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Sommer im Erzgebirge. Eine sonnige Halde, überall Grün – und wir mittendrin mit Kamera und ohne Schere. Unsere große Tochter hatte ihren Favoriten schnell gefunden: Sauerampfer. Ein paar Schritte weiter standen wir in einem richtigen „Meer“ aus Thymian.

Das Video stammt aus dem Sommer 2016. Wir zeigen euch darin die Wildpflanzen, die wir damals fanden, probierten und mit nach Hause nahmen. Zehn Jahre später gehört für uns zu derselben Freude am Sammeln ein genauerer Blick auf Art und Standort. Gerade bei einer Halde macht das einen Unterschied.

Essbare Wildpflanzen im Erzgebirge: Art und Standort zählen

Bei Wildpflanzen entscheidet die sichere Bestimmung über den Verzehr. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt mehrere essbare Pflanzen, die mit giftigen Arten verwechselt werden können. Dazu gehört ausgerechnet Sauerampfer: Seine Blätter können mit denen des giftigen Aronstabs verwechselt werden. Das BfR empfiehlt selbst gesammelte Pflanzen zum Verzehr nur bei ausreichender Pflanzenkenntnis.[1]

Der Fundort in unserem Video war eine Halde. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beschreibt im Erzgebirge regional erhöhte Schadstoffgehalte in Böden. Besonders relevant sind Arsen, Cadmium und Blei; als Ursachen nennt die Behörde natürliche Erzvorkommen sowie Bergbau und Hüttentätigkeit.[2] Eine Bergbauhalde behandeln wir deshalb heute als Standort, dessen Geschichte zur Sammelentscheidung dazugehört. Der Abstand zum Weg betrifft Verkehr und Hunde. Die mögliche Bodenbelastung hängt von der Fläche selbst ab.

Was wir auf der Halde gefunden haben

Sauerampfer

Der Sauerampfer war das Lieblingskraut unserer großen Tochter. Die jungen Blätter schmeckten uns säuerlich, und ein paar landeten direkt unterwegs im Mund. Zu Hause kam Sauerampfer bei uns in Salate. Heute gehört bei uns gerade bei solchen vertraut wirkenden Pflanzen die sichere Bestimmung dazu.

Thymian

Auf der Halde wuchs ein richtiges „Meer“ aus Thymian. Wir nahmen davon für Tomatensoßen, Salate, Cracker und Chips mit. Im Video sieht man auch unser ganz praktisches Problem: Wir hatten keine Schere dabei. Seitdem landet bei solchen Runden meist eine im Rucksack.

Rotklee und Weißklee

Vom Rotklee wollten wir damals viel sammeln, vor allem für Teemischungen. Daneben stand Weißklee. Die Blüten schmeckten uns mild und leicht süßlich. Vertrocknete Blüten ließen wir stehen; frisch gefielen sie uns deutlich besser.

Schafgarbe

Schafgarbe begegnete uns immer wieder, auch an Spielplätzen. Wir nutzten sie damals in kleinen Mengen als Würz- und Teepflanze. Hier beschreiben wir unsere Küchenverwendung; gesundheitliche Wirkungen wären eine eigene fachliche Frage.

Labkraut: die Art bleibt offen

Im Video nennen wir eine Pflanze mit kleinen weißen Blüten „Echtes Labkraut“ und grenzen sie vom klebenden Klettenlabkraut ab. Diese Bestimmung passt botanisch nicht zusammen: FloraWeb beschreibt Galium verum, das Echte Labkraut, mit goldgelben Blüten.[3] Für eine sichere Nachbestimmung fehlen heute ausreichende Merkmale. Deshalb führen wir sie hier nur als damalige Beobachtung.

Birke

Birkenblätter schmeckten uns deutlich herber als die meisten Kräuter auf dieser Runde. Pur waren sie bei uns wenig beliebt. Wir mischten junge Blätter in Salate oder wickelten etwas Süßes hinein. Das beschreibt unsere damalige Verwendung.

Spitzwegerich

Spitzwegerich tauchte bei uns regelmäßig auf. Im Video ordnen wir ihn der „Schnupfenzeit“ zu. Diese Zuordnung stammt aus traditioneller Kräuternutzung. Für medizinische Wirkungen bräuchte es eine eigene fachliche Prüfung.

Frauenmantel

Frauenmantel haben wir ebenfalls gesammelt. Sein Ruf als „Frauenpflanze“ stammt aus der traditionellen Volksheilkunde. In diesem Beitrag gehört er als Fund zu unserer Runde; die medizinische Einordnung braucht eine eigene fachliche Prüfung.

Ahorn

Hinter einer Bank fanden wir junge Ahorntriebe. Im Video probierten wir die zarten Blätter. Die genaue Ahornart fehlt in der Aufzeichnung. Deshalb bleibt es hier bei unserer damaligen Erfahrung.

Was außerdem am Rand wuchs

Glockenblume, Gelber Ackerklee, Lupinen und weiterer Weißklee standen ebenfalls dort. Wir führen sie als Beobachtungen auf. Bei Lupinen zeigt schon die Art- und Sortenfrage, warum eine genaue Bestimmung wichtig ist: Das BfR beschreibt für mehrere als Lebensmittel genutzte Lupinenarten stark unterschiedliche Gehalte an Chinolizidinalkaloiden in den Samen. Stark belastete Lupinensamen können akute Vergiftungen auslösen.[4] Die genaue Lupinenart fehlt in der Aufzeichnung.

Was bei uns daraus wurde

  • Salat: Sauerampfer brachte die säuerliche Note, dazu kamen einzelne Kräuter unserer Runde.
  • Tomatensoße: Thymian war für uns der Klassiker.
  • Teemischungen: Rotkleeblüten gehörten damals zu den Pflanzen, die wir dafür sammelten.
  • Kleine „Naturpraline“: Im Video basteln wir aus einigen Funden eine winzige Kombination zum Probieren. Das war Spielerei am Wegesrand.

Wildpflanzen mit Kindern sammeln: worauf wir heute schauen

  • Bestimmung: Gegessen wird bei uns erst, wenn die Art sicher feststeht. Vertraut wirkende Blätter bekommen dieselbe Aufmerksamkeit.
  • Standort: Bei Halden und anderen Flächen mit möglicher Belastung gehört die Nutzungsgeschichte zur Entscheidung. Straßenverkehr, Hunde und Pflanzenschutzmittel sind weitere Standortfragen.
  • Kinder: Unsere Kinder können entdecken, riechen, zeigen und fragen. Die Verantwortung dafür, was gegessen wird, liegt bei uns Erwachsenen.
  • Hygiene: Zu Hause waschen wir frische, unversehrte Pflanzenteile gründlich. Waschen kümmert sich um anhaftenden Schmutz; Artbestimmung und Standortqualität sind eigene Fragen.
  • Naturschutz: § 39 Absatz 3 Bundesnaturschutzgesetz erlaubt an Stellen ohne Betretungsverbot eine pflegliche Entnahme bestimmter wild lebender Pflanzen in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf. Weitergehende Schutzvorschriften bleiben davon unberührt.[5]

Was von dieser Runde geblieben ist

Wenn wir das Video heute ansehen, bleiben uns vor allem die kleinen Dinge im Kopf: unsere Tochter mit ihrem Sauerampfer, das Meer aus Thymian und die fehlende Schere. Genau das mochten wir an solchen Runden. Wir liefen los, schauten genauer hin und kamen mit ein paar neuen Ideen für die Küche zurück.

Heute schauen wir zusätzlich genauer auf die Art und auf die Geschichte des Fundorts. Dieser genauere Blick hat unsere Freude am Sammeln eher erweitert. Draußen gibt es genug zu entdecken, auch wenn manches einfach dort weiterwächst.

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Transparenz: Dieser Beitrag basiert auf unserem Video und unseren damaligen Erfahrungen. Für den Verzehr einer Wildpflanze zählen die sichere Bestimmung der Art und ein geeigneter Standort.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 14.03.2025: Giftpflanzen – Wie kann man sich schützen, und was ist bei einer Vergiftung zu tun? Tragende Stellen: Abschnitte „Bei welchen essbaren Pflanzen kommt es häufig zu Verwechslungen mit giftigen Pflanzen?“ und „Wie kann ich mich vor Vergiftungen mit Pflanzen schützen?“. Abgerufen am 07.08.2026.
  2. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie: Schadstoffe in Böden, Abschnitte zu natürlichen und menschlich verursachten Schadstoffquellen; ergänzend Evaluierung der Resorptionsverfügbarkeit von Schadstoffen aus Böden der Erzgebirgsregion, „Projektergebnisse“. Projektlaufzeit 04/2008–12/2009; abgerufen am 07.08.2026.
  3. FloraWeb, BfN & NetPhyD: Galium verum L., s. str. (Echtes Labkraut), Abschnitt „Wichtige Merkmale“. Abgerufen am 07.08.2026.
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 17.09.2025, Stellungnahme Nr. 035/2025: Alkaloide und Allergien: Aktuelle Datenlage zu gesundheitlichen Risiken durch Lupinensamen in Lebensmitteln. Tragende Stellen: „Ergebnis“ und Abschnitt 3.1.2. DOI: 10.17590/20250917-091537-0.
  5. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), § 39 Absatz 3 und Absatz 7, geprüft am 07.08.2026.

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