Lesezeit: 7 Minuten

Zuletzt aktualisiert: 23.02.2026

Auszeiten (Satire über Strafen)

Wichtiger Hinweis: Der folgende Hauptteil ist Satire. Wir haben 2016 einen damaligen Pampers-Text über „Auszeiten“ (Time-out als Strafe) gelesen und ihn als Parodie gespiegelt, um die Logik dahinter sichtbar zu machen. Bitte lest bis zum „Schlusswort“ weiter – dort ordnen wir ernsthaft ein.

Wie Auszeiten funktionieren

Auszeiten sind Zeiträume, in denen eine Frau aus der Konfliktsituation herausgenommen oder bzw. von der Versuchung ferngehalten wird. Das gibt ihr die Möglichkeit, sich zu beruhigen, sich zu sammeln, über das nachzudenken, was von ihr erwartet wird, und sich wieder in den Griff zu bekommen.

Berücksichtigen Sie das Alter Ihrer Frau.

Auszeiten sind bei Frauen im Alter von etwa 18–24 Jahren bis ca. fünfzig Jahren sinnvoll. Auch wenn jede Frau anders ist, begreifen kleinere Frauen die Methode noch nicht, und bei älteren Frauen führen erst raffiniertere Methoden zum gewünschten Verhalten.

Seien Sie bei der Umsetzung von Regeln konsequent

Während der Auszeit findet keinerlei Kommunikation zwischen dem Mann bzw. der Aufsichtsperson und der Frau statt. Die Auszeit ist als eine abgeschwächte Form von Isolation zu verstehen. Damit bringen Sie zum Ausdruck: „Wenn du das tust, gehörst du nicht dazu.“

Prägen Sie Verhaltensmuster

Dies erfordert einen gewissen Zeitaufwand, doch es lohnt sich, es von Beginn an richtig zu machen. Es ist nämlich deutlich schwieriger, bereits gelernte Erwartungen der Frau wieder zurechtzurücken.

So läuft eine Auszeit ab

Stellen Sie einen Stuhl an einem neutralen, aber sicheren Ort auf, der keine Ablenkung bietet. Dies kann die Ecke eines Esszimmers oder ein selten benutzter Eingangsbereich sein. Der Stuhl sollte außer Sichtweite der Aufsichtspersonen und weg vom Ort des Geschehens stehen. Wenn eine Frau noch mitten im Geschehen ist, hat sie zu viel Gelegenheit, das Problem durch Herumalbern und Provozieren zu verschlimmern.

Die Küche eignet sich weniger. Sonst können negative Assoziationen mit einem Ort entstehen, der eigentlich ein sicherer Hafen sein sollte. Eine Küche bietet auch zu viele Ablenkungsmöglichkeiten.

Der Ort für die Auszeit muss sich an einem sicheren Platz befinden, an dem die Frau unbeaufsichtigt sein kann. Ungeeignet sind z. B. der oberste Treppenabsatz, ein Platz in der Nähe von zerbrechlichen Gegenständen oder in der Nähe einer Tür, die die Frau öffnen kann.

Der Ablauf

Warnen Sie zuerst.

Kündigen Sie nach zwei Warnungen über das verbotene Verhalten an: „Es ist Zeit für eine Auszeit.“ Nicht mehr. Heben Sie die Frau hoch und setzen Sie sie auf den Stuhl für die Auszeit.

Stellen Sie einen Wecker (z. B. einen Küchenwecker oder den Timer Ihres Smartphones)

Die Dauer der Auszeit sollte ca. eine Minute pro Lebensjahr der Frau betragen.

Seien Sie bestimmt.

Wenn die Frau aufsteht, setzen Sie sie einfach in den Stuhl zurück und stellen Sie den Timer zurück. Sagen Sie nichts und geben Sie nicht nach.

Vergeben und vergessen.

Nach Ablauf der Zeit sagen Sie „Jetzt ist es vorbei“, umarmen Sie Ihre Frau und belassen Sie es dabei. Sprechen Sie den Vorfall nicht erneut an. Geben Sie der Frau eine neue Beschäftigung, die eine positive Alternative zur verbotenen Aktivität darstellt.

Typische Fallen

Zu viel reden.

Dies führt bei der Frau nur zu Verwirrung, erhöht die Anspannung und regt alle Beteiligten nur auf. Wenn Ihre Frau etwas tut, was sie nicht tun soll, und es Zeit für eine Auszeit ist, erklären Sie ihr, was sie falsch gemacht hat und sagen Sie: „Jetzt ist Zeit für eine Auszeit!“

Wenn es nach hinten losgeht

Wenn Ihre Frau bei der Auszeit mehr Beachtung als beim gewünschten Verhalten erhält, wird sie weiterhin versuchen, Ihre Aufmerksamkeit durch provokatives Verhalten auf sich zu lenken.

Wenn Sie verärgert sind

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Nachdem Sie sich beruhigt haben, gehen Sie zurück zu Ihrer Frau, nennen Sie den Grund für die Auszeit und starten Sie die Auszeit. Behalten Sie sich dieses Szenario jedoch nur für wirklich „schlimme“ Fälle vor. Es darf keinesfalls zur Gewohnheit werden.

Belohnen Sie gutes Verhalten nicht

Dazu müssten Sie z. B. versuchen, sie beim Wohlverhalten zu „erwischen“. Das ist allerdings nicht ganz einfach: Je schlimmer das Fehlverhalten wird, desto mehr neigt man dazu, sich zurückzuziehen oder der Frau sogar aus dem Weg zu gehen.

Besondere Umstände

Verhalten

Ist Ihre Frau sehr zornig oder aufgeregt, wird der Lerneffekt bei der Auszeit nicht eintreten. Wurde eine Frau schon zu häufig ernsthaft isoliert, so ist eine Auszeit mit zu vielen Emotionen verbunden. Der Lerneffekt tritt dann in den Hintergrund.

Entwicklungsalter

Eine Frau, die in ihrer Entwicklung hinterher hinkt oder weit überdurchschnittliche kognitive Fähigkeiten hat, sollte entsprechend ihrem Entwicklungsstand behandelt werden und nicht nach ihrem biologischen Alter.

Den ganzen Tag mit Auszeit beschäftigt?

Wenn es Ihnen so vorkommt, als ob Ihre Frau ein besonders provozierendes Verhalten an den Tag legt, dann kann das daran liegen, dass sie gestresst ist oder unter Druck steht. Es kann allerdings auch einfach nur ein Ausdruck von Langeweile sein. Fragen Sie sich selbst, ob Sie Stress ausstrahlen. Eine Frau kann auch provozieren, um Sie aus der Reserve zu locken, auch wenn sie damit Ihren Ärger auf sich zieht.

Schlusswort

Jetzt kommt der ernste Teil. Seid ihr schockiert über das, was ihr hier lest? Waren wir auch, als wir den Artikel „Kinder richtig bestrafen: Auszeiten“ von Pampers lasen. Unsere Ausführungen oben sind eine Parodie auf diesen Tonfall.

Der damalige Originaltext ist (in einer Archiv-Version) hier dokumentiert:

Pampers-Artikel im Webarchiv.

Unser Punkt ist nicht: „Eltern sind böse“. Unser Punkt ist: Sprache formt Denken. Wer Strafe als „Methode“ verkauft, trainiert schnell genau das, was er später „Trotz“ nennt: Angst, Rückzug, Kampf oder Anpassung.

Kinderrechte, Würde und das Recht auf gewaltfreie Erziehung

Wir wünschen uns, dass Kinder (genauso wie Frauen auch!) als vollwertige Menschen betrachtet werden. In Deutschland ist körperliche Bestrafung, seelische Verletzung und entwürdigende Maßnahmen in der Erziehung ausdrücklich unzulässig: § 1631 Abs. 2 BGB (Gesetze im Internet). Eine gut zugängliche Einordnung findet ihr auch hier: Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung.

Transparenz: „Auszeiten“ bewegen sich je nach Umsetzung zwischen „Pause zum Runterkommen“ und „Isolation als Strafe“. Entscheidend ist der Kontext: Wird ein Kind beschämt, ausgeschlossen oder emotional fallen gelassen, wird es heikel. Genau darauf zielt unsere Satire.

Was statt Strafen oft besser trägt

  • Co-Regulation: Erst Verbindung, dann Lösung. Ein ruhiger Körper steckt an.
  • Grenzen / Rahmen ohne Drohung: „Ich lasse nicht zu, dass …“ statt „Wenn du … dann …“
  • Umgebung gestalten: Viele Konflikte verschwinden, wenn Überforderung sinkt (Hunger, Müdigkeit, Lärm, Übergänge).
  • Reparieren statt siegen: Nach dem Sturm: gemeinsam sortieren, ohne Predigt.

Weiterführende Links (extern)

Weitere gute Einordnungen zum Thema „Auszeiten/Time-out“ und Ausschluss-Botschaften:

Weiterlesen auf FreeYourFamily.net

Postscriptum (20.11.2016)

Auf der Facebook-Fanpage des Unternehmens findet sich seit heute folgende Erklärung:

„… es tut uns sehr leid, dass unser Artikel „Kinder richtig bestrafen: Auszeiten“ zu Widerspruch und Irritation geführt hat. Wir werden den Artikel (Anmerkung von freeyourfamily.net: der laut der Webseite https://archive.org schon mehrere Monate, mindestens aber seit August 2016 online ist) schnellstmöglich von unserer Website entfernen, da er als widersprüchlich zu unserem übergeordneten Ziel bei Pampers, Babies eine gesunde und glückliche Entwicklung zu ermöglichen, verstanden werden kann. Bitte habt Verständnis dafür, dass das aufgrund technischer Rahmenbedingungen bis zu 24 Stunden dauern kann.
Grundsätzlich möchten wir auf unserer Homepage nützliche Informationen zur Verfügung stellen, die Hilfestellungen für junge Eltern bieten und Alltagsfragen beantworten. Die entstandene Irritation bedauern wir sehr und entschuldigen uns ausdrücklich dafür.“

CC BY-SA 4.0 Frauen richtig bestrafen: Auszeiten (Achtung Satire!) von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.