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Aktualisiert am: 11.08.2026
Evelin beantwortet eure Fragen: Was wir tun, wenn unsere Kinder außer Haus sind und wie wir reagieren würden, würden sie in die Schule wollen. Auch wird verraten, wann es uns wohin zieht – und ob mit oder ohne einem vierten Kind.
Das Video stammt aus 2018. Unser jüngster Sohn war damals sieben Monate alt, unsere Große fünf, und die Frage nach einem vierten Kind lag noch vor uns. Heute leben wir mit vier Kindern. So ist diese Fragerunde auch eine Momentaufnahme aus einer ziemlich vollen Familienphase; die rechtlichen Hinweise im Text entsprechen dem Stand vom 11.08.2026.
Video: Q&A zu Date Nights, Auswandern, freiem Lernen und einem vierten Kind
Date Nights: Was machen wir, wenn die Kinder außer Haus sind?
Paarzeit entstand bei Patrick und mir damals eher spontan. Die älteren Kinder waren nur bei den Großeltern, wenn sie selbst Lust darauf hatten. Unser sieben Monate alter Sohn war bei uns. Und wenn er schlief und wir tatsächlich einmal allein waren, passierte etwas ausgesprochen Romantisches: Wir sprachen über Arbeit.
Welcher Artikel kommt als Nächstes? Welche Fotos fehlen noch? Was wollen wir online bringen? Mit Blog und Online-Business blieb eben immer irgendetwas liegen. Einen festen Date-Night-Termin hatten wir deshalb nie.
Manchmal wurde daraus trotzdem Freizeit. Patrick hat mir einmal die Haare gefärbt. Manchmal haben wir uns massiert oder einen Film geschaut. Und manchmal war der Film schneller als ich: Ich bin einfach eingeschlafen.
Zwei Studien geben diesem sehr alltäglichen Thema einen nüchternen Rahmen. Claxton und Perry-Jenkins begleiteten 147 heterosexuelle Doppelverdiener-Paare aus der US-amerikanischen Arbeiter:innenklasse beim Übergang zum ersten Kind. Bei den Frauen hing mehr gemeinsam verbrachte Freizeit vor der Geburt ein Jahr später mit mehr berichteter Liebe und weniger Konflikten zusammen. [1] Hogan und Kolleg:innen fanden bei verheirateten Paaren Zusammenhänge zwischen einem größeren Anteil gemeinsamer Gesprächszeit und höherer Beziehungszufriedenheit, positiveren Beziehungsbewertungen und mehr Nähe. Die Studie beschreibt Zusammenhänge und keine allgemeine Wirkung für jede Beziehung. [2]
Für uns passt dazu vor allem ein entspannter Gedanke: Paarzeit kann viele Formen annehmen. Manchmal sind es zwei freie Stunden. Manchmal ein Gespräch. Manchmal Haarefärben.
Mehr über Beziehung im Familienalltag findet ihr in unserem Beitrag Glückliche Partnerschaft: Was Beziehungen trägt.
Wenn ein Kind in die Schule möchte
Wir wurden damals oft als kindergartenfreie Familie oder Freilernerfamilie wahrgenommen. Für uns bedeutete das nie, dass ein Familienetikett über dem Wunsch eines Kindes steht.
Wenn eines unserer Kinder in die Schule möchte, würden wir gemeinsam schauen, welche Schule zu diesem Kind passt. Wir hatten uns schon verschiedene Schulen angesehen und unsere Große immer wieder gefragt, wie sie Kindergarten und Schule erlebt und was sie selbst möchte. Ihre Antwort war zu dieser Zeit sehr klar: Sie wollte frei lernen und weder Kindergarten noch Schule besuchen.
Genau diese Beteiligung ist für mich der wichtige Punkt. Junge Menschen leben ihren Bildungsweg selbst. Wir Erwachsenen tragen mehr Verantwortung und haben mehr Möglichkeiten, Informationen zu beschaffen oder Wege zu eröffnen. Ihre eigene Sicht gehört deshalb mitten in die Entscheidung.
Zu den Begriffen und unseren Erfahrungen passen diese Beiträge:
- Was ist Unschooling? Selbstbestimmtes Lernen erklärt
- Worldschooling: Freilernen auf Reisen
- Unschooling in Tschechien: Worldschool-Picknick in Prag
Schulpflicht in Deutschland und unser Wunsch nach Freilernen
Die rechtliche Lage setzt in Deutschland einen engen Rahmen. Die Kultusministerkonferenz beschreibt eine allgemeine Schulpflicht, die in der Regel im Jahr beginnt, in dem ein Kind sechs Jahre alt wird. Die Schulgesetze der Länder regeln die Einzelheiten. [3] Das Bundesverfassungsgericht hat die Verpflichtung, schulpflichtige Kinder am Unterricht einer anerkannten Schule teilnehmen zu lassen, in seiner Rechtsprechung bestätigt. [4]
Für mich war schon damals klar, dass ein Rechtsstreit mit drei Kindern sehr viel Kraft binden würde. Ebenso wichtig war mir, dass unsere Kinder sich frei draußen bewegen können, ohne dass wir unseren Alltag um mögliche Kontrollen herum organisieren. Deshalb zog es uns eher zum Reisen und zu Ländern, in denen Home Education rechtlich vorgesehen ist.
Dabei unterscheide ich Homeschooling und Freilernen. Homeschooling beschreibt zunächst Bildung außerhalb des regelmäßigen Schulbesuchs und kann eng an Lehrpläne, Prüfungen und schulische Vorgaben gebunden sein. Freilernen oder Unschooling bezeichnet für uns eine stärker selbstbestimmte Form des Lernens aus Interessen, Alltag und Beziehungen heraus. Mein Lieblingssatz dazu aus dieser Zeit ist ziemlich schlicht: Die Welt ist unser Lernzimmer.
Unsere ausführlichere Einordnung findet ihr unter Anmeldung, Abmeldung, Befreiung von der Schulpflicht.
Auswandern oder erst einmal reisen?
Unsere Große war im Video fünf Jahre alt. Damit rückte die Schulpflicht näher, und natürlich kam ständig die Frage: Wann wandert ihr aus?
Wir hatten darauf keine fertige Route. Es gab Länder, Menschen und Gemeinschaften, die uns interessierten: Portugal, England und Tschechien, später im Gespräch auch Schweden, Island, Russland, Serbien und Georgien. Vor allem wollten wir erst einmal reisen und ausprobieren, wie sich ein Leben als digitale Nomaden mit Kindern anfühlt.
Das Online-Business machte diesen Gedanken überhaupt möglich, weil Patrick seine Arbeit überallhin mitnehmen konnte, wo eine brauchbare Internetverbindung vorhanden war. Ein ganz praktischer Punkt waren unsere drei Katzen. Für sie brauchten wir eine Lösung, bei der sie dauerhaft gut versorgt sind. Solche Dinge gehören zu Auswanderträumen eben genauso wie Landkarten und schöne Fotos.
Patrick zog es besonders in den Norden. Island war für ihn als Fotograf schon lange spannend. Mich interessierte dort zusätzlich, wie Menschen mit den heißen Quellen und der Erdwärme leben und heizen. Gleichzeitig kann ich warmen Ländern viel abgewinnen. Im Video merkt man ziemlich gut: Wir waren neugierig in viele Richtungen und noch längst nicht festgelegt.
Tschechien, Portugal und Island: Was Home Education dort rechtlich bedeutet
Die drei Länder zeigen gut, warum „Homeschooling ist dort erlaubt“ als Information allein kaum reicht. Die jeweiligen Regeln sehen unterschiedliche Verfahren, schulische Anbindung und Kontrolle vor.
- Tschechien: Eltern können bei der Schulleitung eine Genehmigung für individuelle Bildung beantragen. Das staatliche Portal nennt unter anderem Nachweise zur Ausbildung der unterrichtenden Person; das Kind legt am Ende jedes Halbjahres Prüfungen in seiner Grundschule ab. [5]
- Portugal: Das Decreto-Lei 70/2021 regelt „ensino doméstico“ und „ensino individual“. Vorgesehen sind unter anderem Einschreibung, Verlängerung der Einschreibung und ein Kooperationsprotokoll mit der Schule. 2025 änderte Decreto-Lei 8/2025 einzelne Regeln zur Leistungsbewertung und Inklusion. [6] [7]
- Island: § 46 des aktuell konsolidierten Compulsory School Act erlaubt Eltern, bei ihrer Gemeinde eine Ausnahme für vollständigen oder teilweisen Hausunterricht zu beantragen. Genehmigter Hausunterricht unterliegt Aufsicht, regelmäßiger Bewertung und den gesetzlich vorgesehenen standardisierten Leistungsfeststellungen. [8]
Diese Regelungen beschreiben den rechtlichen Rahmen für Home Education. Wie viel Raum darin für Unschooling bleibt, hängt vom jeweiligen System und seiner praktischen Umsetzung ab.
Reisen, Ökologie und Alltag statt Urlaubskulisse
Uns beschäftigte auch die Frage, wie wir reisen wollen. Wir wollten möglichst auf Flüge verzichten, weil der ökologische Fußabdruck für uns eine Rolle spielte. Thailand und Bali klangen natürlich spannend: Wärme, Tropen, Früchte, eine große Szene digitaler Nomad:innen. Gleichzeitig beschäftigten uns die Folgen stark touristisch geprägter Orte für Menschen und Ressourcen vor Ort.
Wir wollten Länder gern über ihren Alltag kennenlernen. Menschen treffen, ein bisschen verstehen, wie sie leben, und länger an einem Ort sein. Das war die Vorstellung, die sich für uns stimmiger anfühlte.
Und das vierte Kind?
Als wir das Video aufgenommen haben, war unser jüngster Sohn noch sehr klein. Mein Körper durfte sich erholen, der Familienalltag war voll, und ein weiterer Kinderwunsch war zu diesem Zeitpunkt einfach nicht da.
Über die Jahre hatten Patrick und ich ohnehin sehr unterschiedliche Zahlen im Kopf. Patrick hatte einmal von fünf Kindern gesprochen, ich von vier. Dann gab es Phasen, in denen ein Kind erst einmal vollkommen genug erschien. Unsere Wünsche haben sich mit unserem Leben verändert.
Ich konnte mir damals außerdem vorstellen, irgendwann ein Kind zu adoptieren. Patrick teilte diesen Wunsch zu diesem Zeitpunkt nicht. Was aus der Frage nach einem vierten Kind geworden ist, lässt sich heute sehr kurz beantworten: Wir haben inzwischen vier Kinder.
FAQ
Braucht eine Beziehung feste Date Nights?
Die beiden hier zitierten Studien liefern dafür keine allgemeine Regel. Sie zeigen in ihren jeweiligen Stichproben Zusammenhänge zwischen gemeinsam verbrachter Zeit beziehungsweise Gesprächszeit und verschiedenen Maßen der Beziehungsqualität. [1] [2] Bei uns entstand Paarzeit meist spontan.
Was passiert, wenn ein Kind aus einer Freilernerfamilie in die Schule möchte?
Für uns zählt der Wunsch des Kindes. Dann würden wir gemeinsam eine Schule suchen, deren Umfeld und Lernform möglichst gut zu diesem jungen Menschen passen.
Ist Homeschooling in Deutschland frei wählbar?
Die allgemeine Schulpflicht wird von den Ländern geregelt. Die KMK beschreibt den regulären Schulbesuch als Teil des deutschen Bildungssystems, und das Bundesverfassungsgericht hat die Verpflichtung zum Besuch einer anerkannten Schule verfassungsrechtlich bestätigt. Einzelne Ausnahmen und Verfahren richten sich nach dem jeweiligen Landesrecht. [3] [4]
Ist Home Education in Tschechien, Portugal und Island möglich?
Alle drei Rechtsordnungen sehen Formen von Home Education vor, jeweils mit eigenen Voraussetzungen. Tschechien bindet individuelle Bildung an eine Schule und halbjährliche Prüfungen. Portugal regelt Einschreibung, schulische Begleitung und Bewertung. Island sieht eine genehmigungspflichtige Ausnahme mit Aufsicht und Bewertung vor. [5] [6] [7] [8]
Quellen
- Claxton A, Perry-Jenkins M. No Fun Anymore: Leisure and Marital Quality Across the Transition to Parenthood. Journal of Marriage and Family. 2008;70(1):28–43. DOI: 10.1111/j.1741-3737.2007.00459.x. Tragende Stelle: Abstract.
- Hogan JN, Crenshaw AO, Baucom KJW, Baucom BRW. Time Spent Together in Intimate Relationships: Implications for Relationship Functioning. Contemporary Family Therapy. 2021;43(3):226–233. DOI: 10.1007/s10591-020-09562-6. Tragende Stelle: Abstract.
- Kultusministerkonferenz: Bildungswege und Abschlüsse – Schulpflicht. Tragende Stelle: Abschnitt „Schulpflicht“. Abruf: 11.08.2026.
- Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 31.05.2006 – 2 BvR 1693/04. Entscheidung im Volltext. Tragende Stelle: Rn. 15 ff. zur Schulbesuchspflicht und zum staatlichen Erziehungsauftrag.
- Portal der öffentlichen Verwaltung der Tschechischen Republik: Permission of individual education of the pupil. Tragende Stellen: „Main information“ und „What you need“. Abruf: 11.08.2026.
- Portugal, Diário da República: Decreto-Lei n.º 70/2021, de 3 de agosto. Tragende Stellen: Art. 1, 4, 8 und 9.
- Portugal, Diário da República: Decreto-Lei n.º 8/2025, de 11 de fevereiro. Tragende Stelle: Art. 2, Änderungen an Art. 19 und 21 des Decreto-Lei 70/2021.
- Alþingi, Island: Lög um grunnskóla nr. 91/2008 – konsolidierte Fassung. Tragende Stelle: § 46 (heimakennsla). Abruf: 11.08.2026.
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