel dafür an, dass Rechtsextremist:innen versuchten, anschlussfähige Themen für ihre Ziele zu nutzen. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt ordnet im Abschnitt über rechtsextremistische Siedlungsbestrebungen einen Teil dieser Szene der Anastasia-Bewegung zu und beschreibt ihre ideologische Grundlage aktuell als völkisch und antisemitisch.
Das Video dokumentiert, was Irina und Viktor 2019 mit ihrem Familienlandsitz verbanden und wie attraktiv diese Vorstellung für sie war. Der belegte Stand dieses Gesprächs endet im Frühjahr 2019; ihre heutige Haltung und die spätere Entwicklung des Projekts liegen außerhalb seiner Aussage.
Wer bei ihnen zu Gast sein sollte
Im zweiten Teil des Gesprächs wird deutlicher, welche Gemeinschaft Irina und Viktor damals anziehen wollten. Ihnen waren ein respektvoller Umgang, vegane Ernährung beziehungsweise Offenheit dafür, ein schulfreies Leben sowie Rauch-, Alkohol- und Drogenfreiheit wichtig. Sie sprechen mehrfach davon, dass Erwachsene für Kinder Vorbilder seien.
Dabei klingt auch durch, wie stark ihr geplanter Ort von Auswahl geprägt war. Menschen, die rauchen oder Alkohol trinken wollten, passten nach ihrer Vorstellung eher in ein anderes Umfeld. Bei Ernährung beschrieben sie sich etwas offener: Gäste müssten keine „Hardcore-Rohköstler“ sein, wie es im Gespräch heißt. Interesse an veganer Ernährung und die Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen, gehörten für sie jedoch dazu.
Für Familien stellten sie sich einen Ort vor, an dem Freundschaften entstehen können. Im Interview erzählen sie von Gästen, die sich bei ihnen kennenlernten, später gemeinsam weiterreisten und sich in Spanien wiedertrafen. Genau diese Seite des Gesprächs finde ich nach wie vor interessant: Menschen suchen Gemeinschaft, und manchmal entsteht sie tatsächlich zwischen Frühstückstisch, Wohnmobil und einem Stück Land.
Was von diesem Gespräch hängen bleibt
Das Video bewahrt einen Moment, in dem sehr viel offen war. Irina und Viktor hatten Land gefunden und sahen darin weit mehr als 3,3 Hektar. Sie sahen einen möglichen Alltag, andere Familien, spielende Kinder, Permakultur, Rohkost, Seminare, Freundschaften und einen Ort, an dem sie ihre Vorstellungen leben konnten.
Gerade deshalb lässt sich an dem Gespräch auch etwas über große Lebensentwürfe lernen. Eine Idee kann gleichzeitig Geborgenheit versprechen, Gemeinschaft schaffen und Weltbilder mitbringen, deren Hintergrund erst bei genauerem Hinsehen sichtbar wird. Für mich gehört beides zusammen: die Begeisterung der Menschen ernst nehmen und die Ideen, an die sie anknüpfen, genauso ernst prüfen.
So lesen wir dieses Interview heute als Zeitdokument aus dem Frühjahr 2019. Es erzählt von Auswanderung nach Portugal, vom Reisen mit Familie, von Gemeinschaft, veganem Leben und der Suche nach einem freieren Alltag. Und es zeigt, wie viele Hoffnungen auf ein einziges Stück Land passen können.
FAQ: Auswandern nach Portugal, Familienlandsitz und Anastasia-Bewegung
Worum geht es im Video mit Irina und Viktor?
Irina und Viktor erzählen von ihrer Reise mit dem Wohnmobil nach Portugal, den ersten Monaten dort, einer Gemeinschaft mit mehreren Familien und ihrem eigenen Grundstück von rund 3,3 Hektar. Außerdem sprechen sie über Veganismus, Rohkost, schulfreies Leben, Permakultur und ihre damaligen Pläne für einen Ort, an dem Familien zusammenkommen können.
Was bedeutet „Familienlandsitz nach Anastasia“?
Der Begriff bezeichnet in diesem Zusammenhang ein zentrales Konzept der Anastasia-Bewegung. Religionswissenschaftliche Forschung beschreibt solche Familienlandsitze als Orte, an denen Familie, Natur, Spiritualität und gesellschaftliche Vorstellungen miteinander verbunden werden. Die Bewegung entwickelte sich um die Bücher von Wladimir Megre.
Wie wird die Anastasia-Bewegung in Deutschland eingeordnet?
Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnete die Anastasia-Bewegung 2023 als Verdachtsfall. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt beschreibt die ideologische Grundlage der Bewegung auf seiner aktuellen Themenseite als völkisch und antisemitisch. Die Quellen dazu sind im Abschnitt über den Familienlandsitz verlinkt.
Welche Rolle spielen Kinder im Interview?
Irina und Viktor erzählen oft über den Familienalltag. Besonders prägend war für sie eine Zeit mit mehreren Familien auf einem Grundstück: Die Kinder spielten miteinander, Erwachsene teilten Alltag, und die beiden erlebten diese Form von Gemeinschaft als entlastend. Das ist ihre persönliche Erfahrung aus dieser Zeit.
Welche gesundheitlichen Aussagen kommen im Video vor?
Die beiden sprechen unter anderem über Allergien, Depressionen, andere Beschwerden, Ernährung und „Entgiftung“. Diese Passagen dokumentieren ihre damaligen persönlichen Deutungen. Das Interview liefert dafür keine medizinischen Belege.
Ist das damalige Projekt heute noch aktuell?
Der belegte Stand dieses Interviews endet im Frühjahr 2019. Die spätere Entwicklung des Projekts und die heutigen Positionen von Irina und Viktor sind darin offen.
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Wenn euch an diesem Gespräch vor allem Lernen außerhalb klassischer Schulwege interessiert, passen unsere Beiträge über Freilernen in Dänemark und Worldschooling, Freilernen und Reisen.
Zum Thema Gemeinschaft und Kontakte zwischen Familien findet ihr außerdem unsere 10 Wege zur Vernetzung mit alternativen Familien. Wie sich unser eigenes Reisen als Familie im Auto entwickelt hat, erzählen wir in Warum wir mit einem VW T4 reisen.
Weil im Interview Veganismus, Rohkost und Gesundheitsvorstellungen eng zusammenkommen, passen als Ergänzung auch Rein pflanzlich ist nicht immer vegan, unsere Seite zur Dominion-Dokumentation und unser Beitrag darüber, wie sich heiße Luft und große Versprechen erkennen lassen.
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