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Zuletzt aktualisiert: 06.08.2026

Vier Monate waren seit der Geburt unseres ersten Babys vergangen. Eines Abends kam ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Evelin begrüßte mich mit den Worten: „Ich brauche eeeeeendlich Uuuurlaub!“
Damals hörte ich darin vor allem den Wunsch nach Sonne und Erholung. Während der acht Tage in Ägypten begriff ich noch etwas anderes: wie wenig ich vom Alltag meiner Familie miterlebte.
Warum wir überhaupt weg wollten
Ich arbeitete etliche Kilometer entfernt als Projektingenieur in einem Ingenieurbüro. Früh fuhr ich los, spät kam ich zurück. Für meine Familie blieben vor allem die Wochenenden.
Evelin stillte unser Baby, trug es stundenlang durch unser winziges Dorf, achtete Tag und Nacht auf seine Pipisignale und kannte gefühlt jeden Morgen ein neues Fingerspiel oder Beruhigungslied. Nebenbei hielt sie unsere neue Wohnung sauber, kochte und bügelte von meinen Anzügen bis zum Zwergenmützchen jedes Kleidungsstück. Ja, damals bügelten wir sogar Zwergenmützchen. Beim zweiten Kind hätten wir darüber selbst gelacht.
Dass Evelin eine Auszeit brauchte, sah selbst ich. Was mir fehlte, erkannte ich erst später: gemeinsame Zeit, in der ich unser Baby wach erlebte und seinen Alltag teilte.
Wohin eigentlich?
Unser Baby mochte lange Autofahrten wenig. Also begann ich mit Reiseideen, die ökologisch, finanziell und organisatorisch vernünftig klangen: ein paar Tage zu Evelins Eltern, zu ihrer Oma oder zu ihrer Schwester. Evelin ließ sich für keinen dieser Vorschläge begeistern.
Die entscheidende Antwort kam während einer Autofahrt. Im Radio berichteten Menschen aus Ägypten, dass nach den politischen Unruhen viele Reisende ausblieben. Evelin sah über die schneebedeckte Landschaft und seufzte: „Aaaach! Ägypten …“
Jetzt verstand ich. Mein Wissen über Ägypten stammte zu diesem Zeitpunkt vor allem aus Sachbüchern, einem Besuch im Ägyptischen Museum in Berlin und der Fernsehserie „Stargate“. Beste Voraussetzungen also. Noch am selben Abend buchte ich eine Reise nach Hurghada.
Vom Dorfparkplatz ins Flugzeug
Zwei Wochen später setzte ich Evelin und unser Baby am Flughafen Leipzig/Halle ab. Das Parkhaus erschien mir unangemessen teuer. Ich fuhr mehrere Kilometer weiter zur nächsten Ortschaft, fand dort fast überall Parkverbot und suchte in immer abgelegeneren Straßen. Schließlich stellte ich das Auto am Rand eines verschlafenen Dorfes ab.
Nun musste ich zurück zum Flughafen. Mein Mobiltelefon mit der brauchbaren Navigationssoftware lag zusammen mit dem Gepäck bei Evelin. Ich orientierte mich an den Himmelsrichtungen und am Tower, der irgendwo in der Ferne aufragte. Menschen nach dem Weg zu fragen hielt ich offenbar für unnötig.
Knapp zwei Stunden später erreichte ich den Flughafen. Mein ausgeprägtes geografisches Gedächtnis hatte sich bestätigt. So erzählte ich es jedenfalls.
Vorfreude, schönste Freude
Mein ökologischer Fußabdruck, die politische Lage und die Arbeitsbedingungen im Tourismus beschäftigten mich schon damals. In der Vorfreude schob ich diese Fragen beiseite. Auch das gehört zur Geschichte.
Bald würde ich statt des Windows-7-Bildschirms das Meer sehen. Das Ticken der Bürouhr, der schlecht gelaunte Vorgesetzte und der dünne Bürokaffee rückten für acht Tage in weite Ferne. Vor allem freute ich mich auf unser Baby. Zu Hause sah ich es an Arbeitstagen häufig erst schlafend.
Mit Baby im Flugzeug
Wir saßen in der ersten Reihe. Eine Flugbegleiterin brachte eine kleine Babytüte mit Lätzchen, Flasche, Windeln und Pflegetüchern. Evelin stillte bei Start und Landung. Der Zusatzgurt umschloss unser Baby ungefähr so großzügig wie ein Hula-Hoop-Reifen.
Evelin sang und erzählte während der vier Flugstunden fast ununterbrochen. Hinter uns saßen Eltern mit einjährigen Zwillingen, die ihre Wachsmalstifte gern an Sitzen und Flugzeugwänden ausprobiert hätten. Ich streckte die Beine aus und genoss mein Glück.
Acht Tage „eeeeendlich Uuuurlaub“

Kairo bei Nacht aus dem Flugzeug
Beim Anflug sahen wir Kairo bei Nacht. Wenig später begann das, was Evelin „eeeeendlich Uuuurlaub“ genannt hatte:
- Acht Tage Hitze, die Evelin als wohlige Wärme empfand.
- Acht Tage weit weg von Vorgesetzten, Geschirrspüler und Müll.
- Acht Tage, an denen gefühlt hundert eingepackte Sommerkleider wenigstens einmal zum Einsatz kamen.
- Acht Tage, an denen ich das Schmatzen und Babbeln unseres Babys auch tagsüber hörte.
- Acht Tage, an denen ich mittags am Pool neben meinem Kind einschlief.
- Acht Tage mit Wasser, dessen Temperatur niemand nachmessen musste.
- Acht Tage, an denen kleine Finger mit Strandtüchern spielten und kleine Füße zum ersten Mal Sand spürten.
- Acht Tage, an denen für einen Abendspaziergang viel weniger Kleidung nötig war als zu Hause im Winter.
- Acht Tage Touristenhochburg Hurghada.

Am Pool
Ich war dabei, als unsere Tochter zum ersten Mal etwas anderes als Milch probierte: eine geschwungen geschnittene, mit kleinen Fenstern verzierte Gurke. Sie thronte wie ein Türmchen aus Tausendundeiner Nacht auf dem Buffet. Auch für uns Veganer:innen gab es dort genügend Auswahl.
Auf dem Hotelbett rollte sich unser Baby von einer Seite auf die andere. Im selben Moment verteidigte Evelin mit ihrer Grundschullehrerinnenstimme das dicke Stillkissen, das einen großen Teil meines Koffers belegte. Sie wartete auf mein zustimmendes Nicken.
Das Stillkissen gewann.
Evelin unterhielt sich viel mit anderen Müttern. Unser Baby lag auf ihren Spieldecken, Spielsachen wanderten von einer Hand zur nächsten. Zu Hause hätten wir manches davon sofort abgewaschen. In diesen acht Tagen wurden wir lockerer.
Sonne, Babyhaut und unser damaliger Irrtum

Schatten und luftige Kleidung als Sonnenschutz
Vor der Reise hatten wir ein gut bewertetes Sonnenschutzmittel gekauft. Die lange Zutatenliste verunsicherte uns, und die Tube blieb im Hotelzimmer. Unser Baby hielt sich hauptsächlich im Schatten auf und trug luftige Kleidung.
An dieser Stelle korrigiere ich die Erstfassung des Beitrags. Darin empfahl ich Sesam-, Kokos- und Jojobaöl als „natürlichen Sonnenschutz“. Diesen Rat ziehe ich zurück. Eine Studie mit 14 Pflanzenölen fand bei den häufig beworbenen Ölen nur sehr niedrige und bei den übrigen überwiegend vernachlässigbare UVB-Schutzwerte.1
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät im ersten Lebensjahr zu Schatten und sonnengerechter Kleidung. Direkte Sonne soll vermieden werden; Sonnenschutzmittel empfiehlt das Institut in diesem Alter möglichst sparsam. Bei Unsicherheit kann die Kinderarztpraxis die Auswahl einordnen.2
Für unsere damalige Reise heißt das im Rückblick: Schatten und bedeckende Kleidung bildeten den tragenden Schutz. Pflanzenöl hätte der Hautpflege gedient. Über Sonnenschutzmittel für unbedeckte Haut hätten wir uns bei unserer Kinderarztpraxis informieren können.
Der unvergessliche Ausflug

In einem Geschäft in Hurghada
Wir wollten mehr sehen als Hotel und Pool. In Hurghada wurden wir angesprochen, zum Tee eingeladen und konnten Teppiche, Krimskrams, Ausflüge und im Dunkeln leuchtendes Papyrus kaufen. Am lebhaftesten wurde es auf dem Weg ins Stadtzentrum.
Wir stiegen in ein Taxi. Der Fahrer beschleunigte, bremste, hupte und wechselte die Spur mit einer Entschlossenheit, die sofort „Knight Rider“ in meinen Kopf setzte. Evelin saß ungewöhnlich still neben mir. Ich erwartete jeden Moment, dass sie nach vorn greifen und den roten Turbo-Boost-Knopf abdecken würde.
Unser Baby saß auf meinem Schoß. In der Erstfassung erzählte ich das als Teil des Abenteuers. Heute würde ich für die Fahrt eine passende Rückhaltemöglichkeit organisieren; die CDC nennt Kindersitze ausdrücklich als Thema der Reisevorbereitung.3
In der Stadt hörten wir immer wieder „Sweet Baby!“. Sobald ich den arabischen Namen unserer Tochter nannte, wurden die Begrüßungen noch herzlicher. Menschen schenkten uns Früchte und luden uns zum Tee ein. Für einige Stunden fühlte sich Hurghada erstaunlich vertraut an.

Beim Tee in einem Straßencafé
„Pharaos Rache“
Unser Mitbringsel aus Ägypten hieß Reisediarrhö. Es erwischte die Erwachsenen. Evelin sang auf dem Rückflug trotz Bauchkrämpfen für unser Baby, während ich das „Frei“-Symbol der Flugzeugtoilette im Blick behielt.
In der Erstfassung empfahl ich dafür Antinal beziehungsweise Pentofuryl und bezeichnete das Mittel sinngemäß als nebenwirkungsfrei. Auch diesen Rat ziehe ich zurück. Behandlung und Risiken hängen von Alter, Beschwerden, Erreger und individuellen Gegenanzeigen ab.
Für Säuglinge und kleine Kinder bezeichnet die CDC Austrocknung als größte Gefahr bei Durchfall und Erbrechen. Orale Rehydratationslösung, kurz ORS, ersetzt Flüssigkeit und Elektrolyte in einem festgelegten Verhältnis; gestillte Säuglinge können weiter gestillt werden. Ärztliche Abklärung ist unter anderem bei deutlich weniger Urin, auffälliger Schläfrigkeit oder Reizbarkeit, trockenen Schleimhäuten, Blut im Stuhl, anhaltendem Erbrechen oder einer Körpertemperatur ab 38,5 °C angezeigt. Schwere Austrocknung ist ein medizinischer Notfall.3
Unsere Erfahrung beschreibt eine einzelne Situation: Damals glaubten wir, dass das Mittel uns geholfen hatte. Für eine Behandlungsempfehlung braucht es mehr als dieses Erlebnis.
Was diese acht Tage verschoben haben
Ich hörte unser Baby tagsüber schmatzen und babbeln. Ich schlief neben ihm am Pool ein, sah kleine Finger mit Strandtüchern spielen und erlebte, wie seine Füße zum ersten Mal Sand berührten. Zu Hause verpasste ich vieles davon zwischen Arbeitsweg, Büro und Feierabend.
Stillkissen, Lieder und Fingerspiele standen plötzlich für etwas Größeres: Ich wollte am Alltag meines Kindes teilhaben.
Damals rechnete ich mit einer Kindheit bis zum 14. Geburtstag: 14 × 365 ergeben 5.110 Tage. Acht Urlaubstage entsprechen rund 0,156 Prozent dieses grob gewählten Zeitraums. Die Rechnung erfasst die Dauer; die Beziehung geht weit darüber hinaus. Sie zeigte mir trotzdem, wie klein acht Tage im Verhältnis zu den Jahren waren, die damals vor uns lagen.
Bis zur Kündigung meines Jobs verging noch ein Dreivierteljahr. In dieser Zeit dachte ich oft an den Urlaub zurück. Meine Zeit sollte stärker meiner Familie zugutekommen. Das Bankkonto meines Chefs hatte genug davon.
Der Urlaub dauerte acht Tage. Was er in Bewegung setzte, reichte weiter.
Eindrücke aus dem ägyptischen Alltag

Straßenverkehr in Ägypten

Ein Geschäft in Luxor

Karnak-Tempel in Luxor

Checkpoint in Luxor

Eine Frau mit ihrem Kind

Landwirtschaft bei Luxor
Die erste Fassung erschien 2016 im Rahmen einer Blogparade des Hotels Alpina Zillertal zum Thema „Unser erster Urlaub mit Baby“. Die aktuelle Fassung verbindet den damaligen Erfahrungsbericht mit unserer heutigen Einordnung.
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- Spielzeug und Zeitvertreib für Kinder auf Reisen
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Urlaub mit Baby: Wie acht Tage alles verschoben haben
Quellen
- Ácsová, Aneta et al. (2021): The real UVB photoprotective efficacy of vegetable oils: in vitro and in vivo studies. Photochemical & Photobiological Sciences 20, S. 139–151. DOI: 10.1007/s43630-020-00009-3. Tragende Stelle: Abstract.
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Kinder vor Sonne schützen, Stand 14.09.2024. Tragende Abschnitte: „Im ersten Lebensjahr ist Schatten angesagt“ und „Sonnenschutzmittel bei Kindern richtig verwenden“. Abruf: 06.08.2026.
- Centers for Disease Control and Prevention: Traveling Safely with Infants and Children, aktualisiert am 08.12.2025. Tragende Abschnitte: Checkliste zur Verkehrssicherheit sowie „Diarrhea and vomiting“ und „Fluid and nutrition management“. Abruf: 06.08.2026.
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