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Aktualisiert am: 10.08.2026
Zur Milchbildung, Steigerung der Milchmenge und als Energiespender für Heultage oder stressige Babywochen werden sie angepriesen: Stillkugeln, deren Zutaten im Regelfall aus Getreide, Honig und Butter bestehen. Wir finden, dass man die kleinen Powerbällchen bekömmlicher und viel leckerer zubereiten kann.
In unserer Küchenmaschine werden die „Energietrüffel“ seit der Geburt unseres Jüngsten wöchentlich zubereitet. Bei uns ist nach ein paar Tagen nichts mehr von den süßen Stillkugeln übrig.
Stillkugeln und Milchmenge: Was wissen wir?
Der Name „Stillkugeln“ klingt ein bisschen so, als hätten die kleinen Dinger eine besondere Aufgabe zu erledigen. Lebensmittel, Kräuter und Medikamente, denen eine Steigerung der Milchbildung zugeschrieben wird, heißen Galaktagoga. Ein Cochrane-Review bewertete die Studien zu natürlichen Galaktagoga allerdings als sehr unsicher: Die untersuchten Mittel und Lebensmittel unterschieden sich stark, ebenso die Frauen, die Mengen und die Messmethoden.[1]
Spannend ist auch eine randomisierte Studie von 2023, weil sie ziemlich genau das untersuchte, was heute gern als „Lactation Cookies“ verkauft wird. Die Kekse enthielten Haferflocken, Bierhefe, Leinsamen und Bockshornklee. Nach einem Monat unterschieden sie sich bei der gemessenen Milchproduktion nicht von vergleichbaren Keksen ohne diese Zutaten. Untersucht wurden ausschließlich stillende Eltern mit gesunden, reifgeborenen, zwei Monate alten Babys und insgesamt als ausreichend wahrgenommener Milchmenge. Auf Menschen mit tatsächlich festgestellter zu geringer Milchproduktion lässt sich das Ergebnis deshalb nicht einfach übertragen.[2]
Unser Rezept wurde in keiner dieser Studien untersucht. Unsere Stillkugeln sind deshalb kein Milch-Booster. Wir machen sie, weil sie uns schmecken, schnell griffbereit sind und nach ein paar Tagen auf rätselhafte Weise verschwunden sind. „Energietrüffel“ trifft es eigentlich ziemlich gut.
Zubereitung der Stillkugeln
Hier ist unser Rezept, dessen Müslianteil in Abhängigkeit von der Befüllung des Vorratsschranks variieren kann:
- 150 g Müsli, z.B. Traube-Nuss oder Müsli mit hohem Cornflakes-Anteil für ein besonders knuspriges Geschmackserlebnis
- 50 g Kokosflocken
- 20 g Kakaopulver
- 50 g Kokosöl
- 250 g Dattelpaste
Wer keine Küchenmaschine sein Eigen nennt, um alle Zutaten zu einer einheitlichen Masse zu vermengen, und wer sich nicht an ganzen Nüssen stört, verknetet die Zutaten mit der Hand und formt daraus mundgerechte Kugeln, Röllchen oder Plätzchen.
Mit einem veganen Müsli besteht unser Rezept ausschließlich aus pflanzlichen Zutaten. Je nachdem, was gerade im Vorratsschrank steht, verändert sich der Geschmack ein wenig. Gerade das mögen wir daran.
Wenn euch eigentlich die Milchmenge beschäftigt
Vielleicht seid ihr bei den Stillkugeln gelandet, weil ihr euch fragt, ob euer Baby genug Milch bekommt. Die Academy of Breastfeeding Medicine empfiehlt bei tatsächlich niedriger Milchproduktion zuerst zu klären, welche Ursache dahintersteckt und wie häufig und wirksam Milch aus der Brust entfernt wird. Dazu gehören das Stillen selbst, bei Bedarf das Abpumpen sowie mögliche medizinische Ursachen. Erst danach kommt überhaupt die Frage nach Galaktagoga ins Spiel.[3]
Bei geringer Gewichtszunahme, Schmerzen oder der Sorge, dass euer Baby zu wenig Milch bekommt, kann eine Hebamme mit Stillerfahrung oder eine IBCLC-Stillberater:in gemeinsam mit euch genauer hinschauen. Eine Kugel aus Datteln und Müsli lässt sich währenddessen immerhin ziemlich bequem mit einer Hand essen.
FAQ zu Stillkugeln
Steigern Stillkugeln die Milchmenge?
Für unser Rezept ist eine Steigerung der Milchmenge wissenschaftlich nicht belegt. Auch für natürliche Galaktagoga insgesamt bewertet der Cochrane-Review die Evidenz als sehr unsicher. Eine Studie mit speziellen „Lactation Cookies“ fand bei ausschließlich stillenden Eltern mit insgesamt ausreichender Milchmenge keinen messbaren Vorteil gegenüber normalen Vergleichskeksen.[1][2]
Warum heißen sie dann Stillkugeln?
Unter diesem Namen werden solche Energiekugeln seit Langem rund ums Stillen und Wochenbett weitergegeben. Auch bei uns kamen sie nach der Geburt unseres Jüngsten regelmäßig in die Küchenmaschine. Der Name ist geblieben. Das medizinische Versprechen lassen wir lieber weg.
Sind diese Stillkugeln vegan?
Ja, wenn auch das verwendete Müsli vegan ist. Kokosflocken, Kakao, Kokosöl und Dattelpaste sind pflanzlich. Bei fertigem Müsli lohnt sich ein Blick auf die Zutaten, weil manche Sorten beispielsweise Honig oder Milchbestandteile enthalten.
Quellen
Foong SC, Tan ML, Foong WC, Marasco LA, Ho JJ, Ong JH. Oral galactagogues (natural therapies or drugs) for increasing breast milk production in mothers of non-hospitalised term infants. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2020;5:CD011505. DOI: 10.1002/14651858.CD011505.pub2. Tragende Stellen: „Main results – Natural galactagogues“ und „Authors‘ conclusions“.
Palacios AM, Cardel MI, Parker E, Dickinson S, Houin VR, Young B, Allison DB. Effectiveness of lactation cookies on human milk production rates: a randomized controlled trial. American Journal of Clinical Nutrition. 2023;117(5):1035–1042. DOI: 10.1016/j.ajcnut.2023.03.010. Tragende Stellen: Abstract, „Methods“, „Results“ und „Conclusions and relevance“.
Brodribb W; Academy of Breastfeeding Medicine. ABM Clinical Protocol #9: Use of Galactogogues in Initiating or Augmenting Maternal Milk Production, Second Revision 2018. Breastfeeding Medicine. 2018;13(5):307–314. DOI: 10.1089/bfm.2018.29092.wjb. Tragende Stellen: S. 307 zur Regulation der Milchproduktion sowie S. 311, „Practice Recommendations“, Punkte 1–3.
Wir wünschen euch ein vergnügliches Naschen für eine frohe Stillbeziehung mit eurem Kind!
Stillkugeln aus Müsli – schnell, energiespendend, vegan von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
Na dann lass dir mal schmecken. Kugeln aus Müsli oder Haferflocken wollte ich ja auch mal probieren, auch wenn ich Student statt Mama bin. Energie braucht man trotzdem 😉
Liebe Grüße
Danke, liebe Tabea! Du kannst sie ja „Studentenkugeln“ nennen, damit es nicht die Runde durch den Hörsaal macht, du würdest stillen.
Viele Grüße, Evelin