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10 Gründe, warum wir auf Palmöl verzichten – und wie wir das umsetzen

Früchte der Ölpalme (Quelle: Pixabay)

In den letzten Jahren entdeckten wir eine bestimmte Zutat immer öfter bei den Inhaltsangaben verarbeiteter Lebensmittel. Selbst in Nahrungsmitteln, die sich „bio“ nennen, ist sie enthalten: Palmöl. Im Blick auf die Zukunft unseres Planeten und unserer Kinder finden wir es absolut notwendig, darauf zu verzichten! In diesem Artikel erfährst Du zehn Gründe, warum wir Palmöl vermeiden und wie wir das realisieren. 

Palmöl bedroht Regenwälder und Klima

Palmöl wird aus der Ölpalme gewonnen. Es ist ein billiger und ergiebiger Rohstoff.

1. Rodung von Regenwald

Die Entwaldung Borneos
Die Entwaldung Borneos (Kartograph: Hugo Ahlenius, 2006, Quelle: grida.no)

Die Nachfrage nach dem Tropenöl steigt stetig. Die Industrie erzeugt immer mehr Palmöl. Vor allem in Indonesien und Malaysia fallen ihr große Regenwaldgebiete zum Opfer. Der üppige Dschungel, der tausenden Arten Lebensraum bietet, verschwindet. Ein Gebiet so groß wie drei Fußballfelder geht jede Minute verloren.

2. Beschleunigung des Klimawandels

Brandrodungen für Palmöl
Brandrodungen für Palmöl 2014 (Quelle: NASA)

Brandrodungen und gewaltige Torfbrände, welche die entwaldeten Flächen erfassen, setzen ungeheure Mengen Kohlendioxid frei. Und bei der Raffination von Palmöl entsteht in nicht geringem Maße Methan. Die Auswirkungen auf das globale und regionale Klima sind dramatisch: Extreme Wetterereignisse und Überschwemmungen nehmen immer mehr zu.

3. Verseuchte Böden und Gewässer

Der massive Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in den Plantagen verseucht die Böden und das Grundwasser.

4. Keine Luft zum Atmen

Die grünen Lungen der Erde, die das CO2 aus der Atmosphäre binden und uns mit Sauerstoff versorgen, sind in Gefahr.

Zerstörte Lebensräume, Vertreibung und Ausbeutung

5. Artensterben

In den Regenwäldern Indonesiens leben viele vom Aussterben bedrohte Tierarten wie Orang-Utans, Gibbon-Affen, Sumatra-Tiger, Zwergelefanten und wenige Nashörner. Sie verlieren, ebenso wie zehntausende Ureinwohner, ihr Land an die Plantagenbesitzer.

Orang-Utan Patenschaft

6. Landraub und Vertreibung

Die indigenen Völker werden vertrieben und ihrer Lebensgrundlage beraubt.

7. Nahrungsmittelknappheit

Kleine Bauern wandeln ihre Betriebe in Palmenplantagen um. Die Ressourcen und die Nahrungsmittel werden knapp. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis steigen.

8. Verletzung der Menschenrechte

Menschenrechte? Davon halten die Plantagenbesitzer nichts. Kinderarbeit ist an der Tagesordnung. Frauen müssen Überstunden leisten. Die Arbeit ist schwer und gefährlich, die Bezahlung schlecht.

9. Vergiftungen

Chemikalien wie Paraquat, denen die Arbeiter ausgesetzt sind, führen zu ernsten Gesundheitsschäden.

10 . Palmöl ist krebserregend

Rohes, unraffiniertes Palmöl ist praktisch nicht genießbar. Bei der technischen Verarbeitung des Palmöls entstehen unter Hitzeeinwirkung leicht Glycidol und gebundenes Glycidol. Diese Substanzen sind krebserregend.

Im raffinierten Öl ist das Glycidol an Fettsäuren geknüpft. Der menschliche Körper sieht die Fettsäuren als Nahrung an und spaltet das Glycidol ab. Dadurch wird es freigesetzt.

Glycidol verändert und schädigt das Erbgut. Es gibt keine Grenzwerte, bis zu denen der Stoff „unproblematisch“ ist. Ein einziges Molekül kann ausreichen, um Krebs zu erzeugen.

Es entsteht in jedem raffinierten Öl oder Fett. Doch bei der Raffination von Palmöl kann es sich viel leichter bilden als bei Sonnenblumen- oder Rapsöl. Selbst wenn die Hersteller ihr Möglichstes tun, um die Bildung von Glycidol weitgehend zu verhindern, gibt es keine völlige Sicherheit.

Im raffinierten Palmöl sind auch Monochlorpropandiol-Verbindungen (MCPD) enthalten. Sie gelten ebenfalls als krebserregend und werden mit Organschäden in Verbindung gebracht.

Stillen ist das Beste fürs Baby. Leider greifen immer noch viele Eltern auf Babymilchnahrung für ihre Kinder zurück. Da diese genauso viel Fett in ähnlicher Zusammensetzung wie Muttermilch enthalten soll, wird durch die Hersteller oft das billige Palmöl verwendet. Mit dem Wissen um die Probleme und Gefahren, die das Palmöl mit sich bringt: Würdest Du Deinem Kind solche Fertignahrung ernsthaft anbieten?

Biopalmöl – eine Alternative?

Beim biologischen Anbau von Ölpalmen dürfen keine synthetischen Dünger und Pestizide verwendet werden. Die Umwelt, die Arbeiter und die Böden werden beim Bio-Anbau nicht durch gefährliche Chemikalien belastet.

Eine Garantie, dass für die Plantagen keine Regenwälder abgeholzt und keine Menschenrechte verletzt werden, gibt es auch bei Bio-Palmöl nicht.

Palmöl ist Energie

Eine große Menge Palmöl landet in Autotanks und in Kraftwerken zur Energieerzeugung. 2017 waren es allein in der Europäischen Union 5,1 Millionen Tonnen.

Fast die Hälfte des in Deutschland importierten Palmöls (1,4 Millionen Tonnen) wurde zur Biodiesel-, Strom- und Wärmeerzeugung genutzt.

Erst im Juni 2018 beschloss das EU-Parlament, allen Widerständen von Wissenschaftlern, Umweltschützern und Menschenrechtlern zum Trotz, dass Palmöl weiterhin für diese Zwecke genutzt werden darf – mindestens bis 2030.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ – Weissagung der Cree

Bewusst und nachhaltig leben

Die Weltbevölkerung wächst. Damit steigt auch der weltweite Bedarf an pflanzlichen Ölen. Die Ölpalme produziert auf gleicher Fläche wesentlich höhere Erträge als Sonnenblumen, Raps oder Soja. Auf den ersten Blick scheint es also sinnvoll, auf Palmöl zurückzugreifen. Da Palmöl aber große Probleme mit sich bringt, kann das nicht die Lösung sein.

Meiner Meinung nach wäre es zielführender, Fette bewusst zu konsumieren. „Qualität statt Quantität“ würde nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch die Gesundheit fördern.

9 Maßnahmen, die dabei helfen, die Nachfrage nach Palmöl zu reduzieren:

  1. Das Nonplusultra zur Ernährung sind biologisch angebautes Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten sowie Wildpflanzen und -früchte, gefolgt von regionalen Bio-Lebensmitteln vom Markt oder aus dem Bioladen. Wer selber kocht, weiß, was in seiner Nahrung steckt.
  2. Viele Fertigprodukte, die üblicherweise Palmöl enthalten, können wir einfach selber machen, z.B. Kekse und Aufstriche.
  3. Es ist sinnvoll, keine tierischen Produkte zu konsumieren, da allein in Deutschland ca. acht Prozent des importierten Palmöls im Tierfutter landen.
  4. Wenn wir Fertigprodukte kaufen, vergewissern wir uns im Kleingedruckten, dass kein Palmöl enthalten ist. Mit Codecheck gibt auch eine passende App dafür.
  5. Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem. Nicht nur, dass vieles direkt aus den Supermarktregalen im Müll landet, weil es aufgrund der Überproduktion nicht gekauft worden ist. Auch das, was gekauft aber nicht verbraucht wurde, landet viel zu oft im Abfall. Also kaufen wir nur, was wir wirklich brauchen.
  6. Unsere Kinder wünschen sich auf ihr Brot oft etwas Streichbares. Fast alle normalen Margarinen enthalten jedoch Palmöl. Wenn kein Palmöl verwendet wird, ist meist Kokosöl drin, das aufgrund der weiten Transportwege ebenso keine Alternative ist. Im Ausnahmefall verwenden wir reines Kokosfett in Papierverpackung oder die regionale Goldina Reine Rapsmargarine, die beide jedoch nicht bio sind. Die Goldina-Margarine gibt es zudem nur in der üblichen Plastikschachtel. Am liebsten stellen wir Aufstriche selbst her, z.B. aus Nüssen, aus Hülsenfrüchten oder aus Wildkräutern und kaltgepressten Ölen, die grundsätzlich kein Glycidol enthalten.
  7. Wir verwenden Kosmetikprodukte, bei denen wir sicher sind, dass kein Palmöl enthalten ist: Roggenmehl, Natron, Zitronensaft, selbstgemachte Zahnpflege, selbst hergestellte oder palmölfreie Seifen.
  8. Seine Wege zu Fuß, mit dem Rad und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen bedeutet nicht nur, „Biodiesel“ auf Palmölbasis zu vermeiden. Es ist auch gut für Umwelt und Gesundheit. An der Zapfsäule haben wir leider keine Wahl. Momentan verzichten wir noch nicht aufs Auto, da es für uns als fünfköpfige Familie hier im ländlichen Raum umständlich und teuer ist. Eine Busfahrkarte kostet bei uns 2,20 Euro pro Person, selbst wenn wir nur bis zur nächsten Haltestelle fahren. Ein kostenloser ÖPNV würde das Auto tatsächlich obsolet machen.
  9. Elektrische Energie, die nicht verbraucht wird, muss nicht erzeugt werden (in Analogie zum Geld). Wer Strom spart oder ihn aus erneuerbaren Energien (Solar, Wind, Wasser) bezieht, hilft dabei, die Ressourcen, die Umwelt und das Klima zu schonen.
Greenpeace Energy - vegan & palmölfrei
Greenpeace Energy – vegan & palmölfrei

Filme über Palmöl

Die folgenden Filme geben einen umfassenden, anschaulichen Überblick zum Thema Palmöl.

Asimetris – eine Dokumentation über Palmöl in Indonesien

Palmöl – Vom Urwald in die Schokocreme

Palmöl – Die Gier nach billigem Fett

Nachhaltigkeits Lüge

Tödliches Palmöl – Die letzten Orang Utans von Sumatra

Quellen und Links zum Weiterlesen

Auswirkungen der Palmöl-Produktion auf die abiotischen und biotischen Ressourcen tropischer Länder (PDF)

Wie konnte Palmöl zu so einem großen Problem werden – und was können wir dagegen tun?

Bio-Palmöl – vermeiden oder unterstützen?

Krebsrisiko durch Palmöl in Lebensmitteln

Palmöl-Ersatz ist auch keine Lösung

Palmöl – der Tod des Regenwaldes

THE LOSS OF REASON – Human Rights Violations in the Oil-Palm Plantations in Indonesia (PDF)

WWF über Palmöl

Aktionsbündnis Regenwald statt Palmöl

Globale Konzerne profitieren von Kinderarbeit auf Palmöl-Plantagen

Ich hoffe, ich konnte Dir einen umfassenden Überblick über die Probleme geben, die Palmöl mit sich bringt. Mit jedem Einkauf entscheidest Du über den Erhalt von Umwelt und Natur, über die Artenvielfalt und die Zukunft Deiner Kinder.

Alles Liebe
Patrick

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Kommentare 3

  • Danke für die detaillierte Auflistung – einiges wusste ich noch gar nicht. Auch nicht, wie heftig die Entwaldung schon vorangeschritten ist…

    • Ja, liebe Diana, das Ausmaß ist erschreckend. Vieles ist mir auch erst bei der Recherche zum Thema richtig bewusst geworden. Ich denke, die Menschheit muss dringend etwas an ihren Erwartungen ändern und Entscheidungen mit großer Weitsicht treffen. Konsumenten und Verbraucher schneiden ziemlich zügig am Ast, auf dem sie sitzen. Liebe Grüße, Patrick

  • […] wir auf Margarine verzichten (im Palmöl-Artikel hast Du vielleicht schon davon erfahren), verwende ich Kokosfett. Das ist nicht so regional wie […]

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