Lesezeit: 15 Minuten
Aktualisiert am: 23. Februar 2026

Wie soll man sich das eigentlich vorstellen? Eine Geburt, auf die so viele Etiketten fallen: geplanter Zeugungszeitpunkt, Wunschgeburtstermin, Lotusgeburt, HypnoBirthing, Wassergeburt, Familiengeburt mit Kleinkind-Geschwisterchen, Hausgeburt. Und dann soll das Ganze auch noch „schön“ sein?
Wir haben unser zweites Kind wieder fernab eines Klinikums bekommen, getragen von der Fürsorge unserer Hebammen zu Hause. Diese Geburtsgeschichte ist wunderschön und gleichzeitig auch traurig. Wir teilen sie als Erfahrungsbericht, nicht als Blaupause.
Inhalte
- 1 Let’s do it, Baby!
- 2 Wir sind doch nicht … konventionell
- 3 Wenn Evelin kneifen will, brauchen wir einen Babysitter
- 4 Blutverschmierte Kinderbücher? Fehlanzeige!
- 5 Geburtsvorbereitung mit und für Geschwister
- 6 Wozu braucht unser Kind schon einen Arztkoffer?
- 7 Traumgeburt ohne Traumhebamme?
- 8 Es geht los!
- 9 Schwitzen, Stöhnen, Spielen
- 10 Wie soll ich plötzlich ein Stillkind beruhigen?
- 11 Die Hebamme kommt kuscheln
- 12 Oma soll nicht kuscheln
- 13 Omas stillen nicht
- 14 Die Geburtsarbeit stockt
- 15 Das Kind muss weg
- 16 Wunschtraum ausgeträumt
- 17 Zeitziel nicht erreicht
- 18 Sturmflut
- 19 So ein großer Junge! Und dann: Überraschung
- 20 Ab jetzt feiern wir Doppelgeburtstag
- 21 Lotusgeburt: unsere Entscheidung, unsere Grenzen
- 22 Und wie machen wir das beim nächsten Mal?
- 23 Tipps aus unserer Erfahrung
- 24 Traumatisierung?
- 25 Ein Wort zu den Hebammen
- 26 Weiterlesen bei FreeYourFamily
Let’s do it, Baby!
Unsere Große ist 17 Monate alt, als Evelin zum ersten Mal den Wunsch nach einem zweiten Kind ausspricht.
Gesagt, getan: In ihr wächst ein neues Kind.
Schon in den nächsten Tagen „bestätigt“ sie es mit Übelkeit. Ich freue mich.
Einige Wochen warten wir auf den positiven Test und sichern uns die Betreuung durch unsere Hausgeburtshebamme Katja aus dem Erfurter Geburtshaus. Wir wollen vor allem wissen, welche Erfahrungen sie mit anwesenden Geschwisterkindern gemacht hat. Katja bestärkt uns: Geburten mit Geschwisterkindern können sehr stimmig sein.
Sie erinnert sich nur an eine Situation, in der ein anderthalbjähriges Kind in den letzten Minuten wach wurde und während der Austreibungsphase weinend am Bein der stehenden Mama hing.

Unsere Große erzählt dem Baby im Bauch, was sie erlebte.
Wir sind doch nicht … konventionell
Ich vertrete nicht die Ansicht, dass eine Hausgeburt ein Geschwisterkind automatisch verstört.
Trotzdem stößt die Idee, dass ein Kind bei einer Geburt dabei ist, in unserer „modernen“ Gesellschaft selten auf Zustimmung. Die Begründungen kennt ihr: Blut, Nacktheit, Stöhnen, Schreie. Ein Kind würde Angst bekommen und mitleiden, heißt es.
Anscheinend gilt Geburt noch immer als etwas Ekliges und Gefährliches. Wir wollten diese vorgefertigten Bilder nicht auf unser Kind übertragen. Wir wünschten uns, dass unsere Große nicht „weggeschickt“ wird und dann zurückkommt, wenn plötzlich ein neues Kind in unseren Armen liegt.

Glücklich und gesund in der Schwangerschaft.
Wenn Evelin kneifen will, brauchen wir einen Babysitter
Ich denke oft an unsere erste Hausgeburt. Hier berichten wir darüber. Nur für wenige Minuten konnte ich mir damals im Badezimmer eine Pause gönnen.
Ich erinnere mich noch gut an den Schmerz in meinen Oberschenkeln, in die Evelin während der Austreibungsphase kniff. Unser Kind war damals nie länger als zwei Stunden von Evelin getrennt. Wenn ich bei der nächsten Geburt allein für die Betreuung unserer Großen zuständig bin: In welche Oberschenkel soll Evelin dann kneifen?
Wir brauchen einen Babysitter. Und der muss kompetent genug sein, selbst eine Geburt zu „verkraften“. Es melden sich so viele Freunde und Nachbarn, dass ich fast den Überblick verliere.

Intensive Zeit mit der bald großen Schwester
Blutverschmierte Kinderbücher? Fehlanzeige!
Zuerst wollen wir unsere Große mit Bilderbüchern auf den großen Tag vorbereiten.
Doch in fast allen Kinderbüchern lernen sich Geschwister erst kennen, wenn das „Wunder“ vorbei ist. Und dann sind die Figuren oft eher irritiert als verbunden.
Im Bilderbuch von Uwe Spillmann und Inga Kamieth „Runas Geburt: Meine Schwester kommt zur Welt“ darf die vierjährige Lisa bei der Hausgeburt dabei sein. Von ungewohnten Gerüchen über laute Wehen bis zum Heraustreten des Köpfchens und dem Durchtrennen der Nabelschnur erlebt das Kind Geburt real, ungeschönt und dennoch geborgen.
Runas Geburt: Meine Schwester kommt zur Welt*

🙂
Leider entdecken wir dieses Lieblingsbuch erst spät. Bis dahin zeigt Evelin unserem Kind Fotos und Skizzen aus geburtsvorbereitenden Büchern, zum Beispiel „Die Hebammensprechstunde“ oder „Die selbstbestimmte Geburt“.
Die selbstbestimmte Geburt: Handbuch für werdende Eltern. Mit Erfahrungsberichten*
Ab und zu schaut sie, auf meinem Schoß sitzend, vollkommen interessiert ein Hausgeburtsvideo auf YouTube.
Geburtsvorbereitung mit und für Geschwister
Dass ein Baby im Bauch ist, versteht unser sprachlich schon sehr waches Kind schnell. Sie erzählt ihrem Geschwisterchen, „füttert“ es durch Evelins Bauchnabel, malt und cremt den Bauch ein, fühlt Bewegungen und macht kurz nach ihrem zweiten Geburtstag einen Geschwister-Vorbereitungskurs.
Manchmal sitzen wir im Geburtspool „Probe“.

Bodypainting

Salbung des Babybäuchleins
Mit den Übungen aus Marie F. Morgans Buch „HypnoBirthing“ übt unsere Tochter mit Evelin Entspannung und Atmung.
Evelin meint allerdings: Ohne Kind übt es sich deutlich konzentrierter.

Kullernde Kiesel
Wozu braucht unser Kind schon einen Arztkoffer?
Durch die Vorsorgen der Hebammen gehört es irgendwann zum Alltag, das Hebammentäschchen zu holen. Dann wird gemessen, abgetastet, abgehört. Evelin vertraut in der Schwangerschaft sehr ihrem Körper und verzichtet auf Untersuchungen, die sich für sie nicht stimmig anfühlen.

Hebammentäschlein
Ein einziges Mal lässt sie einen Ultraschall zu, um zu schauen, ob die Organe des Babys in Ordnung sind und wo die Plazenta liegt. Damit soll auch aus „rechtlicher Sicht“ kein Risiko für die Hausgeburt im Raum stehen. Ich sehe das Baby. Mir werden die Augen feucht.
Traumgeburt ohne Traumhebamme?
Die letzten Tage über dem errechneten Termin sind im Geburtshaus aufwendiger als sonst. Es ist unklar, ob unsere Lieblingshebamme unsere zweite Geburt begleiten kann. Vielleicht hat es unser Baby deshalb auch nicht eilig.

Hebamme im Einsatz
Am Abend vor Evelins Geburtstag gibt Katja ihr das Okay: Sie kann wahrscheinlich doch übernehmen. Evelin ist erleichtert. Der Pool wartet aufgepumpt, die Oma steht als Babysitter bereit, die Wunschhebamme ist in Rufbereitschaft, unsere Große ist vorbereitet. Tag X kann kommen.
Weil es bei unserer ersten Tochter geklappt hat und ich überzeugt bin, dass es auch diesmal „passen“ könnte, brechen wir unsere selbst auferlegte Abstinenz und lieben uns. Wir nennen das: Leben. 😉
Es geht los!
Nachts gegen vier höre ich unverkennbare Laute aus dem Badezimmer. Ich verlasse das Familienbett, sehe Evelin im Bad und höre, wie sie ihre ersten, schon kräftigen Wellen veratmet.
Ich lege die Schläuche für Zu- und Ablauf zum Geburtspool ins Wohnzimmer. Nicht lange danach wacht unsere Große auf. Evelin überschlägt: Die erste Geburt dauerte knapp sechs Stunden. Diesmal vielleicht fünf. Sie kündigt neun Uhr als Ziel an.
Um fünf rufe ich meine Schwiegermutter an, damit sie die zweistündige Fahrt früher antritt. Später telefoniere ich mit Katja, die Evelin im Hintergrund schon tönen hört.
Schwitzen, Stöhnen, Spielen
Zuerst spielt unsere Große neben Evelin im Geburtspool und lässt sich kaum aus ihrem Spiel reißen. Auch nicht, wenn ich hektisch herbeieile, um Evelin zu stützen. Unser Kind genießt das warme Wasser, Badeente und Gießkanne inklusive.
In den Wellenpausen erzählt Evelin: Das Baby kommt heute. Es hilft tüchtig mit. Dabei muss viel geatmet werden, und manchmal auch laut. Durch das tägliche Teilhabenlassen scheint unsere Zweijährige das wirklich zu begreifen. Ich bin erleichtert.
Es ist 6:30 Uhr. Unser Kind hat genug vom Baden. Ich komme ins Schwitzen, weil ich gefühlt alles gleichzeitig tun soll: Kind abtrocknen, Tee kochen, warmes Wasser nachlaufen lassen, vorlesen, Eimer holen, dann wieder stützen. Und zwischendrin: Welle.
Wie soll ich plötzlich ein Stillkind beruhigen?
Bei jeder Welle rechne ich damit, dass das Baby jetzt kommt. Ich flitze mit Kind im Arm zwischen Aufgaben und Pool. In den Pausen hilft Evelin die „Regenbogen-Entspannung“. Manchmal wirkt sie sogar bei unserer Großen.
Ich biete Snacks an. Nichts passt.
Sie möchte lieber gestillt werden, so wie sie es in der Schwangerschaft gewohnt war.
Ich sehe Evelin und weiß: Stillen ist jetzt unmöglich. Ich hole Mandelmilch aus dem Kühlschrank und reiche sie in einer Nuckelflasche. Fehlversuch. Kalte Milch, ohne vertraute „Umverpackung“, passt nicht zu ihrer Gewohnheit. Unsere Große wird laut. Evelin wird in der nächsten Wehe laut. Die Lautstärke addiert sich.
Ich nehme unsere Tochter, setze mich mit ihr aufs Sofa und lenke sie mit Büchern vom Saugbedürfnis ab.
Die Hebamme kommt kuscheln
Katja klingelt. Sie checkt den Stand der Geburt, findet ihn in Ordnung und widmet sich dann unserer Zweijährigen. Ihre Einladung bleibt mir im Ohr: „Was denkst du denn, wie toll die Katja kuscheln kann …“
Schon sitzt sie mit unserem Kind auf dem Sofa und schaut Bilderbücher. Ich kauere mich hinter den Geburtspool, um Evelin zu stützen.
Oma soll nicht kuscheln
Als die zweite Hebamme eintrifft und später auch die Oma, können die Hebammen sich aus der Rolle der Kinderanimateure lösen. Unsere Große ist damit nicht einverstanden. Sie will nicht „umsteigen“.
Der Mutterkrauttee entspannt Evelins Bauch, aber nicht die Gefühle unseres Kindes.
Unsere Große wird traurig, weil Evelin nicht aus dem Pool kommt, nicht kuschelt und nicht stillt. Tränen fließen. Sie will unter keinen Umständen noch einmal in den Pool. Stattdessen findet sie einen Beruhigungssauger, den sie am Vortag zufällig im Handschuhfach entdeckt hat. Zum ersten Mal steckt sie ihn in den Mund. Kurz wird es still.
Omas stillen nicht
… aber nur kurz. Unsere Große kriecht unter den Tisch und verlangt ihre Mami. Die Oma kriecht hinterher. Das Kind wird lauter. Evelin soll raus.
Evelin will beruhigen, aber sie schafft es nicht. „Ich kann nicht …“ haucht sie, während eine Welle sie wegzieht. Ein Kleinkind beruhigt das nicht.
Evelin ruft der Oma zu, sie solle „ihre Brust geben“. Die Oma hört es nicht. Unser Kind ist zu laut.
Die Geburtsarbeit stockt
Evelin sagt, sie braucht jetzt meine Arme zum Stützen. Sonst hält sie es nicht aus. Die Entspannung gelingt ihr nicht mehr. Ihr Körper macht einen Schritt zurück.
Welle um Welle arbeitet, aber es wirkt, als bräuchte diese Geburt einen geschützten Raum für alle Beteiligten. Und genau den verlieren wir gerade.
Das Kind muss weg
Katja spricht ein Machtwort. Unsere Große verschwindet heulend mit der Oma ins Schlafzimmer und versteckt sich hinter dem Bett. Es ist acht Uhr. Wegen Müdigkeit und Aufregung ist an einen Spaziergang nicht zu denken.
Ich sitze nun auch im Geburtspool. Die Geburt kommt wieder in Gang. Trotzdem sind wir traurig, weil unser „großes Baby“ so verzweifelt ist.
Evelin atmet sich eine Stunde weiter und vermisst unsere Große. Ich bekomme kaum mit, wie die Oma tröstet. Dann hören wir wieder Weinen. Evelin fragt: „Sie weint schon zwei Stunden, oder?“ Ich antworte: „Bis jetzt insgesamt vielleicht eine Viertelstunde.“
Wunschtraum ausgeträumt
Wir finden es schade, dass unser Plan nicht aufzugehen scheint. Evelin hatte sich die Austreibungsphase so vorgestellt, dass sie in die „Froschstellung“ geht und wir zusammen mit unserer Zweijährigen das Baby empfangen.
Ich bin überzeugt, dass unsere Tochter dieses Wunder weder schockierend noch eklig gefunden hätte. Sie sollte ihr Geschwisterchen von Anfang an kennen dürfen. So wie mich als Vater die Geburt angeht, darf sie auch unser Kind etwas angehen.
Zeitziel nicht erreicht
Es ist neun Uhr. Evelin hat ihr Zeitziel nicht „geschafft“. Das Geschrei und die Gedanken an unsere Große bremsen.
Dann geht die Tür auf. Die Oma kommt und setzt unsere Große, mit der Bedingung leise zu sein, in den Geburtspool. Evelin küsst sie auf den Kopf. Sie wirkt bereit für den Endspurt. Zwar schafft sie die Froschstellung nicht, aber sie ist glücklich.
Sturmflut
In der nächsten Welle spüre ich plötzlich Kraft. Evelin schreit laut. Die Fruchtblase platzt. Ich denke: Wahnsinn.
Unsere Große schnullert und wirkt erstaunlich ruhig. Evelin sitzt vor mir. Unser Kind kuschelt neben mir. Die Badeente dreht ihre Runden. Die Gießkanne findet ihren Besitzer wieder.

Planschen im Geburtspool
Die Wellen werden stark. Katja sagt: Jetzt mitschieben.
Katja greift noch einmal zum Doppler, um die Herztöne zu prüfen. Dann entscheidet sie sich um. Eine Welle rollt hinein, wie ein Tsunami.
Evelin gibt Vollgas. Sie presst, als hätte sie nie anders gepresst. Das Köpfchen schneidet ein. Alle hören, wie anstrengend Geburt ist.
Unsere Zweijährige beobachtet die Handgriffe der Hebammen und wirkt mitten im Lärm erstaunlich geborgen.
Ein letzter Kraftakt. Evelin brüllt, weil sie muss. Gleichzeitig feuern wir uns alle an, lachen, weinen, jubeln. Katjas Augen funkeln. Und dann schießt das Baby in ihre Hände. Evelin zieht es sofort zu sich.

Das Baby ist da.
Unsere Große kuschelt sich an Evelins andere Seite. „Das Baby ist da!“ sagt sie und berührt vorsichtig das Köpfchen. Sie stellt fest: Es hat Finger. Es hat Augen, Nase, Mund.
So ein großer Junge! Und dann: Überraschung
Damit das Baby nicht auskühlt, legen wir ein rotes Handtuch über ihn, das die Hebammen mit warmem Wasser begießen.
Ich staune. Das Baby ist ruhig und blinzelt. Es wirkt groß und stabil gebaut. Ich bin überzeugt: ein Junge. Ein heiliger Moment.
Dann lacht Evelin und sagt: Es ist ein Mädchen. Unsere Töchter werden gestillt.
Mit der nächsten Welle und Katjas Hilfe wird die Plazenta geboren.
Ab jetzt feiern wir Doppelgeburtstag
Dank Evelins perfekt gelegenem Geburtstag schneiden wir später, im Trockenen, den Geburtstagskuchen an. Wir feiern Evelin und unser zweites Mädchen. Unsere Große strahlt, als wir mit ihr anstoßen.
Evelin ist stolz auf das 53 cm große und fast 4 kg schwere Baby. Die Nabelschnur bleibt zunächst mit der Plazenta verbunden.
Lotusgeburt: unsere Entscheidung, unsere Grenzen
Beim ersten Kind haben wir die Nabelschnur nach dem Auspulsieren durchtrennt. Das fühlte sich für uns damals nicht richtig an. Wir informierten uns und wünschten uns diesmal eine Lotusgeburt. (Hinweis: Das ist eine persönliche Entscheidung, keine Empfehlung.)
So bestaunen wir die kalte, weiche Nabelschnur gemeinsam mit unserer Großen und können die Plazenta, das „Kuscheltier“ des ehemaligen Bauchbewohners, bewundern.
Wir wissen um die Möglichkeit, die Plazenta in speziellen Taschen mit Salz und Kräutern zu „marinieren“. Damit konnten wir uns nicht anfreunden. Auch die Idee, die Plazenta zu pulverisieren und später zu nutzen, erwähnen wir hier, weil sie in der Szene kursiert.
Als Literatur dazu nannten uns andere damals das Buch „Heilmittel aus Plazenta: Medizinisches und Ethnomedizinisches“.
Heilmittel aus Plazenta: Medizinisches und Ethnomedizinisches*
Evelin stellt Sieb und Schüssel bereit, um die Plazenta zunächst abtrocknen zu lassen. Am Nachmittag legen wir sie in ein Dörrgerät, auf sehr niedriger Stufe. Ich positioniere es so, dass es uns im Schlaf nicht stört und sich die Wärme nicht über die Nabelschnur aufs Baby überträgt.
Stöckli Dörrgerät mit Timer und 3 Metallgittern*
Ich beobachte, wie die Nabelschnur von beiden Seiten dünner wird. Die kleinen Finger unseres Babys berühren sie.
Auch in der Nacht wirkt das Baby ruhig und zufrieden.
Am nächsten Abend ist die Nabelschnur komplett durchgetrocknet. Auch die Plazenta ist schon gut getrocknet. Es riecht nicht unangenehm. Wir kürzen die Nabelschnur auf etwa acht Zentimeter und lassen die Plazenta in einem anderen Raum weiter trocknen.

Getrocknete Plazenta
Nach fünf Tagen fällt das kleine Schnürchen vom Nabel unserer Tochter ab.

Nabelschnur und pulverisierte Plazenta
Und wie machen wir das beim nächsten Mal?
Evelins Traum einer romantischen „Familiengeburt“ ging am Ende teilweise in Erfüllung. Dafür sind wir dankbar.
Rückblickend würden wir es nicht grundsätzlich anders planen. Gemeinsame Schwangerschaftsvorsorgen, Geburtsgeschichten und das tägliche Teilhabenlassen waren für uns die wichtigste Vorbereitung.
Wenn wir unser Kind für alt genug halten, Geburt in dieser Nähe mitzuerleben, sehen wir keinen Grund, es vor einer normal verlaufenden Geburt grundsätzlich „schützen“ zu müssen.
Tipps aus unserer Erfahrung
- Für die Zeit bis zum Endspurt hilft es sehr, euer großes Kind in liebevollen Händen und mit einer guten Beschäftigung zu wissen.
- Snacks und Stillersatz solltet ihr vorab testen, nicht erst in der Stresssituation.
- Rechnet damit, dass Pläne kippen dürfen. Das ist kein Scheitern, sondern Anpassung an echte Menschen.
Traumatisierung?
Eine „Nebenwirkung“ hatte das Dabeisein mit Sicherheit: Die Geburt wurde aus allen Perspektiven verarbeitet. Unsere Große erzählte später Freunden und Verwandten, wie eine Wassergeburt abläuft. In der Wochenbettzeit wurde oft Geburt gespielt.
Wenn wir im Bett lagen, verkroch sie sich unter die Decke, legte sich auf Höhe unserer Beine und sagte: „Papa, schrei jetzt ganz laut. Nein, nicht so. Richtig laut!“ Dann „schlüpfte“ sie am Fußende als geborenes Baby hervor.
Sie beherrschte irgendwann sogar eine ruhige „Hypno-Atmung“ und kommentierte ihr leises Spiel: „Papa, ich hab gerade ein Baby gekriegt.“
Noch heute schaut sie sich gern das Geburtsvideo an und erklärt ihrer Schwester Details, die ich längst vergessen habe. Sie beschreibt ihre Gefühle sehr genau: dass sie geweint hat, weil sie nicht stillen konnte, dass der Nuckel geholfen hat, dass Katja so lieb war, dass sie hinter dem Bett weinen wollte, weil die Oma dort nicht hinkam. Und dann, mit aufgeregt-freudiger Stimme: dass endlich das Baaabyyy raus kam.
Ein Wort zu den Hebammen
Ich möchte zum Schluss noch einmal „Hebammen“ sagen, ohne Pathos, aber mit Klarheit: Für viele Schwangere wird es schwieriger, eine Hebamme zu finden, die Hausgeburten (oder auch Klinikgeburten) begleitet. Und wenn eine Hebamme verfügbar ist, können gestiegene Kosten die Rufbereitschaft zur Hürde machen.
Wir zahlten für unsere Große (2012) noch 350 €, die vollständig von der Krankenkasse übernommen wurden. Bei unserer kleinen Tochter (2015) waren es 550 € Rufbereitschaftspauschale, von denen die Krankenkasse nur 150 € übernehmen wollte.
Mehr Informationen findet ihr beim Deutschen Hebammenverband.
Weiterlesen bei FreeYourFamily
- Unsere erste Hausgeburt: Geburtsbericht aus Sicht eines Vaters
- Geschwister zur Geburt: Gedanken und Erfahrungen
- 14 Tipps für ein entspannteres Wochenbett
Unsere extrem schöne Ökoeltern-Traum-Geburt von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.