Lesezeit: 18 Minuten

Aktualisiert am: 10.08.2026

Evelin beantwortet den Leserbrief einer Mutter, deren Kind seit anderthalb Jahren in einen Waldkindergarten eingewöhnt wird.

Anderthalb Jahre Eingewöhnung – wie lange versucht man es weiter?

Hallo ihr Lieben,

eine Mama hat mir einen ziemlich langen Leserbrief geschrieben. Es geht um ihren vierjährigen Sohn und um eine Eingewöhnung in den Waldkindergarten, die sich inzwischen seit anderthalb Jahren hinzieht.

Als ich den Brief gelesen habe, musste ich das erst einmal für mich sortieren. Denn da kommt einiges zusammen.

Der Junge sollte mit drei Jahren in den Waldkindergarten gehen, weil seine Mama wieder arbeiten wollte. Die Eingewöhnung sollte dabei so langsam stattfinden, wie es für ihn gut passt. Also besuchten Mama und Kind den Waldkindergarten zunächst ein- bis zweimal pro Woche.

Nach einem Vormittag dort brauchte er allerdings ziemlich lange, um sich wieder zu erholen. Seine Mama beschreibt ihn als hochsensibel. Dazu kam, dass eine vertraute Bezugserzieherin wegfiel und längere Zeit nach Ersatz gesucht wurde. Dann übernahm zeitweise der Papa die Eingewöhnung. Es gab Krankheiten, einen Todesfall in der Familie und später noch weitere Veränderungen zu Hause: einen neuen Hund und die Schwangerschaft der Mama mit dem zweiten Kind.

Wenn man das alles hintereinander liest, wundert mich erst einmal gar nicht, dass diese Eingewöhnung keinen schönen geraden Weg genommen hat.

Wenn ein Kind einen Vormittag bleibt – und am nächsten Morgen wieder weint

Die Mama beschreibt auch einen Tag, an dem ihr Sohn bei den Erzieher:innen blieb. Am nächsten Tag lief er ihr allerdings weinend hinterher, als sie gehen wollte.

So ein einzelner Tag sagt für mich noch wenig darüber aus, ob eine Eingewöhnung nun „funktioniert“. Vielleicht war der Vormittag vorher wirklich schön. Vielleicht hatte das Kind dabei trotzdem noch gar nicht verstanden, dass daraus jetzt ein regelmäßiges Alleinbleiben werden soll. Vielleicht war am nächsten Morgen einfach alles wieder anders.

Das sind Vermutungen. In den Kopf dieses Kindes können wir schließlich nicht hineinschauen.

Viel hilfreicher finde ich deshalb die Beobachtungen über einen längeren Zeitraum: Wird der Kindergarten vertrauter? Werden die Abschiede leichter? Gibt es dort Menschen, bei denen das Kind gern bleibt? Verkürzt sich die Erholungszeit nach einem Waldtag?

Wenn sich über viele Wochen und Monate kaum etwas davon verändert, würde ich irgendwann auch die Frage zulassen: Passt dieser Kindergarten gerade überhaupt zu diesem Kind?

Der Papa hinter dem Busch

Eine Stelle aus dem Leserbrief ist mir besonders hängen geblieben.

Der Papa war mit seinem Sohn zur Eingewöhnung im Waldkindergarten. Der Junge ging spielen. Irgendwann war der Papa aus seinem Blickfeld verschwunden. Eine Erzieherin verstand das Kind zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht gut, weil es noch undeutlich sprach. Der Junge weinte, und der Papa kam hinter dem Busch wieder hervor.

Ich würde einem Kind beim Abschied lieber sagen, was passiert. Also zum Beispiel: Ich gehe jetzt kurz weg und komme wieder. Oder: Ich gehe jetzt nach Hause, und später hole ich dich ab.

Auch wenn ein Kind gerade völlig vertieft spielt, hat es diese Information verdient. Alle Erwachsenen wissen schließlich, dass Mama oder Papa gleich weg sein werden. Das Kind sollte es ebenfalls wissen dürfen.

Ein angekündigter Abschied kann natürlich trotzdem Tränen auslösen. Das Kind kann traurig oder wütend sein und seine Eltern zurückhaben wollen. Aber es erlebt wenigstens keinen Moment, in dem eine vertraute Person plötzlich verschwunden ist und es erst herausfinden muss, was eigentlich passiert ist.

Was, wenn mein Kind sich dort noch gar nicht verständlich machen kann?

Auch der zweite Teil dieser Szene beschäftigt mich.

Der Junge konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht so deutlich sprechen, und die Erzieherin verstand ihn offenbar nicht. Ich stelle mir das für ein kleines Kind ziemlich schwierig vor: Mama oder Papa ist weg, ich möchte jemandem etwas mitteilen – und dieser Mensch versteht mich nicht.

Im Video habe ich dafür einen Vergleich benutzt. Wenn ich meine Kinder bei Menschen ließe, deren Sprache sie kaum verstehen, und sie könnten in einer schwierigen Situation nicht erklären, was sie möchten, wäre das ebenfalls eine große Herausforderung.

Der Vergleich ist natürlich nur ein Bild. Wir wissen aus dem Leserbrief nicht, was der Junge in diesem Moment gedacht oder gefühlt hat. Wir wissen aber, dass er weinte, nachdem sein Papa aus dem Blickfeld verschwunden war und die Erzieherin ihn nicht verstand.

Das reicht mir schon, um diese Situation ernst zu nehmen.

Dann fällt auch noch die vertraute Erzieherin weg

Der Junge hatte im Waldkindergarten eine Bezugserzieherin, mit der er gut zurechtkam. Genau diese Person fiel irgendwann weg, und die Einrichtung suchte längere Zeit nach Ersatz.

Damit veränderte sich für ihn ausgerechnet etwas an einer Stelle, die gerade erst vertraut geworden war.

Eine norwegische Studie mit 113 Kleinkindern zeigt zumindest, wie anspruchsvoll der Übergang in eine Betreuung sein kann. Während die Eltern in der Eingewöhnung anwesend waren, verlief der Beginn vergleichsweise ruhig. Die ersten Wochen nach der Trennung waren belastender. Nach drei Monaten lagen die gemessenen Cortisolwerte niedrig, während Eltern und Fachkräfte das Wohlbefinden der Kinder hoch einschätzten. Die Kinder in dieser Untersuchung waren jünger als der vierjährige Junge aus dem Leserbrief. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nur vorsichtig auf seine Situation übertragen. [2]

Auch eine schwedische Studie mit 535 Fachkräften macht deutlich, wie unterschiedlich Eingewöhnungen gestaltet werden. Dauer, Intensität, Zeitpunkt der ersten Trennung und die Zahl der beteiligten Kinder und Fachkräfte unterschieden sich deutlich. Die Autor:innen sehen außerdem gute Gründe dafür, Eltern aktiv in diesen Übergang einzubeziehen. [1]

Für mich steckt darin vor allem ein beruhigender Gedanke: Es gibt keinen einzigen Ablauf, an dem sich jedes Kind messen lassen müsste.

Ein- bis zweimal pro Woche klingt entspannt. Vielleicht fehlt aber die Beständigkeit.

Die Mama wollte ihrem Sohn Zeit lassen. Deshalb waren sie zunächst nur ein- bis zweimal pro Woche im Waldkindergarten.

Das kann wunderbar passen. Bei dieser Geschichte frage ich mich trotzdem, wie ein vierjähriges Kind erkennen soll, was eigentlich der dauerhafte Plan ist, wenn ein Besuch heute stattfindet, morgen wieder keiner und nach einer Krankheit vielleicht erst deutlich später der nächste.

Ich meine damit gar keinen streng geregelten Tagesablauf mit Frühstück um Punkt acht, Mittagessen um Punkt zwölf und allem immer zur gleichen Zeit. Auf solche Ordnung stehe ich selbst überhaupt nicht besonders.

Mir geht es um diese Beständigkeit.

Heute ist Kindergarten. Das Kind kennt die Menschen dort. Es weiß ungefähr, wie der Morgen läuft. Es weiß, wann Mama oder Papa da sind und wann sie gehen. Und dieser Ablauf kommt oft genug wieder, dass er langsam vertraut werden kann.

Vielleicht hat genau diese Beständigkeit hier gefehlt. Ich weiß es nicht. Nach anderthalb Jahren würde ich mir den Punkt aber mit anschauen.

Krankheit, Trauer, Schwangerschaft – manchmal kommt einfach sehr viel zusammen

Dazu kamen immer wieder Krankheiten. Nach längeren Pausen begann für die Familie gefühlt ein Teil der Eingewöhnung wieder von vorne.

Dann gab es einen Todesfall in der Familie, der den Jungen nach Aussage seiner Mama sehr beschäftigt hat. Später zog ein Hund ein. Und seine Mama war inzwischen im sechsten Monat schwanger.

Welcher dieser Punkte wie viel mit seiner Reaktion im Kindergarten zu tun hat, lässt sich aus einem Leserbrief nicht herausfinden. Vielleicht spielen mehrere Dinge hinein. Vielleicht manche gar nicht.

Seine Mama kann aber etwas anderes direkt beobachten: Nach einem Vormittag im Waldkindergarten braucht ihr Sohn lange Regenerationszeit.

Diese Beobachtung finde ich wichtig.

Ein Waldkindergarten bietet viel Bewegung, Natur, Wetter und Platz. Ich kenne aus eigener Erfahrung auch die andere Seite: So ein Vormittag kann einem Kind körperlich einiges abverlangen. Man kann sich dort herrlich auspowern. Und danach kann eben auch eine ordentliche Pause nötig sein.

Spannend wäre für mich deshalb: Wird diese Erholungszeit mit den Monaten kürzer? Oder kostet ein Vormittag im Kindergarten weiterhin so viel Kraft, dass der Rest des Tages oder sogar der nächste Tag davon geprägt ist?

„Hochsensibel“ – was heißt das hier eigentlich?

Die Mama beschreibt ihren Sohn als hochsensibel.

Ich würde dieses Wort bei der Entscheidung gar nicht so sehr in den Mittelpunkt stellen. Hilfreicher finde ich, was die Mama tatsächlich beobachtet: Ihr Kind braucht nach dem Kindergarten viel Ruhe. Veränderungen scheinen ihm schwerzufallen. Vertraute Menschen spielen eine große Rolle.

Damit kann man arbeiten.

Welche Situationen kosten besonders viel Kraft? Was hilft beim Erholen? Welche Menschen geben Sicherheit? Welche Umgebung tut dem Kind gut? Und bei welchen Veränderungen wird es schwierig?

Mehr zu unseren Erfahrungen mit diesem Thema findet ihr hier: Hochsensible Kinder im Kindergarten begleiten.

Ist dieses Kind irgendwie auffällig?

Im Leserbrief taucht auch die Frage auf, ob man sich vielleicht Hilfe holen oder beim Kind nach möglichen „Blockaden“ schauen lassen sollte.

Gleichzeitig schreibt die Mama, dass ihr Sohn problemlos bei den Großeltern bleibt. Er bleibt auch bei einem gleichaltrigen Freund und bei vertrauten erwachsenen Freund:innen der Familie. Dort fühlt er sich offenbar wohl und aufgehoben.

Das würde ich bei der Einordnung unbedingt mitnehmen.

Aus Schwierigkeiten mit genau diesem Kindergarten lässt sich keine Sozialphobie und auch keine andere Diagnose ableiten. Ein Kind kann an einem Ort sehr stark nach seiner Mama verlangen und sich an einem anderen Ort entspannt von ihr verabschieden.

Wenn neben der Eingewöhnung weitere Dinge Sorgen machen – etwa starke Ängste, länger anhaltende körperliche Beschwerden oder Belastungen in mehreren Lebensbereichen –, kann eine kinderärztliche oder kinderpsychologische Einschätzung Orientierung geben. Dann wäre für mich wichtig, dass zuerst genau auf das Kind und seine Situation geschaut wird.

Gibt es Kinder, die sich im Kindergarten einfach lange nicht wohlfühlen?

Die Erzieherin sagte wohl, sie kenne kein Kind, das sich bisher nicht eingewöhnen ließ.

Ich kenne solche Kinder durchaus.

Ich war selbst eins.

Ich habe mich erst in meinem letzten Kindergartenjahr wirklich wohlgefühlt, obwohl ich insgesamt drei Jahre dort war. Gerade deshalb finde ich die Vorstellung schwierig, jedes Kind müsse nach einer bestimmten Zeit an einem Kindergarten angekommen sein.

Manchmal verändert ein Personalwechsel alles. Manchmal eine neue Gruppe. Manchmal passt die Einrichtung schlecht zum Kind. Und manchmal braucht ein Kind einfach viel länger, als Erwachsene erwartet haben.

Das erzählt erst einmal etwas über die Beziehung zwischen diesem Kind und dieser Situation. Es erzählt wenig darüber, wie „fähig“ dieses Kind für Kindergarten, Freundschaften oder Gemeinschaft ist.

Und was ist mit der Sozialisation?

Dann kommt die Frage, die bei kindergartenfreien Familien fast immer irgendwann auftaucht: Fehlt einem Kind etwas für seine soziale Entwicklung, wenn es keinen Kindergarten besucht?

Ihr kennt wahrscheinlich schon ungefähr meine Antwort.

Soziale Fähigkeiten entstehen im Zusammenleben mit Menschen. Kinder erleben dabei ganz unterschiedliche Beziehungen: mit Geschwistern, Freund:innen, jüngeren und älteren Kindern, Eltern, Großeltern und anderen Erwachsenen.

Im Video habe ich das etwas flapsig mit meinem Schulenglisch verglichen. Mein Schulenglisch wird kaum besser, wenn ich ausschließlich mit Leuten rede, die genauso unsicher Englisch sprechen wie ich. Natürlich ist soziale Entwicklung viel komplexer als eine Sprache zu lernen. Mir ging es um den Gedanken dahinter: Menschen lernen auch voneinander, gerade weil sie Unterschiedliches können, wissen und erlebt haben.

Ein Kindergarten kann dafür ein guter Ort sein. Er ist eben einer von mehreren möglichen Orten.

Die beiden NICHD-Langzeitstudien, die wir für diesen Beitrag ergänzt haben, beantworten die Frage „Kindergarten oder keine soziale Entwicklung?“ ebenfalls nicht. Sie untersuchen Zusammenhänge zwischen Umfang beziehungsweise Qualität außerfamiliärer Betreuung und späteren Verhaltens- oder Leistungsmaßen in einer US-amerikanischen Stichprobe.

Die NICHD Early Child Care Research Network berichtete 2003, dass mehr Zeit in außerfamiliärer Betreuung bis zum Alter von viereinhalb Jahren mit etwas mehr nach außen gerichteten Verhaltensproblemen und Konflikten mit Erwachsenen zusammenhing. Die Autor:innen beschrieben diese Effekte als eher klein. Die Zusammenhänge mit mütterlicher Feinfühligkeit und sozioökonomischen Merkmalen der Familie waren größer. [3]

Im Follow-up bis zum Alter von 15 Jahren hing eine höhere Betreuungsqualität mit besseren Ergebnissen bei kognitiven und schulischen Tests und mit weniger selbst berichteten Verhaltensproblemen nach außen zusammen. Mehr Betreuungsstunden hingen zugleich mit mehr Risikoverhalten und Impulsivität zusammen. Die Studie beobachtet Zusammenhänge; für eine einzelne Familie liefert sie keine einfache Ursache-Wirkungs-Antwort. [4]

Für diese Familie würde ich deshalb ganz praktisch schauen: Hat der Junge andere Kinder in seinem Leben? Hat er Menschen, bei denen er gerne ist? Erlebt er Freundschaft, Streit, Versöhnung, Rücksichtnahme, gemeinsames Spielen und unterschiedliche Altersgruppen?

Nach dem Leserbrief lautet die Antwort darauf offenbar: ja.

Mehr dazu findet ihr auch in unserem Beitrag Sozialisation ohne Kindergarten: Geht das?.

Aber schafft man das mit einem Baby und einem Vierjährigen zu Hause?

Ich glaube, hinter dem ganzen Leserbrief steckt noch eine zweite große Sorge.

Die Mama ist schwanger. Bald ist da ein Baby. Und natürlich fragt sie sich: Kann ich meinem großen Kind dann überhaupt noch gerecht werden, wenn es auch zu Hause ist?

Das ist eine Frage, die ich eigentlich nur aus meiner eigenen Erfahrung beantworten kann.

Man macht sich vorher Gedanken. Wie soll das gehen? Wie werde ich den größeren Kindern gerecht? Was mache ich, wenn das Baby mich gerade ständig braucht?

Und dann wächst man da irgendwie hinein.

Das Kind lernt. Die Mama lernt. Der Papa lernt auch. Und zwischendurch fühlt man sich wahrscheinlich immer mal wieder im Verein der überforderten Mütter ziemlich gut aufgehoben.

So ist es jedenfalls bei uns gewesen.

Der Papa in dieser Familie ist laut Leserbrief durch seinen Frühdienst ab etwa 14:30 Uhr wieder zu Hause. Dazu gibt es Großeltern, Freund:innen und andere vertraute Menschen. Das sind schon einige Menschen, auf die sich der Alltag verteilen kann.

Vielleicht sieht ein Vormittag mit Baby später auch anders aus, als die Mama es sich heute vorstellt. Vielleicht geht es erst mittags raus. Vielleicht beschäftigt sich der Vierjährige eine Weile mit seinem Spiel. Vielleicht gibt es Tage, an denen es wunderbar läuft. Und wahrscheinlich auch welche, an denen Unterstützung einfach gut tut.

Wie genau sich dieser Alltag anfühlen wird, weiß die Familie heute noch nicht. Das muss sie auch noch nicht wissen.

Was ich am kindergartenfreien Alltag so schön finde

Ich finde kindergartenfrei auch deshalb so schön, weil ich unsere Kinder so nah in ihrer Entwicklung erleben kann.

Da passiert zu Hause so viel, was man gar nicht planen könnte. Die Kinder schauen voneinander ab, probieren Dinge aus, streiten miteinander, vertragen sich wieder und lernen einfach im gemeinsamen Alltag. Und ich finde es schön, das mitzuerleben.

Als Mama lerne ich dabei selbst noch so viel.

Das ist meine Erfahrung mit unserer Familie. Ich erzähle das deshalb auch nicht als Rezept dafür, wie Familien leben müssten. Aber wenn eine Mama überlegt, ihr Kind aus dem Kindergarten zu nehmen, darf neben den Sorgen auch dieser Teil vorkommen: Ein Alltag zu Hause kann sehr reich sein.

Für mich wäre deshalb die spannendste Frage nicht, welche Betreuungsform auf dem Papier die richtige ist.

Sondern: Wie geht es diesem Kind mit seinem Leben?

Welche Möglichkeiten sehe ich für diese Familie?

Ich könnte mir mehrere Wege vorstellen.

Erst einmal eine Pause

Nach anderthalb Jahren darf für mich eine Pause ernsthaft mit auf den Tisch. Gerade wenn der Kindergarten weiterhin sehr viel Kraft kostet und gleichzeitig zu Hause so viel passiert.

Eine Pause entscheidet noch nichts über die nächsten Jahre. Sie beantwortet nur die Frage, was für diese Familie im Moment tragbar ist.

Ein neuer Versuch unter anderen Bedingungen

Vielleicht möchte die Familie den Waldkindergarten trotzdem noch einmal versuchen. Dann würde ich schauen, ob sich diesmal etwas Wesentliches am Rahmen verändert: eine feste Bezugsperson, mehr Beständigkeit, ein klarer Abschied, vielleicht zunächst kürzere Tage.

Dann wäre es tatsächlich ein neuer Versuch.

Mehr Gedanken dazu findet ihr in Die 10 besten Tipps für eine entspannte Eingewöhnung im Kindergarten.

Eine andere Betreuung

Vielleicht fühlt sich eine kleinere Gruppe anders an. Vielleicht Tagespflege. Vielleicht ein anderer Kindergarten. Vielleicht einige feste Stunden bei einem Menschen, den das Kind bereits gut kennt.

Dass der Junge bei Großeltern und Freund:innen entspannt bleiben kann, zeigt ja schon, dass Betreuung ohne Mama für ihn durchaus möglich ist.

Kindergartenfrei mit Unterstützung

Auch das wäre für mich eine echte Möglichkeit. Gerade weil die Familie schon Kontakte und vertraute Menschen um sich herum hat.

An schwierigen Tagen darf Unterstützung dazugehören. Großeltern, Freund:innen, Spielverabredungen oder jemand, der mit dem großen Kind ein paar Stunden unterwegs ist, können viel verändern.

Vielleicht entsteht daraus am Ende ein Alltag, den sich die Mama heute noch gar nicht vorstellen kann.

FAQ: Wenn die Eingewöhnung im Kindergarten nicht gelingt

Gibt es Kinder, die sich sehr lange nicht eingewöhnen?

Ja, es gibt Kinder, die sich an einem bestimmten Kindergarten auch über längere Zeit kaum wohlfühlen. Manchmal verändert ein anderer Zeitpunkt, eine andere Fachkraft, eine andere Gruppe oder eine andere Betreuung die Situation deutlich. Ich selbst habe mich erst in meinem letzten Kindergartenjahr wirklich wohlgefühlt.

Sind anderthalb Jahre Eingewöhnung zu lang?

Ich würde nach so langer Zeit weniger auf eine bestimmte Frist schauen und mehr auf die Entwicklung: Werden Abschiede leichter? Freut sich das Kind auf Menschen dort? Erholt es sich schneller? Fühlt sich der Alltag insgesamt entspannter an?

Wenn über viele Monate kaum Veränderung zu sehen ist, darf auch ein anderer Weg ernsthaft in Betracht kommen.

Ist heimliches Weggehen bei der Eingewöhnung problematisch?

Ich finde einen angekündigten Abschied fairer. Das Kind weiß dann, dass Mama oder Papa geht und später zurückkommt. Tränen können trotzdem dazugehören. Der Ablauf ist für das Kind aber nachvollziehbarer.

Was bedeutet Hochsensibilität bei der Eingewöhnung?

Im Leserbrief bezeichnet die Mama ihren Sohn als hochsensibel. Für die Entscheidung finde ich die Beobachtungen dahinter hilfreicher: Welche Situationen erschöpfen das Kind? Wie lange braucht es zum Erholen? Welche Menschen und Orte tun ihm gut?

Braucht ein Kind Kindergarten für seine sozialen Fähigkeiten?

Soziale Erfahrungen können an vielen Orten stattfinden. Kindergarten kann einer davon sein. Freundschaften, Geschwister, Nachbarschaft, Verwandte, Spielgruppen oder Vereine bieten ebenfalls Beziehungen und gemeinsames Leben.

Die hier zitierten NICHD-Studien untersuchen keine einfache Gegenüberstellung zwischen Kindergarten und kindergartenfreiem Aufwachsen. Sie zeigen Zusammenhänge von Qualität, Umfang und Familienkontext mit verschiedenen späteren Ergebnissen. [3] [4]

Wann kann fachliche Unterstützung hilfreich sein?

Wenn die Sorgen über den Kindergarten hinausreichen – etwa bei starken Ängsten, anhaltenden körperlichen Beschwerden oder Belastungen in mehreren Lebensbereichen –, kann eine kinderärztliche oder kinderpsychologische Einschätzung zusätzliche Orientierung geben.

Weiterlesen auf FreeYourFamily.net

Buchtipps

Hinweis: Wenn ihr über unsere Partnerlinks kauft, unterstützt ihr FreeYourFamily.net, ohne dass ihr mehr bezahlt.

Quellen

[1] Andersson Søe, M., Schad, E., & Psouni, E. (2023). Transition to Preschool: Paving the Way for Preschool Teacher and Family Relationship-Building. Child & Youth Care Forum, 52, 1249–1271. Tragende Stelle: Abstract, Abschnitte Methods, Results und Conclusion. DOI: 10.1007/s10566-023-09735-y

[2] Drugli, M. B., Nystad, K., Lydersen, S., & Brenne, A. S. (2023). Do toddlers‘ levels of cortisol and the perceptions of parents and professional caregivers tell the same story about transition from home to childcare? A mixed method study. Frontiers in Psychology, 14, 1165788. Tragende Stelle: Abstract, Abschnitte Method, Results und Discussion. DOI: 10.3389/fpsyg.2023.1165788

[3] NICHD Early Child Care Research Network. (2003). Does amount of time spent in child care predict socioemotional adjustment during the transition to kindergarten? Child Development, 74(4), 976–1005. Tragende Stelle: Abstract. DOI: 10.1111/1467-8624.00582

[4] Vandell, D. L., Belsky, J., Burchinal, M., Steinberg, L., Vandergrift, N., & NICHD Early Child Care Research Network. (2010). Do effects of early child care extend to age 15 years? Results from the NICHD Study of Early Child Care and Youth Development. Child Development, 81(3), 737–756. Tragende Stelle: Abstract. DOI: 10.1111/j.1467-8624.2010.01431.x

CC BY-SA 4.0 Kindergartenfrei: Wenn die Eingewöhnung nicht gelingt von FreeYourFamily ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.