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Aktualisiert am: 11.08.2026
Seid gegrüßt, ihr Kräuterhexen, Blätterfeen, Waldmännlein und Naturkostliebhaber:innen! 🙂
„Bei Hagers essen sie ja Gras!“
berichtete meine Freundin entsetzt ihren Eltern, als sie nach dem Abendessen heimkam. Heute, 25 Jahre später, verwundert es sie jedoch nicht mehr, wenn sie meine Kinder „grasen“ sieht.
Bei uns kommt aber weder Rasen noch Marihuana auf den Tisch. Als „Gras“ bezeichnete meine Kindergartenfreundin Kresse, Sprossen bzw. Keimlinge, die als kleine Frischkostbeilage das Essen bereicherten.

„Die essen ja Gras!“
Jetzt im November tischen wir zuhause auch wieder „Gras“ auf. Der erste Schnee verdirbt mitunter die Sammellaune auf frische Wildkräuter und es tut gut, trotzdem etwas Zartes, Grünes zuhause zu haben. Radieschensprossen und Alfalfasprossen kommen bei unseren Mädchen besonders gut an.

Gekeimter Buchweizen ist mild im Geschmack.
Aber nun zum Vorgekauten…
Was sich vom Beikoststart an ebenso großer Beliebtheit erfreut, sind Wildkräuter. Vermutlich teilen unsere Kinder solche Ernährungsfavoriten nicht mit vielen. 😀
Unser Erstling mopste mir mit 5 Monaten Buchen- und Löwenzahnbrei aus dem Mund. Weil ich zu Mysophobie neige, war ich verunsichert, ob das denn so okay wäre. Durfte ich es den Schimpansen gleich tun? Mein Kind bestand darauf. Ich ließ es gewähren, im Sinne von „Unerzogen“ und gab weiterhin ab.

Hagebutte nach dem Frost braucht man nicht mehr vorkauen.
Unsere zweiten und dritten Babys brannten für Smoothies. Inzwischen sind dem zweiten Töchterchen Wildkräuter wie Früchte in frischer, ungehexelter Form lieber. Vorkauen muss ich also nichts mehr. 😉

Rohes Hagebuttenmus mag auch unser Jüngster
Novemberfrost ≠ Kräuterkost ?
Heute möchte ich ein paar Eindrücke mit euch teilen. Nach dem ersten Frost meint man oft, Wildkräuter seien nun passé. Selbst hier im Erzgebirge ist das aber erst dann der Fall, wenn der Schnee einen Meter hoch liegt und Brombeersträucher wie sämtliche Beerenbäumchen zugeweht hat.

Hagebutten im November
Unwiderstehlich sind Hagebuttensträucher geradezu jetzt im November. Das süße Mus lässt sich leicht aus dem Stielansatz hinausquetschen. Dabei braucht man den kratzigen Körnchen nicht nahe kommen – wobei sich meine Mädchen selbst im Sommer nicht daran stören, wenn sie die harten Schalen der Hagebutten abknabbern.

Glückliche Kinder
An Sträuchern mit Berberitze kommen wir auch nicht vorbei, ohne uns daran zu laben. Wenn wir auf dem Weg zu unseren Spielfreund:innen sind, können die 500 Meter Fußweg schon mal eine Stunde dauern. 😀

Berberitze: Leckere, säuerliche Früchte

Berberitze als Wegzehrung
Schlehen haben wir hier noch nicht entdeckt, aber nach dem ersten Frost landeten sie genauso bei jedem Spaziergang in den kleinen Mündern. In unserem ersten Zuhause in Thüringen hatten wir sie quasi vor der Haustür. Hier greifen wir stattdessen zu Feuerdorn.
Glücksmomente
Herzerwärmende Momente schenkten mir meine Lieblingsmenschen heute an den Feldern mit Winterrüben. Unsere Große befühlte die einzelnen Tautropfen und beobachtete Mücken, die genau neben ihr in den letzten warmen Sonnenstrahlen tanzten. Fröhlich stellte sie fest, dass ihr keine einzige Mücke einen Stich versetzen wollte.
Und wieder zeigt sich: Es bedarf keiner Korrektur.
Unsere Mittlerste wollte derweil bei den „Schafen“ bleiben. Manchmal sagt sie „Schafe“ zu Ziegen, Kühen oder Pferden. Mir fiel dabei auf, dass wir sie deshalb gar nicht korrigieren. Jedenfalls sammelte sie Löwenzahnblätter und Spitzwegerich. Sie fütterte damit die Tiere, knabberte sie selbst und verschenkte sie an ihre Schwester. „Tschüss, ihr Pferde!“, rief sie schließlich und machte sich als Erste von uns freudestrahlend auf den Heimweg.

Beinahe ganzjährig: Löwenzahn und Spitzwegerich

Lindenknospen im November – bei uns landen auch sie im Mund.
Wildkräuter mit Kindern: Was mir beim Sammeln wichtig ist
Was ihr hier lest, ist unser Familienalltag. Wenn wir Wildkräuter sammeln, gehört für mich sichere Pflanzenkenntnis dazu. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass manche Wildkräuter gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe enthalten und Verwechslungen mit giftigen Pflanzen schwere Vergiftungen auslösen können. Je nach Fundort können außerdem Verunreinigungen durch Haus- und Wildtiere Krankheitserreger mitbringen.[1]
Darum landet bei uns nur im Mund, was wir sicher erkennen. Mit kleinen Kindern würde ich heute bei grünen Smoothies noch genauer hinschauen: Das BfR rät dafür von Wildkräutern ab.[1] Unsere wildkräuterliebenden Babys gehören zu unserer Familiengeschichte. Bei kleinen Kindern orientiere ich mich heute an dieser BfR-Empfehlung.
Auch unser Winter-„Gras“ hat eine weniger idyllische Seite: Beim Keimen ist es warm und feucht, und diese Bedingungen begünstigen auch Bakterien. Das BfR empfiehlt deshalb Durcherhitzen. Bei Rohverzehr nennt es gründliches Waschen und schnellen Verbrauch, weist aber darauf hin, dass Waschen Krankheitserreger nicht vollständig entfernt.[2]
FAQ: Wildkräuter und Wildfrüchte im November
Welche Wildkräuter finden wir im November noch?
Hier im Erzgebirge begegnen uns im November vor allem alte Bekannte wie Löwenzahn und Spitzwegerich. Manches schaut nur noch klein zwischen Gras und Laub hervor. Wenn euch interessiert, was wir auch im Winter gefunden haben, findet ihr dazu unseren Beitrag Welche Wildkräuter ihr im Winter finden könnt.
Warum mögen wir Hagebutten nach dem Frost?
Bei unseren Hagebutten lässt sich das weiche Mus nach dem Frost besonders leicht aus dem Stielansatz drücken. Genau das macht sie für uns unterwegs so verlockend. Die feinen Härchen und Kerne lassen wir dabei möglichst dort, wo sie sind.
Können Kinder Wildkräuter roh essen?
Bei Kindern schaue ich auf Pflanzenart, Pflanzenteil, Fundort und Alter. Das BfR warnt bei selbst gesammelten Wildkräutern vor gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen einzelner Arten, vor Verwechslungen und vor möglichen Verunreinigungen. Für grüne Smoothies mit kleinen Kindern empfiehlt das Institut deshalb, auf Wildkräuter zu verzichten.[1]
Wie vermeiden wir Verwechslungen?
Unser Kriterium ist ziemlich schlicht: Wir essen nur Pflanzen, die wir sicher erkennen. Ein „sieht ungefähr so aus“ reicht uns beim Sammeln nicht. Auch das BfR rät bei Zweifeln vom Verzehr selbst gesammelter Kräuter und Pflanzen ab.[3]
Wo sammeln wir Wildkräuter?
Wir suchen uns bekannte Stellen und achten darauf, was rundherum passiert. Straßenränder, stark von Hunden besuchte Stellen oder Flächen, bei denen wir die Nutzung nicht einschätzen können, lassen wir aus. Das BfR nennt mögliche fäkale Verunreinigungen durch Haus- und Wildtiere als einen Grund, den Fundort mitzudenken.[1]
Was wächst bei uns, wenn draußen kaum noch etwas Grünes lockt?
Dann keimt es eben drinnen. Kresse, Radieschen-, Alfalfa- oder Buchweizensprossen bringen uns im Winter frisches Grün auf den Tisch. Beim Rohverzehr gehört für uns die Sprossenhygiene inzwischen genauso dazu wie das Beobachten der kleinen Keime beim Wachsen.[2]
Was ist bei Beschwerden nach einer unbekannten Wildpflanze sinnvoll?
Bei Verdacht auf eine möglicherweise giftige Pflanze nennt das BfR ein Giftinformationszentrum, eine Arztpraxis oder eine Klinik als Anlaufstellen. Pflanzenreste oder ein Foto können bei der Bestimmung helfen. Vom Auslösen von Erbrechen rät das BfR ab.[3]
Mehr Wildkräuter bei FreeYourFamily
- Welche Wildkräuter ihr im Winter finden könnt
- Essbare Wildpflanzen im Erzgebirge
- Gartenführung durch unseren Permakulturgarten
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): (Grüne) Smoothies: Worauf zu achten ist, 07.02.2024, Abschnitte „Können Wildkräuter bedenkenlos in Smoothies genutzt werden?“ und „Sollte das Obst und Gemüse für Smoothies vorher gewaschen werden?“
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): STEC/EHEC-Infektionen durch Lebensmittel: Risiken erkennen und vorbeugen, Seitenstand 24.10.2025; aktuelle Bewertung vom 05.08.2025, Abschnitt „Können Sprossen eine Quelle für STEC/EHEC sein?“
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Giftpflanzen – Wie kann man sich schützen, und was ist bei einer Vergiftung zu tun?, 14.03.2025, Abschnitte „Was ist zu tun, wenn es zum Kontakt mit einer möglicherweise giftigen Pflanze kam?“ und „Wie kann ich mich vor Vergiftungen mit Pflanzen schützen?“
Ich tue es ihr gleich: Tschüss, ihr Lieben! Ich freue mich über eure Erlebnisse, Kräuter und Früchte, die euren November verzaubert haben. <3
Meine Kinder essen Gras. Über Wildkräuter und Vorgekautes im November. von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.