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Aktualisiert am 10.08.2026
Evelin gibt Tipps zum Stillen von kleinen und mehreren Kindern und verrät, was ihr bei Milchstau hilft. Sie geht auf ihre Gefühle beim Stillen gegenüber dem größeren Kind ein und erklärt, wie sich Weiterstillen und Abstillen friedvoll entwickeln kann.
Abstillen und Weiterstillen in der Schwangerschaft: wie es bei uns war
Als ich das Video 2017 aufgenommen habe, stillte ich seit über vier Jahren. Mit unserer Großen hatte ich lange kaum Probleme. Als ich mit unserem zweiten Kind schwanger wurde, merkte ich allerdings, dass Stillen in der Schwangerschaft für mich unangenehm werden kann.
Unsere Große war klein und zierlich. Ein abruptes Ende der Stillzeit wollte ich damals vermeiden, und ich wünschte mir Tandemstillen. Also begann ich, beim Stillen Grenzen zu setzen, wenn meine Brust eine Pause brauchte.
Abends sagte ich öfter: „Jetzt ist genug.“ Häufig drehte sie sich danach um, kuschelte und schlief ein. Irgendwann versiegte die Milch tatsächlich. Ab da aß und trank sie deutlich mehr.
Tandemstillen nach der Geburt
Nach der Geburt unseres zweiten Kindes kam der Milcheinschuss bei mir sanft, nach ungefähr zwei Tagen. Mein größeres Stillkind stillte zu dieser Zeit ebenfalls noch. Wenn sie trinken wollte, konnte das zugleich die Spannung in meiner Brust verringern. Ich spürte dabei selbst, wann es für mich genug war.
Wenn euch das Stillen von Geschwistern genauer interessiert, findet ihr in unserem Beitrag „Wieso die Frau zwei Brüste hat – Tandemstillen“ mehr über unsere Erfahrungen damit.
Milchstau: was mir half und was heute medizinisch wichtig ist
Bei schmerzhaften, festen Stellen achtete ich damals besonders darauf, wie sich Stillposition und Druck auf die Brust anfühlten. Eine Handhaltung, die mir meine Hebamme gezeigt hatte, half mir ebenfalls: Sie stützte die Brust, ohne kräftiges Drücken.
Die Academy of Breastfeeding Medicine beschreibt Beschwerden, die oft „Milchstau“ genannt werden, heute als Teil eines Spektrums entzündlicher Veränderungen. Ihr Protokoll von 2022 rät davon ab, vermeintliche „Pfropfen“ durch kräftiges Drücken oder tiefe Massage lösen zu wollen, weil das Gewebe dadurch zusätzlich verletzt werden kann. Es empfiehlt physiologisches Stillen nach Bedarf, ohne die Brust gezielt „leer“ zu trinken oder zu pumpen, sowie entzündungshemmende Maßnahmen wie Kühlen.[2]
Bei zunehmender Rötung und Schmerzen oder anhaltenden Allgemeinsymptomen wie Fieber ist eine fachliche Beurteilung sinnvoll. Die Academy of Breastfeeding Medicine nennt insbesondere systemische Beschwerden, die länger als 24 Stunden anhalten, als Anlass für eine medizinische Abklärung.[2]
Wenn Stillen in der Schwangerschaft plötzlich weh tut
In meiner dritten Schwangerschaft wurde mir dieses Thema wieder sehr bewusst. Schmerzhaftes Stillen war für mich ein sehr frühes Schwangerschaftszeichen. Das beschreibt meine damalige Erfahrung; Schmerzen beim Stillen können verschiedene Ursachen haben und verdienen bei starken oder anhaltenden Beschwerden eine fachliche Einordnung.
Ich hatte damals Momente, in denen ich das Stillen kaum aushielt. Zum körperlichen Schmerz kam eine starke innere Abwehr, manchmal auch Wut. Solche negativen Reaktionen beim Stillen sind in der Forschung beschrieben. Eine qualitative Studie bezeichnet das Phänomen als Breastfeeding Aversion and Agitation und berichtet unter anderem von Gereiztheit, Wut und dem starken Wunsch, das stillende Kind von der Brust zu lösen; die Ursachen sind bislang unzureichend geklärt.[3]
Als ich sicher wusste, dass ich schwanger war, konnte ich meine Grenzen für mich klarer benennen. Ich erklärte unseren Kindern, dass meine Brust gerade empfindlich war und ich manchmal früher aufhören wollte. Wie sie darauf reagierten, war unterschiedlich. Gerade deshalb half mir ein flexibler Übergang mehr als ein fester Plan.
Wie bei uns das Abstillen friedvoll entstand
Unsere Große stillte sich während der Schwangerschaft ab. Unsere kleinere Tochter stillte weiter, mit der Zeit seltener: manchmal täglich, manchmal nur einmal in der Woche. Ich entschied nicht jede Situation gleich. An manchen Tagen fühlte sich Stillen für mich gut an, an anderen brauchte ich schneller eine Pause.
Abends stillte ich manchmal kurz und sagte dann „Genug“. Irgendwann sagte unsere Kleine selbst „Genug“ und schlief ein. Für mich war das ein kleines inneres Aufatmen.
Stillen war bei uns außerdem Teil von Trost und Nähe. Bei unseren älteren Stillkindern half manchmal eine einfache Frage: „Möchtest du was trinken?“ Häufig wollten sie tatsächlich Wasser. Für eine kurze Übergangszeit nutzten wir dafür auch Nuckelflaschen mit Wasser. Später verschwanden sie wieder in der Spielkiste.
Jeder Übergang kann anders aussehen. Bei uns entwickelte sich das Abstillen friedvoll, weil die Reaktionen unserer Kinder und meine eigenen körperlichen Grenzen beide Raum bekamen. Stillen kann Ernährung, Trost, Nähe und Beziehung zugleich bedeuten. Und diese Beziehung kann ihre Form verändern.
Ist Weiterstillen in der Schwangerschaft sicher?
Eine systematische Übersichtsarbeit von 2023 fand in den eingeschlossenen Studien keinen Zusammenhang zwischen Weiterstillen und Schwangerschaftsausgang oder Fehlgeburtsrisiko. Die Autor:innen betonen zugleich die begrenzte Datenlage und besondere Vorsicht bei Risikoschwangerschaften sowie erhöhtem Frühgeburtsrisiko.[1] Für solche Situationen braucht es eine individuelle medizinische Einschätzung.
Was, wenn beim Stillen Abwehr oder Wut auftaucht?
Abwehr, Gereiztheit oder Wut können während des Stillens auftreten und zugleich mit dem Wunsch bestehen, die Stillbeziehung fortzusetzen.[3] Für mich war entscheidend, meine körperliche Grenze ernst zu nehmen und die Stillmomente so zu verändern, dass ich mich damit wieder wohler fühlte. Welche Lösung passt, kann von Stillhäufigkeit, Alter des Kindes, Schwangerschaft, Schmerzen, Erschöpfung und der Unterstützung im Alltag abhängen.
Hier geht es zu unserem Blogbeitrag „Stillen in der Öffentlichkeit“.
Quellen
- Stalimerou V, Dagla M, Vivilaki V, Orovou E, Antoniou E, Iliadou M. Breastfeeding During Pregnancy: A Systematic Review of the Literature. Maedica (Bucur). 2023;18(3):463–469. doi:10.26574/maedica.2023.18.3.463.
- Mitchell KB, Johnson HM, Rodríguez JM et al.; Academy of Breastfeeding Medicine. Clinical Protocol #36: The Mastitis Spectrum, Revised 2022. Breastfeeding Medicine. 2022;17(5):360–376. Tragende Stellen: S. 363, 366 und 373. doi:10.1089/bfm.2022.29207.kbm.
- Yate ZM. A Qualitative Study on Negative Emotions Triggered by Breastfeeding; Describing the Phenomenon of Breastfeeding/Nursing Aversion and Agitation in Breastfeeding Mothers. Iranian Journal of Nursing and Midwifery Research. 2017;22(6):449–454. doi:10.4103/ijnmr.IJNMR_235_16.
Transparenz: Ich erzähle hier aus unserem Familienalltag und ergänze medizinische Forschung zu Stillen in der Schwangerschaft, Milchstau beziehungsweise Mastitis und negativen Gefühlen beim Stillen. Der Beitrag dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung.
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