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Aktualisiert am 09.08.2026
Mit „Blogmojo“ wollen Finn und Nele anderen Menschen helfen, ein erfolgreiches Blog aufzubauen. Am 20. April erstellte Finn die Blogparade „3 Dinge, die ich als Anfänger gerne über das Bloggen gewusst hätte“. Ich will zu dem Thema zwei ideologische Problemstellungen sowie einen essentiellen Sicherheitsaspekt des Bloggens beleuchten: den Stellenwert einer gepflegten Linkkultur, die Bedeutung „sozialer Netzwerke“ für Blogs und die Notwendigkeit von Backups.
Die drei Gedanken in kurz
- Linkkultur: Gute Links zeigen Quellen, öffnen Wege und verbinden Blogs miteinander.
- Soziale Netzwerke: Sie können Traffic bringen; über die Verteilung entscheidet die Plattform.
- Backups: Zu einem vollständigen WordPress-Backup gehören Datenbank und Dateien.
1. Linkgeiz ist nicht geil!
Mit viel Blut und Schweiß erkämpftet ihr euch die Leser:innen eures Blogs. Jetzt sollen sie gefälligst da bleiben! Jeder Link nach draußen, zu anderen Blogs und Websites, ist eine Tür – raus aus eurem beschaulichen Contentreich. Darum vermeidet ihr Verlinkungen wie ein katholischer Bischof die niedere Minne.
Moment! Ihr benutzt Sozialleisten („Social Media Bars“) und Buttons, mit denen ihr die Aufmerksamkeit der Leser:innen auf eure Social-Media-Profile lenken wollt und zum Teilen eurer Inhalte einladet? Damit bewirkt ihr genau das, was ihr ursprünglich vermeiden wolltet: Ihr schickt eure hart erarbeiteten Besucher:innen in die „sozialen Netzwerke“.
Das Internet lässt sich wie ein Nervensystem vorstellen: Verlinkungen sind die Nervenbahnen im World Wide Web. Sie versorgen Websites im entlegensten Winkel des Internets mit Traffic. Blogger:innen brauchen Verlinkungen. Wenn ihr einen Blog oder eine Internetseite empfehlenswert findet, könnt ihr den Link direkt in einem Blogbeitrag teilen – ohne den Umweg über Facebook und andere „soziale Medien“. So liegt die Lenkung des Traffics in euren Händen.
Links sind erstaunlich nützlich. Sie eignen sich hervorragend, um eure Quellen offenzulegen, Fakten zu unterstützen, eure Behauptungen zu belegen und euren Content mit zusätzlichen, wertvollen Informationen zum Thema zu bereichern. Mit Links baut ihr Beziehungen auf, denn Verlinkungen sind eine Hilfe für eure Bloggerkolleg:innen, da sie deren Content mehr Bedeutung und Sichtbarkeit im World Wide Web verleihen. Wenn ihr jemandem einen Gefallen erweisen wollt, kann ein Link zu einem Blogartikel genau das tun. Trackbacks und Pingbacks können verlinkte Blogs darüber informieren, dass ihr auf sie verweist. Wenn andere euch ihrerseits verlinken, kann auch euer Blog neue Leser:innen erreichen.
Wenn ihr Links aus Begeisterung und voller Überzeugung setzt, darf eine redaktionelle Empfehlung auch wie eine redaktionelle Empfehlung aussehen. Für gewöhnliche redaktionelle Links verlangt Google kein rel-Attribut. Bezahlte Links kennzeichnet Google bevorzugt mit „sponsored“, für Links aus nutzergenerierten Bereichen empfiehlt die Suchmaschine „ugc“; „nofollow“ ist für Fälle gedacht, in denen die anderen Werte nicht passen und Google die verlinkte Seite nicht mit eurer Website verbinden oder über diesen Link crawlen soll. Google nutzt Links außerdem als Relevanzsignal und um neue Seiten zu finden.
Das World Wide Web ist eine Ansammlung von frei zugänglichem Wissen und ein Zeugnis menschlicher Kultur. Eine ehrliche Linkkultur aus Interesse und Sympathie hält dieses Netz lebendig. Wenn ihr und euer Blog etwas zu bieten habt, kommen die Leser:innen gern wieder.
Hervorragende Möglichkeiten, um Links zu säen (und zu ernten), sind Blogparaden, Link-Partys und die Blogroll.
Unsere Fundstücke aus der damaligen „World Wide Web Week“ findet ihr heute im Blogarchiv. Wenn euch das Grundgefühl hinter „Blog statt Plattform“ interessiert, passt dazu auch Blogs sind wertvoll und unersetzbar.
2. Euer Blog und die „sozialen Netzwerke“
Viele Marketingexpert:innen sehen „soziale Netzwerke“ als Teil der Markenkommunikation und damit unverzichtbar für alle aufstrebenden Blogger:innen. Facebook soll mir in den folgenden Ausführungen als Beispiel dienen. Es zeigt besonders gut, was passiert, wenn Reichweite und Verteilung von einer Plattform abhängen.
Viele Blogs haben sie: Sozialleisten und Buttons zum Teilen der Blogbeiträge in den Netzwerken. Blogger:innen erhoffen sich damit Likes, Shares und andere Interaktionen ihrer Leserschaft. Die Hoffnung, dass ein Post viral gehen könnte, kann dazu verleiten, das Monster „Facebook“ mit kostenlosem Content zu bespielen. Der Content liegt dann in einer Umgebung, deren Regeln und Verteilung Meta bestimmt.
Wir Blogger:innen wünschen uns Traffic, aber schicken unsere Leser:innen fort in die sozialen Netzwerke. Unsere Hoffnung und all die Nennungen und Verlinkungen nähren das Facebookmonster. Und wie revanchiert sich Facebook? Es hält die Hand auf.
Eine stattliche Fangemeinde auf eurer Facebook-Fanpage garantiert euch keine bestimmte organische Reichweite. Meta beschreibt den Facebook-Feed als KI-System, das Beiträge anhand von Signalen und Vorhersagen darüber sortiert, was einzelne Nutzer:innen wahrscheinlich wertvoll und relevant finden. Eure Followerzahl ist damit nur ein Teil der Ausgangslage; die Reihenfolge im Feed bestimmt das System.
Ein bewusst vereinfachtes Bild verdeutlicht die Folge: Angenommen, ihr habt 1000 „Follower“ auf eurer Fanpage. Wenn ein Beitrag davon beispielsweise 100 erreicht, können zunächst diese 100 direkt reagieren, teilen oder auf eure Website klicken. Die Zahl 100 ist hier ein Rechenbeispiel, keine typische Facebook-Reichweite. Wie groß der tatsächlich erreichte Teil ist, hängt vom jeweiligen Ranking und weiteren Umständen ab.
Facebook entscheidet also über die Sortierung im Feed. Werbung finanziert den Konzern in sehr hohem Maß: Im ersten Halbjahr 2026 stammten laut Metas Quartalsbericht 114,387 Milliarden US-Dollar von 117,111 Milliarden US-Dollar Gesamtumsatz aus Werbung. Für uns Blogger:innen ist der entscheidende Punkt: Die Verteilung unserer Inhalte liegt auf der Plattform in Metas Händen.
Wie viele Menschen erreichen am Ende wirklich eure Website, wenn die Plattform schon vorher auswählt, wem sie den Post zeigt? Mit 100.000 echten Fans im Rücken sieht die Sache zwar anders aus. Doch der Zeit- und Kostenaufwand, um euch eine solche Anhängerschaft aufzubauen, ist enorm.
Kurzzeitig kann Facebook als Trafficbringer nützlich sein. Bedauerlicherweise verschluckt der Feed eure Beiträge im Strom neuer und empfohlener Inhalte. Sie bleiben auf der Seite auffindbar, konkurrieren im Feed aber laufend um Aufmerksamkeit.
Plattformen können verschwinden oder stark an Bedeutung verlieren. Erinnert ihr euch an MySpace? 😉
Inhalte und Diskussionen in Blogs sind indes noch nach vielen Jahren zu lesen.
Vom Aufwand-Nutzen-Verhältnis ausgehend kann es sinnvoller sein, mehr Zeit in die Blogosphäre zu stecken: sich untereinander zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen und direkt in den Blogs anderer Blogger:innen zu kommentieren. Dort bleibt die Diskussion beim Beitrag und damit an dem Ort, an dem sie entstanden ist.
Zu dieser Plattformlogik passen auch unsere Beiträge Social-Media-Algorithmen: Filterblasen & Doomscrolling verstehen und Facebook ade: Alternativen für Blogs.
3. Backups: Schutz vor dem Daten-Super-GAU
Es ist einer der wichtigsten Ratschläge für angehende Blogger:innen: Regelmäßige Sicherungen eurer Daten gehören zur Grundausstattung. Es ist ein schreckliches Gefühl, unzählige Stunden in Blogartikel gesteckt zu haben und den Content durch einen fatalen Zwischenfall zu verlieren. Unbedacht veränderter Code, ein falscher Klick, ein fehlerhaftes Plug-in, ein Hackerangriff oder ein Serverausfall können euer Blog ruinieren.
In jedem Fall ist es gut, wenn ihr regelmäßig Backups anlegt, um die Daten zurückspielen zu können. Ein Backup hilft euch, euer Blog zu retten!
WordPress beschreibt zwei Bestandteile eines vollständigen Backups: Datenbank und Dateien. Die offizielle Dokumentation nennt außerdem die Prüfung, ob Sicherungen vorhanden und nutzbar sind. Die passenden Einstiegspunkte sind Backups, Backing Up Your Database und die Hinweise zum WordPress-Update.
Einen einfachen Weg bieten Backup-Funktionen eures Hosters oder aktuelle Backup-Plug-ins. WordPress nennt außerdem automatisierte Sicherungen als Möglichkeit. Für ein Backup-Werkzeug zählen vor allem drei Dinge: Es sichert Datenbank und Dateien, läuft in einem passenden Rhythmus und legt mehrere aktuelle Kopien an verschiedenen Orten ab. WordPress empfiehlt dafür mindestens drei bis fünf aktuelle Sicherungen an unterschiedlichen Speicherorten.
Im „WordPress Bistro“ von Michaela Steidl findet ihr eine ausführliche Anleitung: BackUp für die WordPress-Website anlegen.
Wenn ihr Bloggen als Lebensmodell denkt, passt dazu auch unser Beitrag Ortsunabhängig arbeiten: unser Online-Business.
Wann sind „nofollow“, „ugc“ oder „sponsored“ sinnvoll?
Google sieht „sponsored“ für bezahlte Links vor, „ugc“ für Links aus nutzergenerierten Bereichen und „nofollow“ als allgemeinen Hinweis, wenn die anderen Werte nicht passen. Für gewöhnliche redaktionelle Empfehlungen ist eine pauschale Kennzeichnung mit „nofollow“ nicht erforderlich.
Ein Blog kann Leser:innen über Suchmaschinen, direkte Empfehlungen, Newsletter, RSS, andere Blogs und soziale Netzwerke erreichen. Social Media ist damit ein möglicher Zubringer. Wie sichtbar ein Beitrag dort wird, bestimmt das Ranking der jeweiligen Plattform.
Was gehört zu einem WordPress-Backup?
Zu einem vollständigen WordPress-Backup gehören Datenbank und Dateien. Wie oft eine Sicherung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie häufig sich euer Blog verändert und wie viel Arbeit ihr im schlimmsten Fall erneut machen könntet.
Epilog
Euer Blog ist euer digitales Zuhause, in dem ihr euch austoben könnt. Wenn ihr es so gestaltet, dass es zu euch passt, fühlt ihr euch hoffentlich pudelwohl und verliert den Spaß nicht. Ich wünsche euch alles Gute!
Your Blog Is Your Castle – 3 Wohlfühltipps für Blog-Newcomer von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
Servus Patrick,
da sieht man doch mal wieder, dass Blogparaden ihren Sinn haben. In diesem Fall lerne ich wieder einige Blogs kennen, die ich vorher noch nicht auf dem Radar hatte. Und das, obwohl ich mich schon eine ganze Weile in der Blogwelt bewege.
Ich kann dich nur bekräftigen, was Linkgeiz oder Angst vor dem Linksetzen angeht. Das ist für mich ein Bestandteil des Webs und des Bloggens im Besonderen. Es schadet niemandem auf andere Blogs / Webseiten zu linken, es sei denn, man würd ein sehr fragwürdiges Linkziel wählen. Da verliert man keinen Saft. Absolut guter Ton – wie ja auch von dir gesagt- ist es, seine Quellen zu benennen.
Ein schönes Wochenende
HG Hans
Servus Hans,
so lange wie Du sind wir noch nicht in der Blogosphäre aktiv. Erst seit Anfang 2016.
Gesunder Idealismus, was das WWW betrifft, schwang aber schon immer mit. Mit dem Bloggen zu beginnen (ich hätte es schon viel eher tun sollen) war eine richtige Entscheidung, so viel ist sicher. 😉
Ich fügte Dein Blog meinem Feedreader hinzu, um auf dem Laufenden zu bleiben.
Danke für den Kommentar und bis bald!
Einen schönen Sonntag wünscht
Patrick