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Aktualisiert am 24.02.2026
Diesen Monat ergreift uns eine Welle der Blogparaden. Während Patrick für Blogmojo 3 Wohlfühltipps für Blog-Newcomer verriet, schreibe ich meine Gedanken für ideas4parents.com nieder. Wie ihr Name verrät, geht es hier um mein Lieblingsthema: Kinder. Um an grauen Regentagen mit viel Lärm in der Bude, Gezänk, Geschrei, umgeworfenen Möbelstücken und ausgeschütteten Trinkbechern nicht durchzudrehen, hilft folgende Frage: Welche drei Eigenschaften bewundere ich an meinen Kindern?
Romy fordert in ihrer Blogparade „#Kindereigenschaften – Worum ich meine Kinder beneide“ dazu auf, sich mit Hilfe dieser Gedanken bewusst zu machen, dass Kinder genial und wundervoll sind. Mir liegt es fern, Kinder zu „beneiden“. Ich freue mich über all das, was meine beiden Mädchen anstellen. Ich gönne ihnen von Herzen all das Beneidens- oder, besser gesagt, Bewundernswerte. Denn sie sind die wundervollsten Geschöpfe, die ich kenne.
- Sie vertragen sich wieder, ohne dass jemand auf „Entschuldigung“ wartet.
- Sie hören auf ihr (Magen- und) Bauchgefühl, statt auf den Essensgong.
- Sie spielen, statt zu lernen, und spielen, um zu lernen.

Wundervolle Geschöpfe
Inhalte
- 1 Vertragen ohne Entschuldigung?
- 2 Das Kinder-Bauchgefühl.
- 3 Spielen, statt zu lernen, und spielen, um zu lernen.
- 4 FAQ: Kinder bewundern im Alltagschaos
- 4.1 Müssen Kinder sich nach Streit immer entschuldigen?
- 4.2 Sollten wir als Eltern bei Geschwisterstreit eingreifen?
- 4.3 Was, wenn ein Kind nachtragend ist und nicht „im Nullkommanichts“ vergisst?
- 4.4 Sind feste Essenszeiten wirklich nötig?
- 4.5 Wie unterstützen wir das Bauchgefühl beim Essen, ohne dass alles chaotisch wird?
- 4.6 Lernen Kinder wirklich „einfach so“ beim Spielen?
- 4.7 Wie vermeiden wir den „Förderwahn“, ohne Kindern Chancen zu nehmen?
Vertragen ohne Entschuldigung?
Ich bewundere meine Töchter, weil sie sich nach einem heftigen Streit im Nullkommanichts wieder vertragen. Inzwischen lernte ich, bei Streitereien seltener einzugreifen. Kinder müssen sich nicht ausmachen, sich wieder miteinander zu versöhnen. Keiner wartet auf Entschuldigungen. Niemand fordert eine Wiedergutmachung.

„Geh weg!“
Sieht das bei uns Großen nicht immer anders aus? Wenn es Ehekrach gab, dauert es, bis ein Küsschen ausgeteilt wird. Bei einem Verkehrsunfall mit kaum erkennbaren Mini-Kratzspuren warten die Kraftfahrer auf der Kreuzung, bis die Polizei schlichtet. Schwiegereltern und Schwiegerkinder bestehen auf die Einsicht des „Schuldigen“, ohne ein „Das war echt blöd, wir sollten das harmonischer angehen“ über die Lippen zu lassen.
Unsere Kinder sind besser. Durch täglichen Geschwisterstreit kennen wir das Geschrei, die ausgerissenen Haare, das Hauen, Kratzen, Beißen, Treten oder Schupsen. Wir Eltern könnten uns in solchen Momenten aufregen, wie unsozial sich die jungen Damen benehmen. Aber im Grunde sind sie sozialer als wir, die wir uns „erwachsen“ nennen.

Vertieft im Spiel
Guckt man nicht hin und lässt Interventionen weg, wie: „Das geht jetzt zu weit, ihr macht das jetzt so und so, und dann vertragt ihr euch wieder!“, beobachtet man, dass Kinder einfach wieder zusammenkommen. Friedlich. Ruhig. Wie vor dem Konflikt. Sie können damit leben, dass eine Kampelei eben mal dazugehört, und warten nicht darauf, bis sich erst jemand entschuldigt. Inzwischen äußern unsere Kinder zunehmend Sätze wie: „Oh, das hab ich jetzt nicht gewollt! Entschuldige bitte, Schwester!“
Vielleicht ist das eine stille Erinnerung für uns Erwachsene: Beziehung ist oft schneller als Prinzip. Und manchmal ist das „Recht haben“ nur ein besonders schwerer Mantel, den niemand mehr tragen will. Wenn ihr bei euch daheim an ähnlichen Stellen festhängt, schaut auch in unseren Text über Alternativen zur Gewalt hinein.
Das Kinder-Bauchgefühl.
Bevor ich Kinder hatte, machte ich mir Sorgen, ob ich eines Tages fähig wäre, einer Familie regelmäßige Mahlzeiten zu servieren. Europäer scheinen schon von klein auf darauf konditioniert zu werden, feste Regeln und Gebräuche zu befolgen. Frühstück, Teepause, Mittagessen, Vesper, Abendessen: Als unser erstes Kindchen zum Futtern mit Patrick und mir am Tisch saß, kam ich mitunter ganz schön ins Schwitzen. Doch umsonst: Unsere Kinder hören noch heute auf ihre Gefühle für Hunger und Appetit. Wir brauchen keinen Essensgong.

„Ich koche mir selbst etwas“
Ich darf darauf vertrauen, dass unsere Kinder auf ihr (Magen- und) Bauchgefühl hören und ihren Tag nicht nach festen Mahlzeiten ausrichten. Es ist so einfach wie erstaunlich: Sie spielen mit Gurkenschalen, wünschen sich im Supermarkt Obst und Minigemüse, essen mit Freude und Lust, anstatt Gedanken ans pünktliche Sattwerden zu verschwenden.
Spielen, statt zu lernen, und spielen, um zu lernen.
Mein damals gerade vier Monate alter Erstling erhielt täglich geplante, pädagogische Angebote. Ich befand mich völlig im Förderwahn. Mein zwei Jahre jüngeres Kind musste darauf verzichten, denn ich fand keine Zeit mehr, die „Berufskrankheit“ der ehemaligen Kindergärtnerin auszuleben. Was wie ein Wunder scheint, ist eigentlich ganz offensichtlich: Kinder haben den Drang, sich zu entwickeln! Ich durfte erleben, wie das zweite Töchterchen einfach darauf los probierte und experimentierte. Versuch und Irrtum.

Socken selbst anziehen
Lässt man Kinder in Ruhe und vertraut ihnen, spielen sie drauf los. Sie sorgen sich nicht, wie sie irgendein pädagogisches Ziel erreichen. Sie leben; und es passiert von allein, dass sie den Deckel auf die Dose schrauben, Zwiebel von Apfel unterscheiden, von einem Tag auf den anderen laufen und eine Sprache erlernen. Sie lernen durch Begeisterung, ohne unser Zutun. Wir brauchen ihnen nichts lehren und erklären. Es reicht, wenn sie einfach nur am Leben teilnehmen. Diese Feststellung ist eine der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens.

kleine Weltentdecker
Wir Großen grübeln, wie wir im spanischsprachigen Reiseland zurechtkommen werden und wie anstrengend der Spanischkurs sein wird, den wir abgekämpft an einer VHS besuchen könnten. Dabei würden wir vielleicht ähnlich schnell lernen wie unsere Kinder. Nicht mit Sorge, sondern mit Begeisterung. Mit dem Leben. Im Kontakt mit anderen Menschen. Und mit Freude. Einfach so.
Was immer du tust, tu es mit Freude.
Augustinus
Müssen Kinder sich nach Streit immer entschuldigen?
Bei uns zeigt sich oft: Kinder finden schneller zurück, wenn niemand sie zu einer „richtigen“ Versöhnung drängt. Eine Entschuldigung kann schön sein, aber sie wirkt am stärksten, wenn sie freiwillig kommt und nicht als Eintrittskarte in den Frieden.
Sollten wir als Eltern bei Geschwisterstreit eingreifen?
Manchmal reicht Beobachten. Wenn es kippt in echte Gefahr, klare Überforderung oder wiederholte Grenzverletzungen, braucht es Schutz und Präsenz. Dazwischen liegt viel Raum, in dem Kinder selbst wieder zusammenfinden.
Was, wenn ein Kind nachtragend ist und nicht „im Nullkommanichts“ vergisst?
Dann ist das keine Charakterschwäche, sondern ein Mensch. Manche Kinder brauchen länger, manche kürzer. Ihr könnt begleiten, ohne zu drängen: benennen, was passiert ist, Nähe anbieten, Zeit lassen.
Sind feste Essenszeiten wirklich nötig?
Viele Familien funktionieren gut mit wiederkehrenden Angeboten, ohne dass daraus ein starrer Taktstock wird. Wir erleben, dass Kinder Hunger und Appetit oft sehr klar spüren. Entscheidend ist weniger die Uhr als eine entspannte Atmosphäre.
Wie unterstützen wir das Bauchgefühl beim Essen, ohne dass alles chaotisch wird?
Hilfreich kann sein: verlässliche Auswahl, wenig Druck, und die Einladung, selbst zu spüren. Wenn ihr Struktur braucht, kann sie leise sein. Ein Tisch, ein Moment, ein Angebot. Kein Gong.
Lernen Kinder wirklich „einfach so“ beim Spielen?
Wir sehen im Alltag, wie viel Wissen im Spiel aufblitzt: Sprache, Motorik, Logik, Sozialverhalten. Das ersetzt keine Schule als Institution, aber es zeigt, wie stark Lernen an Beziehung, Interesse und echte Situationen gekoppelt ist.
Wie vermeiden wir den „Förderwahn“, ohne Kindern Chancen zu nehmen?
Ein Anfang ist, den Blick zu wechseln: von Zielen zu Beobachtung. Was zieht euer Kind an? Wofür brennt es? Wenn ihr daran andockt, entsteht Förderung oft als Nebenprodukt von Begeisterung.
3 großartige Eigenschaften, für die ich meine Kinder bewundere von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.