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Hallo Kinderfreunde!
Ich meine ja, dass die Welt im Wandel ist und das große Band der Liebe, das uns miteinander verbindet, von nichts und niemandem mehr zu durchtrennen ist.
Doch in den letzten Wochen flogen mir gehäuft negative Wortfetzen um die Ohren. Und ja, mich stört es, wenn abfällig mit Kindern gesprochen und umgegangen wird. Die kinderfeindliche Einstellung ist es, die mich hin und wieder zweifeln lässt. Falls diesbezüglich Bedarf an Austausch besteht, werde ich an anderer Stelle darauf eingehen. Zunächst finde ich es an der Zeit, den kinderfreundlichen Begegnungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Dass es auch sooo viele schöne Dinge zu berichten gibt und wir für unsagbar viel dankbar sind, erzähle ich in zehn herzerwärmenden Alltagsgeschichten. Kleinen Episoden aus unserem Leben mit, na sagen wir, nicht perfekt erzogenen Kindern.
Aktualisiert am 26. Februar 2026
Inhalte
- 1 Ein ernstes Spiel
- 2 Mit dem Essen spielt man … im Kirchenchor
- 3 Bewertungsfrei
- 4 Die dritte Oma
- 5 Im Bioladen
- 6 Ohne Zauberworte
- 7 Treffen der Generationen
- 8 Verständnis statt Benimmregeln
- 9 Besondere Kinder, offene Menschen
- 10 Na, wie heißt du denn?
- 11 FAQ: Kinderfreundliche Begegnungen im Alltag
- 11.1 Woran erkenne ich eine kinderfreundliche Begegnung?
- 11.2 Was hilft, wenn ich mich für mein Kind schäme, etwa im Laden?
- 11.3 Wie reagiere ich, wenn fremde Erwachsene mein Kind abwerten?
- 11.4 Ist „nicht bewerten“ dasselbe wie „alles gut finden“?
- 11.5 Warum eskalieren ausgerechnet in Familien Situationen so schnell zu Benimmregeln?
- 11.6 Was kann ich tun, damit Großeltern und andere Bezugspersonen kinderfreundlicher reagieren?
- 11.7 Gibt es eine einfache Haltung, die durch den Alltag trägt?
Ein ernstes Spiel
Damit ich für ein Interview Ruhe habe, gebe ich meinen Kindern ein paar Karteikarten und ein paar Stifte. Das ist alles, was ich ihnen aus meiner Handtasche gerade überlassen kann.
Die Kinder „schreiben“ ihre Namen auf die Kärtchen. Für die meisten Erwachsenen ist es unlesbar und nichts Besonderes. Doch für unsere Kinder sind es ihre Visitenkarten.
Mein Gesprächspartner bekommt eine zugesteckt. Er wertet es nicht als Gekritzel ab, sondern betrachtet sie, als würde er den Namen lesen. Er bedankt sich und steckt sie nach einem erneuten Blick in seine Jackettasche. Und ich freue mich, dass er das Spiel mitspielt.
Der besagte Interviewpartner war André Stern.

Im Interview mit André Stern
Wie toll wäre es, wenn sich allen (werdenden) Eltern, Großeltern, Erzieher:innen und Lehrkräften die Gelegenheit böte, seinen Worten zu lauschen. Das Umdenken darüber, wie wir kinderfreundlich mit unseren Nachkommen umgehen können, wäre nicht mehr aufzuhalten.
Mit dem Essen spielt man … im Kirchenchor
Unsere Große begleitet die Oma zum Sommerfest des Kirchenchores. Dass viele der ergrauten Generation ungebremst Benimmregeln an junge Menschen schleudern, weiß jede:r. Nicht so an diesem Abend.
Eine ältere Dame erzählt meiner Fünfjährigen, dass sie selbst nie richtig lernte, Spaghetti mit der Gabel zu essen. Unsere Tochter macht es ihr vor. Die Kleine erklärt, wie schräg sie die Gabel hält, damit sich die Nudeln gut in die Zinken eindrehen lassen. Sie hilft der Dame. Nach so vielen Jahren zeigt ihr das endlich jemand. Sie strahlt über das ganze Gesicht.
Daraufhin erzählt unser Mädchen, dass Besteck nicht so wichtig ist. Es ist schließlich praktisch, mit den Fingern zu essen. Die feine Dame tut es ihr gleich. Das fröhliche Lachen zieht noch weitere Damen und Herren an den Spaghettitopf. Alle steigen in das Spiel ein. Schon bald legen sich die Rentner Brillen und Schnurrbärte aus Spaghetti auf ihre Gesichter.
Tatsächlich: Die Freude am Essen ist viel wichtiger als der korrekte Umgang mit Messer und Gabel!
Bewertungsfrei
Alle zwei Wochen findet im Haus ein Zeichenkurs für Erwachsene statt. Unsere Kinder kommen oft hinzu. Sie nehmen sich ein Blatt Papier und malen, mal mehr, mal weniger. Mal ist es nur ein Strich, mal setzen sie sich mit Schwung und viel Farbe über die Grenzen des Blattes hinweg.
Das Besondere daran ist, dass niemand ihre Werke als „schön“, „fein“, „toll“, „prima“ oder „das kannst du aber besser“ bewertet und dass niemand fragt, was das Gemalte denn sei. Mir sind die Nachteile des Lobes ebenso bewusst, weshalb ich meine Anerkennung auf andere Weise ausdrücke.
Das bedeutet für mich ein Entfalten und Malen ganz im Sinne von Arno Stern. Davon sollten sich viele Kindergärtner:innen mal eine Scheibe abschneiden!
Die dritte Oma
Manchmal sind Eltern entsetzt, dass ihre Kinder, ohne zu fragen, Kekse zugesteckt bekommen. Oder darüber, dass andere dem eigenen Kind sagen, was es zu tun und zu lassen hat. Selbst vor den Nachbarn muss man oft auf der Hut sein.
Mit der Schrebergartennachbarin hatten wir einen absoluten Glücksgriff. Oder, und das denke ich heute viel mehr, wir mussten einfach zueinanderfinden. Unsere Gedanken und Meinungen glichen sich wie unsere wilden Kräuter- und Gemüsebeete.

Im Schrebergarten unserer Gartennachbarn
Für unsere Kinder wurden die Gartennachbarn zu den ersten erwachsenen Freunden. Über den Zaun reichten sie Gänseblümchensalat und Äpfelchen statt Gummibärchen.
Die positive Verbindung schuf eine traumhafte „Ja-Umgebung“. Trippelte die Zweijährige in den benachbarten Garten, überfielen mich keinerlei Sorgen. Den kinderfreundlichen Umgang fernab jeglicher Erziehung schätze ich bis heute.
Im Bioladen
Bei unseren Einkäufen im Bioladen passierte es hin und wieder: Eines der Kinder biss in einem unbeobachteten Moment in ein Stück Obst oder Gemüse. Während ich mit der Schamesröte kämpfte, freuten sich die Verkäuferinnen über den gesunden Appetit.
Sie wuschen und schnitten angeknabberte Produkte für die kleinen Münder zurecht. Wie schön es sei, dass die Auswahl auf Frischkost statt auf Süßigkeiten fiel, wurde immer wieder bemerkt.
Zunehmend beobachte ich nun auch in anderen Bioläden und Discountern eine Attraktion: Einkaufswagen für Kinder. Mit solchen drehten unsere Töchter ihre ersten Runden im besagten Bioladen. Das stolze Kinderlachen und die freundlichen Blicke der Verkäuferinnen sind unbezahlbar.
Bezahlen sollte ich das Angefutterte übrigens auch nicht.
Ohne Zauberworte
Weitere Gemüsegeschichten entstehen beim wöchentlichen Einkauf. Unser Gärtner meint, dass kleine Kinder noch nicht teilen müssen. Bei ihm bekommt jedes Kind einen Apfel, eine Tomate oder eine saure Gurke, und das ohne „Zauberwort“.
Bei all den Wohlwollenden dürfen wichtige Bezugspersonen nicht vergessen werden.
Treffen der Generationen
Unsere Mädchen fragen schon beim Aufstehen nach ihrem Großvater. Unsere Töchter lieben es, ihren Opa in Baumärkte, auf Baustellen und zu Handwerker:innen zu begleiten.
Mit ihm dürfen sie „gefährliche“ Sachen ausprobieren, zum Beispiel ein Feuer entzünden, eine Fackel tragen, am Ofen nachlegen, sägen, hämmern, bohren oder Experimente durchführen, bei denen es zischt und blubbert.
Genauso gefragt ist ihre Oma. Bei ihr dürfen sie ganz Kind sein. Sie nimmt die Worte unserer Kinder ernst und redet Gefühle nicht klein. Und wenn es die Zeit zulässt, können sie auch all ihre Instrumente ausprobieren.
Verständnis statt Benimmregeln
Kleine Kinder krümeln, hinterlassen Pfützen auf dem Teppich und machen Lärm.
„Das machen nun mal alle Kinder.“, meint ein befreundetes Paar aus Syrien. Wer sie besucht, darf Kind bleiben. Nichts bedarf einer Korrektur.

Bei unseren Freunden aus Syrien
Statt Benimmregeln spüren wir Herzlichkeit und Wärme.
Besondere Kinder, offene Menschen
Ebenso schöne Begebenheiten erleben wir in Bücherläden, auf alternativen Märkten und Messen. Andere Leute sprechen uns an, weil ihnen unsere „wohlerzogenen“, unerzogenen Kinder auffallen.
Liegt es an den Erwachsenenbüchern, die meine Töchter durchblättern? An den zerzausten Haaren? Dem selbstgewählten Kleidungsstil? Am heiteren Spiel zwischen depressiv dreinschauenden Erwachsenen? Oder liegt es an den bescheidenen Wünschen, die für das überübernächste Weihnachtsfest ausgesprochen werden?
Ich weiß nie genau, was an meinen Kindern so besonders ist, aber in solchen Momenten fühle ich meine Familie inmitten friedlicher Menschen gut aufgehoben.
Na, wie heißt du denn?
Seit ich Kinder habe, ist mir bewusster denn je, welche Menschen ich sympathisch finde. Es sind die, die sich Kindern zunächst selbst vorstellen, bevor sie nach den Namen fragen. Hierzu zählt zum Beispiel unser Hausarzt.
Bei den Vorsorgeuntersuchungen binden unsere Hebammen die Kinder mit ein.

Drei Hebammen 🙂
Mancher Bekannter erzählt einfach so von sich, ohne dabei zu erwarten, dass ein Kind ihm etwas „richtiges“ erwidert.
Der Koch im Hotel schenkt uns eine vegane Extraportion, der Manager begrüßt die Kinder mit „High Five“ und die Mitarbeiter am Strand pflücken uns frische Früchte.

Frisch geerntete Früchte für die Kinder
Und der Zimmermann zimmert ein paar Bretter gemeinsam mit den Mädchen …
Es sind so viele kleine, alltägliche Dinge, für die wir dankbar sein können. Ja, nicht alle Menschen sind doof!
Wer tiefer in die Frage eintauchen möchte, wie respektvolle Beziehung statt Erziehung im Alltag aussehen kann, findet hier unseren Grundlagentext zur beziehungsorientierten Elternschaft.
FAQ: Kinderfreundliche Begegnungen im Alltag
Woran erkenne ich eine kinderfreundliche Begegnung?
Oft an Kleinigkeiten: Erwachsene sprechen Kinder direkt an, warten ab, hören zu. Niemand macht aus „Benimm“ eine Machtfrage.
Was hilft, wenn ich mich für mein Kind schäme, etwa im Laden?
Scham ist ein alter Reflex. Ein kurzer innerer Schritt zurück hilft: erst einatmen, dann schauen, was wirklich passiert. Häufig reagieren Menschen viel freundlicher, als der Kopf befürchtet.
Wie reagiere ich, wenn fremde Erwachsene mein Kind abwerten?
Ruhig bleiben ist keine Kapitulation. Ein kurzer Satz schützt oft schon: „Bitte sprechen Sie respektvoll mit meinem Kind.“ Danach lohnt ein Blick zum Kind: Nähe anbieten, ohne eine Szene zu vergrößern.
Ist „nicht bewerten“ dasselbe wie „alles gut finden“?
Nein. Nicht bewerten heißt: Das Kind und sein Tun nicht mit Etiketten versehen. Grenzen und Bedürfnisse dürfen trotzdem klar sein, nur ohne Beschämung.
Warum eskalieren ausgerechnet in Familien Situationen so schnell zu Benimmregeln?
Weil Stress nach schnellen Lösungen ruft. Regeln wirken dann wie ein Griff ans Geländer. Beziehung ist langsamer, hält aber länger.
Was kann ich tun, damit Großeltern und andere Bezugspersonen kinderfreundlicher reagieren?
Hilfreich sind konkrete Beobachtungen statt Vorwürfe: „Unserem Kind hilft es, wenn ihr euch erst vorstellt.“ Oft braucht es weniger Überzeugungsarbeit als eine gemeinsame Alltagssprache.
Gibt es eine einfache Haltung, die durch den Alltag trägt?
Ich versuche mich daran zu erinnern, dass Kinder ganze Menschen sind, nur eben klein. Das reicht als Kompass erstaunlich oft.
Auf bald, Eure Evelin.
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