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Aktualisiert am: 24.02.2026

Brief an meine Gebärmutter – ein persönlicher Text über Schwangerschaft und Dankbarkeit

Liebe Gebärmutter,

während meine Hände heute über meinen prächtigen Bauch strichen, keimte in mir auf, dass ich ihn Dir zu verdanken habe. Ich hätte ihn nicht, wenn Du meinem Kind keine Wohnung schenktest. Diese Wohnung ist viel perfekter als meine. In meiner ist es manchmal unaufgeräumt, verstaubt, zu laut oder zu leise. Zeitweise riecht es unangenehm, ist es zu kalt oder zu warm. Mitunter ist auch nicht das richtige Essen im Haus oder alle Bewohner haben schlechte Laune. Doch Du bietest meinem Kind eine Wohnung, die zu 100 Prozent makellos ist. Du bist optimal für das Baby, das in Dir wohnt und wächst.

Liebe Gebärmutter, ich weiß nicht, ob Du Google kennst. Es ist eine Suchmaschine für das Internet. Man kann nach Dingen recherchieren. Herausfinden, was etwas ist. Es gibt Menschen, die Dich nicht kennen, zum Beispiel junge Mädchen. Sie „googeln“, um etwas über Dich zu lernen. Immerhin können sie Dich nicht sehen, schmecken, riechen, hören und anfassen. Man spürt auch nicht viel von Dir.

Heute habe ich „Gebärmutter“ gegoogelt.

Google sagt, die Gebärmutter wäre ein weibliches Geschlechtsorgan. Das ist sehr primitiv gehalten, ich weiß. Tatsächlich zeigt Google neben dieser einfachen Erklärung noch andere, schreckliche Ergebnisse an. Ich dachte, es müsse beim Blick auf die Suchergebnisse schnell zu erkennen sein, dass Du hinreißend bist. Wer Dich aber nicht kennt, wird das jedoch nicht anhand der Suchergebnisse Googles herausfinden.

Ich nenne Dir ein paar der ersten Schlagwörter: Gebärmutterentfernung, Gebärmuttervorfall, Gebärmuttersenkung, Myome, Ausschabung, Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterhalskrebsimpfung und Gebärmuttervergrößerung.

Nun, liebe Gebärmutter, ich schäme mich etwas.

In den ersten Jahren habe ich Dich nicht wertgeschätzt, als Du Deine Bedeutung für meinen Körper ausbildetest. Ich war wütend, dass ich wegen Dir blutete. Einmal ärgerte ich mich deshalb sogar an meinem Geburtstag über Dich. Hatte ich Schmerzen, warf ich mitunter eine Tablette ein, um meinen Körper und Dich „auszutricksen“. Eine Zeit lang setzte ich Chemie gegen Dich ein, damit Du Deiner Arbeit nicht nachkommen konntest.

Ich hätte nicht gedacht, dass Du so schlau bist, um gerade dann mit mir zu kommunizieren. Du hast Dich mit dem Rest meines Körpers „zusammengetan“. Letztendlich half die Colitis ulcerosa, Dich wieder als meine Freundin zu sehen, „Ja“ zu Dir und „Nein“ zur Einnahme der Pille zu sagen. Wir stellten uns aufeinander ein. Ich lernte, in einem Rhythmus, in einer Verbindung mit Dir zu leben. Du hast mir gezeigt, was meinem Körper guttut und was nicht.

Ich erlebte, wie Du ein Kind in Dir aufgenommen und wieder losgelassen hast, als Du merktest, dass ich noch nicht reif genug für ein Leben als Mutter war.

Ich glaube, Du hast mit Deinen befreundeten Nachbarinnen, den Eierstöcken, den Eileitern, Eizellen, kleinen Hormonen und so weiter, sogar eine bedeutsame Macht über meinen Körper hinaus. Lass mich Dir das kurz erklären: Als ich meinen heutigen Mann kennenlernte, erlebte ich mich so wie nie zuvor.

Ich war wahnsinnig verknallt in diesen Mann,…

… liebte jede Zehntelsekunde mit ihm und war mir sicher, dass ich den Rest meines Lebens mit ihm verbringen wollte.

Patrick und ich – ein Foto aus unserer gemeinsamen Zeit

Patrick und ich

Mein Leben war bezaubernd und aufregend. Mein Körper fühlte sich genauso. Ich glaube heute, dass sich mein Körper ein Kind von diesem wunderbaren Mann wünschte. Ich wollte diesen Wunsch nicht hören. Es dauerte zwei Not-OPs wegen Ovarialzysten und monatelange Medikamenteneinnahme, bis ich zur Vernunft kam.

Nach der OP in einem italienischen Krankenhaus

nach der OP in einem italienischen Krankenhaus

Endlich wollte ich mehr, als nur mit diesem Mann zu schlafen. Du warst nach all der Aufregung keineswegs beleidigt, hast mir diesen Umweg nicht übel genommen. Als ich als Letzte aller Beteiligten den Wunsch nach einem Kind äußerte, hast Du zusammen mit Deinen Nachbarinnen sofort zugestimmt.

Ich habe spüren dürfen, welch wunderbare Arbeit Du für mich verrichtest. Du bist gewachsen und gewachsen, ohne Dich zu beschweren. Du hast mein erstes Kind ausgetragen, es rund um die Uhr perfekt versorgt und feierlich ausziehen lassen. Nach der Geburt bist Du so schnell wieder klein geworden, dass man meinem Bauch nicht ansah, dass er einmal fast einen Meter Umfang maß.

Du hast mir eine lange Blutungspause geschenkt, in der ich mich ganz auf das Nähren meines Babys konzentrieren durfte.

Zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft – ein Babybauchfoto

zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft

Und als ich mir ein zweites Kind wünschte…

… hast Du wieder sofort reagiert und mit einem freundlichen „Herzlich willkommen, nur hereinspaziert!“ dem neuen Leben zugewunken.

Jetzt durfte ich zum dritten Mal Deine außerordentliche Großzügigkeit erleben. Ich habe verstanden, dass Du ein ganz besonderes Lieblingsorgan in meinem Körper bist und ich Dich so sehr brauche. Ich schätze Dich. Wie freue ich mich doch mit diesem neuen Bewusstsein auf die Geburt, die Du in ein paar Tagen meistern wirst!

Du hast mehrere Goldmedaillen verdient.

Liebe Gebärmutter – ich danke Dir!

Quellen (Begriffe, kurz & belastbar)

FAQ: Gebärmutter, Zyklus und Selbstfürsorge

Was ist die Gebärmutter (Uterus) – kurz erklärt?

Die Gebärmutter ist ein muskulöses Hohlorgan. In ihr kann sich eine befruchtete Eizelle einnisten, und dort wächst während einer Schwangerschaft ein Kind heran. Wenn ihr eine knappe, verlässliche Definition sucht: Duden, gesundheitsinformation.de (IQWiG) und Pschyrembel erklären Lage und Funktion gut (siehe Quellen oben).

Warum tauchen beim „Googeln“ so oft Begriffe wie Senkung, Myome oder Krebs auf?

Suchergebnisse spiegeln oft Häufigkeit von Suchanfragen und medizinische Problemwörter. Das sagt wenig über euren Körper im Alltag. Viele Menschen suchen erst dann, wenn etwas weh tut, Angst macht oder abgeklärt werden muss.

Ist es „normal“, die eigene Gebärmutter erst spät wertzuschätzen?

Viele erleben den Zyklus lange nur als Störung, Schmerz oder organisatorisches Problem. Wertschätzung wächst oft erst, wenn Körpererfahrung und Lebenskontext sich verändern. Das ist keine Schuldfrage, eher Biografie.

Was kann helfen, wenn Periodenschmerzen oder Zyklusbeschwerden den Alltag bestimmen?

Wenn Schmerzen stark sind, neu auftreten oder euch einschränken, ist Abklärung sinnvoll. Medizinisch können Ursachen von harmlos bis behandlungsbedürftig reichen. Gleichzeitig darf Selbstfürsorge klein anfangen: Wärme, Ruhefenster, Entlastung, und ein ehrlicher Blick darauf, was euch im Monatsrhythmus gut tut.

Verändert sich die Gebärmutter nach einer Geburt wirklich so stark?

Ja. Während der Schwangerschaft passt sich die Gebärmutter massiv an. Danach bildet sie sich wieder zurück (medizinisch: Rückbildung). Wie schnell und wie spürbar das verläuft, ist individuell.

Was bedeutet „Wochenbett“ – und warum ist es mehr als „Erholungszeit“?

Das Wochenbett ist eine Phase körperlicher Rückbildung und emotionaler Umstellung. Es darf leise sein, langsam und schützend. Wenn ihr dazu praktische, sanfte Ideen sucht: 14 Tipps für ein entspanntes Wochenbett.

Wie lässt sich ein Geburtstermin überhaupt berechnen?

Rechner liefern Näherungen auf Basis statistischer Annahmen. Euer Körper hält sich nicht an Tabellen. Wenn ihr die Rechenlogik wissen wollt (und warum sie Grenzen hat): Geburtstermin berechnen.

CC BY-SA 4.0 Brief an meine Gebärmutter – Zum Abschied von einer Schwangerschaft von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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