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Heilerde und Geophagie: Erde essen, Wirkung und Risiken

Babys in der Sandkiste machen es vor. Menschen in vielen Teilen der Welt tun es. Wir auch. Ich spreche von Geophagie, dem Essen von Erde, Lehm oder Ton.

Und selbst im Volksmund ist die Weisheit „Dreck reinigt den Magen“ tief verankert.

Diese Ansicht vertrat auch Evelins Oma, die mit Kindern eben nicht schimpfte, wenn Essen auf den Boden fiel, sondern aufmunternd sagte, dass so ein bisschen Schmutz auch mal ganz gesund sei (je nach Haushalt und der dort verwendeten chemischen Putzmittel würden wir unseren Kindern heute jedoch davon abraten, etwas vom Boden zu essen).

Heute lohnt sich dabei eine Unterscheidung: Erde aus Garten oder Sandkiste, gezielt gegessener Ton und als Arznei- oder Medizinprodukt aufbereitete Heilerde stammen zwar aus derselben mineralischen Welt. Bei Herkunft, Verarbeitung, Schadstoffkontrolle und untersuchter Wirkung können sie sich erheblich unterscheiden.


Inhaltsverzeichnis:

1. Was ist Geophagie?
2. Woher mein Ekel vor Erde kam
3. Warum Schimpansen Erde essen
4. Adolf Just und die „Heilerde“
5. Was ist Heilerde?
6. Meine erste Bekanntschaft mit heilender Erde
7. Was wissen wir über die Wirkung von Heilerde?
8. Zusammensetzung und Bindungsvermögen
9. Aluminium, Demenz und Alzheimer
10. Heilerde einnehmen: Medikamente, Schwangerschaft und Produktwahl
11. Nachteile und Risiken
12. Heilerde in der äußerlichen Anwendung
13. Bezugsquellen für Heilerde
14. FAQ zu Geophagie und Heilerde
15. Fazit und Literatur


1. Was ist Geophagie?

Geophagie bezeichnet den gezielten Verzehr von Erde, Lehm oder Ton. Die Praxis ist aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen beschrieben. Besonders gut untersucht ist sie bei Schwangeren. Eine Literaturübersicht von Njiru aus dem Jahr 2011 fand in einzelnen afrikanischen Ländern und untersuchten Gruppen Prävalenzen von bis zu 84 %. Diese Zahl beschreibt einzelne Populationen; die Häufigkeit schwankt zwischen Regionen und Studien erheblich. Njiru (2011), PubMed

Warum Menschen Erde essen, ist damit noch längst nicht beantwortet. In der Forschung werden kulturelle Gewohnheiten, Übelkeit und andere Magen-Darm-Beschwerden sowie Zusammenhänge mit dem Mineralstoffstatus diskutiert. Bei Pica – dem wiederholten Verzehr von Substanzen ohne üblichen Nahrungswert – fand eine Meta-Analyse Zusammenhänge mit Anämie, niedrigem Hämoglobin und niedrigerem Zinkstatus. Aus den eingeschlossenen Studien ließ sich die Richtung von Ursache und Wirkung jedoch nicht klären. Miao et al. (2015), PubMed

Auch die Erde selbst macht einen Unterschied. Tonminerale können Stoffe an ihrer Oberfläche binden; Mineralzusammensetzung und mögliche Verunreinigungen hängen stark von der Herkunft ab. Eine Studie mit 1056 Schwangeren in Nordwest-Tansania fand nach statistischer Anpassung bei Frauen, die während der Schwangerschaft Erde aßen, rund 23 % höhere Arsenkonzentrationen im Urin und 13,3 % höhere Quecksilberkonzentrationen im Blut. Die untersuchten Regionen waren zugleich durch handwerklichen und kleingewerblichen Goldbergbau geprägt; auch dieser Umweltfaktor erhöhte die Belastung. Die Zahlen gehören deshalb genau in diesen Kontext. Jovine et al. (2023)

Ein Punkt aus unserer veganen Perspektive verdient eine eigene Zeile: Für eine verlässliche Vitamin-B12-Versorgung braucht es andere Quellen als erdige Möhren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt die Vitamin-B12-Supplementation als Voraussetzung einer gut geplanten veganen Ernährung. Ausführlicher haben wir das in Vitamin B12 für vegan lebende Personen zusammengetragen.

Rote Rüben und Möhren mit Erde

Leckeres, erdiges Gemüse (Quelle, CC0 Public Domain)

2. Woher mein Ekel vor Erde kam

Ich selbst bringe das Knirschen und den Geschmack von Erde und Sand mit traumatischen Kindheitserlebnissen in Verbindung. Die Entfremdung durch Erziehung ging bei mir so weit, dass ich Rotz und Wasser heulte, weil der „Sandkuchen“ eine abscheuliche Konsistenz aufwies.

Das sitzt erstaunlich tief. Zwischen dieser Erinnerung und meinem heutigen Verhältnis zu Heilerde liegt jedenfalls ein ziemlich weiter Weg.

3. Warum Schimpansen Erde essen

Geophagie gibt es auch bei anderen Tierarten. Besonders anschaulich ist eine Untersuchung an Schimpansen der Sonso-Gemeinschaft im Budongo Forest in Uganda. Die Forschenden beobachteten, wie die Schimpansen Ton direkt aßen, tonhaltiges Wasser tranken und es mit selbst hergestellten Blattschwämmen aufnahmen. Die untersuchten Ton- und Wasserproben lieferten verschiedene Mineralstoffe. Die Autor:innen hielten deshalb eine Ergänzung der Mineralstoffaufnahme für eine mögliche Funktion; wegen der kleinen Probenzahlen bezeichneten sie Teile ihrer Schlussfolgerung ausdrücklich als vorläufig. Reynolds et al. (2015)

Für mich ist daran vor allem eines interessant: Erde zu essen ist als Verhalten erst einmal nichts Exotisches. Ob eine bestimmte Erde einem bestimmten Menschen gesundheitlich nützt, beantwortet die Beobachtung der Schimpansen allerdings nicht. Dafür braucht es Daten am Menschen und zum jeweiligen Material.

4. Adolf Just und die „Heilerde“

Es gibt eine Erde, die speziell für die innerliche Anwendung beim Menschen aufbereitet wird: Heilerde.

Mit dem Namen „Heilerde“ ist in Deutschland besonders Adolf Just (1859–1936) verbunden. In der Nähe seines „Jungborn“ im Harz nutzte er Löss für innere und äußere Anwendungen. 1918 gründete er in Blankenburg die Heilerde-Gesellschaft und vertrieb „Adolf Justs Luvos-Heilerde“. Das Unternehmen besteht bis heute. Diese Angaben stammen aus der Unternehmensgeschichte von Luvos; sie beschreiben die Geschichte des Produkts, keine klinische Wirksamkeit.

Vitrine mit Bolus Armenicus und anderen Heilerden im Deutschen Apothekermuseum

Vitrine mit Bolus Armenicus und anderen Heilerden im Deutschen Apothekenmuseum (von Ribax [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons)

5. Was ist Heilerde?

Bei Luvos besteht Heilerde aus aufbereitetem Löss. Der Hersteller beschreibt als mineralische Bestandteile vor allem Silikate, Feldspat, Dreischichttonminerale, Kalkspat, Dolomit und Goethit. Der Löss wird bei 130 °C getrocknet, anschließend vermahlen und gesiebt. Luvos: Herstellung und Zusammensetzung

Die feine Vermahlung vergrößert die Oberfläche. Dort können Stoffe durch Adsorption gebunden werden, also indem sie sich an der Oberfläche anlagern. Welche Stoffe ein bestimmtes Tonmaterial unter welchen Bedingungen bindet und ob daraus ein gesundheitlicher Nutzen entsteht, hängt vom jeweiligen Produkt und Anwendungsziel ab.

Unter dem Namen Heilerde werden Präparate mit unterschiedlichem Ausgangsmaterial, Feinheitsgrad, Zweck und rechtlichem Status angeboten. Bei Luvos gibt es beispielsweise Arzneimittel und Medizinprodukte mit verschiedenen Anwendungsgebieten. Für die gesundheitliche Einordnung zählt das jeweilige Präparat.

6. Meine erste Bekanntschaft mit heilender Erde

Ich lernte die Heilerde erst durch Evelin kennen. Sie nimmt sie seit vielen Jahren jeden Morgen auf nüchternen Magen mit einem Glas Quellwasser ein. Mir empfahl sie sie in Tagen unserer ersten Schwärmereien, als mich ein fürchterliches Sodbrennen quälte.

Unabhängig von jeder Schwärmerei erntete meine wunderschöne Frau für ihren Rat auch bei anderen Dankbarkeit. Menschen in unserem Umfeld erzählten uns, dass ihnen Heilerde bei Übelkeit, Bauchweh oder einem „Kater“ geholfen habe. Bei mir klang damals das Sodbrennen nach der Einnahme ab. Das sind unsere Erfahrungen – ihre Aussage reicht genau bis dorthin.

7. Was wissen wir über die Wirkung von Heilerde?

Bei Heilerde wird schnell aus einer physikalisch plausiblen Bindung eine lange Liste angeblicher Heilwirkungen. Sinnvoller ist eine engere Frage: Welches Präparat wurde wofür untersucht?

Sodbrennen

Für Sodbrennen gibt es in Deutschland Heilerde als Arzneimittel. Die aktuelle Gebrauchsinformation von „Adolf Justs Luvos Heilerde ultrafein akut Sodbrennen“ bezeichnet das Pulver als mild wirkendes mineralisches Magen-Darm-Arzneimittel für Sodbrennen. Damit ist die Anwendung dieses Präparats klar umrissen. Gebrauchsinformation Luvos Heilerde ultrafein akut Sodbrennen

Akuter infektiöser Durchfall

Hier fällt die Einordnung anders aus. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) führt Heilerde in ihrer 2023 überarbeiteten Leitlinie unter den Mitteln auf, die bei akuter infektiöser Gastroenteritis nicht eingesetzt werden sollen. Als Grund nennt die Leitlinie fehlende kontrollierte Studien für Heilerde in dieser Fragestellung. Das betrifft ausdrücklich akute infektiöse Gastroenteritis und damit einen engeren Bereich als jede Form von Durchfall. DGVS, Empfehlung 4.12 und Hintergrund

Darmflora und Mikrobiom

Eine kleine prospektive Explorationsstudie von 2024 untersuchte 20 Personen: 12 gesunde Erwachsene und 8 Personen mit Reizdarmsyndrom vom Diarrhö-Typ. Sie nahmen sechs Wochen lang Luvos-Heilerde magenfein ein. Die Forschenden fanden während der Studie und vier Wochen danach keine signifikanten Veränderungen der untersuchten fäkalen Mikrobiota. Das Ergebnis spricht für Stabilität in dieser kleinen Gruppe; eine „Sanierung“ oder Verbesserung des Mikrobioms wurde damit nicht gezeigt. Vasapolli et al. (2024)

Für weitreichende Versprechen rund um „Entgiftung“, allgemeine Mineralstoffversorgung, Gewichtsabnahme oder eine Behandlung ganz verschiedener Erkrankungen reicht die klinische Evidenz damit nicht. Adsorption ist eine Materialeigenschaft. Eine medizinische Wirkung braucht zusätzlich Untersuchungen am jeweiligen Präparat und am jeweiligen Beschwerdebild.

8. Zusammensetzung und Bindungsvermögen

Informationen über die Zusammensetzung verschiedener Ton- und Heilerden sind rar. Bei aktuellen Luvos-Produkten nennt der Hersteller überwiegend Silikate, Feldspat, Dreischichttonminerale, Kalkspat, Dolomit und Goethit. Je nach Produkt wird der Löss unterschiedlich fein vermahlen und gesiebt.

Gerade diese Unterschiede machen pauschale Mineralstofftabellen wenig hilfreich. Eine Analyse eines bestimmten Produkts zu einem bestimmten Zeitpunkt beschreibt zunächst dieses Material. Für uns ist Heilerde deshalb eher wegen ihrer physikalischen Eigenschaften interessant als als Mineralstoffquelle. Wer Eisen im Blick hat, findet in unserem Beitrag Mit schweren Töpfen gegen Eisenmangel eine ganz andere Spur.

9. Aluminium, Demenz und Alzheimer

Aluminium ist Bestandteil vieler Tonminerale und taucht deshalb auch in Analysen von Heilerden auf. Die Frage nach Alzheimer lässt sich seriös weder mit einem beruhigenden Einzeiler noch mit einem Alarmruf erledigen.

Ein systematisches Review mit Meta-Analyse von Soleimani et al. aus dem Jahr 2025 wertete 54 Studien zu Umwelt-Aluminiumexposition und Alzheimer beziehungsweise Demenz aus. 26 Studien berichteten einen positiven Zusammenhang, 24 fanden keinen oder einen negativen Zusammenhang. Für die eigentliche Meta-Analyse lieferten nur vier Studien ausreichend vergleichbare Daten; die Heterogenität war hoch. Die Autor:innen folgern, dass Umwelt-Aluminiumexposition zu Alzheimer beitragen könnte, wahrscheinlich als einer von mehreren Faktoren. Soleimani et al. (2025)

Diese Arbeit untersucht Umwelt-Expositionen verschiedener Herkunft und liefert keine Risikoschätzung speziell für Heilerde. Umgekehrt trägt sie auch keine pauschale Aussage, der Zusammenhang zwischen Aluminium und Alzheimer sei längst widerlegt. Für die praktische Entscheidung sind deshalb das jeweilige Produkt, seine Qualität und die vorgesehene Anwendung aussagekräftiger als ein allgemeiner Satz über „Aluminium in Erde“.

10. Heilerde einnehmen: Medikamente, Schwangerschaft und Produktwahl

Es gibt Heilerde als Pulver, Granulat und Kapseln. Maßgeblich für Dosierung, Dauer und Gegenanzeigen ist die Gebrauchsinformation des jeweiligen Präparats, weil sich Anwendungsgebiete und Produktstatus unterscheiden.

Für das oben genannte Luvos-Arzneimittel gegen Sodbrennen nennt die Gebrauchsinformation einen Abstand von ein bis zwei Stunden vor oder nach anderen Arzneimitteln. Begründet wird das mit dem ausgeprägten Bindungsvermögen der Heilerde. Schwere Störungen der Nierenfunktion sind für dieses Präparat eine Gegenanzeige. Für Kinder unter 12 Jahren ist diese Anwendung nicht vorgesehen.

Für Schwangerschaft und Stillzeit hält dieselbe Gebrauchsinformation fest, dass ausreichende Untersuchungen fehlen. Sie sieht die Anwendung deshalb nach Rücksprache mit Ärzt:in, Apotheker:in oder einer entsprechend qualifizierten Person vor. Das ist besonders relevant, weil Geophagie gerade in der Schwangerschaft häufig beschrieben wird.

Für vegan lebende Menschen steckt noch ein unscheinbares Detail in der Darreichungsform: Laut Hersteller ist das Pulver der Luvos-Heilerde gegen säurebedingte Magenbeschwerden vegan, die entsprechenden Hartkapseln enthalten dagegen tierische Bestandteile. Die Verpackung sagt hier mehr als das Wort „Heilerde“.

11. Nachteile und Risiken

Bei frei gesammelter oder als Geophagie verzehrter Erde stehen andere Risiken im Vordergrund als bei einem kontrollierten Arzneimittel. Untersuchungen fanden je nach Herkunft unter anderem problematische Schwermetallgehalte; weitere Arbeiten beschreiben mögliche Belastungen mit Parasiten und anderen Krankheitserregern. Ein Review von 2022 betont deshalb vor allem die starke Abhängigkeit von Herkunft und Zusammensetzung des jeweiligen Materials. Bonglaisin et al. (2022)

Wiederholtes starkes Verlangen nach Erde kann außerdem im Zusammenhang mit Pica auftreten. Weil Pica in Studien mit Anämie und niedrigerem Zinkstatus zusammenhing, kann eine medizinische beziehungsweise ernährungsmedizinische Abklärung zusätzliche Informationen liefern – besonders in der Schwangerschaft oder wenn junge Menschen regelmäßig gezielt Erde essen. Die Meta-Analyse von Miao et al. klärt allerdings nicht, ob ein Mangel das Verhalten auslöst, das Verhalten den Status verschlechtert oder beides zusammenhängt.

Bei aufbereiteter Heilerde hängen Risiken und Gegenanzeigen wiederum vom Präparat ab. Ein universeller Einnahmeplan für „Heilerde“ würde diese Unterschiede verdecken.

12. Heilerde in der äußerlichen Anwendung

Auch, wenn es in diesem Beitrag hauptsächlich um die innere Anwendung von Erden geht, lässt sich Heilerde äußerlich als Maske, Paste oder Umschlag verwenden. Entsprechende Produkte werden etwa für fettige oder unreine Haut angeboten.

Welche Wirkung belegt ist, hängt auch hier von Produkt und Anwendung ab. Für empfindliche Haut kann eine kleine Teststelle zeigen, wie die eigene Haut auf das Material reagiert. Den großen Katalog an Heilversprechen lasse ich an dieser Stelle lieber draußen; er würde aus einem Nebenweg einen zweiten Artikel machen.

13. Bezugsquellen für Heilerde

Heilerde gibt es in Apotheken und Online-Apotheken, Reformhäusern und Drogeriemärkten. Für die Auswahl sind Anwendungsgebiet, Kennzeichnung als Arznei- oder Medizinprodukt, Gebrauchsinformation und Angaben zur Qualitätskontrolle hilfreicher als ein möglichst langer Katalog versprochener Wirkungen.

Eine Übersicht über Dinge, die wir selbst verwenden oder sinnvoll finden, gibt es auf unserer Seite Empfehlungen. Rund um Naturheilkunde passt außerdem unser Beitrag Zweitmeinung: Naturheilkunde.

14. FAQ zu Geophagie und Heilerde

Ist Erde essen gesund?

Das hängt vollständig von Material, Menge, Herkunft und Situation ab. Geophagie ist weltweit dokumentiert, und Ton kann Stoffe binden. Ungeprüfte Erde kann zugleich Schwermetalle, Parasiten oder andere Verunreinigungen enthalten. Aus dem Vorkommen einer Praxis folgt deshalb noch keine allgemeine Gesundheitswirkung.

Hilft Heilerde bei Sodbrennen?

Für Sodbrennen gibt es in Deutschland Heilerde als Arzneimittel mit genau diesem Anwendungsgebiet. Unsere eigene Erfahrung mit Heilerde begann ebenfalls beim Sodbrennen. Für anhaltende, starke oder unklare Beschwerden nennt die Gebrauchsinformation eine ärztliche Abklärung.

Hilft Heilerde bei Durchfall?

Für akute infektiöse Gastroenteritis rät die DGVS-Leitlinie vom Einsatz von Heilerde ab und verweist auf fehlende kontrollierte Studien für diese Fragestellung. Andere Ursachen von Durchfall fallen außerhalb dieser Aussage.

Kann Heilerde Medikamente beeinflussen?

Ja, das Bindungsvermögen kann für andere Arzneimittel relevant sein. Die Gebrauchsinformation des Luvos-Arzneimittels gegen Sodbrennen nennt deshalb einen Abstand von ein bis zwei Stunden vor oder nach anderen Arzneimitteln. Bei anderen Präparaten zählt deren eigene Gebrauchsinformation.

Ist Aluminium aus Heilerde mit Alzheimer verbunden?

Für Heilerde selbst gibt es aus dem 2025 veröffentlichten systematischen Review keine solche Risikoschätzung. Das Review fand für Umwelt-Aluminiumexposition eine gemischte und heterogene Studienlage und diskutiert Aluminium als möglichen Faktor unter mehreren. Die Aussage, die Frage sei vollständig widerlegt, ist damit zu stark.

Liefert Erde Vitamin B12?

Für eine verlässliche Vitamin-B12-Versorgung eignet sich Erde nicht. Die DGE nennt für vegan lebende Menschen eine Vitamin-B12-Supplementation; in unserem B12-Grundlagenartikel geht es ausführlich um Quellen, Supplementation und Laborkontrolle.

15. Fazit und Literatur

Wir schätzen Erde. Sie ist eines der natürlichsten Dinge der Welt, mit der wir Menschen in Kontakt kommen.

Unsere Kinder spielen mit Erde, sie dürfen z.B. in schlammigen Pfützen spielen und baden und im Garten Matsch herstellen.

Spaß in der Pfütze

Spaß in der Pfütze

Heilerde gehört für uns weiterhin zu den Dingen, die wir bei bestimmten Magen-Darm-Beschwerden im Blick haben. Gleichzeitig sind Matsch in der Pfütze, geophagisch gegessener Ton und ein aufbereitetes Arzneimittel eben drei verschiedene Dinge. Für eine Entscheidung zählen deshalb Beschwerde, Produkt, andere Medikamente und die eigene gesundheitliche Situation.

Literatur (Auswahl):

  • Njiru H (2011): Geophagy during pregnancy in Africa: a literature review. PMID 21944157
  • Reynolds V et al. (2015): Mineral Acquisition from Clay by Budongo Forest Chimpanzees. DOI 10.1371/journal.pone.0134075
  • Miao D et al. (2015): A meta-analysis of pica and micronutrient status. PMID 25156147
  • Jovine J et al. (2023): Prenatal arsenic and mercury levels among women practicing geophagy in areas with artisanal and small-scale gold mining activities, Northwestern Tanzania. DOI 10.1186/s12884-023-06174-4
  • Bonglaisin JN et al. (2022): Geophagia: Benefits and potential toxicity to human – A review. DOI 10.3389/fpubh.2022.893831
  • Vasapolli R et al. (2024): Prolonged Intake of Luvos Healing Earth does not alter the Composition of the Gut Microbiota in Patients with Diarrhea-predominant Irritable Bowel Syndrome and Healthy Controls. DOI 10.15403/jgld-5309
  • Soleimani H et al. (2025): Environmental aluminum exposure and Alzheimer’s disease risk: Evidence from a systematic review and meta-analysis. DOI 10.1016/j.ecoenv.2025.118759
  • DGVS (2023): Klinisches Bild und Therapie der akuten GI-Infektionen, Empfehlung 4.12 und Hintergrund. DGVS-Leitlinie
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2024): Update der Position zu veganer Ernährung. DGE-Positionspapier

Aktualisiert am 10. August 2026

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