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Aktualisiert am 8. August 2026.

Barfuß zu laufen ist immer wieder ein Thema auf unserem Blog. Manche von euch lieben es, andere zucken schon beim Gedanken an heißen Asphalt zusammen. Beides ist verständlich.
In diesem Beitrag nehmen wir euch mit auf unsere bisher längste Barfußwanderung: von Tremosine nach Campione del Garda am Gardasee und wieder zurück – über Asphalt, Feldwege, nassen Fels, Sand, alte Tunnel, Schotter und Waldboden.
Wenn ihr eher Team „Minimal-/Barfußschuh“ seid: Hier findet ihr unser Video zu veganen Barfußschuhen für die ganze Familie.
Unsere längste Barfußwanderung am Gardasee
Meine längste und abwechslungsreicheste Wanderung, die ohne Schuhe stattfand, unternahm ich in Italien.
Es war mein erster Urlaub mit Patrick. Schon mit dem Auto war die Hinreise abenteuerlich, weil wir am Navigationsgerät eine „grüne Route“ wählten, die uns durch die unbekanntesten Hinterhöfe, über die steilsten Anstiege, durch schmale Tunnel und enge Gassen führte. Hier ein paar Impressionen:

Bezaubernder Ausblick über die Alpen

Zwischenstopp am Penserjoch

Zwischenstopp am Penserjoch
Als wir eines Morgens von unserer Unterkunft in Tremosine aus unseren Fußmarsch zu dem 6 Kilometer entfernten Campione del Garda am Ufer des Gardasees starteten, ahnten wir noch nicht, dass auch dieser ziemlich steil und für unsere Füße alles andere als eintönig werden würde.
Der Abstieg
Den ersten Kilometer entlang der geteerten Straße gingen wir barfuß bevorzugt auf den hellen Streifen, denn der schwarze Asphalt hatte sich bereits gut erwärmt und brannte unter den Füßen. Die kleinen Steinchen, über die wir die nächsten zwei Kilometer über Feldwegen bergab liefen, pieksten mich als langjährige Barfußläuferin keineswegs.
Bald erschloss sich der Gardasee aus wunderschöner, uriger Sicht: Wir kamen an einen Wasserfall, der wie aus dem Nichts aus den Bergen hervorgetreten schien, sein kühles Nass über steiles Felsgestein ergoss und unten zwischen grünem Farn und bunten Blüten seinen friedlichen Weg in den See fand.
Der Weg nach unten schien zunächst nicht weit. Für unsere Füße stellte sich dieser Weg jedoch als große Aufgabe heraus. Teilweise ging es den Felshang steil hinunter. Stellenweise war es so glatt, nass und rutschig, dass wir mit den Händen nach Halt suchen mussten. Gerade weil dieser Weg so steil war, war ich froh, ein guter Barfußläufer zu sein.
Nach weiteren zwei Kilometern kamen wir etwas verschwitzt im Tal an. Der letzte Barfuß-Kilometer über angenehm kühlen Waldboden, Pflastersteine und Sandstrand war demgegenüber ein „Klacks“.
Am Gardasee
Als neue Schwierigkeitsstufe empfand ich die glitschigen, spitzen Steine sowie kleine Müllteile wie Kronkorken im Wasser bis hin zum Schwimmbereich, doch das angenehme Wasser und die gigantische Aussicht ließen das vergessen.
Durch Trümmer, Schutt und Geröll
Den Heimweg wünschten wir uns etwas weniger felsig. Deshalb wählten wir eine alte Straße, die schon länger nicht mehr befahren werden konnte. Die Tunnel hatten einst eine zur Seeseite hin offene Bauweise und man konnte an den alten Säulen erahnen, wieviel Mühe sich früher beim Straßenbau mit Ziegelsteinen gemacht wurde.
Nach einigen hundert Metern befanden wir uns inmitten von Trümmern; inzwischen hatten besonders die Tunnel gelitten und hielten nur noch mithilfe der Vegetation, die sich ungestört ausgebreitet hatte.
Da wir unseren Heimweg noch im Sonnenschein fortsetzten, konnte ich gut erkennen, wohin ich trat. Natürlich wurden meine Füße ordentlich eingestaubt, aber unsere Unterkunft verfügte über eine Waschgelegenheit, weshalb ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen brauchte.
Im Dunkeln
Doch dann führte unser Weg durch einen Tunnel in einen weiteren, neuen Tunnel: zu einer befahrenen Straße. Anders als bei dem alten Tunnel fiel kein einziges Licht hinein. Ziemlich waghalsig wagten wir uns hinein und liefen hintereinander, vorn und hinten mit unseren Handys leuchtend, durch den Tunnel.
Die Autofahrer schienen wohl ziemlich überrascht über barfüßige Fußgänger. Kein einziger Fahrer hupte uns an, wobei sich häufiges Hupen und stark gestikulierende Autofahrer als italienisches Urlaubserlebnis stark in unseren Köpfen eingeprägt hat.
Nach einem geschätzten halben Kilometer im dunklen Tunnel konnten wir vom Seitenstreifen auf einen mit Schotter aufgefüllten Fußweg wechseln. Noch immer leuchteten wir mit unseren Handys. Eines gab bald den Geist auf.
Der Schotter war durchaus unangenehm unter meinen Füßen. Doch da ich mit den Zehen statt mit der Ferse aufsetzte, bekam ich ziemlich schnell ein Gefühl dafür, wie ich über die Steine zu laufen hatte. Vielleicht denkt ihr auch, dass ich eine mächtige Hornhaut an meinen Füßen habe – doch das ist nicht der Fall.
Immerhin war ich, frisch verliebt, im Besonderen darauf bedacht, dass ich meinem Patrick vom Kopf bis zum Fuß sehr gepflegt erscheinen würde.
Aus heutiger Sicht: Der dunkle Tunnel an einer befahrenen Straße war eine riskante Passage. Unsere damalige Wanderung beschreibt, was wir erlebt haben; als Route für eine heutige Tour würden wir uns daran nicht orientieren.
Glück im Unglück
Während ich barfuß über den Schotter balancierte, stieß ich plötzlich mit dem Fuß gegen etwas Metallenes. Es schepperte und ich verhedderte mich in dem kalten Ding. Patrick leuchtete mit dem Handy nach unten. Ich war nicht verletzt, nur staubig bis zu den Knien.
Wir entdeckten einen herumliegenden, stabilen Draht. Wahrscheinlich war er beim Straßenbau liegengeblieben. Wie praktisch! Jetzt hatten wir endlich etwas gefunden, mit dem wir die Beine unserer einzelnen Hotelbetten aneinander befestigen konnten. Der Draht kam also mit und weiter ging unser Fußmarsch.
Es war noch hell draußen als wir endlich aus dem Tunnel traten – und standen neben der Straße direkt im Wald. Eine Wohltat für meine Füße; Der sanfte, vom Nachtregen aufgeweichte Waldboden schmeichelte mir, als wäre ich eine Prinzessin.
Der Aufstieg
Ein Wanderpfad führte noch ein wenig der alten Straße entlang und dann steil im Zickzack hinauf in unseren ca. 410 m hoch liegenden Urlaubsort. Teilweise musste ich auf allen Vieren laufen und stellenweise versank ich etwas im matschigen Boden.
In einer engen Kurve rutschte uns ein anderer Tourist auf dem Hosenboden entgegen. Ansonsten trafen wir während des Anstieges niemanden und konnten den Gesängen der Vögel lauschen und beim kurzen Verschnaufen von hoch oben direkt unter uns in den wunderschönen See blicken.
Als wir unsere Füße wieder auf den Stein der ersten Terrasse setzten, empfing man uns mit Applaus – trotz der kohlefarbigen Knie und unseren Händen, die durch die anhaftende Walderde eher wie Bärentatzen wirkten. Es handelte sich offenbar um einen Pfad, den nicht jeder ging. Und erst recht nicht barfuß.
Bilder vom Gardasee

Am Gardasee – Hier: in Schuhen

Blick von den Klippen, unten sieht man Teile der alten Straße

Campione del Garda am Fuße der Klippen

Die Schauderterrassen
Fast den gleichen Weg in umgekehrter Richtung lief Uli auf auf-den-berg.de. Er hat dazu auch ein paar Bilder gemacht und Videos von anderen Wanderern gibt es ebenfalls zu sehen. Dann könnt ihr euch gleich einen Eindruck von unserem Ausflug verschaffen.
Hinweis zur Strecke: Der Bericht beschreibt die Wege so, wie wir sie bei unserer Wanderung erlebt haben. Wegzustand und Sperrungen können sich verändern. Aktuelle örtliche Informationen sind deshalb die bessere Grundlage für die heutige Routenwahl.
Was wir aus der Barfußwanderung mitgenommen haben
Auf dieser Tour wechselten innerhalb weniger Kilometer Untergründe, die sich barfuß völlig unterschiedlich anfühlten. Warmer Asphalt, kleine Steine, nasser Fels, Pflaster, Sand, Schotter, Matsch und weicher Waldboden verlangten jeweils ein anderes Tempo und andere Schritte.
Besonders deutlich wurde das auf dem Schotter. Ich setzte eher mit den Zehen auf, tastete mich über die Steine und bekam nach kurzer Zeit ein Gefühl dafür, wie ich dort laufen konnte. Unsere Erfahrung auf dieser Wanderung hatte damit viel mit Aufmerksamkeit, Tempo und dem jeweiligen Untergrund zu tun.
Und manchmal sprechen die Umstände eben für Schuhe. Ein dunkler Tunnel neben einer befahrenen Straße wäre für uns heute so ein Fall.
Was die Forschung zu Barfußlaufen und Minimalschuhen zeigt
Unsere Wanderung und die Forschung beantworten unterschiedliche Fragen. Studien untersuchen überwiegend Laufen oder den Alltag in Minimalschuhen unter festgelegten Bedingungen. Die Ergebnisse gelten daher zuerst für diese untersuchten Situationen; eine mehrstündige Barfußwanderung über Fels, Schotter und alte Tunnel liegt außerhalb ihres direkten Geltungsbereichs.
Eine Übersichtsarbeit von Connors, Mathew und Freeland aus dem Jahr 2023 beschreibt biomechanische Veränderungen beim Barfuß- und Minimallaufen. In den ausgewerteten Studien veränderten sich unter anderem Fußaufsatz und Belastungsverteilung; am Knie wurde weniger und am Sprunggelenk mehr Energie aufgenommen. Bei den Verletzungsraten ergab sich insgesamt ein uneindeutiges Bild. Eine abrupte Umstellung erhöhte in den ausgewerteten Arbeiten die Belastung am Sprunggelenk und konnte mit mehr Verletzungen einhergehen (DOI: 10.2106/JBJS.RVW.23.00098).
Daniel Lieberman und Kolleg:innen verglichen 2010 gewohnheitsmäßig barfuß und mit Schuhen laufende Menschen. Die Forschenden fanden Unterschiede im Fußaufsatz; barfuß laufende Personen mit Vorfußaufsatz erzeugten in ihrem Versuchsaufbau geringere Kollisionskräfte als beschuhte Läufer:innen mit Fersenaufsatz. Die Studie untersuchte Aufsatzmuster und Stoßkräfte (DOI: 10.1038/nature08723).
Für die Fußmuskulatur gibt es inzwischen breitere Daten. Peters-Dickie und Kolleg:innen werteten für eine 2025 veröffentlichte systematische Übersicht mit Metaanalyse 28 Studien mit insgesamt 1.399 Teilnehmenden aus. Minimalschuhe zeigten in der Metaanalyse einen Vorteil bei der Kraft der Zehen zwei bis fünf. Die Autor:innen bewerteten die Sicherheit der Evidenz allerdings als niedrig bis sehr niedrig, vor allem wegen der begrenzten Zahl geeigneter Studien und eines hohen Verzerrungsrisikos (DOI: 10.1016/j.clinbiomech.2024.106417).
Bei Diabetes verändert sich die Risikobewertung. Die American Diabetes Association nennt in ihren Standards 2026 den Verlust des schützenden Schmerz- und Druckempfindens durch eine Neuropathie sowie Durchblutungsstörungen als wichtige Risikofaktoren für Fußgeschwüre. Im Abschnitt zur Fußpflege gehört das Vermeiden von Barfußgehen zu den besprochenen Schutzmaßnahmen; für Menschen mit hohem Ulkusrisiko empfiehlt die ADA geeignetes therapeutisches Schuhwerk (DOI: 10.2337/dc26-S012).
Wenn ihr tiefer in unseren Blick auf Barfußlaufen, Schuhe und Füße einsteigen möchtet, findet ihr hier unseren ausführlicheren Beitrag: Barfuß laufen: Vorteile, Grenzen und ein entspannter Einstieg.
Eure Erfahrungen
Wie erlebt ihr wechselnde Untergründe beim Barfußlaufen? Welche mögt ihr besonders, wo wird es unangenehm und in welchen Situationen greift ihr lieber zu Schuhen? Eure Erfahrungen haben in den Kommentaren Platz.
Barfußwandern am Gardasee: Unsere Tour durch Tunnel, Schotter & Wald von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.