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Aktualisiert am 4. März 2026

2019 ist unser erstes offizielles Reisejahr. Im September und Oktober wohnen wir in einem Dorf bei Skradin, unweit des Krka-Nationalparks. Das Leben dort steht im Kontrast zu unserer letzten Bleibe am Vrana-See. In diesem Beitrag erzähle ich euch, wie sich Dorfleben und Freilernen mit kleinen Kindern anfühlen. Und ich teile eine Erfahrung, die wir uns nicht ausgesucht hätten: Unser Zweijähriger musste nach dem Einatmen von Mandelstückchen unter Narkose behandelt werden.

Orientierung: Ihr bekommt erst Einblicke in Alltag, Ort und Community. Danach folgt unsere Krankenhausnacht zwischen Šibenik, Krankenwagen und KBC Split. Wo ich medizinisch einordne, trenne ich Beobachtung, Vermutung und belegbare Fakten.

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Erfahrungsbericht. Er ersetzt keine medizinische Beratung. Bei akuten Atemproblemen, auffälligen Atemgeräuschen, Luftnot oder dem Verdacht, dass ein Kind etwas eingeatmet hat, gehört das Kind zeitnah in ärztliche Hände beziehungsweise in die Notaufnahme.

Für einen kurzen Überblick über das Leben und Freilernen in Kroatien und den Ort habe ich ein Video aufgenommen:

Wie sind wir auf das Dorf bei Skradin gekommen?

Über die Suche nach „unschooling croatia“ kamen wir in Kontakt mit einer anderen Freilerner-Familie. Sie wohnte rund 50 bis 60 Kilometer von Drage entfernt. Über sie fanden wir unser nächstes kleines Domizil in einem Dorf im Hinterland von Dalmatien, unweit des Krka-Nationalparks.

Freilernen in Kroatien: WIKAJA

„Freilernen“ oder „Unschooling“ sind moderne Begriffe für etwas sehr Altes: Menschen lernen, weil sie neugierig sind, weil sie Fragen haben und weil sie in Beziehungen wachsen. Dass das funktionieren kann, zeigen Biografien vieler Autodidakt:innen. Gleichzeitig ist klar: Nicht jede Lebensgeschichte lässt sich eins zu eins übertragen. Für uns ist Freilernen vor allem eine Haltung: Wir trauen Kindern Entwicklung zu und achten auf Bedingungen, die Lernen möglich machen.

Wenn ihr das Grundprinzip kompakt sucht, findet ihr hier unsere Einordnung: Was ist Unschooling? Selbstbestimmtes Lernen erklärt.

So lebt auch die Familie, die wir oben erwähnen. Sie bietet anderen reisenden Freilerner-Familien einen Campingplatz im Dorf an: WIKAJA – Co-Creative Self-Directed Learning Village + Campground. Dort gab es Stellplätze für Zelte, Autos und Wohnmobile. Die sanitären Anlagen wirkten neu. Waschmaschine, kleine Kochecke, Tische, Bänke, WLAN und sogar Yoga-Schaukeln. WIKAJA war für uns ein Ort, an dem das Ankommen leichtfiel.

Dank des Engagements dieser Familie entstand schnell Austausch. Die Kinder trafen auf andere Kinder, Freundschaften wuchsen. Wer wollte, führte Gespräche mit Menschen, die ähnlich ticken.

Was das Leben dort besonders machte:

  • gemeinsame Ausflüge
  • freiwillige „Arbeitseinsätze“, zum Beispiel Weinlese und Olivenernte
  • miteinander feiern und gelegentlich zusammen essen
  • beim Weinansetzen zuschauen
  • Lernen im Umgang mit Tieren
  • Trampolinspringen
Gemeinsamer Ausflug zum Bribirska glavica bei Skradin

Ausflug zum Bribirska glavica

Weinlese in Dalmatien: Trauben und Hände bei der Arbeit

Weinlese in Dalmatien

Gemeinsames Essen nach getaner Arbeit in Kroatien

Gemeinsames Essen nach getaner Arbeit

Das Freilerner-Dorf bei Skradin: eine Idylle wie im Bilderbuch

Das Dorf liegt nur etwa zehn Autominuten von Skradin entfernt. Drei Straßen führen durch den Ort. Viele Bewohner:innen wirkten ruhig, freundlich und unaufgeregt. Eine ältere Frau saß jeden Nachmittag am Straßenrand, nickte den spielenden Kindern zu. Ein Viehhirte nahm die Kinder gelegentlich mit aufs Feld. Ein anderer Mann schenkte uns säckeweise Weintrauben. Beim Schnapsbrennen und Verkosten wurden wir herzlich eingeladen, ohne dass wir eine gemeinsame Sprache gebraucht hätten. Manchmal reicht ein Nicken für einen guten Nachmittag.

Destille: der Kessel beim Schnapsbrennen in Kroatien

Destille, Teil 1: der Kessel

Destille: Kühler und Rohrsystem beim Schnapsbrennen

Destille, Teil 2: der Kühler

Freie Dorfkinder, wenig Sorgen: unser Blick von außen

Unsere Kinder waren oft von früh bis spät unterwegs und spielten irgendwo im Ort. Wir hatten weniger Angst, dass etwas „wegkommt“. Liegen gelassene Fahrräder, Strickjäckchen oder Rucksäcke blieben meist einfach liegen. Gleichzeitig ist das natürlich unser Eindruck als Gäste. Wer länger vor Ort lebt, sieht vermutlich noch andere Seiten. Für uns war es in dieser Zeit vor allem eins: entlastend.

Spielende Kinder auf einer Straße im Dorf bei Skradin

Wie früher: spielende Kinder auf der Straße

Die ständige Gängelei und „Erziehung“ als Dauerkorrektur, das Verschenken von Süßigkeiten als Machtmittel und der herkömmliche Umgang, wie man ihn gegenüber jungen Menschen in Deutschland oft erlebt: Davon spürten wir in dieser kurzen Zeit wenig.

Unschooling in Kroatien im Schatten der Geschichte

Das Unschooling gestaltete sich für reisende Familien für unser Empfinden unkompliziert. Offiziell muss man sich, wie in vielen EU-Ländern, nach einer gewissen Zeit an einem Ort registrieren. Die Einordnung dazu findet ihr hier: Anmeldung, Abmeldung und Schulpflicht: unsere Grundlage. Vor Ort wurde diese Regel pragmatisch gesehen. Wer länger bleibt, sollte sich trotzdem informieren, was rechtlich gilt.

Wir haben außerdem gespürt, wie sehr die Kriege in Jugoslawien und ihre Folgen noch in Geschichten und Stimmungen nachhallen. Das ist ein sensibles Thema. Wir können nur wiedergeben, was wir als Außenstehende gehört und erlebt haben, nicht „erklären“, was richtig ist. Sicher ist nur: Konflikte hinterlassen Spuren. Oft zahlen Kinder den Preis für Dinge, die sie nicht verursacht haben.

Für das Freilernen fanden wir in England und in der Tschechischen Republik leichter Anschluss. Dort gibt es mehr freilerner-freundliche Infrastruktur aus Kultur- und Bildungsangeboten. In Kroatien konnten wir dafür Natur, Geschichte und Lebensart sehr direkt erleben, und genau das war wertvoll.

Wenn euch Kroatien als Land interessiert, findet ihr hier noch einen weiteren Blick: Kroatien: ein Land voller schöner und blöder Entdeckungen.

Wenn ihr Freilernen und Reisen als größeren Rahmen sucht: Worldschooling und Freilernen auf Reisen: unsere Einordnung.

Zwischenlandung: Ab hier wird es medizinisch

Ab hier geht es um Atemgeräusche, Klinikroutine und einen Eingriff unter Narkose. Wir beschreiben, wie es sich für uns angefühlt hat. Wo wir Fakten nennen, stützen wir sie mit Quellen. Wo wir etwas vermuten, schreiben wir es als Vermutung.

Kroatische Krankenhäuser: Teil 1

Wartebereich der Kinderklinik in Šibenik, Kroatien

Im Wartebereich der Kinderklinik in Šibenik

Wir machten in dieser Zeit mehrere Erfahrungen mit kroatischen Krankenhäusern – nicht geplant, aber im Rückblick lehrreich.

Kurz nach unserer Anreise schwoll das Auge unserer Ältesten aus unklaren Gründen so stark an, dass wir sie in der Kinderklinik in Šibenik vorstellten. Das Personal war freundlich und zugewandt. Die Untersuchungen starteten zügig. Eine Augenärztin gab Tropfen, und es besserte sich schnell.

Für unsere Reise hatten wir eine Langzeit-Reisekrankenversicherung. Falls euch das Thema interessiert, findet ihr unsere damaligen Erfahrungen hier: Langzeit-Auslandskrankenversicherung: unsere Erfahrungen.

Kroatische Krankenhäuser: Teil 2, Verdacht auf eingeatmetes Mandelstückchen

Der zweite Besuch im Klinikum war weniger leicht auszuhalten.

Unser zweijähriger Sohn hatte am Abend offenbar Mandelstückchen eingeatmet. Er konnte sie nicht aushusten. In der Nacht hörte ich beim Ein- und Ausatmen ein auffälliges, pfeifendes Geräusch. Ich war beunruhigt. Im Nachhinein würde ich es so formulieren: Wir vermuteten eine Atemwegsverengung, zum Beispiel einen Stridor. Eine Vermutung ist aber keine Diagnose. Wir wollten, dass Ärzt:innen das einschätzen.

In Šibenik wurden verschiedene Untersuchungen gemacht, unter anderem ein Röntgenbild und eine Untersuchung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Für uns fühlte sich das teilweise grob an, vor allem, weil unser Kind Angst hatte und weinte. Ich kann nicht beurteilen, was im jeweiligen Moment medizinisch geboten war. Ich kann nur sagen, wie es bei uns ankam: intensiv, laut und mit wenig Raum für Trost.

Kleiner Faktencheck, weil ich an dieser Stelle keine Halbwahrheiten stehen lassen möchte: Eingeatmete organische Fremdkörper (zum Beispiel Nüsse) sind auf Röntgenbildern oft nicht direkt zu sehen. Ärzt:innen achten dann häufig auf indirekte Zeichen, zum Beispiel eine einseitige Überblähung oder einen belüftungsarmen Lungenabschnitt. Ein unauffälliges Röntgenbild kann einen Fremdkörper deshalb nicht sicher ausschließen.

Röntgenbild eines Kleinkinds: kein eindeutiger Fremdkörper erkennbar

Patrick musste unseren Sohn festhalten. Auf dem Röntgenbild: kein eindeutiger Fremdkörper erkennbar

Kroatische Krankenwagen

Da man uns vor Ort nicht final helfen konnte, wurden wir in ein Krankenhaus verlegt, das für solche Fälle besser ausgerüstet war: ins rund 60 Kilometer entfernte KBC Split. Der Transport erfolgte im Krankenwagen.

Ich lag mit meinem Sohn im Arm auf einer Pritsche. Wir hatten keinen Gurt, was sich in den Kurven unsicher anfühlte. Unterwegs gab es einen kurzen Zwischenstopp, der uns irritierte. Wer schon einmal mit einem schlecht atmenden Kind in einem Krankenwagen gesessen hat, weiß, wie schnell die eigene Fassung in solchen Momenten an ihre Grenzen stößt.

In Split wurde das Messgerät am Fuß entfernt. Während der Fahrt hatte es mehrfach Alarm geschlagen. Im Nachhinein ist mir wichtig: Solche Messungen können fehleranfällig sein, gerade wenn ein Kind sich bewegt oder Sensoren schlecht sitzen. Für uns fühlte es sich trotzdem bedrohlich an, weil es eben piepte.

Kroatische Krankenhäuser: Teil 3, Bronchoskopie und Erleichterung

KBC Split: Klinikflur mit nüchterner 90er-Jahre-Atmosphäre

KBC Split, ein Krankenhaus im Flair der 90er

In der Klinik schrie unser kleiner Mann wieder. Nach kurzer Zeit bereitete man alles für den Eingriff vor. Wir gaben ihn an der OP-Tür ab. Ich durfte nicht dabei sein, als die Narkose begann. Das war hart. Im Flur hörte ich lange sein „Maaami! Maaami!“, und mir blieb nicht viel außer Warten.

Nach etwa 45 Minuten kamen zwei Ärzte heraus und sagten, dass unser Kind stabil sei. Man habe mehrere Mandelstückchen per Bronchoskopie entfernt. Zehn Minuten später hörten wir ein heiseres, aber kräftiges „Maaami! Maaami!“. Kurz darauf konnten wir ihn wieder in den Arm nehmen.

Stillen in der Öffentlichkeit kann Nähe geben und beruhigen

Stillen in der Öffentlichkeit: unsere Gedanken und Erfahrungen gab uns in dieser Nacht vor allem eins: Nähe

Ein kleines Zimmer mit drei Gitterbettchen und zwei weiteren Kindern wurde uns zugewiesen. Auf dem Balkon rauchten Eltern und teils auch Personal. Das war für uns schwer auszuhalten. Trotzdem erschien uns die Luft draußen zeitweise angenehmer als das Zimmer.

Blick vom KBC Split auf die Adria

Der Blick vom KBC Split auf die Adria beruhigte uns

Unser Sohn erholte sich schnell. Er bekam Medikamente über den Zugang im Arm. Ob und wie sinnvoll einzelne Schritte waren, kann ich als Mutter nicht seriös bewerten. Ich halte mich daher an das, was stimmt: Es wurde ärztlich entschieden, und unser Kind wurde wieder stabil.

Ein neues Quartier oder zurück ins Dorf?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist es in manchen Kliniken üblich, nach einer Bronchoskopie relativ schnell zu entlassen. Das hängt aber stark von Befund, Verlauf und Klinikstandard ab. In Split wollte man uns über Nacht behalten. Wir bekamen Abendessen. Für unseren Jungen war das Brot das Einzige, das er wirklich aß.

Am nächsten Morgen wollten wir zurück ins Dorf. Wir entschieden uns für eine Entlassung auf eigene Verantwortung. Eine Empfehlung ist das ausdrücklich nicht – in solchen Situationen entscheiden Befund und Risiko, nicht Erschöpfung und Heimweh. Es war unsere damalige Abwägung, und wir waren uns bewusst, dass sie uns allein gehörte.

Auf dem Rückweg konnten wir in einem Bistro Bananen für unseren hungrigen Jungen kaufen. Dann fuhren wir die 90 Kilometer durch die Nacht zurück. Wir erholten uns schnell von den Strapazen. Und wir sind bis heute dankbar, dass unser Kind Hilfe bekam und dass wir am Ende gesund weiterreisen konnten.

FAQ: Häufige Fragen zu eingeatmeten Fremdkörpern und unserer Erfahrung

Warum seid ihr mit eurem Kind überhaupt in die Klinik gefahren?

Wir hörten nachts ein auffälliges, pfeifendes Atemgeräusch und hatten den Eindruck, dass das Atmen angestrengt wirkt. Das ist eine Beobachtung, keine Diagnose. Gerade deshalb wollten wir, dass Ärzt:innen die Lage einschätzen.

Warum sieht man Nüsse oder andere organische Stücke nicht immer im Röntgen?

Organische Fremdkörper sind auf Röntgenbildern häufig nicht direkt sichtbar. Ärzt:innen achten dann eher auf indirekte Hinweise. Ein unauffälliges Bild schließt einen Fremdkörper deshalb nicht sicher aus.

Was ist eine Bronchoskopie, so wie sie bei eurem Kind gemacht wurde?

Eine Bronchoskopie ist eine Untersuchung der Atemwege mit einem Instrument, das über Mund oder Nase eingeführt wird. In unserem Fall wurde sie genutzt, um die eingeatmeten Mandelstückchen zu finden und zu entfernen. Details zu Indikation und Vorgehen hängen vom Einzelfall und der Klinik ab.

Warum gab es eine Verlegung nach Split?

Vor Ort konnten sie uns nicht abschließend helfen. Für bestimmte Eingriffe und Ausrüstung braucht es spezialisierte Möglichkeiten. In unserem Fall ging es nach Split, weil dort die Versorgung für solche Fälle besser aufgestellt war.

Was war für euch emotional am schwersten?

Der Moment an der OP-Tür. Unser Kind abzugeben, sein Rufen zu hören und selbst nichts tun zu können, hat uns am meisten zugesetzt.

Wie ging es eurem Kind nach dem Eingriff?

Er war danach heiser, aber stabil und schnell wieder bei Kräften. Er bekam Medikamente über den Zugang im Arm. Alles Weitere ist unsere Wahrnehmung, keine medizinische Bewertung.

Wo findet ihr mehr über euer Reisen mit Kindern?

Einen Überblick über unser Unterwegssein findet ihr hier: So reisen wir mit unserem Auto (VW T4).

Weiterführend

Quellen (für die medizinischen Hintergrundsätze im Text)

  • Skoulakis CE et al. Bronchoscopy for foreign body removal in children. Int J Pediatr Otorhinolaryngol (2000). DOI: 10.1016/S0165-5876(00)00324-4
  • Ayed AK et al. Foreign body aspiration in children: diagnosis and treatment. Pediatr Surg Int (2003). DOI: 10.1007/s00383-003-0965-x

Transparenz

Dieser Beitrag enthält keine Kaufempfehlungen. Wenn ihr Bücher zu Themen rund um Familie, Reisen und Lernen sucht und dabei ein Partnerprogramm nutzen möchtet, findet ihr eine Alternative zu großen Plattformen hier: buch7: sozialer Buchhandel.

Auf eure Fragen und Anregungen gehe ich wie immer gern in den Kommentaren ein.

Herzliche Grüße
Eure Evelin

CC BY-SA 4.0 Kroatien mit Kindern: Dorfleben bei Skradin, Unschooling & Krankenhaus-Erfahrung von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.