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Zuletzt aktualisiert: 04.03.2026

Liebe Reisefreunde,
Albanien ist für viele noch ein blinder Fleck auf der Reisekarte – und genau das hat uns gereizt. Ein Land, das sich erst zeigt, wenn ihr wirklich hinschaut. In diesem Reisebericht erzähle ich euch, wie sich ein Monat mit Kindern in Vlora im Alltag anfühlte und was dabei wirklich zählt.
Es ist Dezember 2019. Während meine drei Lieblingskinder mit ihren Rädern durch einen kleinen Park in Vlora sausen, sitze ich entspannt in der Sonne und schreibe diesen Text. Patrick haben wir „zu Hause“ gelassen: Er braucht für seine Arbeit zuverlässiges Internet und ein paar Stunden ohne Zwischenrufe, Kindergesang und das raschelnde Chaos kleiner Menschen. Dabei hoffen wir, dass der Strom heute nicht allzu lange ausfällt – denn Stromausfall gehört hier einfach dazu.
Falls ihr neugierig seid, wie es in unserem Künstler-Apartment aussieht – mit Backofen, Teppichen für warme Kinderfüße und dem einen oder anderen Riss in der Wand als stille Erinnerung ans Erdbeben –, hier könnt ihr es sehen:
Unsere Kinder sind sieben, vier und zwei Jahre alt – also eine recht junge Kinderschar. Die sollte man in einer so großen Stadt wie Vlora besser im Blick behalten, solange Straßenverkehr und neue Umgebung noch „mitgedacht“ werden müssen.
Inhalte
- 1 Alleinsein mit Kindern im Ausland – schaffe ich das?
- 2 Reisen mit Kindern: leichter als gedacht
- 3 Ist Albanien gefährlich?
- 4 Einkaufen in Albanien unter ehrlichen Menschen
- 5 Mit dem Auto in Albanien unterwegs
- 6 Religion und touristische Orte in Vlora und Albanien
- 7 Kinderfreundlichkeit in Albanien
- 8 Albanische Gastfreundschaft
- 9 Fazit: Albanien als Reiseland
- 10 Praktische Tipps aus unserem Alltag
- 11 Weiterlesen auf FreeYourFamily.net
- 12 FAQ: Albanien mit Kindern
- 12.1 Ist Albanien mit Kindern sicher?
- 12.2 Wann ist die beste Reisezeit für Albanien (Vlora) mit Familie?
- 12.3 Wie teuer ist Albanien im Alltag?
- 12.4 Kommt man ohne Albanisch zurecht?
- 12.5 Wie funktioniert Bezahlen und Geld?
- 12.6 Gibt es veganes Essen?
- 12.7 Wie ist das mit Internet und Strom?
- 12.8 Was sind kinderfreundliche Aktivitäten in Vlora?
Alleinsein mit Kindern im Ausland – schaffe ich das?
Mir stellte sich immer wieder die Frage: Traue ich es mir zu, allein mit den Kindern irgendwohin zu gehen oder zu fahren?

Albanien mit Kindern: Vlora an einem Abend im Dezember
Das kannte ich schon aus Deutschland. Dort konnte ich regelmäßig auf die Unterstützung von Großeltern und Freund:innen zurückgreifen. Im Ausland sind wir auf uns gestellt. Ich wollte Patrick nicht für jeden Spaziergang oder Einkaufsbummel aus der Arbeit reißen – und gleichzeitig sollten sich die Kinder frei bewegen können, ohne dass ich innerlich permanent auf Alarm stehe.
Reisen mit Kindern: leichter als gedacht
Tatsächlich war es in den Monaten davor erstaunlich unkompliziert, mit den drei Kleinen rauszukommen. Im August hatten wir den Strand direkt vor der Haustür. Da mussten wir noch nicht mal Essen, Getränke, Wechselsachen, Spielzeug und Erste-Hilfe-Set mitschleppen.
Zwei weitere Monate verbrachten wir in einem Mini-Dorf. Hier gingen die zwei Großen allein zu Freund:innen. Nur dem Mini-Mann lief ich hinterher, wenn er mit dem Laufrad über die kaum befahrenen Straßen düste.
In Montenegro schränkten wir uns wieder etwas ein. Und dann kam Albanien.
Ist Albanien gefährlich?
Von Albanien denkt so mancher: Als Frau allein mit einer rasselnden Kinderbande in der Stadt unterwegs zu sein, sei viel zu gefährlich. Doch wer das glaubt, irrt – zumindest nach unserer Erfahrung in Vlora im Dezember 2019.
Wir fühlten uns völlig frei. In Vlora, einer Stadt mit rund 200.000 Einwohner:innen, fiel es mir leicht, ohne Herzklopfen etwas mit den Kindern zu unternehmen. Die Straßen sind zwar reichlich befahren – das bleibt der einzige Punkt, bei dem wir wirklich aufmerksam waren. Gleichzeitig gibt es überall breite Fußwege und viele Zebrastreifen. Die Kinder konnten fast durchgehend mit den Rädern fahren.

Albanien mit Kindern: Genug Platz zum Laufradfahren
In den Parks strolchten sie herum, und wir fühlten uns fast wie im großelterlichen Garten. Nur ohne Schnee – und mit Strand in Reichweite.

Die Herrin der Meere
Einkaufen in Albanien unter ehrlichen Menschen
Reif geerntetes Obst und Gemüse sowie frisches Brot bekommen wir an jeder Ecke preiswert. Der Supermarktbesuch macht hier mehr Spaß als in Deutschland, weil Kinder für niemanden ein Problem zu sein scheinen. Im Gegenteil: Ich wurde schon unzählige Male angelächelt, und die Kinder bekamen freundliche Aufmerksamkeit.

Günstig einkaufen in Albanien: Obst, Gemüse und Brot für umgerechnet nicht mal 5 Euro
Dass sie allein Obst und Gemüse einkaufen dürfen, erfüllt die jungen Freilerner mit Freude und Stolz. Unsere Töchter streiten sich schon fast darum, wer am nächsten Tag dran ist.
Einmal schickte ich unsere Siebenjährige mit dem reich gefüllten Portemonnaie – inklusive sämtlicher Kreditkarten – los. Die Verkäufer:innen hätten sich ausgiebig bedienen können. Stattdessen schrieben sie jeden Betrag handschriftlich sauber auf ein Papier. Trinkgeld nahmen sie keines. Solche Situationen erlebten wir in Vlora mehrfach – und so blieb bei uns der Eindruck: Im Kleinen läuft hier vieles ausgesprochen korrekt ab.
Ein absolutes Highlight sind die heimischen Oliven, die durch ihre Verarbeitung ein ausgezeichnetes Aroma entwickeln. Das hängt natürlich auch davon ab, wo man sie kauft – aber im Großen und Ganzen sind sie ein regelrechter Geheimtipp, mit etwa zwei Euro pro Kilogramm obendrein unschlagbar günstig.
Mit dem Auto in Albanien unterwegs
Wir reisten mit dem eigenen Auto nach Vlora. Die Grenze passierten wir ohne Probleme, die Straßenverhältnisse sind überwiegend gut und viele Straßen breit ausgebaut.
In Vlora ließen wir den Wagen praktisch den ganzen Monat stehen. Einmal stand er sogar eine Woche lang unverschlossen im Wohngebiet – und bei uns blieb alles, wie es war. Vieles erledigten wir zu Fuß, und für die Kinder waren Laufrad und Fahrrad ohnehin die liebsten Begleiter.
Kurios fanden wir das Falschparken in zweiter Reihe: Die Polizei stellte sich dann solange daneben, bis die Fahrer:innen zurückkamen. Es fielen ein paar Worte, ohne Strafzettel. Eher so: „Bitte nicht nochmal.“ – „Alles klar.“
Religion und touristische Orte in Vlora und Albanien
Albanien ist religiös vielfältig: Islam und Christentum haben das Land historisch geprägt, doch im Alltag wirkt vieles eher pragmatisch als streng. Den Muezzin hören wir nur direkt an der Moschee – leise und begrenzt. Die Frauen bedecken ihr Haar nach unserem Eindruck meist nur beim Gebet und unterscheiden sich in ihrer Kleidung ansonsten kaum von westlichen Frauen.

Die Moschee Xhamia e Neshat Pashait in Vlora

Die Muradie-Moschee (Xhamia e Muradies)
Obwohl Weihnachten nicht überall religiös begangen wird, sind Straßen und Strände festlich geschmückt. „Für die Tourist:innen“, erklärt uns die Mitarbeiterin einer Eisdiele. Apropos: Es gibt dort auch veganes Eis.

Apropos: Es gibt hier auch veganes Eis.
Ganzjährig flattert die albanische Flagge an vielen Ecken. Der schwarze Adler auf rotem Grund wirkte für uns zunächst ungewohnt – Nationalstolz ist in Teilen Südosteuropas eben sichtbarer als bei uns.

Das Unabhängigkeitsdenkmal in Vlora
Weihnachtsgebäck und Schoko-Nikoläuse finden sich vereinzelt in den Supermärkten. Vegane Weihnachts-Süßigkeiten sucht man allerdings vergebens. Und 250-Gramm-Stollen für über 16 Euro sind eine kleine, etwas ernüchternde Lektion in „Touristenware“.

Weihnachtliche Stimmung in Albanien
Manchmal liest man, Händchenhalten und Küssen in der Öffentlichkeit seien verboten. So streng erlebten wir es nicht – Liebespaare wirken eher diskreter, nicht unterdrückt.
Vereinzelt stehen kleine orthodoxe Kapellen. In Vlora hat uns besonders eine Bergtour zur Kapelle „Kuzum Baba“ auf dem Hügel Kodra Kuzbabait begeistert. Von oben hat man einen weiten Blick über die ganze Stadt.

Gebetskerzen entzünden

Blick über Vlora
Kinderfreundlichkeit in Albanien
Herzlich erkundigen sich die Menschen, ob die drei Kinder alle zu mir gehören. Dann berichten Frauen, wie viele Kinder sie selbst haben, wie alt diese sind und wo sie leben oder arbeiten. Diese Gespräche tun gut. Wenn ein Kind freudig quietscht oder vor Wut weint, ist Anteilnahme da – man freut sich mit oder versucht, die Kleinen aufzumuntern.
Ein Detail war für unsere Kinder ungewohnt: Einzelne Personen kamen sehr nah, streichelten übers Haar oder wollten ein Küsschen geben. Wir setzten freundlich Grenzen, wenn wir merkten, dass es den Kindern zu viel wurde – das ließ sich immer gut lösen.

Die Bauarbeiter waren sichtlich stolz, dass sich jemand für sie interessierte.
Kinder werden begrüßt und verabschiedet, Erwachsene stellen sich vor, machen Platz, überlegen sich kleine Späße. Es wirkt oft so, als hätten Kinder hier ganz selbstverständlich „Recht auf Raum“.
Albanische Gastfreundschaft
Letztens kamen wir an einer Tanzschule vorbei. Die Musik zog uns an. Eine Frau machte vor der Tür sauber und lud uns ein, im Tanzsaal auf einem Sofa Platz zu nehmen. Über eine Stunde beobachteten wir die agilen Bewegungen der Jungen und Mädchen.

Tanzschule in Vlora
Der Tanzlehrer bedankte sich bei uns, dass wir seine Zuschauer:innen waren. Seine Helferin – die Frau, die uns von der Straße hereingewinkt hatte – zeigte und erklärte uns dazu traditionelle albanische Tänze. Unsere Anwesenheit war ihnen eine Ehre. Für uns war es die Einladung ebenso.

P & E Group Vlora
Unsere Nachbar:innen im Haus brachten oft liebe Aufmerksamkeiten für die Kinder vorbei. Auf dem Land in Albanien ist es üblich, Tourist:innen so oft es geht zu sich nach Hause einzuladen und üppig zu bewirten. In der Stadt begegnet einem Gastfreundschaft eher als Gespräch: im Café, in der Fußgängerzone, am Strand, in kleinen Läden. Mir tat das so gut, dass ich mich in Albanien ausgesprochen wohl fühlte.
Im letzten Video nehmen wir euch mit auf einen Spaziergang an der Lungomare Promenade – Räder, Licht, Meer und dieses Gefühl, dass Stadt auch mit Kindern leicht sein kann:
Fazit: Albanien als Reiseland
Albanien hat uns überrascht. Nicht als „perfektes“ Land, sondern als Alltag mit vielen freundlichen Begegnungen, viel frischem Essen, Platz für Kinder und einer Gelassenheit, die wir so nicht erwartet hatten. Gleichzeitig bleibt es ein Land, in dem Infrastruktur – Strom, Internet – manchmal wackelt und man sich im Verkehr bewusst bewegen muss. Ein Land, das wir gerne wieder bereisen werden.
Steckbrief (mit Quellen)
Lage: Südosteuropa, an der Adria und am Ionischen Meer
Hauptstadt: Tirana
Bevölkerung: 2.862.427 Einwohner:innen (Stand 1. Januar 2019; amtliche Statistik)
Sprache: Albanisch
Währung: Albanischer Lek (ALL)
Religion: religiös vielfältig; Verteilung hängt stark von Quelle und Erhebungsmethode ab
Klima: an der Küste mediterran; Winter mild, Sommer warm bis heiß
Kindertauglichkeit: nach unserer Erfahrung hoch – Kinder sind im Alltag sichtbar willkommen
Verkehr: Straßen überwiegend gut; in Städten viel Autoverkehr
Sicherheit: nach unserer Erfahrung ruhig; der Alltag fühlt sich unaufgeregt an
Kulinarisches: viel frisches Obst und Gemüse, Brot, Oliven
Quellen:
– INSTAT: Population in Albania, 1 January 2019
– World Bank: Population, total – Albania
– Bank of Albania: Banknotes in circulation (Lek)
– UK Foreign Travel Advice: Albania – Safety and security
Praktische Tipps aus unserem Alltag
Internet und Strom: Plant gedanklich Puffer ein. Wer online arbeiten möchte, profitiert von mobilen Daten als Backup und einer Unterkunft, die „verlässliches Internet“ nicht nur hinschreibt, sondern auch liefert. Stromausfälle erlebten wir als Teil des ganz normalen Alltags.
Unterwegs in der Stadt: Breite Gehwege und viele Zebrastreifen halfen uns. Trotzdem bleibt Verkehr Verkehr: Blickkontakt, kurze Absprachen mit den Kindern und ein gemeinsamer Rhythmus machen es entspannter.
Essen (auch vegan): Frisches Obst, Gemüse und Brot ist leicht zu bekommen, veganes Eis in Vlora ebenfalls. Bei verarbeiteten Produkten und Süßigkeiten lohnt sich Nachfragen und ein Blick auf die Zutatenlisten.
Weiterlesen auf FreeYourFamily.net
– Fragen & Antworten zu unserer Langzeitreise
– Urlaub mit Kindern: stressfreies Reisen im Auto
– Erdbeben in Albanien: wie es mich aus dem Schlaf riss
FAQ: Albanien mit Kindern
Ist Albanien mit Kindern sicher?
Unsere Erfahrung in Vlora war ruhig und freundlich. Allgemein empfehlen Reisehinweise übliche Vorsicht, vor allem bei Taschendiebstahl und im Verkehr. Absolute Sicherheit gibt es nirgends – aber unser Alltag dort fühlte sich unaufgeregt an.
Wann ist die beste Reisezeit für Albanien (Vlora) mit Familie?
Für Strand und Baden eignen sich die Sommermonate. Für Stadt und Ausflüge kann die Nebensaison angenehm sein – milder und ruhiger. Wir waren im Winter dort und mochten die Stille.
Wie teuer ist Albanien im Alltag?
Obst, Gemüse und Brot bekamen wir oft sehr günstig. Preise schwanken nach Ort, Saison und Einkaufsort (Markt versus Supermarkt). Insgesamt wirkte vieles deutlich preiswerter als in Deutschland.
Kommt man ohne Albanisch zurecht?
Im touristischen Umfeld klappt Kommunikation häufig auf Englisch, manchmal auch mit Händen, Lächeln und Geduld. In kleineren Läden half uns oft die Bereitschaft, sich gegenseitig zu verstehen, statt perfekt zu sprechen.
Wie funktioniert Bezahlen und Geld?
Bezahlt wird mit dem Albanischen Lek (ALL). Bargeld war für kleine Einkäufe praktisch. In größeren Geschäften funktionierte Kartenzahlung häufiger, aber nicht überall.
Gibt es veganes Essen?
Frisches Obst und Gemüse sowie veganes Eis waren leicht zu finden. Bei verarbeiteten Produkten und Süßigkeiten lohnt sich Nachfragen.
Wie ist das mit Internet und Strom?
Stromausfälle erlebten wir als normal. Internet war nicht immer so stabil wie man es aus Deutschland kennt. Wer online arbeiten möchte, profitiert von einem mobilen Backup und einer Unterkunft mit gutem Ruf.
Was sind kinderfreundliche Aktivitäten in Vlora?
Parks, Strand, die Lungomare Promenade und kleine Entdeckungen im Alltag – das hat uns am meisten begeistert. Kinder bekommen überall freundliche Aufmerksamkeit, was vieles leichter macht.
Tung (das heißt „tschüss“).
Eure Evelin!
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