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Aktualisiert am: 11.08.2026

Wir nehmen euch mit auf unserem Kurztrip in die „Stadt der hundert Türme“, in der wir Menschen aus aller Herren Ländern trafen, um mit ihnen in geselliger Runde über das Leben als Homeschooler:innen, Worldschooler:innen und Unschooler:innen zu plaudern.

Video: Worldschool Family Picnic in Prag

Das Video ist ziemlich genau so geworden wie unser Ausflug: ein bisschen wackelig, ziemlich voll und sehr lebendig. Beim Worldschool-Picknick hat unsere Tochter einen Teil der Kameraarbeit übernommen, weil mir das Herumlaufen mit der kleinen Kamera zwischen all den Familien unangenehm war. Und während ich später davon erzähle, laufen zu Hause unsere Kater durchs Bild. Familienvlog eben.

Warum wir Freilernen gut finden

Freilernen passt zu unserem Familienbild, weil wir Lernen gern mit Beziehung, Alltag und den eigenen Interessen der Kinder verbinden. Bewertungen, Lob und Strafen möchten wir möglichst wenig zum Motor des Lernens machen. Das beschreibt unsere Haltung und unsere Familienentscheidung. Andere Familien können mit Homeschooling, einer freien Schule oder einer anderen Schulform einen Weg finden, der zu ihnen passt.

Für unsere kleinen Kinder fühlte sich ein Schultag bis in den Nachmittag damals schlicht zu lang an. Wir wollten mehr gemeinsame Zeit und mehr Raum für die Dinge, denen die Kinder aus eigener Neugier folgen. Genau darüber schreiben wir auch in Auch Du bist Freilerner!.

Als Denkanstoß zur Schulpflicht passt außerdem Philip Kovces Beitrag Bildungssystem – Die Schulpflicht gehört abgeschafft! bei Deutschlandfunk Kultur. Es ist ein Meinungsbeitrag, den wir als solchen verlinken.

Unser Kurztrip nach Prag

Wir sind aus dem Erzgebirge nach Prag gefahren, weil dort ein Freilerner:innen-Treffen stattfand. Die reine Fahrzeit lag bei ungefähr drei Stunden. Mit kleinen Kindern ist das schon ein kleiner Aufbruch, und durch Umleitungen wurde die Strecke auf Hin- und Rückfahrt noch länger.

Deshalb hatten wir eine einfache Übernachtungsmöglichkeit gebucht. 44 Euro kostete das Zimmer pro Nacht, das Bad teilten wir mit den anderen Gästen auf der Etage. Für unseren kurzen Aufenthalt reichte das völlig.

Am Anreisetag schauten wir uns rund um die Moldau um. Für unsere Kinder gehörten dabei sehr verschiedene Seiten der Stadt zusammen: die große Moldau, schöne Häuser und teure Autos, aber auch Menschen, die unter Brücken schliefen. Wir kamen mit drei Männern kurz ins Gespräch, fragten, ob ein Foto für sie in Ordnung sei, und unsere Tochter verschenkte etwas Obst. Die Männer begegneten uns freundlich. Im Video hört ihr dazu Smetanas „Moldau“ – die Musik lag für diese Bilder ziemlich nahe.

Karlsbrücke, Straßenbahn und ein sehr voller Tag

Am nächsten Vormittag hatten wir noch etwas Zeit für die Karlsbrücke. Für Patrick war es der erste Besuch dort, also wollten wir natürlich hin. An diesem Tag war sie so voll, dass der Besuch für uns eher anstrengend war. Das Worldschool-Treffen war ohnehin unser Hauptgrund für die Reise.

Mit den Kindern fuhren wir auch Straßenbahn, was ihnen ziemlich gut gefiel. Gleichzeitig sahen wir Müll und Abgase und hatten an manchen Stellen das Gefühl, dass diese viel besuchte Stadt selbst eine Pause gebrauchen könnte. Prag wirkte auf uns wunderschön und widersprüchlich zugleich.

Das Worldschool-Picknick im Stromovka-Park

Das Treffen fand im Stromovka-Park statt. Dort gab es viel Platz für die Kinder, und bei der Hitze konnten sie sich sogar im Wasser abkühlen. Die wackeligen Bilder im Video stammen zu einem guten Teil von unserer Tochter. Im Hintergrund hört ihr immer wieder englische Wortfetzen – und genau so fühlte sich das Treffen auch an.

Die Runde war bunt gemischt. Wir trafen Familien mit Verbindungen nach Schweden und Großbritannien, in die Ukraine, nach Spanien, Indien, in die Niederlande, nach Russland, in die USA und nach Brasilien. Die Kinder waren ungefähr vom Babyalter bis ins Grundschulalter. Viel wichtiger als die Länderlisten waren allerdings die Gespräche: Wie leben andere Familien? Wie organisieren sie Lernen? Wo wohnen sie gerade? Wie verdienen sie unterwegs Geld?

Einige Familien arbeiteten online und lebten zeitweise als digitale Nomad:innen. Auch Bitcoin kam als Thema auf. Und irgendwo zwischen Arbeit, Reisen und Familienalltag landeten wir bei Wirtschaft, der Österreichischen Schule und dem Buch „Economics in One Lesson“.

Genau solche Gespräche mochte ich an diesem Treffen. Man sitzt auf einer Wiese, die Kinder spielen, und innerhalb von ein paar Stunden bekommt das Wort „Familienalltag“ plötzlich sehr viele verschiedene Gesichter.

Am Abend zog ein großes Gewitter auf. Wir suchten beim Planetarium Schutz, gingen danach noch kurz einkaufen und machten uns auf den Heimweg. Wegen weiterer Umleitungen und Sperrungen kamen wir erst spät in der Nacht wieder im Erzgebirge an. Müde waren wir. Gelohnt hat es sich trotzdem.

Homeschooling und Unschooling in Tschechien: was § 41 aktuell regelt

Für die Rechtslage in Tschechien ist der Begriff individuální vzdělávání wichtig, also individuelle Bildung beziehungsweise Hausunterricht. Das tschechische Schulgesetz zählt diese Form in § 40 zu den anderen Wegen, die Schulpflicht zu erfüllen. [1] Nach § 41 entscheidet die Schulleiterin oder der Schulleiter der Grundschule, an der das Kind für die Schulpflicht aufgenommen ist, über den schriftlichen Antrag der gesetzlichen Vertretung. [1]

Das Gesetz verlangt im Antrag unter anderem die Gründe für die individuelle Bildung, Angaben zu den räumlichen und materiellen Bedingungen, Nachweise über den Bildungsabschluss der unterrichtenden Person, eine Liste der verwendeten Lehrmittel und die Stellungnahme einer schulischen Beratungsstelle. [1] Die Schulleiterin oder der Schulleiter genehmigt die individuelle Bildung, wenn schwerwiegende Gründe vorliegen, ausreichende Bedingungen gesichert sind, die unterrichtende Person die vorgeschriebene Qualifikation besitzt und geeignete Lehrmittel vorhanden sind. [1]

Für die Person, die das Kind unterrichtet, fordert § 41 Absatz 3 Buchstabe c mindestens einen Abschluss der Sekundarstufe mit Maturitätsprüfung. Bei Schüler:innen der zweiten Stufe der tschechischen Grundschule (2. stupeň) verlangt das Gesetz einen Hochschulabschluss. [1] Die oft verkürzte Formel „ein Elternteil braucht einen akademischen Abschluss“ trifft den Gesetzestext daher ungenau: Entscheidend ist die unterrichtende Person, und die Anforderung hängt von der Schulstufe ab.

Individuell unterrichtete Schüler:innen legen am Ende jedes Halbjahres Prüfungen über den jeweiligen Lernstoff an ihrer Schule ab. [1] Das staatliche Verwaltungsportal beschreibt denselben Rahmen: Antrag bei der Grundschule, Unterricht zu Hause durch Eltern oder eine andere unterrichtende Person und Prüfungen in allen Fächern am Ende jedes Halbjahres. [2]

Für die rechtliche Einordnung verwendet das tschechische Schulgesetz den Begriff individuální vzdělávání. Mit Unschooling beschreiben wir hier die pädagogische Haltung zum selbstbestimmten Lernen. Familien können pädagogisch sehr selbstbestimmt lernen und zugleich an den rechtlichen Rahmen der individuellen Bildung gebunden sein. Für Einzelfälle sind die aktuelle Fassung des Schulgesetzes und die zuständige Schule die passenden Stellen.

Mehr zu Unschooling, Worldschooling und Freilernen

Wenn euch die Begriffe und unser Weg interessieren, passen diese Beiträge dazu:

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Homeschooling, Worldschooling und Unschooling?

Wir verwenden die drei Begriffe hier so: Homeschooling für Bildung zu Hause innerhalb eines rechtlichen Rahmens, Worldschooling für Reisen und wechselnde Orte als Teil des Lern- und Lebensalltags und Unschooling für selbstbestimmtes Lernen, bei dem Interessen, Fragen und Alltag der jungen Menschen viel Einfluss auf Inhalt, Tempo und Weg des Lernens haben. Eine Familie kann dabei mehrere dieser Beschreibungen gleichzeitig für sich passend finden; der rechtliche Rahmen richtet sich nach dem jeweiligen Land.

Ist Homeschooling in Tschechien erlaubt?

Ja. § 41 des tschechischen Schulgesetzes regelt individuální vzdělávání als Weg zur Erfüllung der Schulpflicht. Die gesetzliche Vertretung stellt einen schriftlichen Antrag bei der Grundschule; die Genehmigung hängt an den Voraussetzungen des § 41. Das Kind legt jedes Halbjahr Prüfungen an dieser Schule ab. [1]

Braucht die unterrichtende Person einen bestimmten Abschluss?

Ja. Für die erste Stufe der tschechischen Grundschule verlangt § 41 mindestens einen Abschluss der Sekundarstufe mit Maturitätsprüfung. Für die zweite Stufe verlangt das Gesetz einen Hochschulabschluss. Der Gesetzestext bezieht die Voraussetzung auf die Person, die das Kind tatsächlich unterrichtet. [1]

Wie findet man Treffen wie das Worldschool-Picknick in Prag?

Bei uns lief es über eine Worldschooling-Community und persönliche Kontakte. Welche Gruppen gerade aktiv sind, verändert sich mit der Zeit. In unserem Beitrag Alternative Familien finden sammeln wir mehrere Wege, über die Familien mit ähnlichen Interessen zueinanderfinden.

War Prag mit Kindern entspannt?

Für uns war es eine Mischung. Die Straßenbahn machte vieles leicht, der Stromovka-Park war mit den Kindern angenehm und die Karlsbrücke an unserem Besuchstag sehr voll. Dazu kamen die langen Fahrten mit Umleitungen. Als kurzer Ausflug mit dem Picknick als eigentlichem Ziel passte es für uns gut.

Was ist euch von dem Treffen besonders in Erinnerung geblieben?

Die Gespräche. Innerhalb weniger Stunden saßen dort Familien mit sehr unterschiedlichen Geschichten zusammen und erzählten über Lernen, Reisen, Arbeit und Alltag. Für mich war schön zu sehen, wie verschieden Familien leben können, obwohl sie an manchen Stellen ähnliche Fragen beschäftigen.

Würdet ihr länger in Prag bleiben?

Für einen Kurztrip mochten wir Prag sehr. Für einen längeren Aufenthalt hätten wir uns ruhigere Ecken außerhalb der touristischen Hauptwege gesucht. Der Stromovka-Park hat uns dafür schon ziemlich deutlich gezeigt, wie anders sich dieselbe Stadt ein paar Straßen weiter anfühlen kann.

Das Blog einer der anderen Familien

http://www.denandraresan.com/

Buchtipp: „Economics in one lesson“

Das Buch tauchte beim Picknick mitten in einem Gespräch über Wirtschaft auf: Economics in One Lesson: The Shortest and Surest Way to Understand Basic Economics. Wer den Titel lesen möchte, findet auf unseren Seiten zu Buch7 und Thalia weitere Informationen zum Buchkauf.

Quellen

  1. e-Sbírka, Gesetz Nr. 561/2004 Sb. (tschechisches Schulgesetz), § 40 und § 41 Abs. 1–5: individuelle Bildung als Form der Erfüllung der Schulpflicht, Antrag, Voraussetzungen, Qualifikation der unterrichtenden Person und Halbjahresprüfungen. Abruf: 11.08.2026. e-sbirka.gov.cz/sb/2004/561
  2. gov.cz: „Permission of individual education of the pupil“, Abschnitte „Main information“ und „What you need“: Antrag bei der Grundschule, Unterricht zu Hause und Prüfungen am Ende jedes Halbjahres. Abruf: 11.08.2026. portal.gov.cz – Permission of individual education of the pupil

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