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Kinderreichtum?

Aktualisiert am 08.08.2026

Ihr sehnt euch nach einem (weiteren) eigenen Kind und fragt euch, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist? Zweifelt ihr an einer (erneuten) Schwangerschaft, sei es wegen der Auswirkungen auf eure Beziehung, euren Alltag und die Meinung eurer Mitmenschen? Ihr wollt die richtige Entscheidung treffen? Mit unserem Artikel wollen wir euch helfen, Antworten zu finden, indem wir von uns berichten.

Dieser Text ist ein Erfahrungsbericht. Für medizinische oder psychologische Fragen sind die entsprechenden Fachpersonen die passende Anlaufstelle.

Neben Überlegungen, ob eigener Nachwuchs zum Leben dazugehört oder eher belastet, beschäftigen manche Paare auch größere Fragen: die Entwicklung unserer Gesellschaft, die politische Lage, persönliche Freiheiten, ökologische Fragen und die Zukunft. Solche Gedanken können ebenso zur Entscheidung für oder gegen ein weiteres Kind gehören wie Geld, Arbeit, Beziehung und die eigene Kraft.

Gründe für ein weiteres Kind

Obwohl wir alle der gleichen Spezies angehören, sind die Gründe für das wiederholte Entstehenlassen eines Kindes so individuell wie wir selbst. Sie sind beeinflusst von medizinischen, psychischen, physischen, ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein weiteres Kind?

Bei unseren Freunden unterscheiden sich die Vorstellungen darüber, wann es an der Zeit für (zusätzliche) Nachkommen ist, eklatant. Der perfekte Zeitpunkt ist, sobald …

  • … das Studium beendet,
  • … es zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrages gekommen,
  • … das Ende der Probezeit herangerückt,
  • … der größte Stress in der Firma ausgestanden,
  • … die Gehaltserhöhung gesichert,
  • … der Hausbau abgeschlossen,
  • … das Auto abbezahlt,
  • … genügend Abstand zur letzten Fehlgeburt verstrichen,
  • … das Geschwisterkind abgestillt,
  • … im Kindergarten eingewöhnt oder eingeschult ist,
  • … der Partner aufhört zu rauchen,
  • … sich die politische Lage stabilisiert,
  • … die Schwiegereltern weggezogen oder die Flitterwochen vorüber sind,
  • … die Pille abgesetzt wurde oder die Spirale nicht mehr liegt,
  • … es scheint, dass momentan alle anderen schwanger sind oder
  • … wenn „Gott es will“.

Solche äußeren Meilensteine können für die eigene Entscheidung wichtig sein. Unsere Erfahrung war zugleich: Das Leben richtet sich selten vollständig nach einer Checkliste. Bei uns spielte deshalb irgendwann stärker die Frage eine Rolle, wie sich unser gemeinsames Leben anfühlte und ob wir uns ein weiteres Kind darin vorstellen konnten.

Der Einfluss des ersten Kindes

Als wir uns zum allerersten Mal nach einem gemeinsamen Kind sehnten, spürten wir die rosafarbenen Wolken um uns herum.

Wie im Film „Ein freudiges Ereignis“, in dem ein kleiner Erdenbürger den Höhepunkt der Liebe der zwei Turteltäubchen darstellt, bekamen wir Lust auf eine wundervolle Melange aus uns beiden. Mit der Niederkunft wandelte sich das einst so entspannte Studentenleben jedoch radikal zu einem chaotischen Parallelleben. Der eine wurde nicht mehr mit dem Job im Büro fertig und der andere versank zuhause einsam hinter Wäschebergen mit dem schreienden Baby.

Heute sind wir heilfroh, dass sich unser Weltbild hinsichtlich Wirtschaft und Arbeit grundlegend änderte. Das rettete unsere Ehe. Nachdem wir uns für ein finanziell bescheideneres Dasein und die gemeinsame Zeit als Familie entschlossen, entstand in uns kurzerhand die Sehnsucht nach einem Geschwisterchen für unsere Große. Der geringe Altersunterschied kam uns genauso gelegen wie die Einplanung in das Urlaubssemester.

Wie an den Tagen der Geburten unserer Töchter besaßen wir bei der Jüngsten das korrekte Gespür für den perfekten Zeitpunkt ihrer Zeugung: Keine Stunde verging ab dem ausgesprochenen Herzenswunsch – wir ließen zum wiederholten Male Leben entstehen.

Geteilte Meinungen über ein zweites oder drittes Kind

Während die Reaktionen auf die vorangegangene Schwangerschaft durch die Bank positiv ausfielen, verletzte uns mit Ankündigung des zweiten Kindes unter anderem ein „Ach du sch…“ aus der Verwandtschaft. Auch den Vorwurf, Eltern mit mehreren Kindern seien „zu doof zum Verhüten“, kannten wir.

Bei dem Traum von einem dritten Kind sieht es schon anders aus. Wir bewunderten Familien mit mehreren Kindern und die Vertrautheit, die wir bei manchen von ihnen wahrnahmen. Gleichzeitig steckte uns im Hinterkopf, wie andere Menschen über große Familien urteilen.

Eine Familie, die uns damals inspirierte, war Familie(n)leben. Solche Einblicke waren für uns keine Vorlage dafür, wie Familie auszusehen hat. Sie zeigten uns einfach, dass Lebensentwürfe mit mehreren Kindern sehr verschieden sein können.

Leistungsnormen, Rollenbilder und Familiengröße

Rund um größere Familien begegneten uns Vorstellungen darüber, wie ein vernünftiges Erwachsenenleben auszusehen habe: Erwerbsarbeit, finanzielle Sicherheit, eine bestimmte Familiengröße und klare Rollen für Mütter und Väter. Besonders die Vorstellung, eine Mutter müsse möglichst rasch wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, passte wenig zu dem Familienleben, das wir selbst führen wollten.

Solche Maßstäbe dürfen für andere Familien wichtig sein. Für unsere Entscheidung interessierte uns stärker, welches Leben wir selbst miteinander führen wollten und welche Verantwortung wir für weitere Kinder übernehmen konnten.

Auch die Frage nach Verhütung gehört in diesen Zusammenhang. Verhütungsmethoden haben jeweils eigene Wirkungen, mögliche Nebenwirkungen und persönliche Voraussetzungen. Medizinische Fragen dazu gehören für uns deshalb in eine individuelle Beratung und nicht in die Bewertung einer Familie von außen.

Die Entscheidung für unser drittes Kind

Für uns kommt der Schritt hin zu einem dritten und vierten Kind absolut in Betracht. Der von uns gewählte, optimale Augenblick ist von verschiedenen Begebenheiten geprägt – mit dem Fokus auf das Vertrauen in ein glückliches Leben.

Dass unsere Große seit der Hausgeburt ihrer Schwester annähernd täglich Hebamme spielt und ihre Faszination für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Neugeborenes ungezügelt ist, ist kein Geheimnis.

Als sie zu Beginn des Jahres aussprach: „Mama, ich wünsche mir noch ein Kind von dir.“, berührte uns das sehr. Ihre Worte waren ihre eigene Sicht auf unsere Familie. Die Verantwortung für die Entscheidung lag weiterhin bei uns Eltern.

Eure eigene Stimme bei der Entscheidung für ein weiteres Kind

Wir sind letzten Endes die Verantwortlichen für ein (zusätzliches) Kind – Verwandte, Bekannte, Freund:innen oder Nachbar:innen tragen diese Verantwortung nicht. Für uns wurde deshalb entscheidend, was wir selbst empfanden, welche Möglichkeiten wir hatten und wie wir unser gemeinsames Leben gestalten wollten.

Vielleicht gibt es für den Kinderwunsch keinen Zeitpunkt, an dem jede äußere Bedingung stimmt. Bei uns entstand die Entscheidung aus Sehnsucht, Vertrauen und der Erfahrung, dass unser Familienleben Raum für einen weiteren Menschen hatte.

Passend zum Thema Kinderwunsch stand damals auf meinem Teebeutelzettelchen geschrieben: „Jedes Kind ist eine Hoffnung für die Welt.“ 🙂

Transparenz: Dieser Beitrag schildert unsere persönliche Familiengeschichte und unsere damaligen Überlegungen. Er ersetzt keine medizinische oder psychologische Beratung.

CC BY-SA 4.0 „Kinderreich“ und „asozial“? Wann ist Zeit für ein weiteres Kind? von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.