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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2026

Füßchen im Sand

Dieser Text ist ein Erfahrungsbericht aus unserer frühen Elternzeit. Damals glaubten wir: Acht Tage Sonne würden den Büro-Stress schon wegspülen. Der Urlaub war schön. Er war sogar wichtig. Aber er hat uns auch etwas Unbequemes gezeigt: Ein Urlaub mit Baby ersetzt keine Nähe im Alltag.

Vier Monate waren seit der Geburt unseres ersten Babys vergangen. Eines Abends kam ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause, und Evelin sagte nur: „Ich brauche eeeeeendlich Uuuurlaub!“

Warum wir überhaupt weg wollten

Ich arbeitete etliche Kilometer entfernt. Oft ging es früh los und spät zurück. In Ingenieurbüros sind Überstunden keine seltene Ausnahme, eher eine verlässliche Jahreszeit. Und während ich „Projekt“ machte, machte Evelin Alltag: Stillen, Tragen, Beruhigen, Haushalt, Babyzeichen lesen, Termine koordinieren, und nebenbei die eigene Erschöpfung möglichst unauffällig halten.

Heute würde ich es klarer sagen: Nicht sie brauchte „mal Urlaub“. Wir brauchten eine Pause von einem System, das Familienzeit wie Restposten behandelt.

Wohin eigentlich?

Unser Baby mochte lange Autofahrten nicht. Ich schlug deshalb Reiseziele vor, die ökologisch und organisatorisch bequem klangen: ein paar Tage zu den Eltern, zur Oma, zur Schwester. Evelin hörte zu, aber ihr Gesicht sagte: Das ist keine Auszeit. Das ist nur Ortswechsel mit Gepäck.

Der Moment der Wahrheit kam im Radio: eine Reportage über ausbleibende Touristen in Ägypten, damals im Schatten politischer Unruhen. Evelin seufzte: „Aaaach! Ägypten …“ Und ich verstand endlich: Sie meinte nicht „wohin“, sie meinte „weg“. Also buchte ich noch am selben Abend eine Reise nach Hurghada.

Der (zu) ehrgeizige Fußmarsch zum Flughafen

Zwei Wochen später setzte ich unsere kleine Familie am Flughafen Leipzig/Halle ab. Parkhauspreise empfand ich als persönliche Beleidigung. Also stellte ich das Auto irgendwo „in der Nähe“ ab. Die Karten-App lag natürlich im Handgepäck. Bei uns am Flughafen. Ich orientierte mich am Tower und an der Überzeugung, dass ich ein hervorragendes geografisches Gedächtnis besäße.

Nach knapp zwei Stunden war ich wieder da. Stolz. Verschwitzt. Und ein kleines bisschen weniger klug als vorher.

Vorfreude: plötzlich waren die Bedenken leise

Spätestens jetzt wurden viele Gedanken leiser: der eigene Fußabdruck, die Frage nach fairen Arbeitsbedingungen im Tourismus, das ungute Gefühl, dass ein Flug nicht nur Wolken schneidet. Diese Ambivalenz gehört zur Wahrheit dieser Geschichte. Wir erzählen sie, weil wir sie kennen.

Und gleichzeitig war da etwas, das man kaum wegargumentieren kann: Ich freute mich darauf, unser Baby wach zu erleben. Nicht nur schlafend zwischen Arbeitstagen.

Mit Baby im Flugzeug

Wir saßen vorn. Die Stewardess brachte eine kleine „Baby-Tüte“. Unser Kind blieb ruhig, wurde bei Start und Landung gestillt und akzeptierte den Gurt, der aussah wie ein improvisierter Hula-Hoop-Reifen. Evelin sang und erzählte fast durchgehend. Ich sah in Gesichter hinter uns und war dankbar, dass unser Baby nicht gerade beschlossen hatte, die Sitzlehnen als Leinwand zu nutzen.

Was uns am Urlaubsort erwartete

Kairo bei Nacht (Blick aus dem Flugzeug)

Kairo bei Nacht (Blick aus dem Flugzeug)

Acht Tage. Das klingt nach wenig. Es fühlte sich an wie eine kleine Parallelwelt:

  • Acht Tage Wärme (für Evelin: „endlich wieder Menschentemperatur“).
  • Acht Tage ohne Chef-Stimmen und Kalenderdruck.
  • Acht Tage, in denen Konflikte über Müll und Geschirrspüler erstaunlich selten waren.
  • Acht Tage, in denen unser Baby tagsüber babbelte und schmatzte, während ich nicht „nur kurz“ noch Mails checkte.
  • Acht Tage, in denen ich am Pool neben meinem Kind einschlafen durfte.
  • Acht Tage, in denen winzige Füße zum ersten Mal Sand spürten.
  • Acht Tage Touristenhochburg Hurghada – mit all ihren Widersprüchen.
Am Pool

Am Pool

Ich war dabei, als unsere Tochter zum ersten Mal bewusst an etwas „aß“, das nicht Milch war: eine kunstvoll geschnittene Gurke vom Buffet, dekoriert wie ein Mini-Turm aus Tausendundeiner Nacht. (Und ja: Wir fanden damals schon vegane Optionen. Nicht perfekt, aber möglich.)

Ich sah kleine Entwicklungsmomente, die im Alltag oft zwischen Tür und To-do verschwinden: ein erstes Rollen auf dem Hotelbett, die Diskussion über das mitgeschleppte Stillkissen, und dieses stille Aufatmen, wenn eine Mutter unter Müttern merkt, dass sie nicht allein ist.

Sonne, Babyhaut und die Sache mit den „Hausmitteln“

Sonnenschutz im Schatten und mit luftiger Kleidung

Sonnenschutz: Schatten und luftige Kleidung

Damals entschieden wir uns vor Ort gegen unser gekauftes „Testsieger“-Sonnenschutzmittel, weil uns die Zutatenliste verunsicherte. Wir setzten stattdessen vor allem auf Schatten, Kleidung und Zeiten außerhalb der stärksten Sonne.

Wichtige Einordnung (heute, mit mehr Wissen): Pflanzliche Öle wie Kokos-, Sesam- oder Jojobaöl werden im Netz oft als „natürlicher Sonnenschutz“ verkauft. Die Evidenz dafür ist schwach. In Studien zeigen viele Öle nur sehr niedrige SPF-Werte oder praktisch keinen verlässlichen Schutz. Wer Öl nutzt, sollte es deshalb eher als Pflege sehen, nicht als Sonnenschutz.

Wenn ihr mit sehr kleinen Kindern in starker Sonne seid, ist die robusteste Strategie meist die langweiligste: Schatten + dicht gewebte Kleidung + Hut. Bei Babys unter sechs Monaten wird Sonnencreme oft nur sehr zurückhaltend empfohlen (kleine Flächen, wenn Schatten/Kleidung nicht reichen). Sprecht dazu im Zweifel mit eurer Kinderarztpraxis, besonders bei empfindlicher Haut.

Quellen (für die, die es genau mögen): Studien zu Pflanzenölen und Photoprotektion, z. B. DOI: 10.1016/j.jphotochem.2021.113743 und DOI: 10.4103/0974-8490.60586.

Der Ausflug in die Stadt

In einem ägyptischen Geschäft

In einem ägyptischen Geschäft

Wir wollten nicht nur Hotel. Also fuhren wir ins Zentrum Hurghadas. Und lernten: Es gibt Taxifahrten, und es gibt ägyptische Taxifahrten, die sich anfühlen, als hätte „Knight Rider“ die Regie übernommen.

Unser Baby saß auf meinem Schoß, wippte zufrieden und bekam von allen Seiten ein „Sweet Baby!“ geschenkt. Sobald ich den arabischen Namen unserer Tochter sagte, wurden wir noch herzlicher begrüßt. Es war einer dieser Momente, in denen man merkt, wie schnell Menschen Wärme herstellen können, wenn man sie lässt.

Beim Tee in einem ägyptischen Straßencafé

Beim Tee in einem ägyptischen Straßencafé

„Pharaos Rache“ und was wir daraus gelernt haben

Urlaub ist auch ein Testlabor. Unser Mitbringsel hieß diesmal: heftiger Durchfall. Ich erspare euch Details, aber nicht den wichtigsten Punkt: Bei Säuglingen und kleinen Kindern ist Dehydrierung (Austrocknung) das eigentliche Risiko. Bei hohem Fieber, Blut im Stuhl, starken Schmerzen, auffälliger Schläfrigkeit, sehr wenig nassen Windeln oder wenn Trinken kaum möglich ist, ist medizinische Abklärung keine „Übervorsicht“, sondern Fürsorge.

Für die Einordnung: Leitlinien betonen bei akuter Durchfallerkrankung vor allem Flüssigkeit/Oral Rehydration Solution (ORS). Details stehen z. B. in den IDSA-Guidelines (DOI: 10.1093/cid/cix669). Für Reisedurchfall gibt es eigene Empfehlungen (u. a. zu Loperamid/Antibiotika je nach Schwere), siehe z. B. diese Übersicht (PMC): Guidelines for travelers’ diarrhea. Nifuroxazid wurde in älteren Studien untersucht (z. B. DOI: 10.1016/0035-9203(87)90053-8), aber welche Behandlung für euch passt, hängt stark von Alter, Symptomen und Reiseziel ab.

Der eigentliche Punkt: Acht Tage sind nicht der Alltag

Unser Urlaub mit Baby zeigte mir nicht nur, wie wertvoll Stillkissen, Lieder und Fingerspiele sind. Er zeigte mir vor allem, wie gut es mir tut, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir am wichtigsten sind.

Ich rechnete damals herum: Acht Urlaubstage sind gemessen an „Kindheit bis 14“ nur ein winziger Anteil. Wenn man grob mit 14 Jahren à 365 Tagen rechnet, sind das 14 × 365 = 5.110 Tage. Acht davon sind etwa 0,156 %. Diese Zahl ist keine Wahrheit, eher ein Scheinwerfer: Selbst ein schöner Urlaub bleibt statistisch ein Flackern, wenn der Alltag dauerhaft abwesend macht.

Bis zur Kündigung meines Jobs verging noch ein dreiviertel Jahr. Aber dieser Urlaub setzte etwas in Bewegung: die Frage, ob ich mein Leben wirklich so bauen will, dass das Beste daran „endlich Urlaub“ heißt.

Eindrücke aus dem ägyptischen Alltag

Ägyptische Verkehrsverhältnisse

Ägyptische Verkehrsverhältnisse

Ein Laden in Luxor

Ein Laden in Luxor

Karnak-Tempel in Luxor

Karnak-Tempel in Luxor

Checkpoint in Luxor

Checkpoint in Luxor

Ägyptische Frau mit ihrem Tragling

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Landwirtschaft in Luxor

Landwirtschaft in Luxor

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Urlaub mit Baby: ein Schritt zur Bewusstwerdung

Urlaub mit Baby: ein Schritt zur Bewusstwerdung

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