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Letzte Aktualisierung: 06.08.2026

Ich zeige euch, wie ihr Quellen in eurer Umgebung aufspürt – am Rechner mit overpass turbo und unterwegs mit OsmAnd. Außerdem erfahrt ihr, welche Hinweise eine Karte und einfache Wassertests liefern und wann eine Laboranalyse für die Frage nach der Trinkbarkeit gebraucht wird.

Direkt zur Quellensuche: Anleitung mit overpass turbo.

Was ist Quellwasser und was macht es so besonders?

Quellwasser ist Grundwasser, das an einer Stelle von selbst aus der Erde tritt. Bevor es die Quelle erreicht, fließt es durch Boden und Gestein. Dabei können Partikel zurückgehalten, Stoffe umgewandelt und Mineralien gelöst werden. Welche Vorgänge tatsächlich stattfinden, hängt vom Untergrund und vom Fließweg ab.

Gerade Karst- und Kluftgrundwasser kann auf Niederschläge rasch reagieren. Starkregen oder Schneeschmelze können dann auch Mikroorganismen bis ins Quellwasser transportieren. Klares, kühles Wasser wirkt einladend. Seine Trinkbarkeit lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Das Kinderbuch „Wassertröpfchens erste Reise“ stellt den Weg des Wassers anschaulich dar.

Wasserquellen mit OpenStreetMap in eurer Nähe finden

Viele Quellenlisten im Netz enthalten nur wenige Orte oder wurden lange nicht aktualisiert. Fündig wurde ich damals bei OpenStreetMap, kurz OSM. Freiwillige tragen dort Straßen, Wege und alle möglichen POIs ein. POI steht für „Point of Interest“, also einen interessanten Ort.

Eine natürliche Quelle wird in den OSM-Daten meist mit natural=spring erfasst. Zusätzliche Angaben wie drinking_water=yes oder drinking_water=no können etwas zur vorgesehenen Nutzung sagen. Laut OSM-Dokumentation kennzeichnet drinking_water:legal=yes eine behördlich geprüfte und zugelassene Trinkwasserqualität. Für die Ortsfrage ist OSM ein guter Ausgangspunkt. Zur aktuellen Wasserqualität braucht es weitere Informationen.

Das alte Kartenbild in diesem Beitrag zeigte Quellen mit einem kleinen „S“. Je nach Karte, App und Darstellungsstil kann das Symbol heute anders aussehen:

Ältere OpenStreetMap-Darstellung einer Wasserquelle mit einem S-Symbol

In der damaligen Kartendarstellung markierte ein kleines „S“ die Quelle.

Wasserquellen mit dem Smartphone finden

Diesen Abschnitt hatte die spätere Fassung verloren. Dabei war er für viele von euch vermutlich der praktischste Teil.

OsmAnd nutzt OpenStreetMap-Daten und bietet eine Suche nach POI-Kategorien und Merkmalen. Die Suche bezieht sich auf die aktuelle Position oder auf einen gewählten Kartenausschnitt. Mit einer heruntergeladenen Vektorkarte funktioniert sie auch offline. Je nach Sprache und Kartendaten eignen sich Suchbegriffe wie „Quelle“, „spring“ oder „Trinkwasser“.

Die Treffer hängen von den OSM-Einträgen ab. Eine fehlende Quelle kann trotzdem existieren, und ein vorhandener Eintrag kann veraltet sein.

Die einfache Wasserquellensuche am Rechner

Im ursprünglichen Beitrag schwärmte ich von SearchOSM und scherzte, unser Blog habe dem Dienst zu viel Traffic beschert. Ob das stimmte, weiß ich bis heute nicht. 😉

Heute nutze ich für diese Suche overpass turbo. Die Oberfläche wirkt auf den ersten Blick technischer. Mit einer fertigen Abfrage ist der Weg trotzdem kurz.

Anleitung: Wasserquellen mit overpass turbo finden

Overpass turbo liest gezielt Daten aus OpenStreetMap aus. Der integrierte „Wizard“ übersetzt einfache Suchausdrücke in eine Abfrage. Für unsere Suche reicht auch der folgende fertige Code.

Wasserquellen finden mit overpass turbo

Wasserquellen finden mit overpass turbo

Die Suche besteht aus zwei Schritten:

  1. Über das Suchfeld oben rechts lässt sich der gewünschte Ort aufrufen. Der sichtbare Kartenausschnitt bestimmt anschließend, in welchem Gebiet overpass turbo sucht.
  2. Der folgende Code gehört in das Abfragefeld. Nach einem Klick auf „Ausführen“ erscheinen natürliche Quellen sowie eingetragene Trinkwasserstellen im gewählten Kartenausschnitt. Ein Klick auf einen Treffer öffnet die hinterlegten Angaben, etwa Name, Koordinaten und OSM-Tags.
[out:json][timeout:25];
(
node["natural"="spring"]({{bbox}});
way["natural"="spring"]({{bbox}});
relation["natural"="spring"]({{bbox}});
node["amenity"="drinking_water"]({{bbox}});
way["amenity"="drinking_water"]({{bbox}});
relation["amenity"="drinking_water"]({{bbox}});
node["amenity"="fountain"]({{bbox}});
way["amenity"="fountain"]({{bbox}});
relation["amenity"="fountain"]({{bbox}});
node["drinking_water"="yes"]({{bbox}});
way["drinking_water"="yes"]({{bbox}});
relation["drinking_water"="yes"]({{bbox}});
);
out body;
>;
out skel qt;

Für eine Liste ausschließlich natürlicher Quellen genügt die erste Abfragezeile mit natural=spring.

Das eingebettete Tool funktioniert am Desktop meist übersichtlicher als auf einem kleinen Smartphone-Bildschirm:

Externe Website laden

Mit dem Klick ladet ihr einen externen Inhalt von overpass-turbo.eu. Dabei können personenbezogene Daten wie eure IP-Adresse an den Anbieter übermittelt werden.

Falls das eingebettete Fenster im Browser leer bleibt, führt der direkte Link zu overpass turbo zur gleichen Oberfläche.

Wie die Suche in der älteren Version aussah, zeigt dieses Video:

Was sagt der Karteneintrag über die Wasserqualität?

Der Tag natural=spring bezeichnet den Ort einer Quelle. Angaben zur Trinkbarkeit können zusätzlich eingetragen sein, stammen aber ebenfalls aus der gemeinschaftlich gepflegten Karte. Ein OSM-Eintrag ist deshalb eine Ortsangabe mit Zusatzinformationen. Eine aktuelle Untersuchung der jeweiligen Quelle liefert eine andere Art von Aussage.

Bei bekannten Quellen können die Gemeinde, das Gesundheitsamt oder der örtliche Wasserversorger Auskunft zu vorhandenen Analysen und zur Nutzung geben. Auch Schilder an der Quelle liefern einen wichtigen Hinweis, sofern sie aktuell und eindeutig sind. Ein älterer Laborbefund beschreibt nur den damaligen Zustand: Niederschläge, Schäden an einer Quellfassung und Veränderungen im Einzugsgebiet können die Wasserqualität beeinflussen.

Wasser selbst prüfen oder im Labor untersuchen lassen

Ein Testkoffer aus dem Aquaristik-Bedarf kann einzelne Parameter wie pH-Wert, Nitrat oder Wasserhärte grob einordnen. Damit lässt sich zum Beispiel beobachten, ob sich ein Wert verändert. Krankheitserreger, viele chemische Stoffe und die Qualität der Probenahme liegen außerhalb dieses kleinen Prüfumfangs.

Für die Beurteilung der Trinkbarkeit braucht es eine passend geplante Laboranalyse. Das Umweltbundesamt nennt das Gesundheitsamt als erste Anlaufstelle für Fragen zu Brunnen- und Quellwasser. Dort lässt sich auch klären, welche mikrobiologischen und chemischen Parameter für die jeweilige Quelle sinnvoll sind. Ein akkreditiertes Labor kann die Probe anschließend nach seinen Vorgaben untersuchen.

Als Orientierung zu einzelnen Wasserwerten findet ihr hier weiterhin den früher verlinkten Testkoffer für die Süßwasser-Analyse. Eine kommerzielle Möglichkeit für eine umfangreichere Untersuchung ist der verlinkte Wassertest eines Fachlabors. Bei der Auswahl zählen der untersuchte Parameterumfang, die Akkreditierung des Labors und die Vorgaben zur Probenahme.

Die Quelle in der Nachbarschaft

Nahe unseres früheren Wohnortes liegt im Dorf eine Karstquelle: der „Mühlberger Spring“. Dort begann unsere Begeisterung für Quellwasser.

Damals verließen wir uns auf Analysen, die uns zur Quelle vorlagen oder genannt wurden. Für diese Aktualisierung konnte ich die Befunde, ihren Zeitpunkt und ihren genauen Umfang nicht erneut prüfen. Ich erzähle diesen Teil deshalb als unsere damalige Erfahrung.

Alte Ansichtskarte mit der Karstquelle Mühlberger Spring

Alte Postkarte, die den Spring in Mühlberg darstellt

Sulfat und Kalzium im Wasser des Mühlberger Springs

Nach den damaligen Analysen enthielt das Wasser mehr als 1000 Milligramm Sulfat und mehr als 400 Milligramm Kalzium je Liter. Der aktuelle Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt für Sulfat bei 250 Milligramm je Liter. Das Wasser überschritt diesen Wert deutlich.

Die Weltgesundheitsorganisation behandelt Sulfat über Verträglichkeit, Geschmack und mögliche Korrosion in Verteilungssystemen. Sie verzichtet auf einen gesundheitlich begründeten Leitwert. In den von ihr ausgewerteten Untersuchungen trat bei 1000 bis 1200 Milligramm Sulfat je Liter eine abführende Wirkung bei Menschen auf, die solches Wasser nicht gewohnt waren. Für Quellen mit mehr als 500 Milligramm je Liter empfiehlt die WHO eine Information der Gesundheitsbehörden. Diese Einordnung war für den Mühlberger Spring mit seinem damaligen Wert direkt relevant.

Der Kalziumgehalt war ebenfalls ungewöhnlich hoch: Ein Liter enthielt nach der damaligen Analyse mehr als 400 Milligramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zählt Kalzium zu den potenziell kritischen Nährstoffen einer veganen Ernährung und nennt Mineralwasser mit mehr als 150 Milligramm Kalzium je Liter als mögliche Quelle. Für uns machte dieser Mineralstoffgehalt das Wasser damals besonders interessant. Die Eignung als Trinkwasser hängt jedoch vom gesamten Befund ab.

Warum wir Quellwasser lieben: die Vielfalt

Das Wasser des Mühlberger Springs schmeckte für uns erfrischend und lieblich. Mit dem „technisch schmeckenden“ Reinstwasser aus unserer Osmoseanlage ließ es sich kaum vergleichen.

Nach unserem Umzug ins Erzgebirge suchten wir über OpenStreetMap nach neuen Quellen. Dabei überraschte uns, wie verschieden Wasser schmecken kann. In unserer Nähe liegt etwa eine stark eisenhaltige Quelle. An ihren Geschmack mussten wir uns erst gewöhnen.

Am liebsten holten wir Wasser an einem Born, dessen Schild den folgenden Vers Goethe zuschrieb:

„Komm und schlierf den Trunk der Labe, den dir bietet der Brunnenmund, willig reicht Natur die Gabe; komm und trinke dich gesund.“

Uns schmeckte dieses Wasser richtig gut. Wir empfanden es als vitalisierend. Das kurze Video stammt aus dieser Zeit:

Quellwasser oder Leitungswasser?

Die Suche nach Quellen kann ein schönes Hobby sein. Wir verbanden sie gern mit einem Spaziergang und lernten dabei Orte kennen, an denen wir sonst vorbeigefahren wären. Dieses Unterwegssein gehörte für uns fast genauso dazu wie das Wasser selbst.

Für einzelne Flaschen wären zusätzliche Autofahrten ökologisch schwer zu begründen gewesen. Bei unseren Sonntagsausflügen nahmen wir deshalb mehrere Gefäße mit und füllten sie bei derselben Gelegenheit. So passte die Quellensuche zu unserem Ausflug, statt einen eigenen Weg zu erzeugen.

In Deutschland stammen knapp 70 Prozent des Wassers für die öffentliche Versorgung aus Grund- und Quellwasser. Bis es aus dem Wasserhahn kommt, gehört es jedoch zu einem überwachten Versorgungssystem. Je nach Rohwasser kommen Schutz- und Aufbereitungsschritte hinzu; die Trinkwasserqualität wird kontrolliert. In unserem Beitrag über Leitungswasser in Deutschland schauen wir uns diese Qualität und mögliche Einflüsse der Hausinstallation genauer an. Leitungswasser spart außerdem Verpackung und Transporte. Weitere Ideen dazu sammeln wir im Beitrag über Umweltschutz im Alltag.

Fazit: Wasserquellen finden und ihre Qualität einordnen

OpenStreetMap, OsmAnd und overpass turbo beantworten die Ortsfrage: Wo ist eine Quelle oder Trinkwasserstelle eingetragen? Für die Trinkbarkeit braucht es aktuelle, quellenbezogene Informationen – etwa eine eindeutige Kennzeichnung, eine Auskunft der zuständigen Stelle oder eine passende Laboranalyse.

Vielleicht wird aus der Suche trotzdem eine kleine Entdeckungsreise. Bei uns begann sie mit einer Quelle im Nachbardorf und führte später zu ganz unterschiedlichen Wassern im Erzgebirge.

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Beste Grüße
Patrick

 

CC BY-SA 4.0 Wasserquellen mit frischem Quellwasser in Deiner Umgebung von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.