Lesezeit: 14 Minuten
Zuletzt aktualisiert: 16. August 2026
„Unerzogen“ ist bei uns ein bewusst gewählter Begriff. Keine Diagnose und kein Geständnis fehlender Disziplin, sondern eine Haltung: Beziehung geht vor Gehorsam. Bei unserem Hund Bello heißt das, seine Bedürfnisse und seine Geschichte ernst zu nehmen, statt ihn zum funktionierenden Begleiter zu machen. Was Forschung über Mensch-Hund-Bindung, gewaltfreie Hundeerziehung und aversive Trainingsmethoden sagen kann – und was nicht –, gehört für uns genauso zu dieser Geschichte wie der Alltag mit einem alten Hund, der gern schnüffelt, Nähe sucht und manchmal einfach sein eigenes Ding macht.
Was wir mit „unerzogen“ meinen
Wer unsere Texte kennt, weiß, dass „unerzogen“ bei uns kein Schimpfwort ist. Wir haben diesen Begriff für unsere Kinder entwickelt und positiv besetzt: als Absage an Gehorsam als Beziehungsgrundlage und als Plädoyer für Vertrauen statt Kontrolle. Was das für Kinder bedeutet, haben wir in zehn Jahren ohne Kindererziehung beschrieben.
Bei Hunden formuliere ich es etwas bescheidener. Hunde sind keine Kinder, und ich möchte beides nicht einfach gleichsetzen. Die Grundfrage dahinter ist für mich trotzdem ähnlich: Muss Gehorsam der Anfang einer Beziehung sein? Oder darf Beziehung der Anfang von allem anderen sein?
Für uns lautet die Antwort: Beziehung zuerst. Das heißt weder, dass Bello ohne Grenzen lebt, noch dass wir Verantwortung an ihn abgeben. Es heißt ganz schlicht: Er muss kein „Sitz“, „Platz“ oder „Fuß“ vorführen, um bei uns ein vollständiges Familienmitglied zu sein.

Bello kam nicht als Projekt
Als Bello zu uns kam, hatte er rund zehn Jahre hundeelend an einer Eisenkette und in einem matschigen Zwinger verbracht. Er verdiente Liebe, keine Befehle. Vor allem kam er nicht als leere Leinwand. Er kam mit Geschichte, mit Angst, mit Gewohnheiten und mit dem Recht, erst einmal anzukommen. Wer seine Geschichte noch nicht kennt, kann sie in „Familienzuwachs: Hund aus Rumänien“ nachlesen.
Unser erster Impuls war deshalb: schauen, zuhören, verstehen. Warum bleibt er stehen? Warum zieht er? Warum friert er ein? Ein zurechtgestutzter Busch am Wegesrand konnte ihn anfangs für einen Moment komplett lahmlegen. Für uns war das kein Anlass, „Ungehorsam“ zu korrigieren. Wir wussten schlicht nicht, was dieser Busch in ihm auslöste. Sein Spiegelbild, Autos und solche zurechtgestutzten Büsche machen ihm heute keine Angst mehr. Andere Stellen seiner Vergangenheit melden sich trotzdem noch.

Anstatt darauf zu bestehen, dass er „Sitz“ oder „Platz“ macht, haben wir begonnen, ihn zu beobachten und kennenzulernen. Was braucht er, wenn er unruhig ist? Warum zieht er an der Leine? Wieso läuft er plötzlich nicht weiter? Früher, ich war fast noch ein Kind, zog ich unseren Cocker Spaniel genervt weg, wenn er schnüffeln wollte. Durch Bello – und durch einige Bücher über Wölfe, die ich mit meinen Kindern gelesen hatte – verstand ich erst so richtig, dass Schnüffeln für einen Hund ungefähr das sein kann, was für uns Zeitunglesen ist: Welt mitbekommen.

Bello hält sich übrigens nicht besonders streng an die übliche Rollenverteilung zwischen Mensch und Hund. Wenn ein Mensch gerade als bequemes Sitzkissen taugt, wird er eben als Sitzkissen benutzt. Solche Momente sagen über unser Zusammenleben oft mehr als eine gelungene „Fuß“-Übung.
Eine Sprache, die älter ist als unser Zusammenleben
Auf „Bello“ reagiert er kaum. Den Namen hat ihm unsere älteste Tochter gegeben. Auf „guter Hund“ reagiert er sofort. So wurde er in seinem alten Leben offenbar angesprochen, und dieser Ausdruck sitzt tiefer als alles, was wir später hinzugefügt haben.
Auch einzelne rumänische Wörter lösen bei ihm noch etwas aus. Ein einfaches „Vino“ lässt ihn aufhorchen, als käme da etwas Vertrautes aus weiter Ferne. Für uns ist das keine Sturheit. Das ist Biografie.

Über die Jahre haben wir Bellos Ängste und Vorlieben kennengelernt. In seiner letzten Lebensphase soll er vor allem eines dürfen: er selbst sein.

Was Forschung über Mensch-Hund-Bindung und Hundeerziehung sagt
Wenn wir von Bindung sprechen, ist das mehr als ein schönes Familienwort. Topál und Kolleg:innen übertrugen 1998 die „Strange Situation“ aus der Bindungsforschung auf Hunde und fanden Verhaltensmuster, die sie als Bindungsverhalten gegenüber der Bezugsperson einordneten. 2013 zeigten Lisa Horn, Ludwig Huber und Friederike Range in einer Problemlöseaufgabe einen besitzerspezifischen „Secure-Base“-Effekt: Die Hunde beschäftigten sich länger mit der Aufgabe, wenn ihre Bezugsperson anwesend war. Eine fremde Person hatte nicht denselben Effekt.
Das passt gut zu unserer Erfahrung mit Bello. Es beweist aber keine „Unerzogen“-Philosophie. Für das Gesamtpaket, das wir hier so nennen, gibt es keine Studie. Forschung kann einzelne Bausteine prüfen: Bindung, Trainingsmethoden, Stress, Geruchswahrnehmung oder Verhaltensunterschiede. Unsere Haltung dazu bleibt unsere Haltung.
Bei aversiven Trainingsmethoden wird die Datenlage deutlicher. In der Studie von Vieira de Castro und Kolleg:innen aus dem Jahr 2020 zeigten Hunde aus aversiv arbeitenden Hundeschulen während des Trainings mehr stressbezogenes Verhalten und häufiger angespannte Zustände als Hunde aus belohnungsbasiert arbeitenden Schulen; in der aversiven Gruppe stieg außerdem das Cortisol nach dem Training stärker an. Die American Veterinary Society of Animal Behavior empfiehlt in ihrer weiterhin aktuellen Position ausschließlich belohnungsbasierte Methoden und rät von aversiven Methoden ab.
Auch beim Thema Rasse lohnt sich Genauigkeit. Morrill und Kolleg:innen werteten 18.385 Verhaltensfragebögen aus und genotypisierten 2.155 Hunde. In diesem Datensatz erklärte die Rasse 9 Prozent der individuellen Verhaltensvariation. Das ist wenig genug, um grobe Rasseschubladen zu hinterfragen, aber nicht null: Einige Merkmale unterschieden sich stärker zwischen Rassen als andere. Für uns heißt das vor allem, einen einzelnen Hund nicht aus seinem Etikett heraus zu beurteilen.
Gewaltfreie Hundeerziehung heißt nicht Planlosigkeit
Beziehung vor Gehorsam bedeutet für uns nicht, Bello jede Entscheidung zu überlassen. Wer mit Kindern lebt, kennt den Unterschied: Respekt vor Autonomie hebt Verantwortung nicht auf. Im Straßenverkehr diskutiere ich Sicherheit nicht erst aus, wenn schon ein Auto kommt. Bei einem Hund ist das ähnlich.
Darum darf ein Signal geübt werden, wenn es Sicherheit schafft. Darum kann eine Schleppleine sinnvoll sein. Darum gehen wir auf Abstand, wenn eine Situation Bello überfordert, statt zu warten, bis sie eskaliert. Wer die Bindung zum Hund stärken möchte, muss dafür nicht weniger verlässlich werden. Im Gegenteil: Ein Lebewesen kann sich leichter orientieren, wenn sein Gegenüber lesbar ist.
Bello lernt ständig. Wege, Räume, Routinen, Stimmungen, sichere Orte. Nur eben ohne Drill und ohne Vorführgehorsam. Wenig Strafe bedeutet nicht wenig Struktur.

Wenn Bellos Vergangenheit nachts wieder hereinplatzt und Panik aus ihm herausbricht, reagieren wir mit Nähe. Wir tragen ihn auf dem Arm, lassen ihn bei uns schlafen und beruhigen ihn. Wir sagen nicht: „Da muss er jetzt durch.“ Und auch nicht: „Ein Hund muss lernen, bei Gewitter kein Drama zu machen.“ In solchen Momenten ist unser Ziel nicht Training. Es ist Sicherheit.

Wenn Strafe die Beziehung ersetzt
Im Bekanntenkreis erleben wir auch das andere Muster. Da wird geschimpft, wenn der Hund bellt. Wütend erklärt, was er falsch gemacht hat. Wenn die Hunde weglaufen, gibt es kein Futter oder Wasser. Manchmal werden sie zur Strafe am Gartenzaun angebunden. Auf „Fuß“ hören sie trotzdem nicht.
Dass diese beiden Hunde aus einer Zucht stammen, ist für das Trainingsproblem nebensächlich. Unsere Meinung dazu ist trotzdem deutlich: Wir finden es doof, Hunde gezielt zu kaufen, während in Tierheimen und in anderen Ländern viele Hunde längst da sind und ein Zuhause suchen.

Bei Wasser und Futter endet für mich jede pädagogische Metapher. § 2 TierSchG verpflichtet Halter:innen, Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren, zu pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen. Eine grundlegende Versorgung als Druckmittel einzusetzen, passt dazu nicht. Die Anbindehaltung von Hunden ist nach § 7 TierSchHuV grundsätzlich verboten; die Verordnung nennt nur eng begrenzte Ausnahmen für Hunde während bestimmter Tätigkeiten, für die sie ausgebildet wurden oder werden.
Die Forschung zu aversivem Training erklärt außerdem, warum „mehr Druck“ für uns keine überzeugende Antwort ist. Angst kann Verhalten kurzfristig unterdrücken. Damit weiß der Hund noch nicht, welches Verhalten in derselben Situation sicher und sinnvoll wäre. Vor allem aber möchten wir nicht, dass ausgerechnet der Mensch, bei dem ein Hund Schutz sucht, selbst zum unberechenbaren Teil der Situation wird.

Das heißt nicht, dass wir Bellen, Weglaufen oder Konflikte romantisieren. Wenn ein Hund andere gefährdet, braucht es Management und oft professionelle Unterstützung. Der Unterschied liegt für uns im Ziel: Verhalten sicher verändern, ohne Angst und Schmerz zum Werkzeug zu machen.


Warum wir unseren Hund schnüffeln lassen
Auf unseren Spaziergängen fällt mir häufig auf, wie schnell Menschen ihre Hunde weiterziehen. Kaum bleibt einer an einem Grasbüschel hängen, geht es schon weiter. Früher habe ich das selbst gemacht. Heute sehe ich einen schnüffelnden Hund mit anderen Augen.
Für Bello gehört dieses „Zeitunglesen“ zu den Highlights des Spaziergangs. Jeden Grashalm, jeden Stein und jedes Büschel Erde darf er untersuchen, solange er möchte. Wenn er fertig ist, kommt er von selbst weiter. Kein Ruf, kein Zug. Für uns funktioniert dieser Rhythmus.


Die Forschung gibt diesem unspektakulären Teil des Hundelebens mehr Gewicht, als man beim schnellen Gassigehen vielleicht vermutet. Ein Review von Päivi Berg und Kolleg:innen beschreibt Schnüffeln und Geruchssuche als natürliches, arttypisches Verhalten, das für das Wohlbefinden von Hunden wichtig ist. In einer kleinen Studie mit 20 Haushunden fanden Charlotte Duranton und Alexandra Horowitz nach zwei Wochen Nasenarbeit eine positivere Urteilstendenz als nach vergleichbarem „Heelwork“. Daraus folgt keine Pflicht zum Nasenarbeitskurs. Es ist aber ein guter Grund, die Nase eines Hundes nicht bloß als störende Bremse am anderen Ende der Leine zu behandeln.

Manchmal nimmt Hundesein auch handfestere Formen an. Bei diesem Malinois entstand ein ordentliches F-Hund-ament. Als Baugrube wäre das Loch jedenfalls schon ziemlich beeindruckend.
Spielen und soziale Kontakte
Auch bei Begegnungen mit anderen Hunden möchte ich nicht automatisch aus „Kontrolle“ ein Qualitätsmerkmal machen. Nicht jeder Hund will spielen. Nicht jede Begegnung ist sicher. Und natürlich gibt es Situationen, in denen Rückruf, Leine oder Abstand genau richtig sind.
Aber wenn zwei Hunde Kontakt suchen und die Situation passt, muss ein freundlicher Austausch für uns nicht verhindert werden, nur weil Gehorsam hübscher aussieht. Hunde kommunizieren miteinander, testen Grenzen aus, ziehen sich zurück, nähern sich wieder an. Dafür brauchen sie vor allem Menschen, die hinschauen.



Ein großer weißer Hund und ein altes Vorurteil
Eines Vormittags in einem kleinen ungarischen Dorf kam meine elfjährige Tochter voller Aufregung in die Küche gerannt. „Mama, Mama! Ich habe einen Hund kennengelernt, und er ist superlieb. Er ist so wie unser Bello, und ich glaube, er wird auch nicht erzogen!“
Ich wusste noch nicht, um wen es ging. Ich wusste nur: Meine Kinder gehen mit Tieren achtsam um. Also vertraute ich erst einmal diesem Bericht.
Es stellte sich heraus, dass meine Tochter bereits die Erlaubnis des Besitzers eingeholt hatte, den Hund zu bürsten, zu massieren und mit ihm zu spielen. Und es stellte sich heraus, dass es sich um einen Dogo Argentino handelte. Groß, muskulös, weiß, stark. Genau die Rasse, bei der viele in Westeuropa gedanklich schon den Rollladen herunterlassen.

Dieser Hund war ein groß geratener Schoßhund, der offenbar keine Ahnung hatte, dass er als „gefährlich“ gilt. Bald schlossen auch meine jüngeren Kinder Freundschaft mit ihm. Seinen Besitzer lernte ich später besser kennen: ein gelassener Mensch, der seinem Hund Vertrauen und Freiraum gibt und trotzdem weiß, wann Verlässlichkeit zählt – im Straßenverkehr zum Beispiel oder wenn fremde Menschen vorbeigehen.
Auch wenn mal eine Matratze zerfetzt oder ein Paar Hausschuhe als Zahnbürste benutzt werden, bleibt das „Herrle“ gelassen. Wichtig ist ihm, dass sein Hund im Alltag weiß, wann es darauf ankommt.

Natürlich ist so ein kraftvoller Hund nicht unbedingt etwas für kleine, zierliche Menschen wie mich. Die Kinder und ich füttern und schmusen gern mit ihm. Das wilde Raufen und Rennen durch den Wald überlassen wir lieber seinem Herrchen, der ihm kräftemäßig nicht unterlegen ist.
Unsere Erfahrung mit einem einzelnen Dogo Argentino beweist nichts über eine ganze Rasse. Sie zeigt nur sehr anschaulich, warum ich einzelne Hunde lieber kennenlerne, bevor ich aus einem Rassenamen einen Charakter ableite.

Was unsere schwedischen Freunde uns gezeigt haben
Mein erstes Kind war sieben Monate alt, als wir unsere „Schwedenfreunde“ kennenlernten. Sie hatten bereits ältere Kinder. Ihr Umgang mit ihnen fiel mir sofort auf: weder lax noch streng, sondern konsequent respektvoll. Grenzen gab es, aber nicht als Machtdemonstration. Führung gab es, aber nicht als Demütigung. Vieles erinnerte an die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Diese Familie hat meinen eigenen Weg zur „Unerzogen“-Haltung stark geprägt.
Einige Jahre später nahmen unsere Freunde zwei Rottweiler auf. Auch diese Rasse landet schnell in Schubladen. Was wir erlebten, waren zwei Hunde, die sich als Hunde verhalten durften, in einer Familie, in der das auch für Kinder galt. Es gab klare Grenzen. Die Hunde lernten, was in dieser Familie passte. Angst vor Strafe war dafür nicht nötig.
Herkömmliche Hundeschulen mit ihren Kommandokaskaden finde ich nach wie vor abschreckend. Umso schöner finde ich, dass es inzwischen Trainer:innen und Tierbegleiter:innen gibt, die gewaltfreies Arbeiten mit Hunden ernst nehmen. „Belohnungsbasiert“ klingt vielleicht weniger rebellisch als „unerzogen“. Für Hunde kann es einen erheblichen Unterschied machen.
Bücher und Podcasts zur positiven Hundeerziehung
Wer tiefer in positive und gewaltfreie Hundeerziehung einsteigen möchte, findet hier einige Bücher mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten – vom Geruchssinn über Leinenbegegnungen bis zu Angst und Territorialverhalten:
- Hund-Nase-Mensch: Wie der Geruchssinn unser Leben beeinflusst*
- Leinenrambo: Positiv trainieren – entspannt spazieren*
- Verstärker verstehen: Über den Einsatz von Belohnung im Hundetraining*
- Betreten verboten!: Territorialverhalten bei Hunden verstehen*
- Behavior Adjustment Training 2.0*
- Stay Pawsitive!: Wie du die Basis für eine glückliche Mensch-Hund-Bindung schaffst*
- Verhaltensoriginell?: Hundeverhalten ändern durch positive Verstärkung*
- Emotionen bei Hunden sehen lernen: Eine Blickschule*
Ihr könnt Bücher natürlich auch über genialokal.de in einer Buchhandlung vor Ort bestellen, bei Thalia suchen oder mit einem Kauf bei Buch7 soziale Projekte unterstützen.
Die mit * gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Wenn ihr darüber bestellt, erhalten wir eine kleine Provision; für euch ändert sich der Preis dadurch nicht.
Wer lieber hört als liest: Fiffi & Struppi gehört zu unseren Podcast-Tipps. Ebenfalls hörenswert ist die Dog-It-Right-Folge „Dauert positives Training länger?“. Darin geht es genau um eine Frage, die auch zu diesem Artikel passt: Braucht gutes Hundetraining Strafe und Druck – oder funktioniert es auch anders?
Unerzogen: Was wir damit meinen
Die Tatsache, dass Bello trotz seiner Geschichte freundlich und offen gegenüber Menschen ist, rührt uns bis heute. Er lebt in unserem Haus nicht als „Zirkushund“, der auf Knopfdruck Kunststücke vorführen muss. Er gehört zu uns mit seinen Eigenheiten, seinen Angststellen und seinem erstaunlichen Talent, genau dort zu liegen, wo gerade jemand hinmöchte.

In seiner letzten Lebensphase soll er einfach er selbst sein dürfen. Das ist für uns der Kern von „unerzogen“: nicht die Abwesenheit von Verantwortung, sondern die Abwesenheit des Anspruchs, ein anderes Lebewesen müsse erst funktionieren, bevor es vollständig dazugehören darf.

Für uns ist Bello unerzogen. Und das ist eines der schönsten Komplimente, die wir vergeben.
Weiterlesen bei uns
- Familienzuwachs: Hund aus Rumänien
- Zehn Jahre ohne Kindererziehung
- Attachment Parenting: beziehungsorientierte Elternschaft
- Hund vegan ernähren?
Quellen und Einordnung
- Topál et al. (1998): Attachment behavior in dogs
- Horn et al. (2013): The importance of the secure base effect for domestic dogs
- Payne et al. (2016): Review zu Hund-Mensch-Bindung
- Vieira de Castro et al. (2020): Negative Effekte aversiver Trainingsmethoden
- American Veterinary Society of Animal Behavior: Humane Dog Training Position Statement
- Morrill et al. (2022): Dog genomics and breed stereotypes
- Berg et al. (2024): Olfaktion, Kognition und Wohlbefinden bei Hunden
- Duranton & Horowitz (2019): Let me sniff! Nosework induces positive judgment bias in pet dogs
- Tierschutzgesetz § 2
- Tierschutz-Hundeverordnung § 7
Unerzogen bei Hunden: Beziehung statt Gehorsam von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.