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Aktualisiert am: 23.02.2026

In dieser zweiteiligen Videoreihe spricht Evelin, inspiriert von André Stern, über Spielzeug und das Spiel von Kindern.

Es geht um eine einfache Frage: Nehmen wir das Spiel unserer Kinder wirklich ernst oder beruhigen wir vor allem uns selbst mit Labels wie „altersgerecht“ und „pädagogisch wertvoll“?

Damit ihr auch ohne Video etwas mitnehmt, findet ihr hier eine kurze Zusammenfassung, beide Videos und darunter die Transkripte.

Die Transkripte wurden für bessere Lesbarkeit leicht geglättet (Tippfehler, Zeichensetzung, Wiederholungen). Der Sinn wurde nicht verändert.

Kurzfazit in 6 Sätzen

Kinder brauchen nicht ständig neues Zeug, sondern Raum, Zeit und ernst gemeinte Aufmerksamkeit.

Viele Spielzeuge sind weniger „für Kinder“ als für Erwachsene: Sie versprechen Sicherheit, Förderung und Ordnung.

Kinder suchen oft „Realität im Kleinformat“: Dinge, die funktionieren, aushalten und echte Handlungen erlauben.

Spiel entsteht häufig aus dem, was ohnehin da ist, und wird lebendig, wenn es nicht vorgeplant ist.

Wenn ein Spielzeug frustriert, liegt das nicht am Kind, sondern oft am Gegenstand.

Die bessere Frage ist nicht „Was ist pädagogisch wertvoll?“, sondern: „Was hilft unserem Kind, sein Spiel zu vertiefen?“

Video Teil 1/2: Über „pädagogisch wertvolles“ Spielzeug

Spielzeug für Kinder Teil 1/2

Video Teil 2/2: Die Spielsachen unserer Kleinen

Spielzeug für Kinder Teil 2/2

Weiterführende interne Links

Transkript – Video Teil 1 (geglättet)

Hinweis: Transkript zur Orientierung. Für Lesbarkeit leicht geglättet, Sinn unverändert.

Worum es in dem Video geht

Vielen ihr Lieben, seid gegrüßt zu einem neuen Video.

Heute geht es ums Spielen, um die Ernsthaftigkeit von Kindern und darum, wie wir Großen das im Alltag wahrnehmen.

Ich möchte euch nicht nur meine Gedanken dazu teilen, sondern auch Impulse von André Stern. Und am Ende zeige ich euch Spielzeug, das bei uns zu Hause momentan herumkullert.

Verzeiht mir bitte, wenn ich ab und zu den Blick von der Kamera abwende. Ich schaue auf meinen Spickzettel. Ich möchte es kurz und bündig halten.

Der Spielzeugmarkt: Altersangaben, Labels, Konsumkreislauf

Ich beginne mit dem riesengroßen Markt, der so viel grelles, buntes Spielzeug auf uns wirft.

Und wir Großen denken dann schnell: „Ah, wir fühlen uns hier super aufgehoben“, weil überall Altersangaben stehen.

Da gibt es Spielzeug für 0 bis 3. Dann gibt es Spielzeug, das nicht für Kinder unter 3 Jahren ist.

Für Kindergartenkinder gibt es viele grelle, bunte, abgerundete, „sichere“ Spielzeuge, oft aus Plastik.

Für Vorschulkinder gibt es Malheftchen und für die ganz Großen Kritzelblöcke oder Mandalas zum Ausmalen.

Es gibt wahnsinnig viele Sachen. Und schnell denkt man: „Oh, das könnte ich gebrauchen.“ Oder: „Das haben meine Kinder noch nicht.“ Oder: „Damit könnte ich sie fordern.“

Ich denke aber, bei diesem Markt geht es oft darum, einen Kreislauf des Konsums zu schließen.

Wir kaufen ein neues Spielzeug, das entweder schnell veraltet ist, weil schon wieder etwas Neues kommt, oder irgendwann den Geist aufgibt.

Dann fliegt das eine Spielzeug weg, und wir greifen schnell wieder zum nächsten.

Und so schließt sich dieser Kreislauf.

Spiel ist ernst: Was Kinder im Spiel wirklich tun

Ich empfinde es so, dass wir vielleicht das Spiel unserer Kinder gar nicht wirklich ernst nehmen.

Wir haben oft schon gehört: „Du spielst ja nur.“ Oder: „Hör jetzt mal auf zu spielen.“ Oder: „Jetzt mach mal was Richtiges.“

André Stern denkt dazu, genauso wie ich: Das Spielen an sich ist etwas sehr Wichtiges und sehr Ernstes für unsere Kinder.

Beispiel Kieselstein: Eigenes Geschenk vs. Auftrag

Nehmen wir an, ein Kind findet einen Kieselstein und sieht darin etwas Besonderes. Es schenkt ihn der Mama.

Wir Mamas haben meistens schon viele Kieselsteine in der Tasche.

Am nächsten Tag geht das Kind in den Kindergarten und bastelt unter Anleitung eine Karte für Muttertag.

Es hat einmal den Kieselstein geschenkt, der für das Kind, weil es ihn selbst gefunden hat, etwas sehr Tolles bedeutet.

Es schenkt der Mutter damit seine Achtung und Liebe.

Und was schenkt es dann mit der Karte, die unter Anleitung entstanden ist?

Das ist natürlich nett, aber es ist etwas anderes.

Fantasie und „Realität im Kleinformat“

Kinder sind sehr fantasievoll.

Ein Kieselstein wird zum Edelstein, etwas Magischem.

Ein Tuch wird zur Rakete, die zum Mond fliegt.

Stühle werden aneinander aufgereiht, um einen ICE nachzustellen.

Oder Kinder spielen nur mit ihren Händen und Fingern: „Das ist Papa, das ist Mama, das sind die Kinder.“

Es entsteht sehr viel über Mimik, Gestik und Spiel.

Unsere ganz Kleine spielt momentan sehr gerne „Beeren oder Pilze pflücken“, knabbert sie dann oder verschenkt sie.

Warum „pädagogisch wertvoll“ oft an Kindern vorbeigeht

Und dann gibt es wieder das angeschaffte Spielzeug.

Ich dachte lange: „Wir haben so wahnsinnig viel, wir müssten das nachts heimlich ausmisten.“

Dann kamen wir zu anderen Familien, und ich dachte: „Wow, wir haben vielleicht gar nicht so viel.“

In diesen tollen Kinderzimmern, in denen es so viele Dinge gab, dachte ich manchmal: „Meine Kinder haben im Vergleich kaum so tolles Spielzeug.“

Und die Mütter zeigten ihr Spielzeug, das sie für die Kinder hatten.

Es funkelte und glitzerte. Und alles war voller Begeisterung, was man Kindern alles geben kann, um sie zu „fördern“.

Das überzeugte mich manchmal so, dass ich dachte: Ich muss meinen Kindern auch sowas besorgen.

Und erst zu Hause wurde mir langsam wieder klar: Moment mal, eigentlich sehe ich die Dinge doch anders.

Kinder wollen Spielzeug, das funktioniert.

Kinder wollen oft Spielzeug, das naturgetreu ist, oder zumindest Dinge, mit denen sie lange und mit Begeisterung spielen können.

Nicht etwas, das schnell „abflacht“ und dann ersetzt wird.

André Stern sagt sinngemäß: Kinder wollen Realität im Kleinformat.

Damit meint er nicht, dass ein Kind sich für das Auto mit blinkenden Augen und Quietsche-Nase entscheidet.

Alltag statt Fördermaterial

Ich bin auch nicht begeistert von Montessori-Spielzeug, wenn es als fertiges Erwachsenenprodukt verkauft wird, das das Kind „fördern“ soll.

Ich denke, vieles passiert im Alltag, wenn Kinder an unserem Leben teilhaben können.

Beispiele: Trommeln, Wissenschaft, echte Werkzeuge

Ein Kleinkind trommelt vielleicht begeistert auf Töpfen und Pfannen. Vielleicht wünscht es sich später ein echtes Schlagzeug.

Und es bekommt eine Mickey-Maus-Trommel.

Oder Kinder begeistern sich für Wissenschaft und wollen Dinge begreifen.

Im Geschäft würden sie vermutlich nicht nach der Attrappe suchen, die „für Kinder entwickelt“ wurde, sondern nach Geräten, die wirklich ihre Aufgabe erfüllen.

Zum Schluss

Ein Problem ist: Kinder passen sich an.

Sie konzentrieren sich auf das, von dem wir Großen denken, dass es kindgerecht sei.

Und dann lernen sie, nach den „richtigen“ Dingen zu verlangen.

Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, wie André Stern Spiel betrachtet, könnt ihr euch unseren Artikel zu seinem Vortrag ansehen.

Wer darüber nachdenkt, ein Buch zu kaufen, findet bei uns auch faire Alternativen zu Amazon (Links weiter unten).

An dieser Stelle verabschiede ich mich jetzt von euch und zeige euch im Anschluss das kleine Video mit der Führung durch unser Spielzeug zu Hause.

Bis bald!

Transkript – Video Teil 2 (geglättet)

Hinweis: Transkript zur Orientierung. Für Lesbarkeit leicht geglättet, Sinn unverändert.

Leise Führung: Die Kinder spielen

Unsere Kinder sind heute auf der Spiel- und Tobematte.

Also erzähle ich euch hier drüben leise, was wir so haben.

Kinderküche und Alltagsmaterial

Das ist unsere Kinderküche, die momentan auch Kaufmannsladen ist.

Wir haben Gemüse, mit dem man spielen kann. Kindern ist oft egal, ob etwas „perfekt“ sein muss. Sie haben die Fantasie, es zu verstehen.

Hier sind Übrigbleibsel aus der Babyzeit, als wir damals auch selbst gebastelt haben. Vielleicht zeige ich euch das in einem anderen Video mal.

Wenn wir schnell etwas aufschreiben müssen oder die Kinder etwas machen möchten, liegt hier in guter Griffnähe Papier.

Das sind unsere Schwungbänder von alten Gardinenstangen, Rollen und altes Verpackungsmaterial.

Unsere Kinder lieben es, diese Schwungbänder zur Musik zu bewegen oder damit als Vogel herumzufliegen.

Doppelte Dinge und Geschwisterdynamik

Was fürs Malen und Kleben gebraucht wird, ist hier ebenfalls griffbereit.

Bei uns sind viele Dinge zweimal.

Das hat sich so ergeben und ist manchmal praktisch, damit es weniger Streit gibt.

Natürlich gibt es weiterhin Dinge, um die man sich streitet. Dann muss man schauen, dass jede*r genug bekommt von dem, was gerade wichtig ist.

Instrumente: Angebote ohne Zwang

Hier ist die Tasche mit unseren Musikinstrumenten.

Manchmal kann ich es als Ex-Erzieherin nicht lassen, Klangspiele zu machen.

Die Kinder müssen nicht mitspielen. Wenn Interesse besteht, kommt eins dazu und macht mit.

Die Flöte stört uns nicht, weil die Kinder damit oft experimentieren.

Ich glaube, wir wollten unserer Großen das damals zum ersten Geburtstag schenken, weil wir dachten: Das macht dem Kind viel Spaß.

Ich würde das heute bestimmt nicht nochmal kaufen. Weil es auch gar nicht mehr verlangt wird, kann ich es gut weitergeben.

Bücher, Kuscheltiere und echte Vorlieben

Hier sitzen die Kuscheltiere.

Der Hund hat noch eine relativ realistische Form. Das Schweinchen mit den großen Augen war mal etwas, was uns Eltern begeistert hat, weil es so niedlich aussieht.

Unsere Große liebt Geschichten, auch wenn sie nicht „altersgerecht“ sind.

Es müssen nicht viele Bilder sein. Sie liebt einfach das Vorlesen und taucht da sehr hinein.

Deshalb gibt es bei uns auch relativ viele Kinderbücher.

Langzeitspiel: Hebamme

Hier unten ist momentan das Hebammen-Spiel aufgebaut.

Da gibt es ein Täschlein mit Schwangerschaftskontrollbogen und Sachen zum Eincremen, ein Handy, einen Taschenrechner.

Was eine Hebamme eben alles so braucht, hat sie sich zum großen Teil selbst ausgesucht.

Das ist ein Fantasiespiel, das sie mit Begeisterung seit langer Zeit spielt.

Regelspiele, Murmelbahn und der Zug, der nicht funktioniert

In unserem Schrank sind ein paar typische Spiele drin, bei denen es Spielregeln gibt.

Die Regeln werden eingehalten, wenn die Kinder Lust dazu haben.

Hier unten ist die Murmelbahn, die wird bei unseren Dreijährigen gerade sehr erforscht.

Und hier merkt man auch: Wenn sich Kinder einen Zug wünschen, wollen sie vielleicht keine bunten Bauklötzchen „ab 12 Monaten“, wie es der Markt sagt.

Bei uns entstand da schnell Streit, weil der Zug nicht gut funktioniert. Die Waggons halten nicht zusammen.

Dann gehen sie lieber zur Oma, die einen Zug aus Lego hat.

Puppen, „Trend-Spielzeug“ und eigene Entscheidungen

Hier sind unsere Puppen.

Unsere Kinder kennen Barbies von anderen Kindern, aber sie verlangen sie (noch) nicht.

Wir haben auch Plastikpuppen. Die Kinder werden sich entscheiden, welche Puppe sie vorrangig nutzen.

Wir haben auch noch keine Waldorf-Puppen gekauft, nur weil das unter „Öko-Eltern“ manchmal dazugehört.

Unterwegs: Beschäftigungsideen

Im Auto haben wir manchmal kleine Puppen, wenn wir länger unterwegs sind.

Wir haben auch Sorgenpüppchen.

Da kommt meine „Erzieherinnen-Stimme“ durch: Ich überlege mir Lieder, Sprüche und Fingerspiele, damit Fahrten leichter werden.

Unsere Große hat eine Kindergitarre von der Oma ausgeliehen, an der sie experimentieren kann.

Erwachsenenideen: Schleifenbinden, Steckspiele, Sortieren

Hier zeige ich euch noch ein paar Sachen: Schleifenbinden-Übungen, Steckspiele, Sortierspiele.

Warum muss ich dem Kind das geben?

Ob ein Kind nicht aus eigenem Interesse irgendwann Schuhe binden lernen will?

Und wenn ein Kind etwas fädeln möchte: Braucht es dafür ein fertiges Steckding?

Oder tun es nicht auch Knöpfe an einer Schnur, Perlen oder kleine Glöckchen?

Beobachtung statt „niedlich“

Unsere Große spielt hier gerade ein Planschbecken-Spiel.

„Das sind die Eltern“, hat sie erklärt, „und hier drin sind die Kinder.“

Ein Kind stand am Rand und rief: „Papa, ich möchte raus.“

Dann kam der Papa durch die Löcher und holte das Kind heraus.

Ich fand das unglaublich süß.

Und ich fand es viel schöner als irgendein Kuscheltier mit Gesicht, das schon alles vorgibt.

Tiere, Modellbau-Rakete und „Realität im Kleinformat“

Hier sind Spieltiere. Heute findet man wieder Tiere mit freundlichem Gesicht oder manchmal auch sehr realistische.

André Stern hat zum Beispiel keine geeignete Rakete für seinen Sohn gefunden.

Im Modellbau fand er schließlich eine Rakete, mit der sein Sohn all das ausprobieren und darstellen konnte, was ihn wirklich interessiert hat.

Bausteine und Autos

Hier sind unsere Bausteine. Dagegen kann man wenig sagen.

Und hier die Autos.

Wir dachten zuerst: Holzautos, schlicht, große Räder, das ist bestimmt toll.

Aber große Kinder sind damit oft nicht lange zufrieden.

Manchmal geht es weniger um „Realismus“ als um Funktion und Handlungsmöglichkeiten.

Wir hatten mal ein altes Modellauto, bei dem man Türen öffnen konnte.

Das war diese kleine Realität der Autos.

Zum Schluss

Wenn ihr mehr über Spiel und die Ernsthaftigkeit des kindlichen Spielens wissen wollt, schaut in unseren Artikel zum Vortrag von André Stern.

Wenn ihr Fragen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare.

Wir schauen, was wir gemeinsam herausfinden können.

Bis bald!

Transparenz

Wenn ihr Bücher kauft, nutzt dafür gern faire Alternativen. Hier im Blog findet ihr unsere Empfehlungen:

Buch7 und Thalia.

CC BY-SA 4.0 Spielzeug für Kinder: Warum „pädagogisch wertvoll“ oft danebenliegt (Video) von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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