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Impfpflicht? Nein danke!

Grundlegend aktualisiert am 15. August 2026. Dieser Beitrag ist ein persönlicher Essay über eine allgemeine Impfpflicht, keine individuelle Impfberatung.

Dass plötzlich nichts mehr nach irgendetwas roch, fand ich damals faszinierend. Unser Biomülleimer: nichts. Apfelessig: nichts. Eukalyptusöl: nichts. Selbst der alte Scheuerlappen hatte einfach keinen Geruch mehr.

Unser älterer Junge hatte einen Tag und eine Nacht Fieber. Den beiden Mädchen und dem Baby merkte man kaum etwas an. Evelin und mich erwischte es stärker: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Husten und eben dieser komplette Verlust von Geruch und Geschmack. Einen PCR-Test hatten wir nicht gemacht. Ein paar Monate später ließen wir Antikörper gegen SARS-CoV-2 bestimmen; bei den getesteten Familienmitgliedern fiel der Befund positiv aus. Dem Baby haben wir dafür kein Blut abnehmen lassen.

Wenn wir krank sind, geistern wir eigentlich sowieso nicht irgendwo in der Stadt oder bei Freund:innen herum. Egal ob Kotzeritis oder Corona.

Ende 2021 wurde aus der persönlichen Impfentscheidung plötzlich eine politische Frage für ganz Deutschland: Sollte es eine allgemeine COVID-19-Impfpflicht geben? Am 7. April 2022 lehnte der Bundestag sämtliche dazu vorgelegten Initiativen ab.[1] Meine Antwort auf eine allgemeine Pflicht ist bis heute dieselbe: Nein danke.

COVID-Impfung im Jahr 2026

Seit Ende 2021 hat sich medizinisch einiges verändert. Das RKI schreibt weiterhin, dass die verfügbaren COVID-19-Impfstoffe gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen.[2] Die STIKO hat ihre Empfehlung im Juli 2026 allerdings deutlich geändert: Die frühere Empfehlung, bei Erwachsenen eine Basisimmunität durch mindestens drei Antigenkontakte aufzubauen, ist entfallen. Eine jährliche Auffrischung empfiehlt sie standardmäßig nun ab 75 Jahren; für Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen und weitere Risikogruppen bestehen weiterhin Indikationsimpfempfehlungen.[3]

Mein Körper gehört mir

Eine Impfung ist ein Eingriff in den eigenen Körper. Wer sie für sich möchte, soll sie bekommen können. Sobald der Staat aus einer medizinischen Empfehlung eine Pflicht macht, ist das eine andere Hausnummer.

Bei einer ansteckenden Krankheit hängen allerdings auch andere mit drin. SARS-CoV-2 kann Menschen treffen, für die eine Erkrankung wegen ihres Alters oder bestimmter Grunderkrankungen besonders gefährlich ist.[3] 2022 hielt das Bundesverfassungsgericht die damalige einrichtungsbezogene Nachweispflicht unter den damaligen Bedingungen für verfassungsgemäß. Dabei ging es gerade um den Schutz vulnerabler Menschen in den betroffenen Einrichtungen. Zugleich wertete das Gericht die dadurch veranlasste Impfung als erheblichen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit.[4]

Eine allgemeine Pflicht für Erwachsene in ganz Deutschland wäre weiter gegangen. Sie kam 2022 nicht. Ich halte das für richtig.

Die Makaken hinter den Daten

Bei der Entwicklung der BNT162-Impfstoffkandidaten verwendeten Forschende auch Rhesusmakaken. Eine Bildlegende der Nature-Publikation lautet: „Each symbol represents one macaque.“[5]

Tag 0: eine Injektion. Tag 21: die nächste. Später setzten die Forschenden die Makaken über Nase und Luftröhre SARS-CoV-2 aus. Sie nahmen Abstriche; für Röntgen- und CT-Aufnahmen wurden die Makaken narkotisiert und intubiert. Sieben oder acht Tage nach der Virus-Exposition folgte für einen Teil von ihnen die Nekropsie, also die Untersuchung ihres Körpers nach dem Tod. Patholog:innen werteten anschließend Lungengewebe dieser Makaken aus.[5]

Für bewusstes Erleben bei anderen Säugetieren gibt es laut New York Declaration on Animal Consciousness starke wissenschaftliche Unterstützung.[6] Die Rhesusmakaken in diesen Versuchen wurden für ein menschliches Forschungsziel benutzt.

Das ist Ausbeutung.

Die Versuche dienten einem medizinischen Zweck: Menschen vor COVID-19 zu schützen. Ein guter Zweck verwandelt den Makaken trotzdem nicht in Material. Peter Singer nennt es Speziesismus, wenn vergleichbare Interessen allein wegen der Artzugehörigkeit geringer berücksichtigt werden.[7]

Forschung ohne Tierausbeutung

Die EU-Richtlinie 2010/63/EU verlangt bei wissenschaftlichen Verfahren mit Tieren die 3Rs: ersetzen, verringern, verfeinern. Die Europäische Arzneimittel-Agentur nennt den vollständigen Ersatz von Forschung an Tieren durch tierfreie Methoden als langfristiges Ziel. Zu den sogenannten New Approach Methodologies zählen etwa zellbasierte Systeme und Computermodelle; je nach Anwendung können sie Tierversuche ersetzen oder verringern.[8]

Forschung soll medizinische Fragen beantworten, ohne empfindungsfähige Individuen dafür zum Forschungsmittel zu machen.

Nein danke

Mein Nein richtet sich gegen eine allgemeine staatliche Impfpflicht. Nicht gegen Menschen, die sich impfen lassen.

Die Makaken sind keine Fußnote unter menschlichem medizinischem Nutzen.

Make love not war!
Euer Patrick

Quellen

  1. Deutscher Bundestag: Initiativen zur Corona-Impfpflicht fallen im Bundestag durch, 7. April 2022 – tragende Stelle: erster Absatz mit dem Ergebnis der namentlichen Abstimmungen.
  2. Robert Koch-Institut: Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe, Stand 9. Juli 2026 – tragende Stelle: Aussage zum Schutz vor schweren Krankheitsverläufen.
  3. Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut: Beschluss und wissenschaftliche Begründung zur Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung und zum Wegfall der Empfehlung zur Erlangung einer Basisimmunität. Epidemiologisches Bulletin 28/2026, 9. Juli 2026 – tragende Stellen: S. 25–27, besonders S. 26–27 zu Basisimmunität, Altersgrenze ab 75 Jahren und fortbestehenden Indikationsimpfempfehlungen.
  4. Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 27. April 2022, 1 BvR 2649/21 – tragende Stellen: Ausführungen zur einrichtungs- und unternehmensbezogenen Nachweispflicht, zum Schutz vulnerabler Personen und zum Eingriff in die körperliche Unversehrtheit.
  5. Vogel AB, Kanevsky I, Che Y et al. BNT162b vaccines protect rhesus macaques from SARS-CoV-2. Nature 592, 283–289 (2021) – tragende Stellen: Extended Data Fig. 5–8 und Extended Data Table 2; insbesondere Injektionen an Tag 0 und 21, SARS-CoV-2-Exposition über intranasale und intratracheale Route, Probenahmen, Narkose/Intubation, Nekropsie und Lungenhistologie.
  6. New York Declaration on Animal Consciousness, 19. April 2024 – tragende Stelle: Abs. 1 zur starken wissenschaftlichen Unterstützung für bewusstes Erleben bei anderen Säugetieren und Vögeln.
  7. Singer, Peter: Animal Liberation, First Ecco paperback edition, 2002 – tragende Stellen: S. 5–8 zur gleichen Berücksichtigung von Interessen, Speziesismus und Empfindungsfähigkeit.
  8. European Medicines Agency: Ethical use of animals in medicine testing – tragende Stellen: „Directive 2010/63/EU“, „3Rs principles“ und „New approach methodologies“; geprüft am 15. August 2026.

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