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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2026

Wir lieben kleine Geschenke. Eine Postkarte. Ein paar wärmende Worte. Etwas Selbstgemachtes, das nach Kräutern duftet. Ein Sträußchen vom Wegesrand. Oder die erste Ernte aus dem Garten. Solche Dinge halten Beziehungen lebendig, weil sie sagen: „Ich habe an euch gedacht.“
Und dann gibt es diese anderen Abende. Ihr liegt im Bett, die Kinder finden endlich in den Schlaf, und der Tag hängt euch noch in den Knochen. Vielleicht gab es eine Situation, in der ihr nicht so ruhig wart, wie ihr es euch wünscht. Vielleicht wart ihr schneller, härter, ungeduldiger. Dann taucht manchmal dieser Gedanke auf: Könnte man das jetzt nicht irgendwie „wiedergutmachen“?
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Warum „Entschuldigungs-Geschenke“ selten funktionieren
Die Fantasie ist verlockend: ein rotes Rennauto aufs Kopfkissen, neue Puppenkleidung im Hausschuh, ein Schokoriegel in der Brotdose – und schwupps sind die Knitter in der Eltern-Kind-Beziehung geglättet.
Nur: Beziehung ist kein Teppich, den man mit einem hübschen Muster über eine Beule legt. Kinder merken sehr genau, ob etwas Nähe ist oder Ablenkung. Ein Geschenk kann trösten, klar. Aber wenn es als Reparatur gedacht ist, wird es schnell zu einem Umweg um das Eigentliche herum.
Dazu kommt ein zweiter Punkt, der uns wichtig ist: Wir möchten unsere Kinder nicht zu kleinen Konsument*innen erziehen. Nicht zu Menschen, die Trost automatisch mit Dingen verknüpfen, oder die nach dem nächsten Einkauf bereits das nächste Modell „dringend brauchen“. Viele von uns kennen aus der Schulzeit dieses eine Kind, das scheinbar alles hatte – und bei dem trotzdem etwas fehlte, das man nicht kaufen konnte.
Falls ihr euch tiefer mit Konsumdruck, Geschenkspiralen und Alternativen beschäftigen wollt: In unserem Beitrag „Zeit statt Zeug“ sammeln wir Ideen, wie Verbundenheit ohne Kaufrausch gelingen kann.
Unsere eigene Lernkurve: Liebe in Dingen ausdrücken
Im ersten Lebensjahr unserer Großen arbeitete Patrick Vollzeit, oft mit Überstunden, dazu eine Stunde Fahrzeit. Zeit für unsere Tochter blieb vor allem am Wochenende. Regelmäßig brachte er ein kleines Geschenk mit. Es war Liebe – aber eben in einer Form, die schnell zur Gewohnheit wird. Zuhause häuften sich Teddybären, Kuscheltücher, Quietschespielzeug, Babybücher und vieles mehr.
Im Rückblick war das auch ein Versuch, ein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Nicht aus Berechnung, sondern aus Sehnsucht: nach Nähe, nach „Ich war doch da“, obwohl der Alltag etwas anderes erzählte.
Das Geschenk, das nicht im Regal steht
Später sind wir bei einer simplen, fast unbequemen Idee gelandet: Das größte Geschenk an unsere Kinder ist nicht, dass wir keine Fehler machen. Sondern dass wir sie nicht verstecken.
Der Familientherapeut und Autor Jesper Juul (Dein kompetentes Kind, 2001; Die kompetente Familie, 2002) hat uns dabei geholfen, unsere eigenen Erwartungen an „perfekt“ herunterzuschrauben. Seine Grundhaltung: Kinder können die Fehler ihrer Eltern verzeihen – wenn Beziehung da ist, wenn Verantwortung übernommen wird, und wenn die Erwachsenen nicht so tun, als wäre nichts gewesen.
Das ist kein Freifahrtschein für Grenzverletzungen. Es ist eher eine Einladung zur Ehrlichkeit: Wir dürfen scheitern, ohne uns zu rechtfertigen. Und wir dürfen Verantwortung übernehmen, ohne uns zu zerfleischen.
Probiert einmal diesen kleinen Perspektivtest: Habt ihr euren Eltern Dinge verziehen, die euch als Kind verletzt haben? Viele von uns antworten – trotz allem – mit „ja“. Nicht, weil alles gut war, sondern weil Bindung, Liebe, gemeinsame Geschichte stärker sind als einzelne Fehltritte. Unsere Kinder sind nicht naiv. Aber sie sind beziehungsfähig.
Unser Abendritual: Ein Satz, der wirkt
Wenn wir uns abends ins Familienbett kuscheln, sprechen wir leise aus, was wahr ist: dass wir glücklich sind, diesen Tag miteinander gelebt zu haben. Wenn es Ärger gab, verschweigen wir ihn nicht. Wir sagen, dass wir uns als Eltern doof verhalten haben. Ohne Drama, ohne Show, ohne „aber du hast doch auch…“.
Und dann sagen wir etwas, das uns selbst entlastet und den Kindern Sicherheit gibt: dass morgen ein neuer Tag ist. Dass wir es wieder versuchen. Dass Beziehung nicht an einem schlechten Moment zerbricht.
Oft endet es mit einem Satz, der für Kinder kein Konzept ist, sondern ein Zuhause: „Ich liebe, liebe, liebe euch.“ Und einem Kuss.
Wenn ihr trotzdem gern schenkt: Drei Ideen ohne „Reparatur-Geschmack“
- Geschenke als Anlasslosigkeit: Nicht nach Streit, sondern an ganz normalen Tagen. Einfach, weil ihr Lust habt, Freude zu teilen.
- Geschenke als Einladung zu Zeit: Ein neues Hörspiel und dann gemeinsam hören. Ein Buch und dann zusammen lesen. Ein kleines Werkzeug und dann gemeinsam bauen.
- Geschenke als Bedürfnis-Spiegel: Nicht „damit du wieder happy bist“, sondern „ich habe gesehen, dass dich X gerade interessiert“.
Manchmal sind es auch keine Dinge: ein Zettel mit einer kleinen Botschaft, ein Frühstück im Bett, zehn Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit. Wenn ihr Inspiration für Spielzeug jenseits von Dauerplastik sucht, könnten euch auch diese Beiträge interessieren: Spielzeug für Kinder und pädagogisch wertvolles Spielzeug.
Wir freuen uns schon jetzt auf morgen früh, wenn unsere Kinder die Badesachen fürs Schwimmbad auf ihrem Kindertischchen entdecken. Nicht als Wiedergutmachung. Eher als leises „Wir machen weiter. Zusammen.“
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Dein kompetentes Kind: Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie*
Die kompetente Familie: Neue Wege in der Erziehung. Das familylab-Buch*
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