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Hinweis: Dieser Text ist ein Kommentar. Ich bewerte hier nicht jede Aktionsform der Letzten Generation abschließend. Mich interessiert etwas anderes: warum die Wut auf Klimaaktivist:innen oft mehr über uns erzählt als über den Protest selbst.
Ich scrolle selbst durch Instagram. Und genau deshalb weiß ich, wie diese Reels funktionieren. Immer wieder taucht dieselbe Szene auf. Menschen sitzen auf der Straße. Andere schreien sie an, zerren an ihnen, filmen sich dabei und feiern das hinterher in den Kommentaren als Heldentat. Dort geht es dann längst nicht mehr um genervte Autofahrer oder verpasste Termine. Dort fallen Sätze, die nach Vernichtung klingen. Manchmal als Drohung. Manchmal als Witz. Manchmal in dem Ton, den Leute für harmlos halten, obwohl er es nicht ist.
Mich irritiert nicht, dass Menschen diese Protestform kritisieren. Das kann man. Mich irritiert, wie schnell Kritik in Verachtung kippt. Ab da reden viele nicht mehr über eine Straßenblockade. Sie reden darüber, welche Menschen sie für nutzlos, lästig oder verzichtbar halten.
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Man kann den Protest ablehnen, ohne Menschen zu entwürdigen
Ich finde das Anliegen der Letzten Generation wichtig. Die Form des Protests halte ich für diskutabel. Straßenblockaden als Mittel des zivilen Ungehorsams haben eine lange Geschichte und folgen einer politischen Wirkungslogik, aber sie haben auch reale Kosten für Menschen, die nichts mit dem Protest zu tun haben. Beides lässt sich vertreten. Genau deshalb ist die moralische Panik darum so unerquicklich. Wer eine Blockade falsch findet, kann das sagen. Wer über Sinn, Wirkung oder Grenzen solcher Aktionen streiten will, soll das tun. Eine demokratische Gesellschaft muss diesen Streit aushalten.
Was sie nicht braucht, ist diese Enthemmung. Zwischen „Ich halte diese Aktionsform für falsch“ und „Die würde ich am liebsten von der Straße schleifen“ liegt kein kleiner Tonfehler. Da liegt ein Menschenbild.
Was auf der Straße passiert, ist nicht die einzige Frage
Mich interessiert das Muster dahinter mehr als die Empörung selbst. Warum macht eine Störung des Ablaufs so viele so schnell rasend? Warum reagieren manche so, als wäre nicht der Protest das Problem, sondern schon die Zumutung, dass jemand den gewohnten Takt unterbricht?
Ich deute das so: In vielen Reaktionen zeigt sich eine Gesellschaft, die Funktionieren höher bewertet als Nachdenken und Gehorsam sympathischer findet als Unruhe. Wer stört, gilt schnell als Feind. Oft weniger wegen dem, was er sagt, als weil er den Schein beschädigt, dass alles schon irgendwie weiterlaufen werde.
Klimaaktivismus nervt nicht nur, weil er Wege blockiert. Er konfrontiert viele damit, dass Lebensweise, Konsum und Mobilität keine rein privaten Entscheidungen sind. Das halten viele lieber auf Abstand. Wer das ändern will, findet hier ein paar Ansätze, die ohne Selbstgeißelung auskommen.
Was mich dabei stört
Es geht mir nicht darum, dass alle diese Protestform gut finden. Es geht darum, dass Kritik die Würde von Menschen unangetastet lassen sollte. Kritik ist legitim. Entwürdigung nicht.
Dazu kommt: Ich misstraue den Dynamiken solcher Kommentarspalten, die aus jeder Blockade sofort ein Kulturkampfsymbol machen. Dann reden wir irgendwann nur noch über „Klimakleber“ und „Chaoten“, aber nicht mehr darüber, was diese Eskalation zeigt. Sprache verkürzt. Sprache verschiebt. Sie kann ein Problem sichtbar machen. Sie kann es aber auch so zuschneiden, dass am Ende nur noch Lager übrig bleiben.
Was bleibt
Was bleibt, ist weniger eine Forderung als eine Beobachtung: Wer sich an Klimaaktivismus so sehr reibt, dass Verachtung die Kritik verdrängt, redet irgendwann nicht mehr über eine Straßenblockade. Er redet darüber, wie viel Störung er aushält, bevor er aufhört nachzudenken.
Ob ihr diese Form des Protests richtig findet, bleibt offen. Dass Kritik nicht entwürdigen darf, bleibt es für mich nicht.“
Klimakleber und Wut: Was unsere Reaktionen auf Protest verraten von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.