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Zuletzt aktualisiert: 10. März 2026

Hinweis: Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Januar 2022. Wir haben ihn im März 2026 grundlegend überarbeitet. Die damaligen Regeln und Debatten gehören in diesen Zeitraum. Geblieben ist die Frage, wie Familien mit Schulpflicht, Test- und Maskenregeln und dem Wunsch nach Selbstbestimmung umgingen – und welche Schlüsse ich heute daraus ziehe.

Liebe Freunde,

Mein Vierjähriger zeigte mir damals im Vorbeigehen etwas in einem Schaufenster, das ich ihm kaufen sollte. Ich sagte, dass wir in dieses Geschäft gerade nicht hineindürfen. Er lief einfach an meiner Hand weiter und fragte nicht einmal nach. Ich hätte nicht gewusst, wie ich einem Vierjährigen die damalige Zugangsregel erklären sollte. Traurig war ich trotzdem, dass mein Kind solche Situationen schon so selbstverständlich hinnahm. Keine Ahnung, ob er dachte: „Okay, dann frage ich meine Mami beim Einkauf im Ausland eben danach.“

Damals bekam ich regelmäßig E-Mails von Eltern, die sich wegen Tests, Masken, Quarantänen und der Situation in Schulen oder Kitas Sorgen machten. Manche wollten vor allem wissen, welche Spielräume sie vor Ort hatten. Andere dachten über Lerngruppen, Reisen oder sogar eine Abmeldung aus Deutschland nach. Genau diese Wege habe ich 2022 beschrieben.

Unsere Lage damals

Unsere vier Kinder besuchten weder Kita noch Schule. Wir lebten schon vorher mit Reisen und selbstbestimmtem Lernen statt mit dem üblichen Kita- oder Schulalltag in Deutschland. Wenn ihr unseren Hintergrund dazu besser verstehen wollt, findet ihr hier unseren Artikel über Unschooling und selbstbestimmtes Lernen.

Damit waren wir bei schulischen Corona-Regeln weitgehend außen vor. Aus dem übrigen Alltag waren wir natürlich nicht verschwunden. Regeln begegneten uns beim Einkaufen, unterwegs und an Grenzen.

Was mich am alten Text heute stört

Der alte Text war an manchen Stellen polemisch. Wörter wie „Gesundheitsdiktatur“ oder „Test- und Maskenwahn“ gaben meinem Ärger viel Raum und den Unterschieden zwischen einzelnen Maßnahmen, Rechtslage und eigener Überforderung zu wenig. So würde ich heute nicht mehr schreiben. Dass Maßnahmen Kinder und Familien belasten konnten, machte Deutschland nicht zur Diktatur. Und weil ich einen Ausweg wollte, war nicht jeder Ausweg automatisch klug.

Die Sorgen, von denen Eltern mir damals schrieben, will ich damit nicht kleinreden. Hinter den großen Debatten standen ziemlich praktische Fragen: Wie geht es unserem Kind mit der Situation? Was lässt sich vor Ort verändern? Und was würde ein größerer Schritt wie Schulwechsel, Reise oder Abmeldung für die ganze Familie bedeuten?

Symbolbild zur Debatte über Masken- und Testregeln an Schulen

Symbolbild zur Debatte über Masken- und Testregeln an Schulen im Winter 2021/22.

Welche Wege Familien damals suchten

Gespräche mit Kita und Schule

Vor meiner Karriere als Mama habe ich in Kitas, Schulen und Familien gearbeitet. Vielleicht war mir deshalb so wichtig, dass Eltern und pädagogische Fachkräfte miteinander reden, bevor aus Unzufriedenheit ein großer Bruch wird. Wer eine Regel für das eigene Kind problematisch fand, konnte zunächst bei Lehrkräften, Leitung oder Träger nachfragen: Was gilt hier genau? Welche Spielräume gibt es? Was lässt sich für dieses Kind konkret erleichtern?

Ich kannte damals auch Erzieherinnen, bei denen der Konflikt längst im Kollegium angekommen war. Sie erzählten von Blicken, Gerede im Pausenraum und plötzlich geänderten Dienstplänen. Solche Erfahrungen beweisen nichts über den Sinn oder Unsinn einer Gesundheitsmaßnahme. Sie zeigen aber, wie schnell ein politischer Streit den Umgang miteinander vergiften kann. Ein offenes Gespräch ist mir bis heute lieber als Gerede über Menschen, die danebenstehen.

Lerngruppen und Schulpflicht in Deutschland

Lerngruppen sprießten damals gefühlt wie Pilze aus dem Boden; allein in unserer Region gab es mehrere. Ich verstand, warum das für manche Familien attraktiv war: kleinere Gruppen, weniger Druck und vor allem das Gefühl, mit dem eigenen Konflikt nicht allein zu sein. Unsere Kinder besuchten solche Gruppen nicht.

Wir lebten ohnehin näher am Unschooling und selbstbestimmten Lernen. Eine Lerngruppe mit vorgegebenen Aufgaben war für uns deshalb nicht einfach dasselbe in klein. Und auch rechtlich war eine private Lerngruppe nicht automatisch eine Schule: Die Schulpflicht in Deutschland regeln die Länder in ihren Schulgesetzen. Ob ein anderer Lernort die Schulpflicht erfüllt oder eine Ausnahme möglich ist, hängt deshalb vom jeweiligen Landesrecht und vom konkreten Fall ab.

Wer damals vor allem andere Familien zum Austausch suchte, konnte sich auch außerhalb solcher Lerngruppen vernetzen. Dazu passt unser Beitrag über die Vernetzung mit gleichgesinnten alternativen Familien.

Vorübergehend ins Ausland

Einige Familien suchten damals Luft im Ausland. In unserem Umfeld wurde Schweden für manche zum Sehnsuchtsort: wegen der Weite, der Ruhe und wegen dessen, was Freunde uns über ihren Schulalltag erzählten. Wir selbst hatten dort zeitweise sogar ein paar Häuser zur Auswahl und standen kurz vor einem Kauf. Der weite Norden und das Klima ließen uns in letzter Minute kalte Füße bekommen.

Landschaft in Värmland, Schweden

Värmland in Schweden.

Danach schauten wir stärker Richtung Süd- und Osteuropa. Unsere Reise sollte nach Rumänien weitergehen, weil wir das Land kennenlernen wollten und Abstand von einer Atmosphäre suchten, die sich für uns festgefahren anfühlte.

Aus Deutschland abmelden

Eine Abmeldung aus Deutschland ist kein kleiner Trick. Damals waren die beiden schulpflichtigen Töchter mit mir abgemeldet, weil unser Einwohnermeldeamt die Kinder nur zusammen mit einem Erwachsenen abmeldete. Das war unsere konkrete Verwaltungserfahrung – keine allgemeine Regel für jede Meldebehörde.

Die Abmeldung nach dem Bundesmeldegesetz regelt zunächst das Melderecht. Sie beantwortet nicht automatisch jede schulrechtliche Frage. Dazu kommen schnell weitere Themen: Nachweise, Steuerrecht, Krankenversicherung, Familienleistungen und Aufenthaltsrecht. Der „Rattenschwanz“, wie ich damals schrieb, war real. Frei fühlt sich so eine Konstruktion nicht automatisch an; oft fühlt sie sich zuerst nach Papier, Erklärungen und neuen Zuständigkeiten an.

Blick auf Tisno in Kroatien

Tisno in Kroatien.

Wenn euch dieser Punkt heute konkret beschäftigt, lest dazu unseren ausführlichen Beitrag zum Abmelden des Wohnsitzes. Dort geht es um die Sache selbst und nicht um die besondere Stimmung des Winters 2021/22.

Was ein Ortswechsel nicht löst

Mit Freunden sprachen wir damals oft über „das perfekte Land“. Keiner hatte es gefunden. Wir waren selbst auch nicht auf der Suche nach einem einwandfreien Fleckchen Erde. Überall konnte man sich über irgendetwas aufregen. Man kann’s aber auch lassen.

Ein anderes Land kann äußere Bedingungen verändern. Wenn ihr euch aber von morgens bis abends mit Nachrichten, Videos und Gruppen füttert, die euch in Alarm halten, reist ein Teil des Konflikts einfach mit. Ein Ortswechsel kann Luft verschaffen. Er erledigt nicht automatisch das, was in einer Familie oder im eigenen Kopf weiterarbeitet.

Küstenlandschaft auf Murter in Kroatien

Murter in Kroatien.

Was ich aus dieser Zeit mitnehme

Wenn ich heute auf diese Monate zurückblicke, helfen mir die kleineren Fragen mehr als die großen Etiketten: Was belastet unser Kind konkret? Was können wir tatsächlich beeinflussen? Welche Alternative passt zu unserem Kind und zu unserer Familie? Und welchen Preis hat sie – finanziell, organisatorisch und menschlich?

Ich finde es weiterhin richtig, staatliche Eingriffe kritisch zu prüfen, gerade wenn junge Menschen betroffen sind. Gleichzeitig schulden wir keinem politischen Lager unsere Treue. Eine Maßnahme kann belastend sein und trotzdem einen nachvollziehbaren Zweck haben. Eltern können widersprechen, ohne jeden Menschen auf der anderen Seite zum Gegner zu machen.

Ein Satz aus dem alten Beitrag gefällt mir deshalb noch immer: Egal, auf welchem Teil der Erde wir uns aufhalten, wichtig ist mir, dass wir uns bewusst sind, dass WIR unser Zuhause sind. Mit vier Kindern ist das weniger spektakulär als jede große Freiheitsparole. Im Alltag war es für mich meistens die wichtigere Frage: Hören wir einander noch zu, sehen wir die Bedürfnisse unserer Kinder – und können wir die Entscheidung, die wir treffen, als Familie tragen?

Alles Gute für euren Weg wünscht euch
Eure Evelin

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Quellen und Einordnung

CC BY-SA 4.0 Maskenpflicht, Testpflicht, Schulpflicht: wie Familien damals ihren Weg suchten von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.