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Aktualisiert am 14. August 2026
Euer Baby schläft nicht ein, obwohl es müde und außerdem die Zeit zum Schlafengehen gekommen ist? Aus meinen vielen Leser:innenbriefen habe ich heute einen herausgefischt, worin es genau darum geht. Als ich ihn las, spürte ich die Liebe der Mama für ihr Baby. Sie beschrieb die Situation ausführlich. Ich will sie euch, der Einfachheit halber, in Kurzform wiedergeben und ihr anschließend antworten. Vielleicht steht ihr ja vor derselben Herausforderung, dass euer Baby einfach nicht ein- bzw. durchschlafen kann oder „will“.
Orientierung: Ihr bekommt zuerst den Leser:innenbrief. Danach teile ich meine Erfahrungen und Gedanken zu Tragetuch, Tagesrhythmus, Federwiege, Pucken, Stillen und Familienbett mit euch. Wo es um Gesundheit oder Sicherheit geht, ergänze ich die heutige fachliche Einordnung.
Kurz gesagt: Ein sieben Monate altes Baby kann müde wirken und trotzdem lange brauchen, bis es einschläft. Schlaf entwickelt sich im ersten Lebensjahr stark und unterscheidet sich von Baby zu Baby. Dazu kommen Hunger, Nähe, Eindrücke des Tages und schlicht die Frage, ob der bisherige Rhythmus noch zum Kind passt. Für Eltern kann das verdammt anstrengend sein.
Leser:innenbrief: Unser Baby schläft nicht ein
Eine Mutter las meinen Beitrag über ein hochsensibles Baby. Sie vermutet, dass ihre sieben Monate alte Tochter hochsensitiv ist. Das quälende Einschlafritual lässt die Eltern verzweifeln.
Das Mädchen wird voll gestillt (nachts bis zu siebenmal) und schläft mit den Eltern im Familienbett. Zum Einschlafen legt die Mama ihre Tochter an die Brust.
Das Kind wirkt müde, ist motorisch unruhig und scheint sich krampfhaft wachzuhalten.
Daher nimmt die Mutter ihre Tochter auf den Arm und singt ihr vor. Bis sie dabei einschläft, dauert es bis zu anderthalb Stunden.
Die Familie beschreibt einen Zwei-Stunden-Rhythmus: Das Kind ist zwei Stunden wach, dann schläft es für zwei Stunden.
Tagsüber schläft die Tochter dreimal täglich für zwei Stunden ausschließlich im Tragetuch bei Waldspaziergängen. Unternehmungen in die Stadt sind für das Kind aufregend, finden jedoch nicht täglich statt. Sollten die Eltern ihre Tochter davor abschirmen?
Der Haushalt will geschafft werden, aber Zeit zum Spielen mit dem Kind soll auch bleiben. Freunde und Familie können nicht regelmäßig entlasten. Und der Papa ist arbeitsbedingt oft nicht zu Hause.
All das zehrt an den Kräften der Mutter.
Die Eltern überlegen, eine Federwiege anzuschaffen, um ihrer Tochter das (Ein-)Schlafen zu erleichtern.
Liebe Eltern des kleinen Töchterleins
Ich teile gern meine Gedanken zu den Themen „Baby schläft nicht ein“ und „Baby schläft nicht durch“ mit euch. Was ich aus unserem Familienleben kenne, trägt dabei unsere Erfahrung. Medizinische Fragen brauchen eine fachliche Abklärung, wenn ihr euch Sorgen macht oder euer Baby Beschwerden zeigt.
Stück für Stück picke ich mir einige Punkte heraus.
Warum ein Baby trotz Müdigkeit lange wach sein kann
Bei einem sieben Monate alten Baby würde ich zuerst auf drei Dinge schauen.
Reizverarbeitung: Ein spannender Tag kann ein Baby müde machen und ihm gleichzeitig viel zum Verarbeiten mitgeben. Aus der motorischen Unruhe allein lässt sich allerdings nicht ablesen, was gerade im Inneren passiert.
Nähe: Manche Babys finden über Stillen, Körperkontakt, Stimme oder Bewegung leichter in den Schlaf. Wenn eure Tochter eure Nähe sucht, sehe ich darin zunächst ein Signal, auf das ihr reagieren könnt, ohne daraus eine Diagnose zu machen.
Rhythmus: Schlaf verändert sich im ersten Lebensjahr deutlich. Auch die Forschung findet große Unterschiede zwischen einzelnen Babys. Ein Rhythmus, der einige Wochen gut funktioniert hat, kann deshalb irgendwann wieder wackeln.
Baby schläft nicht ein – hilft eine Federwiege?
Ich rate vom Kauf einer Federwiege eher ab. Ihr wünscht euch, dass eure Tochter in eurer Nähe einschläft. Da das lange Herumtragen euch bereits viel Kraft kostet, würde ich persönlich jetzt kein weiteres Einschlafritual einführen, von dem ihr möglicherweise bald wieder wegmöchtet.
Wer bei Google „Federwiege abgewöhnen“ eingibt, findet ähnliche Hilferufe wie bei „Hüpfball abgewöhnen“. Das beweist natürlich nichts über Federwiegen. Es zeigt mir nur ziemlich anschaulich, weshalb ich bei immer neuen Einschlafhilfen vorsichtig wäre.
Wenn eine Federwiege euch trotzdem interessiert, lässt sie sich vielleicht erst einmal leihen. So könnt ihr erleben, ob sie euch wirklich entlastet, ohne gleich eine neue Dauerlösung daraus zu machen.
Für den Schlafplatz selbst lohnt sich eine Trennung zwischen Einschlafhilfe und Schlafsicherheit: Deutsche Fachinformationen empfehlen für Säuglinge im ersten Lebensjahr Rückenlage und ein eigenes Babybett im Elternschlafzimmer mit fester, ebener Matratze. Eine Babyhängematte beschreibt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zwar als mögliche Form des sanften Wiegens, verweist dabei aber ausdrücklich auf ein dafür geeignetes Modell und einen sicheren Schlafplatz.
Meine Erfahrung rät mir dazu, Herumtragen, Fahren, Schaukeln und Hopsen als Möglichkeiten zu sehen, die uns dienen dürfen. Sobald eine davon täglich so viel Kraft verlangt, dass wir Eltern kaum noch Reserven haben, würde ich nach einer leichteren Variante suchen.
Würden mich junge Erstlingseltern oder werdende Mütter fragen, wie sie ihr Kind zum Schlafen bringen, würde ich ihnen von unserer Erfahrung erzählen: Unsere Babys durften von Anfang an viel Körperkontakt haben. Wir lernten nach und nach ihre Signale für Hunger, Schmusen, Ausscheidung, Beschäftigung und Schlaf kennen. Gerade in der ersten Zeit tat uns Ruhe gut – und Besuch, bei dem wir uns nicht auch noch zusammenreißen mussten.
Tragetuch als Balance zwischen Erleichterung und Belastung
Es spricht nichts dagegen, ein Kind im Tragetuch während eines Spaziergangs in den Schlaf zu tragen. Ich fand es ideal, das dritte Baby draußen zum Schlafen zu bringen. Da konnten auch die Geschwisterkinder laut herumtoben und brauchten keine Rücksicht zu nehmen.

Baby schläft nicht ein: Im Tragetuch gelingt es oft erstaunlich gut
Wenn ich es richtig verstehe, tragt ihr eure Tochter dreimal täglich in den Schlaf und lasst sie dann für je zwei Stunden am Körper. Das sind jeden Tag sechs Stunden. Dazu kommen ihre Wachzeiten und eine Nacht, in der ihr immer wieder stillt und neu in den Schlaf findet.
Hut ab, dass ihr das bisher geschafft habt. Sechs Stunden Tragetuch am Tag sind eine Menge – vor allem, wenn eure eigenen Pausen dabei immer kleiner werden.
Vielleicht muss deshalb gar nicht das Tragetuch verschwinden. Ein einzelnes Schläfchen draußen kann weiterhin wunderbar funktionieren. Bei einem anderen könnte sich zeigen, ob eure Tochter nach dem Einschlafen auch auf einer sicheren Schlaffläche weiterschläft. Ich habe bei meinen Kindern irgendwann gelernt, dass „irgendwo“ eingeschlafene Kinder sich manchmal erstaunlich gut ins Bett umbetten lassen.
Bei uns klappte das leichter, wenn sie schon tief schliefen. Damals orientierte ich mich unter anderem daran, dass sich ihre Augen unter den Lidern nicht mehr sichtbar bewegten. Das war meine Beobachtung mit meinen Kindern, keine verlässliche Methode zur Bestimmung einer Schlafphase.
Von der Welt abschirmen?
Eure sieben Monate alte Tochter wird spürbar aktiver und will etwas von der Welt mitbekommen. Wenn ihr vermutet, dass sie besonders empfindlich auf Reize reagiert, kann die Natur ein schöner Ort sein, um genau das zu beobachten.
Hochsensibilität ist hier keine Diagnose, sondern eure Vermutung über eure Tochter. Spannender finde ich deshalb die Frage, die ihr direkt beantworten könnt: Wie zeigt sie euch, dass ihr etwas gerade guttut, und woran merkt ihr, dass es ihr zu viel wird?

Beim Ausflug in die Natur gibt es einiges zu entdecken
Das große Leben, Familienfeiern, Freunde, Krabbelgruppen, gefüllte Spielplätze und den Trubel in den Städten – all das wird eure Tochter in den nächsten Jahren kennenlernen. Dauerhaft abschirmen könnt ihr sie ohnehin kaum. Ihr könnt aber beobachten, welche Menge und welches Tempo ihr gerade guttun.
Konkret könnte euer täglicher Ausflug auch einmal in eine Wachphase fallen. Eine Decke im Gras, ein ruhiger Hinterhof oder ein Stück Wald reichen für ein sieben Monate altes Baby schon für ziemlich viel Welt: Blätter bewegen sich, Licht flackert durch die Bäume, Stöcke fühlen sich seltsam an, irgendwo krabbelt ein Käfer und der Wind macht sowieso, was er will.
Das Tragetuch kann dabei einfach mitkommen. Wird eure Tochter auf dem Rückweg müde, hat sie ihren vertrauten Platz direkt dabei.
So verändern sich Unternehmungen mit zunehmendem Alter langsam zu einem gemeinsamen Erleben. Das Kind entdeckt. Ihr schaut zu. Und vielleicht verabschiedet ihr euch dabei ein Stück von der Vorstellung, dass die Uhr schon vorher wissen müsste, wann eure Tochter schlafen will.

Wenn das Baby unterwegs müde wird
Bei uns waren solche Rückwege oft angenehm ruhig. Zu Hause konnte ich mich mit einem müden Kind hinlegen und stillen. Vielleicht findet auch eure Tochter auf diese Weise leichter in ihren Schlaf. Vielleicht zeigt sie euch etwas ganz anderes. Beides wäre eine Antwort.
Das bisschen Haushalt
Nach dem Aufenthalt draußen legte ich meine erste Tochter gern ins Bett. Konnte mein Kind nicht einschlafen, nahm ich es hoch, trug es aber nicht stundenlang herum. Ich ging mit ihr zusammen anderen Aufgaben nach:
- Wäsche in die Waschmaschine stecken, hinausholen und sie dann einhändig so etwas wie aufhängen,
- das Essen auf dem Fußboden vorbereiten, während das Kind bei mir sitzt und mit ungefährlichen Dingen hantieren kann,
- den Geschirrspüler aus- und einräumen und den leeren Besteckkorb erforschen lassen,
- staubsaugen oder den Roboter loslassen,
- Tüten knistern lassen, neue Unordnung schaffen und beseitigen usw.
Da die Kinder so unglaublich schnell groß werden, schafft man die Hausarbeit bald nicht mehr ausschließlich in der Zeit, in der die Kleinen schlafen.
Ich musste mir eingestehen, dass ich die Hausarbeit wie auch meine eigene Körperpflege kaum noch ohne Unterbrechungen erledigen kann. Und dass ich dem Haushalt sowieso fast nie gerecht werde. Alle Eltern kennen dieses Dilemma.
Davon geht die Welt trotzdem nicht unter.
Wachphasen werden länger
Die Phasen, in denen Babys wach sind, verändern sich mit dem Alter. Wann das passiert und wie viel Schlaf ein einzelnes Baby braucht, unterscheidet sich erheblich. Genau diese große Spannweite findet man auch in Untersuchungen zum Schlaf im ersten Lebensjahr.
Manche Einjährigen schlafen tagsüber nur noch einmal. Andere brauchen zusätzlich ein Vormittagsschläfchen. Und selbst ein Kind, das nachts schon längere Schlafphasen kennt, kann plötzlich wieder häufiger aufwachen.
Wie ihr selbst beobachtet, wirken sich die Erlebnisse eines Tages auf eure Tochter aus. Auch wenn sie hundemüde aussieht, kann es dauern, bis sie tatsächlich einschläft. Vielleicht verändern sich gerade ihre Wachphasen. Vielleicht war der Tag aufregend. Vielleicht sucht sie eure Brust, euren Körper oder eure Stimme. Von außen können wir das nicht sicher auseinanderhalten.
Wir können von unseren Kindern lernen und uns auf ihre Signale einlassen, auch wenn uns manche Situationen erst einmal „falsch“ vorkommen. Ich hatte zum Beispiel ein schlechtes Gewissen, wenn mein Kind an meiner Stillbrust oder in meinen Armen einschlief. Das konnte passieren, während ich mit ihm auf dem Boden saß und Wäsche zusammenlegte.
Heute sehe ich diese Situationen anders. Mein Baby war bei mir, spürte meine Nähe und durfte an meinem Alltag teilhaben, bis es einschlief.

Manchmal schläft ein Baby mitten im Alltag ein
Im Tragetuch konnte ich das Erwachen meiner Babys oft lange hinauszögern. Dort war es warm, eng und nah am Körper. Traf ich mich mit einer Freundin, war das für unsere Schwätzchen natürlich praktisch. Gleichzeitig schlief mein Kind dabei manchmal länger, als es zu Hause geschlafen hätte.
Wenn euch die langen Tragezeiten erschöpfen, wäre genau dort mein Ansatzpunkt: Welche dieser Stunden tun euch allen gut – und welche kosten inzwischen mehr Kraft, als sie euch geben?
Pucken mit sieben Monaten?
Für eure sieben Monate alte Tochter würde ich Pucken nicht als neue Einschlafhilfe einführen. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin rät beim Säuglingsschlaf vom festen Einwickeln ab. Die American Academy of Pediatrics beschreibt Pucken für jüngere Babys als mögliche Beruhigungstechnik, verbindet es aber mit klaren Sicherheitsbedingungen: Rückenlage, Bewegungsraum für Hüfte und Beine und Schluss mit dem Pucken, sobald ein Baby Anzeichen zeigt, dass es sich drehen möchte. Beschwerte Puckhilfen und Gewichtsdecken gehören ebenfalls nicht in die Schlafumgebung eines Säuglings.
Damit ist für eure Situation eigentlich schon alles gesagt. Mit sieben Monaten braucht eure Tochter vor allem Bewegungsfreiheit.
Gute Bräuche beibehalten
Ich finde es phantastisch, dass ihr für eure Tochter singt, sie stillt und ihr viel Nähe gebt. Eure Stimme und euer Körperkontakt sind längst vertraute Bestandteile ihres Abends.
Das Singen muss dafür nicht mit eineinhalb Stunden Herumgehen verbunden sein. Bei uns ließ sich so etwas manchmal regelrecht „umtopfen“: dasselbe Lied, dieselbe Stimme, dieselbe Nähe – nur sitzend oder liegend.
Das Stillen darf ebenfalls Teil des Einschlafens sein, solange diese Lösung für euch passt. Muttermilch enthält Melatonin in einem deutlichen Tag-Nacht-Rhythmus; nachts liegen die Konzentrationen höher als tagsüber. Daraus folgt allerdings keine verlässliche Aussage darüber, wie schnell oder wie lange ein einzelnes sieben Monate altes Baby nach dem Stillen schläft. Die klinische Bedeutung dieser zirkadianen Signale ist noch Gegenstand der Forschung.

Stillen kann ein vertrauter Teil des Einschlafens sein
Familienbett und sicherer Babyschlaf
Ihr beschreibt das Familienbett als euren vertrauten Schlafplatz. Genau an dieser Stelle möchte ich meine persönliche Familienerfahrung und die heutige Sicherheitsempfehlung sauber auseinanderhalten.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt im ersten Lebensjahr ein eigenes Bett für das Baby im Elternschlafzimmer. Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt das eigene Babybett als bevorzugten Schlafplatz. Für Familien, die sich dennoch für gemeinsames Schlafen im Erwachsenenbett entscheiden, nennt das staatliche Portal zusätzliche Maßnahmen zur Risikoverminderung – etwa eine feste Matratze, freie Atemwege und Situationen, in denen ein Baby keinesfalls im Erwachsenenbett schlafen sollte.
Für mich heißt das: Nähe darf beim Stillen und Einschlafen eine große Rolle spielen. Die Frage nach einem sicheren Schlafplatz wird trotzdem separat beantwortet. Wer sich mit dem Familienbett beschäftigt, findet auch unseren persönlichen Beitrag über unsere Zweifel am Familienbett; für die Sicherheitsentscheidung würde ich mich heute zusätzlich an den aktuellen medizinischen Empfehlungen orientieren.
„Baby schläft nicht durch“: Nächtliches Aufwachen ist häufig
Säuglinge und Kleinkinder wachen nachts regelmäßig auf. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin beschreibt das Erwachen beim Wechsel von Schlafphasen ausdrücklich als häufiges Geschehen im Säuglings- und Kleinkindalter. Wie oft ein Kind aufwacht, schwankt jedoch beträchtlich.
Damit verschwindet eure Erschöpfung natürlich nicht. Etwas kann entwicklungsbedingt vorkommen und euch trotzdem an die Grenze bringen.
Wenn euch die Nächte gesundheitlich auslaugen, darf auch eure Belastung Teil der Entscheidung werden. Vielleicht kann der andere Elternteil eine Phase übernehmen. Vielleicht kann jemand morgens mit dem Baby spazieren gehen, während ihr noch einmal schlaft. Vielleicht braucht es eine fachliche Schlafberatung oder die kinderärztliche Praxis, weil ihr euch bei dem Schlafverhalten eurer Tochter unsicher seid.
Baby schläft nicht ein trotz Müdigkeit – welche Bedürfnisse könnten dahinterstecken?
Die Frage nach den Bedürfnissen meiner Kinder half mir damals sehr. Bei eurer Tochter würde ich sie offenlassen und beobachten, was sie tatsächlich zeigt.
- Nähe: Sucht sie eure Brust, euren Körper oder eure Stimme?
- Hunger: Trinkt sie beim Stillen ausgiebig oder dockt sie nur kurz an und wieder ab?
- Ruhe oder Eindrücke: Wirkt sie nach einem aufregenden Tag anders als nach einem ruhigen?
- Körperliches Unwohlsein: Schmerzen, Reflux, Infekte, Hautprobleme oder andere Beschwerden können Schlaf stören und gehören bei Verdacht in die kinderärztliche Abklärung.
- Ausscheidung: Bei unseren Kindern war Unruhe manchmal mit Ausscheidung verbunden. Das ist unsere Familienerfahrung und keine allgemeine Erklärung für Babyschlaf. Mehr dazu findet ihr in unserem Beitrag über windelfrei in der Nacht.
Vielleicht inspiriert euch außerdem unser augenzwinkernder Artikel zum „ultimativen Schlaflernprogramm“.
Was die Forschung über Babyschlaf zeigt
Eine systematische Übersichtsarbeit zu Schlaf und Wachverhalten im ersten Lebensjahr wertete 74 Veröffentlichungen aus. Die Forschenden fanden große Unterschiede bei den Referenzwerten einzelner Studien. Gleichzeitig veränderten sich Schlafdauer, Tagesschlaf, nächtliche Schlafphasen und nächtliches Aufwachen im Verlauf des ersten Lebensjahres. Für mich ist daran vor allem eines hilfreich: Der Schlaf eines einzelnen Babys lässt sich nur begrenzt an einem starren Stundenplan messen.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin beschreibt ebenfalls eine große individuelle Spannweite des Schlafbedarfs. Wenn Eltern vermuten, dass ihr Kind zu wenig schläft oder ungewöhnlich häufig aufwacht, nennt sie ein Schlaftagebuch über etwa drei Wochen als Möglichkeit, Schlafzeiten, Wachphasen und Begleitumstände übersichtlicher zu erfassen.
Das würde ich nicht als neue Pflichtaufgabe für übermüdete Eltern verstehen. Es kann hilfreich sein, wenn ihr ohnehin nach einem Muster sucht oder die Situation mit eurer kinderärztlichen Praxis besprechen möchtet.
FAQ: Wenn euer Baby nicht einschläft
Ist es normal, dass ein sieben Monate altes Baby nachts oft aufwacht?
Ja, nächtliches Aufwachen kommt im Säuglingsalter häufig vor. Wie häufig und wie lange, unterscheidet sich stark. Auffällig wird die Situation vor allem dann, wenn weitere Beschwerden dazukommen oder ihr euch wegen einer deutlichen Veränderung Sorgen macht.
Macht Einschlafstillen das Einschlafen „abhängig“?
„Abhängigkeit“ beschreibt hier wenig. Einschlafstillen kann für ein Baby zu einem vertrauten Teil des Einschlafens werden. Entscheidend ist für mich, ob diese Form für euch und euer Baby noch funktioniert. Wenn die Antwort irgendwann Nein lautet, könnt ihr nach einer anderen vertrauten Begleitung suchen – zum Beispiel Singen, Körperkontakt oder die Anwesenheit des anderen Elternteils.
Das Tragetuch kann wunderbar funktionieren. In eurem Fall würde ich gleichzeitig eure Belastung mit anschauen: Sechs Stunden Tragen täglich sind viel. Wenn ihr dadurch kaum noch Pausen habt, darf sich euer Alltag verändern. Ein einzelnes Schläfchen außerhalb des Tragetuchs wäre für mich schon ein Experiment, aus dem ihr viel erfahren könnt.
Sollten wir unser Baby vor Besuch, Stadt und Trubel schützen?
Eine pauschale Abschirmung würde ich aus der Vermutung „hochsensibel“ nicht ableiten. Interessanter ist, wie eure Tochter tatsächlich reagiert. Manche Situationen scheinen ihr vielleicht Freude zu machen, andere erschöpfen sie sichtbar. Ihr könnt Umfang, Dauer und Tempo daran ausrichten.
Ist Pucken mit sieben Monaten sicher?
Bei einem sieben Monate alten Baby würde ich mit dem Pucken nicht mehr anfangen. Fachliche Empfehlungen beenden Pucken spätestens bei ersten Anzeichen des Drehens; die DGKJ empfiehlt für den Säuglingsschlaf generell Bewegungsfreiheit statt festen Einwickelns.
Wann sollten wir medizinisch abklären lassen, warum unser Baby nicht schläft?
Schmerzen, Atemprobleme, Fieber, Gedeihprobleme, auffällig starkes Schreien oder eine plötzliche deutliche Veränderung des Schlafverhaltens sind Gründe für eine kinderärztliche Abklärung. Auch eure eigene Erschöpfung darf Anlass sein, euch Unterstützung zu holen.
Was könnte das ständige Herumtragen ersetzen?
Ich würde zuerst möglichst wenig verändern: dasselbe Lied im Sitzen, Stillen im Liegen oder ein Einschlafen am Körper mit anschließendem Umbetten. So bekommt eure Tochter weiterhin etwas Vertrautes, während ihr herausfindet, ob euer Rücken langsam aus der Abendveranstaltung aussteigen darf.
Zum Schluss
Wenn euer Baby nicht einschläft, obwohl es müde aussieht, kann sich dahinter eine ziemlich unspektakuläre Mischung verbergen: Sein Schlaf verändert sich, der Tag war voll, es sucht Nähe, hat Hunger oder findet gerade einfach schwer aus dem Wachsein heraus.
Ihr müsst deshalb nicht jeden Abend anderthalb Stunden durchs Haus laufen. Vielleicht zeigt euch eure Tochter, dass einige der vertrauten Dinge auch im Sitzen oder Liegen funktionieren. Vielleicht wird ein Schläfchen kürzer. Vielleicht verschiebt sich eine Wachphase. Vielleicht verändert sich erst einmal gar nichts.
Ich hatte mit meinen Kindern oft die stärkste Entlastung, wenn ich aufgehört habe, einen bestimmten Schlaf erzwingen zu wollen, und wieder genauer auf das Kind vor mir geschaut habe.
Des Weiteren freue ich mich, wenn euch meine Gedanken helfen konnten. Sollte das so sein, interessieren sich die Leser:innen des Blogs sicher für die Fortführung oder ein Happy End in den Kommentaren: Was hat sich verändert? Was blieb gleich? Und womit hat euch eure Tochter vielleicht völlig überrascht?
Bessert sich eure Schlafsituation, freut sich mein Sparschwein über die Anerkennung meiner Arbeit. Die Interpretation eines Leser:innenbriefs, Recherche und Texterstellung beanspruchen schließlich eine Zeit, in der über ein bis drei Tage verteilt mindestens tausendmal nach Mama oder Ehefrau gerufen wird. 😉 Ihr findet das Paypal-Sparschwein hier.
Gute Nächte wünscht euch
Eure Evelin
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Wenn euch gerade vor allem der Familienalltag zwischen Nähe und Erschöpfung beschäftigt, passen auch diese Beiträge:
- Unser Tragetuch im Familienalltag
- Unsere Zweifel am Familienbett
- Wenn ein Baby nur auf dem Hüpfball einschläft
- Windelfrei nachts: unsere Erfahrungen
- Das „ultimative Schlaflernprogramm“
Quellen
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Sicherer Schlaf für mein Baby
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Mein Kind schläft nicht
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Die Schlafumgebung für das Baby
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Schlafempfehlungen für das erste Lebensjahr
American Academy of Pediatrics: Swaddling – Is it Safe for Your Baby?
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